Kindern haben. Es wäre also nichts unbilliges/ wenn bey
Beybehaltung der Beichte/ der Beicht-Pfennig abgeschafft
würde/ welches ein Landes-Herr allerdings thun kan.
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§.
VI. Aber will ein Fürste dergleichen thun/ so muß
er zugleich auf andern bessern Unterhalt der Geistlichkeit be-
dacht seyn a). Denn wie schon zu verschiedenen mahlen ge-
dacht/ so ist bey manchem Pfarrdienst der Beicht-Pfennig/
das einige soulagement, und Mittel zum nothdürfftigen
Unterhalt. Auf was Weise aber die Pastores zu versor-
gen/ wenn man den Beicht-Pfennig abschafft/ mögen an-
dere rathen b). Gleicher Gestalt ist auch Vorsehung zu
thun/ wenn jemand gar nicht beichtet/ oder bey einem an-
dern/ als dem ordentlichen Pfarrer/ denen Predigern an
ihren accidentien nichts abgehet. Denn ob wohl der Beicht-
Pfennig
Kindern haben. Es waͤre alſo nichts unbilliges/ wenn bey
Beybehaltung der Beichte/ der Beicht-Pfennig abgeſchafft
wuͤrde/ welches ein Landes-Herr allerdings thun kan.
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§.
VI. Aber will ein Fuͤrſte dergleichen thun/ ſo muß
er zugleich auf andern beſſern Unterhalt der Geiſtlichkeit be-
dacht ſeyn a). Denn wie ſchon zu verſchiedenen mahlen ge-
dacht/ ſo iſt bey manchem Pfarrdienſt der Beicht-Pfennig/
das einige ſoulagement, und Mittel zum nothduͤrfftigen
Unterhalt. Auf was Weiſe aber die Paſtores zu verſor-
gen/ wenn man den Beicht-Pfennig abſchafft/ moͤgen an-
dere rathen b). Gleicher Geſtalt iſt auch Vorſehung zu
thun/ wenn jemand gar nicht beichtet/ oder bey einem an-
dern/ als dem ordentlichen Pfarrer/ denen Predigern an
ihren accidentien nichts abgehet. Denn ob wohl der Beicht-
Pfennig
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[384/0403]
III. Abth. III. Cap. Vom Recht eines Fuͤrſten wegen
Kindern haben. Es waͤre alſo nichts unbilliges/ wenn bey
Beybehaltung der Beichte/ der Beicht-Pfennig abgeſchafft
wuͤrde/ welches ein Landes-Herr allerdings thun kan.
§. VI. Aber will ein Fuͤrſte dergleichen thun/ ſo muß
er zugleich auf andern beſſern Unterhalt der Geiſtlichkeit be-
dacht ſeyn a). Denn wie ſchon zu verſchiedenen mahlen ge-
dacht/ ſo iſt bey manchem Pfarrdienſt der Beicht-Pfennig/
das einige ſoulagement, und Mittel zum nothduͤrfftigen
Unterhalt. Auf was Weiſe aber die Paſtores zu verſor-
gen/ wenn man den Beicht-Pfennig abſchafft/ moͤgen an-
dere rathen b). Gleicher Geſtalt iſt auch Vorſehung zu
thun/ wenn jemand gar nicht beichtet/ oder bey einem an-
dern/ als dem ordentlichen Pfarrer/ denen Predigern an
ihren accidentien nichts abgehet. Denn ob wohl der Beicht-
Pfennig
a) Es waͤre uͤberhaupt zu wuͤnſchen, daß manche Pfarren mit beſ-
ſeren Beſoldungen verſehen waͤren, und die Prieſterſchafft da-
bey in beſſern Ehren gehalten wuͤrde. Denn dieſer Fehler iſt Ur-
ſache, daß vornehmer Leute Kinder, oder andere kluge Koͤpfe ſich
nicht auf die Theologie legen. Sie muͤſſen beſorgen, daß ſie
einſten auf eine geringe Dorff Pfarre geſetzet werden. Geringe
und liederliche Purſche ſtudiren Theologiam. Dieſe ſind zufrieden,
wenn ſie nur geringen Unterhalt bekommen. Daraus aber muͤſ-
ſen nothwendig viele Unordnungen folgen. Der beruͤhmte Herr
Thomaſius, in ſeiner diſputation de jure & officio principis, circa
angenda ſalaria & honores miniſtrorum eccleſiæ, §. 34. ſeq. hat die-
ſes weiter ausgefuͤhret.
b) Schilter cit. l. haͤlt dafuͤr, es waͤre beſſer, wenn man an ſtatt
des Beicht-Pfennigs, eine Collecte anordnete. Andere dencken,
es waͤre zutraͤglicher, wenn man jeden erwachſenen Perſonen auf-
legte, daß ſie jaͤhrlich dem Pfarrer etwas gewiſſes lieferten.
Andere haben andere Einfaͤlle. So viel ſage ich nur, daß es
nicht geringe Schwuͤrigkeit ſetzen duͤrffte, wenn man den Beicht-
Pfennig abſchaffen wolte.
c) Dieſes