von 1182, dass den Karthäusern zu Seitz Leobener Eisen gegeben wurde 1):
"Patumens dederat XX massas ferri in Leuben", und in dem Judenburger Marktdiplom heisst es: "Item ferrum de Trofajach debet duci tantum ad civitatem Judenburck ibique venalitati exponi."
Judenburg war im Mittelalter die Hauptzollstätte für Steiermark, von da ging das steirische Eisen südwärts nach Italien, vornehmlich nach Aquileja und Venedig. Judenburg hatte im 13. Jahrhundert das Stapelrecht für das Eisen des Erzberges. König Rudolph I. bestätigte dies urkundlich am 19. Januar 1277. "Wie von alten Zeiten her Ge- wohnheit war, so darf auch künftig hin das Roheisen von Trofajach her nur bis Judenburg gebracht und dort allein zum Verkaufe gestellt werden. Die aus Italien kommenden Kaufleute (die "Walchen" oder Venetianer) sind verbunden, ihre Waren nur den Bürgern von Juden- burg und keinen anderen, fremden Kaufleuten zu verkaufen, bei Strafe für beide Teile 2)." Der Handel mit Aquileja und Venedig war damals sehr lebhaft. Die Benutzung der Wasserkraft veranlasste die Eisen- schmelzer, sich von Prähbüchel nach dem Thale zu ziehen und so er- blühte Vordernberg, der Ort "vor dem Berge", nämlich der Ort vor dem Erzberge von Prähbüchel oder von Trofajach aus gedacht, während das Revier jenseits des Erzberges "Innerberg" hiess. Hier erblühte die Bergstadt Eisenerz, deren Bewohner in den Urkunden (1317) manuarii und cathmiariae d. i. Hüttenleute, genannt werden. Dies vollzog sich im 13. Jahrhundert. Damals wird bereits Eisen von Eisenerz "inner dem Berg" erwähnt. 1313 wird der vordere und der innere Erzberg genannt (mons anterior und interior, mons cath- miae). Die Urkunden zu Ende des 13. Jahrhunderts fügen schon zu Eisenerz die nähere Bestimmung bei, inneres und vorderes Eisenerz (interior Eisenerz 3). Mansum in interiori Eisenerzt apud villam situm (1297) 4).
In der ganzen Gegend, nämlich von Eisenerz bis nach Admont hin, siedelten sich Kohlen- und Eisenarbeiter an. Die ersten Hämmer in dieser Gegend werden 1250 genannt. Nordwärts wurde das Eisen vom Erzberge auf der Enns nach dem St. Gallerwalde verführt. Reiff- ling und Weissenbach waren die wichtigsten Ladeplätze und Fähr- stellen. Die Kirche zu St. Gallen im Walde entstand bereits 1154. Im Iahre 1277 liess Heinrich III. von Admont zu Weissenbach eine
1) Dipl. Styr. II, p. 68.
2) Item ferrum de Trofajach debet duci tantum ad civitatem Judenburck, ibique venalitate exponi ut ab antiquis temporibus est con- suetum.
3) Dipl. Styr. I, 606.
4) Muchar a. a. O.
Das frühe Mittelalter.
von 1182, daſs den Karthäusern zu Seitz Leobener Eisen gegeben wurde 1):
„Patumens dederat XX massas ferri in Leuben“, und in dem Judenburger Marktdiplom heiſst es: „Item ferrum de Trofajach debet duci tantum ad civitatem Judenburck ibique venalitati exponi.“
Judenburg war im Mittelalter die Hauptzollstätte für Steiermark, von da ging das steirische Eisen südwärts nach Italien, vornehmlich nach Aquileja und Venedig. Judenburg hatte im 13. Jahrhundert das Stapelrecht für das Eisen des Erzberges. König Rudolph I. bestätigte dies urkundlich am 19. Januar 1277. „Wie von alten Zeiten her Ge- wohnheit war, so darf auch künftig hin das Roheisen von Trofajach her nur bis Judenburg gebracht und dort allein zum Verkaufe gestellt werden. Die aus Italien kommenden Kaufleute (die „Walchen“ oder Venetianer) sind verbunden, ihre Waren nur den Bürgern von Juden- burg und keinen anderen, fremden Kaufleuten zu verkaufen, bei Strafe für beide Teile 2).“ Der Handel mit Aquileja und Venedig war damals sehr lebhaft. Die Benutzung der Wasserkraft veranlaſste die Eisen- schmelzer, sich von Prähbüchel nach dem Thale zu ziehen und so er- blühte Vordernberg, der Ort „vor dem Berge“, nämlich der Ort vor dem Erzberge von Prähbüchel oder von Trofajach aus gedacht, während das Revier jenseits des Erzberges „Innerberg“ hieſs. Hier erblühte die Bergstadt Eisenerz, deren Bewohner in den Urkunden (1317) manuarii und cathmiariae d. i. Hüttenleute, genannt werden. Dies vollzog sich im 13. Jahrhundert. Damals wird bereits Eisen von Eisenerz „inner dem Berg“ erwähnt. 1313 wird der vordere und der innere Erzberg genannt (mons anterior und interior, mons cath- miae). Die Urkunden zu Ende des 13. Jahrhunderts fügen schon zu Eisenerz die nähere Bestimmung bei, inneres und vorderes Eisenerz (interior Eisenerz 3). Mansum in interiori Eisenerzt apud villam situm (1297) 4).
In der ganzen Gegend, nämlich von Eisenerz bis nach Admont hin, siedelten sich Kohlen- und Eisenarbeiter an. Die ersten Hämmer in dieser Gegend werden 1250 genannt. Nordwärts wurde das Eisen vom Erzberge auf der Enns nach dem St. Gallerwalde verführt. Reiff- ling und Weiſsenbach waren die wichtigsten Ladeplätze und Fähr- stellen. Die Kirche zu St. Gallen im Walde entstand bereits 1154. Im Iahre 1277 lieſs Heinrich III. von Admont zu Weiſsenbach eine
1) Dipl. Styr. II, p. 68.
2) Item ferrum de Trofajach debet duci tantum ad civitatem Judenburck, ibique venalitate exponi ut ab antiquis temporibus est con- suetum.
3) Dipl. Styr. I, 606.
4) Muchar a. a. O.
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Das frühe Mittelalter.
von 1182, daſs den Karthäusern zu Seitz Leobener Eisen gegeben
wurde 1):
„Patumens dederat XX massas ferri in Leuben“, und in dem
Judenburger Marktdiplom heiſst es: „Item ferrum de Trofajach debet
duci tantum ad civitatem Judenburck ibique venalitati exponi.“
Judenburg war im Mittelalter die Hauptzollstätte für Steiermark,
von da ging das steirische Eisen südwärts nach Italien, vornehmlich
nach Aquileja und Venedig. Judenburg hatte im 13. Jahrhundert das
Stapelrecht für das Eisen des Erzberges. König Rudolph I. bestätigte
dies urkundlich am 19. Januar 1277. „Wie von alten Zeiten her Ge-
wohnheit war, so darf auch künftig hin das Roheisen von Trofajach
her nur bis Judenburg gebracht und dort allein zum Verkaufe gestellt
werden. Die aus Italien kommenden Kaufleute (die „Walchen“ oder
Venetianer) sind verbunden, ihre Waren nur den Bürgern von Juden-
burg und keinen anderen, fremden Kaufleuten zu verkaufen, bei Strafe
für beide Teile 2).“ Der Handel mit Aquileja und Venedig war damals
sehr lebhaft. Die Benutzung der Wasserkraft veranlaſste die Eisen-
schmelzer, sich von Prähbüchel nach dem Thale zu ziehen und so er-
blühte Vordernberg, der Ort „vor dem Berge“, nämlich der Ort vor
dem Erzberge von Prähbüchel oder von Trofajach aus gedacht, während
das Revier jenseits des Erzberges „Innerberg“ hieſs. Hier erblühte
die Bergstadt Eisenerz, deren Bewohner in den Urkunden (1317)
manuarii und cathmiariae d. i. Hüttenleute, genannt werden. Dies
vollzog sich im 13. Jahrhundert. Damals wird bereits Eisen von
Eisenerz „inner dem Berg“ erwähnt. 1313 wird der vordere und
der innere Erzberg genannt (mons anterior und interior, mons cath-
miae). Die Urkunden zu Ende des 13. Jahrhunderts fügen schon zu
Eisenerz die nähere Bestimmung bei, inneres und vorderes Eisenerz
(interior Eisenerz 3). Mansum in interiori Eisenerzt apud villam situm
(1297) 4).
In der ganzen Gegend, nämlich von Eisenerz bis nach Admont
hin, siedelten sich Kohlen- und Eisenarbeiter an. Die ersten Hämmer
in dieser Gegend werden 1250 genannt. Nordwärts wurde das Eisen
vom Erzberge auf der Enns nach dem St. Gallerwalde verführt. Reiff-
ling und Weiſsenbach waren die wichtigsten Ladeplätze und Fähr-
stellen. Die Kirche zu St. Gallen im Walde entstand bereits 1154.
Im Iahre 1277 lieſs Heinrich III. von Admont zu Weiſsenbach eine
1) Dipl. Styr. II, p. 68.
2) Item ferrum de Trofajach debet duci tantum ad
civitatem Judenburck, ibique venalitate exponi ut ab antiquis temporibus est con-
suetum.
3) Dipl. Styr. I, 606.
4) Muchar a. a. O.
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Beck, Ludwig: Die Geschichte des Eisens. Bd. 1: Von der ältesten Zeit bis um das Jahr 1500 n. Chr. Braunschweig, 1884, S. 752. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/beck_eisen01_1884/774>, abgerufen am 22.11.2024.
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