Was etwan sich gekrümmet hatte, daran gemach zu rechte bog, Und zween damit belegte Tische, mit Anmuth und mit Ernst, erwog. Jch sah sie fast mehr glühn, als blühn; ich sahe durch ein- ander funkeln, Leucojen, Anemonen, Rosen von vielen Sorten, gelben Mah, Violen, Tuberosen, Liljen, Geranium, Acacia, Orangen-Blüthe, Flos Adonis, auch Nelken, Jrides, Ra- nunkeln, Die alle, durch den schönen Grund des mannigfaltig-schönen Grünen Der gleichfalls schön formirten Kräuter, erhöht, und noch ver- schönert schienen. Woher entsteht der holde Glanz? rief ich, woher die bunte Pracht? Aus kleinen Bläslein ist ihr Leib geweht, gefüget und gemacht: Doch sind die eigentlich die Quell und Ursprung ihrer Schön- heit nicht; Sie brechen und sie mildern nur der schönen Farben Quell, das Licht, Es zeigt uns zwar der Sonnen Stral der wunderschönen Blumen Heer: Doch zeigen die geschmückten Blumen den Schmuck des, der sie schmückt, noch mehr, Da ja die allerschönsten Farben, auf dieser Erden, anders nichts, Als Kinder des noch schönern Vaters, des all er freunden Son- nenlichts. Und weil auch die von selbst nicht ist: So zeigt sie uns ein gött- lich Licht, Aus welchem sie und alle Schönheit, als wie ein Strom, be- ständig bricht.
So
Ueber eine große Schachtel,
Was etwan ſich gekruͤmmet hatte, daran gemach zu rechte bog, Und zween damit belegte Tiſche, mit Anmuth und mit Ernſt, erwog. Jch ſah ſie faſt mehr gluͤhn, als bluͤhn; ich ſahe durch ein- ander funkeln, Leucojen, Anemonen, Roſen von vielen Sorten, gelben Mah, Violen, Tuberoſen, Liljen, Geranium, Acacia, Orangen-Bluͤthe, Flos Adonis, auch Nelken, Jrides, Ra- nunkeln, Die alle, durch den ſchoͤnen Grund des mannigfaltig-ſchoͤnen Gruͤnen Der gleichfalls ſchoͤn formirten Kraͤuter, erhoͤht, und noch ver- ſchoͤnert ſchienen. Woher entſteht der holde Glanz? rief ich, woher die bunte Pracht? Aus kleinen Blaͤslein iſt ihr Leib geweht, gefuͤget und gemacht: Doch ſind die eigentlich die Quell und Urſprung ihrer Schoͤn- heit nicht; Sie brechen und ſie mildern nur der ſchoͤnen Farben Quell, das Licht, Es zeigt uns zwar der Sonnen Stral der wunderſchoͤnen Blumen Heer: Doch zeigen die geſchmuͤckten Blumen den Schmuck des, der ſie ſchmuͤckt, noch mehr, Da ja die allerſchoͤnſten Farben, auf dieſer Erden, anders nichts, Als Kinder des noch ſchoͤnern Vaters, des all er freunden Son- nenlichts. Und weil auch die von ſelbſt nicht iſt: So zeigt ſie uns ein goͤtt- lich Licht, Aus welchem ſie und alle Schoͤnheit, als wie ein Strom, be- ſtaͤndig bricht.
So
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Ueber eine große Schachtel,
Was etwan ſich gekruͤmmet hatte, daran gemach zu rechte bog,
Und zween damit belegte Tiſche, mit Anmuth und mit Ernſt,
erwog.
Jch ſah ſie faſt mehr gluͤhn, als bluͤhn; ich ſahe durch ein-
ander funkeln,
Leucojen, Anemonen, Roſen von vielen Sorten, gelben
Mah,
Violen, Tuberoſen, Liljen, Geranium, Acacia,
Orangen-Bluͤthe, Flos Adonis, auch Nelken, Jrides, Ra-
nunkeln,
Die alle, durch den ſchoͤnen Grund des mannigfaltig-ſchoͤnen
Gruͤnen
Der gleichfalls ſchoͤn formirten Kraͤuter, erhoͤht, und noch ver-
ſchoͤnert ſchienen.
Woher entſteht der holde Glanz? rief ich, woher die bunte
Pracht?
Aus kleinen Blaͤslein iſt ihr Leib geweht, gefuͤget und gemacht:
Doch ſind die eigentlich die Quell und Urſprung ihrer Schoͤn-
heit nicht;
Sie brechen und ſie mildern nur der ſchoͤnen Farben Quell,
das Licht,
Es zeigt uns zwar der Sonnen Stral der wunderſchoͤnen
Blumen Heer:
Doch zeigen die geſchmuͤckten Blumen den Schmuck des, der ſie
ſchmuͤckt, noch mehr,
Da ja die allerſchoͤnſten Farben, auf dieſer Erden, anders nichts,
Als Kinder des noch ſchoͤnern Vaters, des all er freunden Son-
nenlichts.
Und weil auch die von ſelbſt nicht iſt: So zeigt ſie uns ein goͤtt-
lich Licht,
Aus welchem ſie und alle Schoͤnheit, als wie ein Strom, be-
ſtaͤndig bricht.
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Brockes, Barthold Heinrich: Jrdisches Vergnügen in Gott. Bd. 6. Hamburg, 1740, S. 116. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/brockes_vergnuegen06_1740/140>, abgerufen am 16.02.2025.
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