der angepflanzte Reis heranwächst und der Ernte entgegenreift, halten sich die Reisvögel paarweise oder in kleinen Familien in Gärten, Dorfgehölzen und Gebüschen auf und nähren sich hier von ver- schiedenen Sämereien, mancherlei kleinen Früchten und wohl auch von Kerbthieren und Würmern, da ich sie wenigstens öfters auf Landstraßen u. s. w. auf der Erde herumsuchen gesehen habe, wo schwerlich etwas Anderes zu finden gewesen sein möchte, und auch in dem Magen mehrerer von ihnen Reste derselben gefunden zu haben glaube. Sobald aber die Reisfelder sich gelb zu färben beginnen und durch Ablassen des Wassers trocken gelegt werden, begeben sie sich, oft in großen Scharen, dorthin und richten nicht selten merklichen Schaden an, so daß man auf alle mögliche Weise bemüht ist, sie zu vertreiben."
"Jn den Gegenden, die besonders von diesen gefiederten Dieben zu leiden haben, errichtet man zu diesem Zwecke in der Mitte des Feldes ein -- oder wenn dieses groß ist, mehrere -- auf 4 hohen Bambuspfählen ruhendes kleines Wachthaus, von dem aus nach allen Richtungen hin zahlreiche Fäden zu den, in gewissen Entfernungen von einander durch das ganze Feld gesteckten, dünnen Bambusstöcken laufen, an denen große dürre Blätter, bunte Lappen, Puppen, hölzerne Klappern u. dgl. hängen. Wenn nun der in dem Wachthäuschen, wie eine Spinne in ihrem Gewebe sitzende Eingeborne an den Fäden zieht, dann rasseln in demselben Augenblicke alle die trockenen Blätter, zappeln die Puppen, ertönen die Klappern, und erschrocken entfliehen die ungebetenen Gäste. Auch nach der Ernte finden die Vögel auf den alsdann bis zum Eintritt der Regenzeit, d. h. bis gegen den November hin brach liegenden Reisfeldern, reichlich ihren Tisch gedeckt, da nicht nur zahlreiche Aehren liegen bleiben, son- dern auch zwischen den Stoppeln in unglaublich kurzer Zeit manchfaltige Unkräuter emporschießen, deren bald reifender Samen ihnen eine willkommene Nahrung darbietet. Jn dieser Zeit sind sie ziemlich fett und wohlbeleibt und liefern, besonders die Jungen, ein beliebtes Gericht, weshalb ihnen eifrig nachgestellt wird."
"Jn der Gefangenschaft wird der Reisvogel nur von Händlern gehalten, welche ihn auf die an- landenden Schiffe bringen und hier zum Verkauf anbieten. Höchstens vergnügen sich Kinder damit, ihn zu quälen, indem sie ihn, an einen Faden gebunden, in den Straßen umherflattern lassen."
Das Nest fand Bernstein bald im Gipfel verschiedener Bäume, bald zwischen den zahlreichen Schmarotzern, welche die Stämme der Arengpalme bedecken. Es ändert je nach seinem Standorte in Größe und Gestalt. Die auf den Bäumen angelegten Nester sind meistens größer und haben eine im allgemeinen ziemlich regelmäßige halbkugelige Gestalt; die zwischen den Schmarotzern zu Seiten der Arengpalme angebrachten dagegen sind kleiner und weniger bestimmt geformt. Die einen wie die an- dern aber sind fast ausschließlich aus den Halmen verschiedener Gräser verfertigt, welche jedoch unter einander nicht eben sehr fest verflochten sind, so daß der ganze Bau keine besonders große Festigkeit hat. Sechs bis acht glänzend weiße Eier von 9 Linien Länge bilden das Gelege. Bernstein behauptet, daß der Reisvogel in Sumatra ursprünglich nicht zu Hause gewesen sein soll und auch nur in der nächsten Nähe der Stadt Padang vorkomme, woselbst er, vor einigen Jahren freigelassen, sich ein- gebürgert habe.
Nach meinen Beobachtungen gehört der Reisvogel im Käfig nicht gerade zu den liebenswürdig- sten seines Geschlechts. Er ist zänkisch, vertreibt die kleineren Arten vom Futternapf, wird selten und nur unvollständig zahm, hat sich auch, so viel mir bekannt, noch nirgends fortgepflanzt. Sein Gesang ist erbärmlich, eigentlich kaum Gesang zu nennen. Somit empfiehlt ihn nur sein hübsches Gefieder.
Die dünn- und kleinschnäbeligen Prachtfinken heißen Astrilden (Astrildae). Auch sie sind sehr verschieden gestaltete und gefärbte Thiere, im allgemeinen aber schlanker und langschwänziger, als die vorhergehenden, denen sie übrigens in ihrem Leben und Treiben so ähnlich sind, daß fast Alles, was ich von jenen sagte, auch für diese gilt. Sie bewohnen dieselben Gegenden, wie die Prachtfinken,
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Reisvogel.
der angepflanzte Reis heranwächſt und der Ernte entgegenreift, halten ſich die Reisvögel paarweiſe oder in kleinen Familien in Gärten, Dorfgehölzen und Gebüſchen auf und nähren ſich hier von ver- ſchiedenen Sämereien, mancherlei kleinen Früchten und wohl auch von Kerbthieren und Würmern, da ich ſie wenigſtens öfters auf Landſtraßen u. ſ. w. auf der Erde herumſuchen geſehen habe, wo ſchwerlich etwas Anderes zu finden geweſen ſein möchte, und auch in dem Magen mehrerer von ihnen Reſte derſelben gefunden zu haben glaube. Sobald aber die Reisfelder ſich gelb zu färben beginnen und durch Ablaſſen des Waſſers trocken gelegt werden, begeben ſie ſich, oft in großen Scharen, dorthin und richten nicht ſelten merklichen Schaden an, ſo daß man auf alle mögliche Weiſe bemüht iſt, ſie zu vertreiben.‟
„Jn den Gegenden, die beſonders von dieſen gefiederten Dieben zu leiden haben, errichtet man zu dieſem Zwecke in der Mitte des Feldes ein — oder wenn dieſes groß iſt, mehrere — auf 4 hohen Bambuspfählen ruhendes kleines Wachthaus, von dem aus nach allen Richtungen hin zahlreiche Fäden zu den, in gewiſſen Entfernungen von einander durch das ganze Feld geſteckten, dünnen Bambusſtöcken laufen, an denen große dürre Blätter, bunte Lappen, Puppen, hölzerne Klappern u. dgl. hängen. Wenn nun der in dem Wachthäuschen, wie eine Spinne in ihrem Gewebe ſitzende Eingeborne an den Fäden zieht, dann raſſeln in demſelben Augenblicke alle die trockenen Blätter, zappeln die Puppen, ertönen die Klappern, und erſchrocken entfliehen die ungebetenen Gäſte. Auch nach der Ernte finden die Vögel auf den alsdann bis zum Eintritt der Regenzeit, d. h. bis gegen den November hin brach liegenden Reisfeldern, reichlich ihren Tiſch gedeckt, da nicht nur zahlreiche Aehren liegen bleiben, ſon- dern auch zwiſchen den Stoppeln in unglaublich kurzer Zeit manchfaltige Unkräuter emporſchießen, deren bald reifender Samen ihnen eine willkommene Nahrung darbietet. Jn dieſer Zeit ſind ſie ziemlich fett und wohlbeleibt und liefern, beſonders die Jungen, ein beliebtes Gericht, weshalb ihnen eifrig nachgeſtellt wird.‟
„Jn der Gefangenſchaft wird der Reisvogel nur von Händlern gehalten, welche ihn auf die an- landenden Schiffe bringen und hier zum Verkauf anbieten. Höchſtens vergnügen ſich Kinder damit, ihn zu quälen, indem ſie ihn, an einen Faden gebunden, in den Straßen umherflattern laſſen.‟
Das Neſt fand Bernſtein bald im Gipfel verſchiedener Bäume, bald zwiſchen den zahlreichen Schmarotzern, welche die Stämme der Arengpalme bedecken. Es ändert je nach ſeinem Standorte in Größe und Geſtalt. Die auf den Bäumen angelegten Neſter ſind meiſtens größer und haben eine im allgemeinen ziemlich regelmäßige halbkugelige Geſtalt; die zwiſchen den Schmarotzern zu Seiten der Arengpalme angebrachten dagegen ſind kleiner und weniger beſtimmt geformt. Die einen wie die an- dern aber ſind faſt ausſchließlich aus den Halmen verſchiedener Gräſer verfertigt, welche jedoch unter einander nicht eben ſehr feſt verflochten ſind, ſo daß der ganze Bau keine beſonders große Feſtigkeit hat. Sechs bis acht glänzend weiße Eier von 9 Linien Länge bilden das Gelege. Bernſtein behauptet, daß der Reisvogel in Sumatra urſprünglich nicht zu Hauſe geweſen ſein ſoll und auch nur in der nächſten Nähe der Stadt Padang vorkomme, woſelbſt er, vor einigen Jahren freigelaſſen, ſich ein- gebürgert habe.
Nach meinen Beobachtungen gehört der Reisvogel im Käfig nicht gerade zu den liebenswürdig- ſten ſeines Geſchlechts. Er iſt zänkiſch, vertreibt die kleineren Arten vom Futternapf, wird ſelten und nur unvollſtändig zahm, hat ſich auch, ſo viel mir bekannt, noch nirgends fortgepflanzt. Sein Geſang iſt erbärmlich, eigentlich kaum Geſang zu nennen. Somit empfiehlt ihn nur ſein hübſches Gefieder.
Die dünn- und kleinſchnäbeligen Prachtfinken heißen Aſtrilden (Astrildae). Auch ſie ſind ſehr verſchieden geſtaltete und gefärbte Thiere, im allgemeinen aber ſchlanker und langſchwänziger, als die vorhergehenden, denen ſie übrigens in ihrem Leben und Treiben ſo ähnlich ſind, daß faſt Alles, was ich von jenen ſagte, auch für dieſe gilt. Sie bewohnen dieſelben Gegenden, wie die Prachtfinken,
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Reisvogel.
der angepflanzte Reis heranwächſt und der Ernte entgegenreift, halten ſich die Reisvögel paarweiſe
oder in kleinen Familien in Gärten, Dorfgehölzen und Gebüſchen auf und nähren ſich hier von ver-
ſchiedenen Sämereien, mancherlei kleinen Früchten und wohl auch von Kerbthieren und Würmern, da
ich ſie wenigſtens öfters auf Landſtraßen u. ſ. w. auf der Erde herumſuchen geſehen habe, wo
ſchwerlich etwas Anderes zu finden geweſen ſein möchte, und auch in dem Magen mehrerer von ihnen
Reſte derſelben gefunden zu haben glaube. Sobald aber die Reisfelder ſich gelb zu färben beginnen
und durch Ablaſſen des Waſſers trocken gelegt werden, begeben ſie ſich, oft in großen Scharen, dorthin
und richten nicht ſelten merklichen Schaden an, ſo daß man auf alle mögliche Weiſe bemüht iſt, ſie zu
vertreiben.‟
„Jn den Gegenden, die beſonders von dieſen gefiederten Dieben zu leiden haben, errichtet man
zu dieſem Zwecke in der Mitte des Feldes ein — oder wenn dieſes groß iſt, mehrere — auf 4 hohen
Bambuspfählen ruhendes kleines Wachthaus, von dem aus nach allen Richtungen hin zahlreiche Fäden
zu den, in gewiſſen Entfernungen von einander durch das ganze Feld geſteckten, dünnen Bambusſtöcken
laufen, an denen große dürre Blätter, bunte Lappen, Puppen, hölzerne Klappern u. dgl. hängen.
Wenn nun der in dem Wachthäuschen, wie eine Spinne in ihrem Gewebe ſitzende Eingeborne an den
Fäden zieht, dann raſſeln in demſelben Augenblicke alle die trockenen Blätter, zappeln die Puppen,
ertönen die Klappern, und erſchrocken entfliehen die ungebetenen Gäſte. Auch nach der Ernte finden
die Vögel auf den alsdann bis zum Eintritt der Regenzeit, d. h. bis gegen den November hin brach
liegenden Reisfeldern, reichlich ihren Tiſch gedeckt, da nicht nur zahlreiche Aehren liegen bleiben, ſon-
dern auch zwiſchen den Stoppeln in unglaublich kurzer Zeit manchfaltige Unkräuter emporſchießen,
deren bald reifender Samen ihnen eine willkommene Nahrung darbietet. Jn dieſer Zeit ſind ſie
ziemlich fett und wohlbeleibt und liefern, beſonders die Jungen, ein beliebtes Gericht, weshalb ihnen
eifrig nachgeſtellt wird.‟
„Jn der Gefangenſchaft wird der Reisvogel nur von Händlern gehalten, welche ihn auf die an-
landenden Schiffe bringen und hier zum Verkauf anbieten. Höchſtens vergnügen ſich Kinder damit,
ihn zu quälen, indem ſie ihn, an einen Faden gebunden, in den Straßen umherflattern laſſen.‟
Das Neſt fand Bernſtein bald im Gipfel verſchiedener Bäume, bald zwiſchen den zahlreichen
Schmarotzern, welche die Stämme der Arengpalme bedecken. Es ändert je nach ſeinem Standorte in
Größe und Geſtalt. Die auf den Bäumen angelegten Neſter ſind meiſtens größer und haben eine im
allgemeinen ziemlich regelmäßige halbkugelige Geſtalt; die zwiſchen den Schmarotzern zu Seiten der
Arengpalme angebrachten dagegen ſind kleiner und weniger beſtimmt geformt. Die einen wie die an-
dern aber ſind faſt ausſchließlich aus den Halmen verſchiedener Gräſer verfertigt, welche jedoch unter
einander nicht eben ſehr feſt verflochten ſind, ſo daß der ganze Bau keine beſonders große Feſtigkeit hat.
Sechs bis acht glänzend weiße Eier von 9 Linien Länge bilden das Gelege. Bernſtein behauptet,
daß der Reisvogel in Sumatra urſprünglich nicht zu Hauſe geweſen ſein ſoll und auch nur in der
nächſten Nähe der Stadt Padang vorkomme, woſelbſt er, vor einigen Jahren freigelaſſen, ſich ein-
gebürgert habe.
Nach meinen Beobachtungen gehört der Reisvogel im Käfig nicht gerade zu den liebenswürdig-
ſten ſeines Geſchlechts. Er iſt zänkiſch, vertreibt die kleineren Arten vom Futternapf, wird ſelten und
nur unvollſtändig zahm, hat ſich auch, ſo viel mir bekannt, noch nirgends fortgepflanzt. Sein Geſang
iſt erbärmlich, eigentlich kaum Geſang zu nennen. Somit empfiehlt ihn nur ſein hübſches Gefieder.
Die dünn- und kleinſchnäbeligen Prachtfinken heißen Aſtrilden (Astrildae). Auch ſie ſind ſehr
verſchieden geſtaltete und gefärbte Thiere, im allgemeinen aber ſchlanker und langſchwänziger, als die
vorhergehenden, denen ſie übrigens in ihrem Leben und Treiben ſo ähnlich ſind, daß faſt Alles, was
ich von jenen ſagte, auch für dieſe gilt. Sie bewohnen dieſelben Gegenden, wie die Prachtfinken,
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Brehm, Alfred Edmund: Illustrirtes Thierleben. Bd. 3. Hildburghausen, 1866, S. 211. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/brehm_thierleben03_1866/231>, abgerufen am 23.11.2024.
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