Brockes, Barthold Heinrich: Jrdisches Vergnügen in Gott, bestehend in Physicalisch- und Moralischen Gedichten. Bd. 4. 2. Aufl. Hamburg, 1735.Betrachtung der Vögel. "So wollen wir auch, Dich zu Ehren,"Und Preis, und Ruhm, und Danck Dir zu gewähren, "Mit allen Kräfften uns bemühn. "Und weil wir denn von allen Gaben "Nichts edlers, als die Stimmen, haben, "So lassen wir sie denn ohn Unterlaß erklingen. "Wir können zwar, o Schöpfer, Deine Macht "Und Majestät in Deiner Wercke Pracht "Nicht nach Verdienst erhöhen und besingen, "Noch Deiner Wunder Meng' erzehlen: "Doch können wir vielleicht mit unsrer kleinen Kehlen "Bewunderns-wehrten Lieblichkeiten, "Vollkommnere Geschöpf' als wir, "Nebst uns, zur Lust und Andacht leiten. Ja, ja! so singen sie, ob wirs gleich nicht verstehn, Und wenn sie den Gesang auch selber nicht verstünden; So sollten wir dennoch, die wir viel weiter sehn, Den Jnhalt ihrer Lieder finden, Uns, durch empfundne Lust, zu ihrem Schöpfer lencken, Und Seinen Ruhm stets zu vermehren dencken: Da uns die Lieblichkeit der süssen Stimmen rührt, Und uns recht in die Seele dringet; Wodurch, indem sie uns mit Recht zum Schöpfer führt, Danck, Ehr-Furcht, Lieb' und Lob aus unsrer Lust ent- springet; So lasst uns doch nicht minder uns bemühn, Durch unsre Lust an unsers Schöpfers Wercken, Auch edlere Geschöpf zu Seinem Ruhm zu ziehn, Und Engeln, oder seelgen Seelen, Auch unsre Freude nicht verhehlen: Wann sie in unserm Lob-Gethön, Ein
Betrachtung der Voͤgel. „So wollen wir auch, Dich zu Ehren,„Und Preis, und Ruhm, und Danck Dir zu gewaͤhren, „Mit allen Kraͤfften uns bemuͤhn. „Und weil wir denn von allen Gaben „Nichts edlers, als die Stimmen, haben, „So laſſen wir ſie denn ohn Unterlaß erklingen. „Wir koͤnnen zwar, o Schoͤpfer, Deine Macht „Und Majeſtaͤt in Deiner Wercke Pracht „Nicht nach Verdienſt erhoͤhen und beſingen, „Noch Deiner Wunder Meng’ erzehlen: „Doch koͤnnen wir vielleicht mit unſrer kleinen Kehlen „Bewunderns-wehrten Lieblichkeiten, „Vollkommnere Geſchoͤpf’ als wir, „Nebſt uns, zur Luſt und Andacht leiten. Ja, ja! ſo ſingen ſie, ob wirs gleich nicht verſtehn, Und wenn ſie den Geſang auch ſelber nicht verſtuͤnden; So ſollten wir dennoch, die wir viel weiter ſehn, Den Jnhalt ihrer Lieder finden, Uns, durch empfundne Luſt, zu ihrem Schoͤpfer lencken, Und Seinen Ruhm ſtets zu vermehren dencken: Da uns die Lieblichkeit der ſuͤſſen Stimmen ruͤhrt, Und uns recht in die Seele dringet; Wodurch, indem ſie uns mit Recht zum Schoͤpfer fuͤhrt, Danck, Ehr-Furcht, Lieb’ und Lob aus unſrer Luſt ent- ſpringet; So laſſt uns doch nicht minder uns bemuͤhn, Durch unſre Luſt an unſers Schoͤpfers Wercken, Auch edlere Geſchoͤpf zu Seinem Ruhm zu ziehn, Und Engeln, oder ſeelgen Seelen, Auch unſre Freude nicht verhehlen: Wann ſie in unſerm Lob-Gethoͤn, Ein
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Betrachtung der Voͤgel.
„So wollen wir auch, Dich zu Ehren,
„Und Preis, und Ruhm, und Danck Dir zu gewaͤhren,
„Mit allen Kraͤfften uns bemuͤhn.
„Und weil wir denn von allen Gaben
„Nichts edlers, als die Stimmen, haben,
„So laſſen wir ſie denn ohn Unterlaß erklingen.
„Wir koͤnnen zwar, o Schoͤpfer, Deine Macht
„Und Majeſtaͤt in Deiner Wercke Pracht
„Nicht nach Verdienſt erhoͤhen und beſingen,
„Noch Deiner Wunder Meng’ erzehlen:
„Doch koͤnnen wir vielleicht mit unſrer kleinen Kehlen
„Bewunderns-wehrten Lieblichkeiten,
„Vollkommnere Geſchoͤpf’ als wir,
„Nebſt uns, zur Luſt und Andacht leiten.
Ja, ja! ſo ſingen ſie, ob wirs gleich nicht verſtehn,
Und wenn ſie den Geſang auch ſelber nicht verſtuͤnden;
So ſollten wir dennoch, die wir viel weiter ſehn,
Den Jnhalt ihrer Lieder finden,
Uns, durch empfundne Luſt, zu ihrem Schoͤpfer lencken,
Und Seinen Ruhm ſtets zu vermehren dencken:
Da uns die Lieblichkeit der ſuͤſſen Stimmen ruͤhrt,
Und uns recht in die Seele dringet;
Wodurch, indem ſie uns mit Recht zum Schoͤpfer fuͤhrt,
Danck, Ehr-Furcht, Lieb’ und Lob aus unſrer Luſt ent-
ſpringet;
So laſſt uns doch nicht minder uns bemuͤhn,
Durch unſre Luſt an unſers Schoͤpfers Wercken,
Auch edlere Geſchoͤpf zu Seinem Ruhm zu ziehn,
Und Engeln, oder ſeelgen Seelen,
Auch unſre Freude nicht verhehlen:
Wann ſie in unſerm Lob-Gethoͤn,
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