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Mährisches Tagblatt. Nr. 20, Olmütz, 26.01.1891.

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[Spaltenumbruch]

Heimath liebte er aufrichtig und freute sich, wenn
er zu ihrem Gedeihen beitragen konnte. Er gehörte
viele Jahre hindurch zu den treuen Mitarbeitern
unseres Blattes, sowie des früher hier erschienenen
deutschen Volksblattes.

(Todesfall.)

In Brünn verschied vorgestern
der dortige Kaufmann, Herr N. Ryschawi,
der Schwiegervater des hiesigen Gerichts-Adjunc-
ten, Hernn Dr. Feigel.

(Ein seltenes Fest.)

Am 1. Februar l. J.
feiert Herr Franz Weiß mit seiner Frau
Amalie in der pröbst. Pfarrkirche zu St.
Mauritius in Olmütz die goldene Hochzeit. Am
1. Februar 1841 wurden beide von dem dama-
ligen Dechant Paul Heger in der Pfarrkirche zu
Maria Himmelfahrt in Neutitschein getraut und
jetzt nach fünfzig Jahren schließen beide das
zweitemal den Bund fürs Leben. Der Jubilar,
der Schwiegervater unseres allbekannten Kunst-
schlossers, des Herrn Lefenda, ist ein geborener
Neutitscheiner und zählt gegenwärtig 72, seine
Frau 68 Jahre. Beide erfreuen sich der voll-
sten körperlichen und geistigen Frische. -- Möge
es ihnen gegönnt sein, noch viele Jahre in bester
Gesundheit im Kreise ihrer zahlreichen Verwand-
ten und Freunde in unseren Mauern zu verleben!

(Vom Männergesangverein.)

Wir wer-
den ersucht, zu veröffentlichen, daß die Vereins-
proben von morgen Dienstag den 27. ab,
wieder aufgenommen werden. Die P. T. aus-
übenden Mitglieder werden um vollzähliges
Erscheinen ersucht.

(Die Kohlennoth.)

Die Besorgniß vor
einer großen Kohlennoth hat wohl mit dem
gestrigen Tage bei uns ihr Ende erreicht. Das
eingetretene Thauwetter läßt erwarten, daß die
Verkehrsschwierigkeiten der Bahnen rasch beseitigt
sein, und die Zufuhren ohne weiteres Hemaiß
werden erfolgen können. Unsere Fabriksetablisse-
ments waren ohnehin bestens mit Kohle versorgt.
Schwieriger scheint die Lage in Brünn gewesen zu
sein. An die löbl. Handels- und Gewerbekammer
in Olmütz ist von der Ferdinands-Norbahn noch
Samstag Abends folgendes Telegramm gelangt:
"Unsere Mittheilung vom 20. d. M., daß
zwischen Ostrau und Prerau ebenso in der
Station Ostrau selbst Kohle für Olmütz nicht
zurückgehalten worden ist, halten wir aufrecht.
Seitens der Kaiser Ferdinands-Nordbahn ist
bisher Alles aufgeboten worden um selbst unter
den obwaltenden äußerst schwierigen Verkehrs-
verhältnissen der Kohlennoth, welche durch die
ganz außergewöhnlichen Elementarereignisse her-
beigeführt wurde, soweit als möglich abzuhelfen.
Laut Bericht unseres Betriebs-Inspectorates in
Ostrau sind in den letzten 24 Stunden 75
Waggon Kohle für und über Olmütz von Ostrau
abgesendet worden, darunter 19 Waggon für
loco Olmütz. 12 Waggon für loco Olmütz wer-
den im Laufe des Tages abgesendet. Leere Wagen
[Spaltenumbruch] werden den Gruben nach Thunlichkeit beigestellt.
Daß nicht alle zur Verfügung stehenden
leeren Wagen an die Gruben geschoben werden
können, daran ist die neuerliche erfolgte Schnee-
verwehung schuldtragend, an deren Beseitigung
in Ostrau allein bei 1000 Menschen thätig sind.
Die Handelskammer verdient für ihre erfolgreiche
Intervention den vollen Dank der Bevölkerung.

Der "N. Fr. Pr." entnehmen wir nach-
stehende derselben zugegangene Erklärung: "Nach
den im Publicum circulirenden Nachrichten ist
der Kohlenverkehr auf der Hauptlinie der Nord-
bahn nicht unterbrochen und besteht auch kein
Mangel an Waggons zur Beförderung der
Kohle. Dem entgegen sehen wir uns veranlaßt,
die Kohlenconsumenten von den thatsächlichen
Verhältnissen zu unterrichten und denselben die
Mittheilung zu machen, daß der Kohlenverkehr
zwar nicht unterbrochen ist, die Gewerkschaften
des Ostrau-Karwiner Reviers hingegen seit dem
8. Januar nur mit einem ganz geringen Theile
des Bedarfes an Kohlenwaggons seitens der
Nordbahn gedeckt werden, so daß auch den ge-
ringsten Anforderungen der Consumenten unmög-
lich entsprochen werden kann. Für die Gewerk-
schaften des Ostrau-Karwiner Reviers exclusive
Nordbahn): M. Wanjek."

(Der Zonentarif der Nordbahn.)

Die
Ferdinands-Nordbahn hat dem Handelsministerium
eine Eingabe unterbreitet, worin sie sich bereit
erklärt, auch auf den Localbahnen eine Ermäßi-
gung der Grundtaxe im Personenverkehr unter
Einführung der Zoneneintheilung und bei Auf-
hebung des Gepäcksfreigewichtes eintreten zu lassen.

(Feuer im Schießstattsaale.)

Bei dem
Balle der Baubeamten, welcher Samstag im
Schießstattsaale abgehalten wurde, hängte ein
Officier seine Kappe an den Zapfen einer an
der Wand des Speisesaales angebrachten Petro-
leumlampe auf. Kaum war dies geschehen, als
die Lampe, die ohnehin locker gewesen sein mußte,
herunterfiel, explodirte und ihren brennenden
Inhalt derart verspritzte, daß der Fenstervorhang
sofort Feuer fing und bis zur Decke lichterloh
brannte und die Kleider eines Ballbesuchers aus
Prerau ebenfalls zu brennen anfingen. Herr
Jungmann und Herr Baumeister Mader er-
faßten Letzteren sogleich, rissen ihn zu Boden und
erstickten mit den Handen die Flammen, so daß
der Mann mit leichten Verletzungen davonkam.
Glücklicherweise fiel kein Tropfen des brennenden
Oels auf 2 in Mullkleidern daneben sitzende
Damen, die mit anderen rasch aus dem Speise-
saale flüchteten. Das Feuer wurde rasch erstickt,
und die Tanzenden im gegenüberliegenden Saale
ließen sich in ihrem Bergnügen nicht weiter
stören.

(Brünner Musikverein.)

Für das
nächste Concert des Brünner Musikvereines ist
die Aufführung von Haydn's "Die vier Jahres-
[Spaltenumbruch] zeiten" in Aussicht genommen, die der hiesige
Musikverein im Vorjahre und der Männerge-
sangverein im heurigen Jahre bereits aufführte.
Die Dresner Hofopern- und Kammersängerin
Frau Schuch Proska und der Wiener Hofopern-
sänger Herr von Reichenberg werden die Solo-
partien (Sopran und Baß) zur Ausführung
bringen. Für den Tenorpart ist der in Brünn
engagirte Sänger Herr Dr. Walter gewonnen
worden.

(Volksbibliothek in Zwittau.)

Einem
uns gütigst zur Einsichtnahme zur Verfügung
gestellten Briefe aus Zwittau entnehmen wir
Folgendes: "Schon seit geraumer Zeit plante
Ottendorfer einem nothwendigen Bedürfnisse un-
serer deutschen Stadt dahin abzuhelfen, daß er
das Project faßte, ein Gebäude zum Zwecke der
Errichtung einer Volks-Bibliothek zu erbauen und
schrieb sofort dessenwegen an die hiesige Gemeinde-
vertretung, dieselbe möge einen passenden Platz
hiefür in Vorschlag bringen, eventuell ankaufen.
Die Gemeindevertretung glaubte vollkommen in
den Intentionen des hochherzigen Wohlthäters
zu handeln, wenn sie zu diesem Behufe das Ge-
burtshaus Ottendorfers, welches vis a vis des
Pfeiffer'-schen Gasthauses gelegen ist, käuflich um
den Betrag von 16.000 fl. an sich brachte und
Ottendorfer hievon in Kenntniß setzte, welcher
damit vollkommen zufrieden sich erklärte und auch
sogleich den Kaufschillingsbetrag
der Gemeinde anweisen ließ.
Es
wird nun das jetzt bestehende Haus im Früh-
jahre demolirt und an Stelle dessen ein zur
Zierde unserer Stadt gereichendes -- stylvolles
Gebäude aufgeführt werden, welche sämmtliche
Kosten selbstredend Herr Ottendorfer trägt. Die
Höhe des Betrages, welchen Ottendorfer als
Stammcapital anlegen wird zur Bestreitung eines
Custos etc. ist noch nicht bekannt." Die Stadt
Zwittau darf jedenfalls auf Ottendorfer, der so
seine Heimath ehrt, stolz sein.

(Firma-Protokollirung.)

Bei dem k. k.
Kreis- als Handelsgerichte in Olmütz wurde in
das Handelsregister eingetragen: Am 16. Jänner
1891: Die Löschung der Einzelnfirma: J. Eißler,
des Isaak Eißler, zum Betriebe der Gemischt-
waarenhandlung in Nakl.

(Ein Wegaustreter wird gesncht.)

In
dem Anzeigertheile der letzten Nummer des
"Kremser Wochenblattes" findet sich folgende
merkwürdige Ankündigung: "Große Schneever-
wehung in Krems. Infolge der mangelhaften
Schneeauspflügung wird ein rüstiger Wegaus-
treter mit großen Füßen gesucht, der von 5 bis
7 Uhr Früh in Krems dieses Geschäft auf den
gangbarsten Fußwegen besorgt. Näheres im
städtischen Bauamt Krems."

(Für die arme Familie.)

Für den erblin-
deten Friseur sind bei der Administration dieses
Blattes weiteres eingegangen: Von Herrn A.




[Spaltenumbruch]
Der Kathsherr von Olmütz.
Erzählung ans dem 17. Jahrhundert.)

(19.)

Die übrigen Männer, Rathsherrn, Aelteste,
und Zunftmeister, Ringherren und Handwerker
standen, bewaffnet und im Werkstagsgewande
wie sie von den Schanzen kamen, mitten im
Raume und harrten der Dinge. Es mochten im
Ganzen etwa achtzig Personen sein, welche von
den Vertheidigungswerken der Festung herbeige-
eilt waren. Bis in die Rathsstube hörte man
den Donner der Geschütze, doch war die Halle
sicher vor den schwedischen Geschossen, welche
nicht bis ins Herz der Stadt reichten.

Als sich der Saal bis zur Hälfte gefüllt
hatte, erhob sich der Bürgermeister und richtete
an die Versammlung eine kurze Ansprache, in
welcher er von dem Stande der Dinge Mitthei-
lung machte. Der Festungscommandant habe erst
heute alle Werke besichtigt und die Ueberzeugung
gewonnen, daß eine weitere Vertheidigung der
Stadt unmöglich sei, wenn es auch den Anschein
habe, als stehe noch alles gut. Nachdem die
Commandanten am Blasi- und am Mitterthore
erklärt haben, daß sie unmöglich weiter zu
kämpfen in der Lage seien, müsse er es den
Bürgern anheimstellen, darüber zu entscheiden,
was geschehen solle. Noch wisse der Schwede
[Spaltenumbruch] nicht, wie stark oder wie schwach die Festung
sei und wenn man sofort einen Accord anstrebe,
werde der Feind billigere Bedingungen machen,
als wenn man zuwarte und die Schwäche der
Vertheidigung offenbare.

"Spart die Worte," rief Zirkendorf dem
Sprecher zu. "Nichtswürdig ist der Antrag und
feige muß ich den Commandanten nennen, der
seine Soldaten in den Wachstuben verbirgt und
die Bürger auf die Wälle schickt. Noch jetzt
liegen 500 kaiserliche Soldaten in der Festung
und weder Ihr Bürgermeister, noch auch Ihr
Herr kaiserlicher Richter wißt etwas davon;
denn wüßtet Ihr's, so hättet Ihr wohl nicht
zugegeben, daß gebrechliche alte Bürger die Mus-
keten abbrennen, während junge, kräftige Kriegs-
knechte ein faules Leben in den Wachstuben
führen."

Der Ausfall Zirkendorfs, welcher inmitten sei-
ner Kampfgenossen stehen geblieben war, brachte die
Herren am Rathstische in arge Verlegenheit und
Miniatti, welcher die Worte des Rathsherrn
nicht ganz verstanden hatte, verlangte eindringlich
eine nähere Auskunft vom Bürgermeister, welchem
die Beschuldigung Zirkendorfs unglaublich vor-
kam. Der Kaiserrichter sprang in lebhafter Erre-
gung von seinem Stuhle auf und erbat sich das
Wort:

"Wohlweise Rathsherren, ehrsame Meister
und Bürger, liebe Nachbarn! Zaghaft und voll
Furcht habe ich mit Eurem Oberhaupte diese
Halle betreten, denn gar traurig lautete die
[Spaltenumbruch] Botschaft, die uns Sr. Majestät General-
kriegswachtmeister Miniatti vor wenigen Mi-
nuten eben verkündete. Aus Eurer Mitte
selbst sei die Bitte gekommen, die Waffen nieder
zulegen und unmöglich sei es ferner Widerstand
zu leisten, weil es an Mannschaften und Ver-
theidigungsmitteln gebreche. Da weckt nun Euer
Wort, Rathsherr Zirkendorf, neue Hoffnung im
Herzen. Sagt denn! Ist es wahr, was Ihr
sprecht. Darf man's glauben?"

"Fragt nur den Festungscommandanten,
Kaiserrichter. Ich behaupte, daß noch fünfhun-
dert Mann Fußtruppen in der Festung sind,
noch heute in dieser Stunde und zeihe den Com-
mandanten des Verrathes, denn dreihundert
Reiter hat Miniatti zur Stunde, da die Schwe-
den bereits vom heiligen Kreuz im Anmarsch
waren, als Bedeckungsmannschaft mit einem
Transport von flüchtigen Leuten aus der Festung
entlassen. Auf ihn möge alle Verantwortung
fallen.

Es ist wahr, daß die Bürgerschaft heute vom
viertägigem Kampfe ermattet ist und dringend
der Ablösung bedarf. Aber warum hat Miniatti
seine Soldaten gleichsam verborgen und ver-
läugnet. Warum gab er vor, nur 400 Mann
zu haben, während er hunderte Reiter von den
Regimentern Wachtenstein und Hanau allein und
große Abtheilungen polnischer Völker aus der
Stadt fortgeschickt hat. Warum hat er die schwe-
dischen Spione aus der Stadt frank und frei
entlassen, nachdem sie selbst die Erklärung ab-


[Spaltenumbruch]

Heimath liebte er aufrichtig und freute ſich, wenn
er zu ihrem Gedeihen beitragen konnte. Er gehörte
viele Jahre hindurch zu den treuen Mitarbeitern
unſeres Blattes, ſowie des früher hier erſchienenen
deutſchen Volksblattes.

(Todesfall.)

In Brünn verſchied vorgeſtern
der dortige Kaufmann, Herr N. Ryſchawi,
der Schwiegervater des hieſigen Gerichts-Adjunc-
ten, Hernn Dr. Feigel.

(Ein ſeltenes Feſt.)

Am 1. Februar l. J.
feiert Herr Franz Weiß mit ſeiner Frau
Amalie in der pröbſt. Pfarrkirche zu St.
Mauritius in Olmütz die goldene Hochzeit. Am
1. Februar 1841 wurden beide von dem dama-
ligen Dechant Paul Heger in der Pfarrkirche zu
Maria Himmelfahrt in Neutitſchein getraut und
jetzt nach fünfzig Jahren ſchließen beide das
zweitemal den Bund fürs Leben. Der Jubilar,
der Schwiegervater unſeres allbekannten Kunſt-
ſchloſſers, des Herrn Lefenda, iſt ein geborener
Neutitſcheiner und zählt gegenwärtig 72, ſeine
Frau 68 Jahre. Beide erfreuen ſich der voll-
ſten körperlichen und geiſtigen Friſche. — Möge
es ihnen gegönnt ſein, noch viele Jahre in beſter
Geſundheit im Kreiſe ihrer zahlreichen Verwand-
ten und Freunde in unſeren Mauern zu verleben!

(Vom Männergeſangverein.)

Wir wer-
den erſucht, zu veröffentlichen, daß die Vereins-
proben von morgen Dienſtag den 27. ab,
wieder aufgenommen werden. Die P. T. aus-
übenden Mitglieder werden um vollzähliges
Erſcheinen erſucht.

(Die Kohlennoth.)

Die Beſorgniß vor
einer großen Kohlennoth hat wohl mit dem
geſtrigen Tage bei uns ihr Ende erreicht. Das
eingetretene Thauwetter läßt erwarten, daß die
Verkehrsſchwierigkeiten der Bahnen raſch beſeitigt
ſein, und die Zufuhren ohne weiteres Hemaiß
werden erfolgen können. Unſere Fabriksetabliſſe-
ments waren ohnehin beſtens mit Kohle verſorgt.
Schwieriger ſcheint die Lage in Brünn geweſen zu
ſein. An die löbl. Handels- und Gewerbekammer
in Olmütz iſt von der Ferdinands-Norbahn noch
Samſtag Abends folgendes Telegramm gelangt:
„Unſere Mittheilung vom 20. d. M., daß
zwiſchen Oſtrau und Prerau ebenſo in der
Station Oſtrau ſelbſt Kohle für Olmütz nicht
zurückgehalten worden iſt, halten wir aufrecht.
Seitens der Kaiſer Ferdinands-Nordbahn iſt
bisher Alles aufgeboten worden um ſelbſt unter
den obwaltenden äußerſt ſchwierigen Verkehrs-
verhältniſſen der Kohlennoth, welche durch die
ganz außergewöhnlichen Elementarereigniſſe her-
beigeführt wurde, ſoweit als möglich abzuhelfen.
Laut Bericht unſeres Betriebs-Inſpectorates in
Oſtrau ſind in den letzten 24 Stunden 75
Waggon Kohle für und über Olmütz von Oſtrau
abgeſendet worden, darunter 19 Waggon für
loco Olmütz. 12 Waggon für loco Olmütz wer-
den im Laufe des Tages abgeſendet. Leere Wagen
[Spaltenumbruch] werden den Gruben nach Thunlichkeit beigeſtellt.
Daß nicht alle zur Verfügung ſtehenden
leeren Wagen an die Gruben geſchoben werden
können, daran iſt die neuerliche erfolgte Schnee-
verwehung ſchuldtragend, an deren Beſeitigung
in Oſtrau allein bei 1000 Menſchen thätig ſind.
Die Handelskammer verdient für ihre erfolgreiche
Intervention den vollen Dank der Bevölkerung.

Der „N. Fr. Pr.“ entnehmen wir nach-
ſtehende derſelben zugegangene Erklärung: „Nach
den im Publicum circulirenden Nachrichten iſt
der Kohlenverkehr auf der Hauptlinie der Nord-
bahn nicht unterbrochen und beſteht auch kein
Mangel an Waggons zur Beförderung der
Kohle. Dem entgegen ſehen wir uns veranlaßt,
die Kohlenconſumenten von den thatſächlichen
Verhältniſſen zu unterrichten und denſelben die
Mittheilung zu machen, daß der Kohlenverkehr
zwar nicht unterbrochen iſt, die Gewerkſchaften
des Oſtrau-Karwiner Reviers hingegen ſeit dem
8. Januar nur mit einem ganz geringen Theile
des Bedarfes an Kohlenwaggons ſeitens der
Nordbahn gedeckt werden, ſo daß auch den ge-
ringſten Anforderungen der Conſumenten unmög-
lich entſprochen werden kann. Für die Gewerk-
ſchaften des Oſtrau-Karwiner Reviers excluſive
Nordbahn): M. Wanjek.“

(Der Zonentarif der Nordbahn.)

Die
Ferdinands-Nordbahn hat dem Handelsminiſterium
eine Eingabe unterbreitet, worin ſie ſich bereit
erklärt, auch auf den Localbahnen eine Ermäßi-
gung der Grundtaxe im Perſonenverkehr unter
Einführung der Zoneneintheilung und bei Auf-
hebung des Gepäcksfreigewichtes eintreten zu laſſen.

(Feuer im Schießſtattſaale.)

Bei dem
Balle der Baubeamten, welcher Samſtag im
Schießſtattſaale abgehalten wurde, hängte ein
Officier ſeine Kappe an den Zapfen einer an
der Wand des Speiſeſaales angebrachten Petro-
leumlampe auf. Kaum war dies geſchehen, als
die Lampe, die ohnehin locker geweſen ſein mußte,
herunterfiel, explodirte und ihren brennenden
Inhalt derart verſpritzte, daß der Fenſtervorhang
ſofort Feuer fing und bis zur Decke lichterloh
brannte und die Kleider eines Ballbeſuchers aus
Prerau ebenfalls zu brennen anfingen. Herr
Jungmann und Herr Baumeiſter Mader er-
faßten Letzteren ſogleich, riſſen ihn zu Boden und
erſtickten mit den Handen die Flammen, ſo daß
der Mann mit leichten Verletzungen davonkam.
Glücklicherweiſe fiel kein Tropfen des brennenden
Oels auf 2 in Mullkleidern daneben ſitzende
Damen, die mit anderen raſch aus dem Speiſe-
ſaale flüchteten. Das Feuer wurde raſch erſtickt,
und die Tanzenden im gegenüberliegenden Saale
ließen ſich in ihrem Bergnügen nicht weiter
ſtören.

(Brünner Muſikverein.)

Für das
nächſte Concert des Brünner Muſikvereines iſt
die Aufführung von Haydn’s „Die vier Jahres-
[Spaltenumbruch] zeiten“ in Ausſicht genommen, die der hieſige
Muſikverein im Vorjahre und der Männerge-
ſangverein im heurigen Jahre bereits aufführte.
Die Dresner Hofopern- und Kammerſängerin
Frau Schuch Proska und der Wiener Hofopern-
ſänger Herr von Reichenberg werden die Solo-
partien (Sopran und Baß) zur Ausführung
bringen. Für den Tenorpart iſt der in Brünn
engagirte Sänger Herr Dr. Walter gewonnen
worden.

(Volksbibliothek in Zwittau.)

Einem
uns gütigſt zur Einſichtnahme zur Verfügung
geſtellten Briefe aus Zwittau entnehmen wir
Folgendes: „Schon ſeit geraumer Zeit plante
Ottendorfer einem nothwendigen Bedürfniſſe un-
ſerer deutſchen Stadt dahin abzuhelfen, daß er
das Project faßte, ein Gebäude zum Zwecke der
Errichtung einer Volks-Bibliothek zu erbauen und
ſchrieb ſofort deſſenwegen an die hieſige Gemeinde-
vertretung, dieſelbe möge einen paſſenden Platz
hiefür in Vorſchlag bringen, eventuell ankaufen.
Die Gemeindevertretung glaubte vollkommen in
den Intentionen des hochherzigen Wohlthäters
zu handeln, wenn ſie zu dieſem Behufe das Ge-
burtshaus Ottendorfers, welches vis a vis des
Pfeiffer’-ſchen Gaſthauſes gelegen iſt, käuflich um
den Betrag von 16.000 fl. an ſich brachte und
Ottendorfer hievon in Kenntniß ſetzte, welcher
damit vollkommen zufrieden ſich erklärte und auch
ſogleich den Kaufſchillingsbetrag
der Gemeinde anweiſen ließ.
Es
wird nun das jetzt beſtehende Haus im Früh-
jahre demolirt und an Stelle deſſen ein zur
Zierde unſerer Stadt gereichendes — ſtylvolles
Gebäude aufgeführt werden, welche ſämmtliche
Koſten ſelbſtredend Herr Ottendorfer trägt. Die
Höhe des Betrages, welchen Ottendorfer als
Stammcapital anlegen wird zur Beſtreitung eines
Cuſtos etc. iſt noch nicht bekannt.“ Die Stadt
Zwittau darf jedenfalls auf Ottendorfer, der ſo
ſeine Heimath ehrt, ſtolz ſein.

(Firma-Protokollirung.)

Bei dem k. k.
Kreis- als Handelsgerichte in Olmütz wurde in
das Handelsregiſter eingetragen: Am 16. Jänner
1891: Die Löſchung der Einzelnfirma: J. Eißler,
des Iſaak Eißler, zum Betriebe der Gemiſcht-
waarenhandlung in Nakl.

(Ein Wegaustreter wird geſncht.)

In
dem Anzeigertheile der letzten Nummer des
„Kremſer Wochenblattes“ findet ſich folgende
merkwürdige Ankündigung: „Große Schneever-
wehung in Krems. Infolge der mangelhaften
Schneeauspflügung wird ein rüſtiger Wegaus-
treter mit großen Füßen geſucht, der von 5 bis
7 Uhr Früh in Krems dieſes Geſchäft auf den
gangbarſten Fußwegen beſorgt. Näheres im
ſtädtiſchen Bauamt Krems.“

(Für die arme Familie.)

Für den erblin-
deten Friſeur ſind bei der Adminiſtration dieſes
Blattes weiteres eingegangen: Von Herrn A.




[Spaltenumbruch]
Der Kathsherr von Olmütz.
Erzählung ans dem 17. Jahrhundert.)

(19.)

Die übrigen Männer, Rathsherrn, Aelteſte,
und Zunftmeiſter, Ringherren und Handwerker
ſtanden, bewaffnet und im Werkstagsgewande
wie ſie von den Schanzen kamen, mitten im
Raume und harrten der Dinge. Es mochten im
Ganzen etwa achtzig Perſonen ſein, welche von
den Vertheidigungswerken der Feſtung herbeige-
eilt waren. Bis in die Rathsſtube hörte man
den Donner der Geſchütze, doch war die Halle
ſicher vor den ſchwediſchen Geſchoſſen, welche
nicht bis ins Herz der Stadt reichten.

Als ſich der Saal bis zur Hälfte gefüllt
hatte, erhob ſich der Bürgermeiſter und richtete
an die Verſammlung eine kurze Anſprache, in
welcher er von dem Stande der Dinge Mitthei-
lung machte. Der Feſtungscommandant habe erſt
heute alle Werke beſichtigt und die Ueberzeugung
gewonnen, daß eine weitere Vertheidigung der
Stadt unmöglich ſei, wenn es auch den Anſchein
habe, als ſtehe noch alles gut. Nachdem die
Commandanten am Blaſi- und am Mitterthore
erklärt haben, daß ſie unmöglich weiter zu
kämpfen in der Lage ſeien, müſſe er es den
Bürgern anheimſtellen, darüber zu entſcheiden,
was geſchehen ſolle. Noch wiſſe der Schwede
[Spaltenumbruch] nicht, wie ſtark oder wie ſchwach die Feſtung
ſei und wenn man ſofort einen Accord anſtrebe,
werde der Feind billigere Bedingungen machen,
als wenn man zuwarte und die Schwäche der
Vertheidigung offenbare.

„Spart die Worte,“ rief Zirkendorf dem
Sprecher zu. „Nichtswürdig iſt der Antrag und
feige muß ich den Commandanten nennen, der
ſeine Soldaten in den Wachſtuben verbirgt und
die Bürger auf die Wälle ſchickt. Noch jetzt
liegen 500 kaiſerliche Soldaten in der Feſtung
und weder Ihr Bürgermeiſter, noch auch Ihr
Herr kaiſerlicher Richter wißt etwas davon;
denn wüßtet Ihr’s, ſo hättet Ihr wohl nicht
zugegeben, daß gebrechliche alte Bürger die Mus-
keten abbrennen, während junge, kräftige Kriegs-
knechte ein faules Leben in den Wachſtuben
führen.“

Der Ausfall Zirkendorfs, welcher inmitten ſei-
ner Kampfgenoſſen ſtehen geblieben war, brachte die
Herren am Rathstiſche in arge Verlegenheit und
Miniatti, welcher die Worte des Rathsherrn
nicht ganz verſtanden hatte, verlangte eindringlich
eine nähere Auskunft vom Bürgermeiſter, welchem
die Beſchuldigung Zirkendorfs unglaublich vor-
kam. Der Kaiſerrichter ſprang in lebhafter Erre-
gung von ſeinem Stuhle auf und erbat ſich das
Wort:

„Wohlweiſe Rathsherren, ehrſame Meiſter
und Bürger, liebe Nachbarn! Zaghaft und voll
Furcht habe ich mit Eurem Oberhaupte dieſe
Halle betreten, denn gar traurig lautete die
[Spaltenumbruch] Botſchaft, die uns Sr. Majeſtät General-
kriegswachtmeiſter Miniatti vor wenigen Mi-
nuten eben verkündete. Aus Eurer Mitte
ſelbſt ſei die Bitte gekommen, die Waffen nieder
zulegen und unmöglich ſei es ferner Widerſtand
zu leiſten, weil es an Mannſchaften und Ver-
theidigungsmitteln gebreche. Da weckt nun Euer
Wort, Rathsherr Zirkendorf, neue Hoffnung im
Herzen. Sagt denn! Iſt es wahr, was Ihr
ſprecht. Darf man’s glauben?“

„Fragt nur den Feſtungscommandanten,
Kaiſerrichter. Ich behaupte, daß noch fünfhun-
dert Mann Fußtruppen in der Feſtung ſind,
noch heute in dieſer Stunde und zeihe den Com-
mandanten des Verrathes, denn dreihundert
Reiter hat Miniatti zur Stunde, da die Schwe-
den bereits vom heiligen Kreuz im Anmarſch
waren, als Bedeckungsmannſchaft mit einem
Transport von flüchtigen Leuten aus der Feſtung
entlaſſen. Auf ihn möge alle Verantwortung
fallen.

Es iſt wahr, daß die Bürgerſchaft heute vom
viertägigem Kampfe ermattet iſt und dringend
der Ablöſung bedarf. Aber warum hat Miniatti
ſeine Soldaten gleichſam verborgen und ver-
läugnet. Warum gab er vor, nur 400 Mann
zu haben, während er hunderte Reiter von den
Regimentern Wachtenſtein und Hanau allein und
große Abtheilungen polniſcher Völker aus der
Stadt fortgeſchickt hat. Warum hat er die ſchwe-
diſchen Spione aus der Stadt frank und frei
entlaſſen, nachdem ſie ſelbſt die Erklärung ab-


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[[6]/0006] Heimath liebte er aufrichtig und freute ſich, wenn er zu ihrem Gedeihen beitragen konnte. Er gehörte viele Jahre hindurch zu den treuen Mitarbeitern unſeres Blattes, ſowie des früher hier erſchienenen deutſchen Volksblattes. (Todesfall.) In Brünn verſchied vorgeſtern der dortige Kaufmann, Herr N. Ryſchawi, der Schwiegervater des hieſigen Gerichts-Adjunc- ten, Hernn Dr. Feigel. (Ein ſeltenes Feſt.) Am 1. Februar l. J. feiert Herr Franz Weiß mit ſeiner Frau Amalie in der pröbſt. Pfarrkirche zu St. Mauritius in Olmütz die goldene Hochzeit. Am 1. Februar 1841 wurden beide von dem dama- ligen Dechant Paul Heger in der Pfarrkirche zu Maria Himmelfahrt in Neutitſchein getraut und jetzt nach fünfzig Jahren ſchließen beide das zweitemal den Bund fürs Leben. Der Jubilar, der Schwiegervater unſeres allbekannten Kunſt- ſchloſſers, des Herrn Lefenda, iſt ein geborener Neutitſcheiner und zählt gegenwärtig 72, ſeine Frau 68 Jahre. Beide erfreuen ſich der voll- ſten körperlichen und geiſtigen Friſche. — Möge es ihnen gegönnt ſein, noch viele Jahre in beſter Geſundheit im Kreiſe ihrer zahlreichen Verwand- ten und Freunde in unſeren Mauern zu verleben! (Vom Männergeſangverein.) Wir wer- den erſucht, zu veröffentlichen, daß die Vereins- proben von morgen Dienſtag den 27. ab, wieder aufgenommen werden. Die P. T. aus- übenden Mitglieder werden um vollzähliges Erſcheinen erſucht. (Die Kohlennoth.) Die Beſorgniß vor einer großen Kohlennoth hat wohl mit dem geſtrigen Tage bei uns ihr Ende erreicht. Das eingetretene Thauwetter läßt erwarten, daß die Verkehrsſchwierigkeiten der Bahnen raſch beſeitigt ſein, und die Zufuhren ohne weiteres Hemaiß werden erfolgen können. Unſere Fabriksetabliſſe- ments waren ohnehin beſtens mit Kohle verſorgt. Schwieriger ſcheint die Lage in Brünn geweſen zu ſein. An die löbl. Handels- und Gewerbekammer in Olmütz iſt von der Ferdinands-Norbahn noch Samſtag Abends folgendes Telegramm gelangt: „Unſere Mittheilung vom 20. d. M., daß zwiſchen Oſtrau und Prerau ebenſo in der Station Oſtrau ſelbſt Kohle für Olmütz nicht zurückgehalten worden iſt, halten wir aufrecht. Seitens der Kaiſer Ferdinands-Nordbahn iſt bisher Alles aufgeboten worden um ſelbſt unter den obwaltenden äußerſt ſchwierigen Verkehrs- verhältniſſen der Kohlennoth, welche durch die ganz außergewöhnlichen Elementarereigniſſe her- beigeführt wurde, ſoweit als möglich abzuhelfen. Laut Bericht unſeres Betriebs-Inſpectorates in Oſtrau ſind in den letzten 24 Stunden 75 Waggon Kohle für und über Olmütz von Oſtrau abgeſendet worden, darunter 19 Waggon für loco Olmütz. 12 Waggon für loco Olmütz wer- den im Laufe des Tages abgeſendet. Leere Wagen werden den Gruben nach Thunlichkeit beigeſtellt. Daß nicht alle zur Verfügung ſtehenden leeren Wagen an die Gruben geſchoben werden können, daran iſt die neuerliche erfolgte Schnee- verwehung ſchuldtragend, an deren Beſeitigung in Oſtrau allein bei 1000 Menſchen thätig ſind. Die Handelskammer verdient für ihre erfolgreiche Intervention den vollen Dank der Bevölkerung. Der „N. Fr. Pr.“ entnehmen wir nach- ſtehende derſelben zugegangene Erklärung: „Nach den im Publicum circulirenden Nachrichten iſt der Kohlenverkehr auf der Hauptlinie der Nord- bahn nicht unterbrochen und beſteht auch kein Mangel an Waggons zur Beförderung der Kohle. Dem entgegen ſehen wir uns veranlaßt, die Kohlenconſumenten von den thatſächlichen Verhältniſſen zu unterrichten und denſelben die Mittheilung zu machen, daß der Kohlenverkehr zwar nicht unterbrochen iſt, die Gewerkſchaften des Oſtrau-Karwiner Reviers hingegen ſeit dem 8. Januar nur mit einem ganz geringen Theile des Bedarfes an Kohlenwaggons ſeitens der Nordbahn gedeckt werden, ſo daß auch den ge- ringſten Anforderungen der Conſumenten unmög- lich entſprochen werden kann. Für die Gewerk- ſchaften des Oſtrau-Karwiner Reviers excluſive Nordbahn): M. Wanjek.“ (Der Zonentarif der Nordbahn.) Die Ferdinands-Nordbahn hat dem Handelsminiſterium eine Eingabe unterbreitet, worin ſie ſich bereit erklärt, auch auf den Localbahnen eine Ermäßi- gung der Grundtaxe im Perſonenverkehr unter Einführung der Zoneneintheilung und bei Auf- hebung des Gepäcksfreigewichtes eintreten zu laſſen. (Feuer im Schießſtattſaale.) Bei dem Balle der Baubeamten, welcher Samſtag im Schießſtattſaale abgehalten wurde, hängte ein Officier ſeine Kappe an den Zapfen einer an der Wand des Speiſeſaales angebrachten Petro- leumlampe auf. Kaum war dies geſchehen, als die Lampe, die ohnehin locker geweſen ſein mußte, herunterfiel, explodirte und ihren brennenden Inhalt derart verſpritzte, daß der Fenſtervorhang ſofort Feuer fing und bis zur Decke lichterloh brannte und die Kleider eines Ballbeſuchers aus Prerau ebenfalls zu brennen anfingen. Herr Jungmann und Herr Baumeiſter Mader er- faßten Letzteren ſogleich, riſſen ihn zu Boden und erſtickten mit den Handen die Flammen, ſo daß der Mann mit leichten Verletzungen davonkam. Glücklicherweiſe fiel kein Tropfen des brennenden Oels auf 2 in Mullkleidern daneben ſitzende Damen, die mit anderen raſch aus dem Speiſe- ſaale flüchteten. Das Feuer wurde raſch erſtickt, und die Tanzenden im gegenüberliegenden Saale ließen ſich in ihrem Bergnügen nicht weiter ſtören. (Brünner Muſikverein.) Für das nächſte Concert des Brünner Muſikvereines iſt die Aufführung von Haydn’s „Die vier Jahres- zeiten“ in Ausſicht genommen, die der hieſige Muſikverein im Vorjahre und der Männerge- ſangverein im heurigen Jahre bereits aufführte. Die Dresner Hofopern- und Kammerſängerin Frau Schuch Proska und der Wiener Hofopern- ſänger Herr von Reichenberg werden die Solo- partien (Sopran und Baß) zur Ausführung bringen. Für den Tenorpart iſt der in Brünn engagirte Sänger Herr Dr. Walter gewonnen worden. (Volksbibliothek in Zwittau.) Einem uns gütigſt zur Einſichtnahme zur Verfügung geſtellten Briefe aus Zwittau entnehmen wir Folgendes: „Schon ſeit geraumer Zeit plante Ottendorfer einem nothwendigen Bedürfniſſe un- ſerer deutſchen Stadt dahin abzuhelfen, daß er das Project faßte, ein Gebäude zum Zwecke der Errichtung einer Volks-Bibliothek zu erbauen und ſchrieb ſofort deſſenwegen an die hieſige Gemeinde- vertretung, dieſelbe möge einen paſſenden Platz hiefür in Vorſchlag bringen, eventuell ankaufen. Die Gemeindevertretung glaubte vollkommen in den Intentionen des hochherzigen Wohlthäters zu handeln, wenn ſie zu dieſem Behufe das Ge- burtshaus Ottendorfers, welches vis a vis des Pfeiffer’-ſchen Gaſthauſes gelegen iſt, käuflich um den Betrag von 16.000 fl. an ſich brachte und Ottendorfer hievon in Kenntniß ſetzte, welcher damit vollkommen zufrieden ſich erklärte und auch ſogleich den Kaufſchillingsbetrag der Gemeinde anweiſen ließ. Es wird nun das jetzt beſtehende Haus im Früh- jahre demolirt und an Stelle deſſen ein zur Zierde unſerer Stadt gereichendes — ſtylvolles Gebäude aufgeführt werden, welche ſämmtliche Koſten ſelbſtredend Herr Ottendorfer trägt. Die Höhe des Betrages, welchen Ottendorfer als Stammcapital anlegen wird zur Beſtreitung eines Cuſtos etc. iſt noch nicht bekannt.“ Die Stadt Zwittau darf jedenfalls auf Ottendorfer, der ſo ſeine Heimath ehrt, ſtolz ſein. (Firma-Protokollirung.) Bei dem k. k. Kreis- als Handelsgerichte in Olmütz wurde in das Handelsregiſter eingetragen: Am 16. Jänner 1891: Die Löſchung der Einzelnfirma: J. Eißler, des Iſaak Eißler, zum Betriebe der Gemiſcht- waarenhandlung in Nakl. (Ein Wegaustreter wird geſncht.) In dem Anzeigertheile der letzten Nummer des „Kremſer Wochenblattes“ findet ſich folgende merkwürdige Ankündigung: „Große Schneever- wehung in Krems. Infolge der mangelhaften Schneeauspflügung wird ein rüſtiger Wegaus- treter mit großen Füßen geſucht, der von 5 bis 7 Uhr Früh in Krems dieſes Geſchäft auf den gangbarſten Fußwegen beſorgt. Näheres im ſtädtiſchen Bauamt Krems.“ (Für die arme Familie.) Für den erblin- deten Friſeur ſind bei der Adminiſtration dieſes Blattes weiteres eingegangen: Von Herrn A. Der Kathsherr von Olmütz. Erzählung ans dem 17. Jahrhundert.) Von Wilibald Müller. (19.) Die übrigen Männer, Rathsherrn, Aelteſte, und Zunftmeiſter, Ringherren und Handwerker ſtanden, bewaffnet und im Werkstagsgewande wie ſie von den Schanzen kamen, mitten im Raume und harrten der Dinge. Es mochten im Ganzen etwa achtzig Perſonen ſein, welche von den Vertheidigungswerken der Feſtung herbeige- eilt waren. Bis in die Rathsſtube hörte man den Donner der Geſchütze, doch war die Halle ſicher vor den ſchwediſchen Geſchoſſen, welche nicht bis ins Herz der Stadt reichten. Als ſich der Saal bis zur Hälfte gefüllt hatte, erhob ſich der Bürgermeiſter und richtete an die Verſammlung eine kurze Anſprache, in welcher er von dem Stande der Dinge Mitthei- lung machte. Der Feſtungscommandant habe erſt heute alle Werke beſichtigt und die Ueberzeugung gewonnen, daß eine weitere Vertheidigung der Stadt unmöglich ſei, wenn es auch den Anſchein habe, als ſtehe noch alles gut. Nachdem die Commandanten am Blaſi- und am Mitterthore erklärt haben, daß ſie unmöglich weiter zu kämpfen in der Lage ſeien, müſſe er es den Bürgern anheimſtellen, darüber zu entſcheiden, was geſchehen ſolle. Noch wiſſe der Schwede nicht, wie ſtark oder wie ſchwach die Feſtung ſei und wenn man ſofort einen Accord anſtrebe, werde der Feind billigere Bedingungen machen, als wenn man zuwarte und die Schwäche der Vertheidigung offenbare. „Spart die Worte,“ rief Zirkendorf dem Sprecher zu. „Nichtswürdig iſt der Antrag und feige muß ich den Commandanten nennen, der ſeine Soldaten in den Wachſtuben verbirgt und die Bürger auf die Wälle ſchickt. Noch jetzt liegen 500 kaiſerliche Soldaten in der Feſtung und weder Ihr Bürgermeiſter, noch auch Ihr Herr kaiſerlicher Richter wißt etwas davon; denn wüßtet Ihr’s, ſo hättet Ihr wohl nicht zugegeben, daß gebrechliche alte Bürger die Mus- keten abbrennen, während junge, kräftige Kriegs- knechte ein faules Leben in den Wachſtuben führen.“ Der Ausfall Zirkendorfs, welcher inmitten ſei- ner Kampfgenoſſen ſtehen geblieben war, brachte die Herren am Rathstiſche in arge Verlegenheit und Miniatti, welcher die Worte des Rathsherrn nicht ganz verſtanden hatte, verlangte eindringlich eine nähere Auskunft vom Bürgermeiſter, welchem die Beſchuldigung Zirkendorfs unglaublich vor- kam. Der Kaiſerrichter ſprang in lebhafter Erre- gung von ſeinem Stuhle auf und erbat ſich das Wort: „Wohlweiſe Rathsherren, ehrſame Meiſter und Bürger, liebe Nachbarn! Zaghaft und voll Furcht habe ich mit Eurem Oberhaupte dieſe Halle betreten, denn gar traurig lautete die Botſchaft, die uns Sr. Majeſtät General- kriegswachtmeiſter Miniatti vor wenigen Mi- nuten eben verkündete. Aus Eurer Mitte ſelbſt ſei die Bitte gekommen, die Waffen nieder zulegen und unmöglich ſei es ferner Widerſtand zu leiſten, weil es an Mannſchaften und Ver- theidigungsmitteln gebreche. Da weckt nun Euer Wort, Rathsherr Zirkendorf, neue Hoffnung im Herzen. Sagt denn! Iſt es wahr, was Ihr ſprecht. Darf man’s glauben?“ „Fragt nur den Feſtungscommandanten, Kaiſerrichter. Ich behaupte, daß noch fünfhun- dert Mann Fußtruppen in der Feſtung ſind, noch heute in dieſer Stunde und zeihe den Com- mandanten des Verrathes, denn dreihundert Reiter hat Miniatti zur Stunde, da die Schwe- den bereits vom heiligen Kreuz im Anmarſch waren, als Bedeckungsmannſchaft mit einem Transport von flüchtigen Leuten aus der Feſtung entlaſſen. Auf ihn möge alle Verantwortung fallen. Es iſt wahr, daß die Bürgerſchaft heute vom viertägigem Kampfe ermattet iſt und dringend der Ablöſung bedarf. Aber warum hat Miniatti ſeine Soldaten gleichſam verborgen und ver- läugnet. Warum gab er vor, nur 400 Mann zu haben, während er hunderte Reiter von den Regimentern Wachtenſtein und Hanau allein und große Abtheilungen polniſcher Völker aus der Stadt fortgeſchickt hat. Warum hat er die ſchwe- diſchen Spione aus der Stadt frank und frei entlaſſen, nachdem ſie ſelbſt die Erklärung ab-

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Zitationshilfe: Mährisches Tagblatt. Nr. 20, Olmütz, 26.01.1891, S. [6]. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/nn_maehrisches20_1891/6>, abgerufen am 12.11.2018.