kröte, Krokodil, dann einige Reptilien, der Strauß, Adler, überhaupt fünf Vögel und zuletzt die Heuschrecke. Er sagt gegen den Schluß aus- drücklich, daß er Thiere schildere, welche in Europa nicht existiren. Die Beschreibungen sind kurz, wissenschaftlich kaum brauchbar, aber geographisch doch wichtig.
Bedeutungsvoller war die Ausbeute, welche der Arzt der venetia- nischen Colonie in Aegypten, Prosper Alpinus, während seines dortigen Aufenthaltes gemacht hatte. Er war 1553 in Manestica im venetianischen Gebiet geboren, wurde 1578 in Padua Doctor der Me- dicin und gieng mit dem venetianischen Konsul Georg Ems nach Aegypten. Seine Auseinandersetzungen über die ägyptischen Schlan- gen, Affen, den Hippopotamus, wie seine ganze zoologische Uebersicht würde jedenfalls von großem Einflusse in seiner Zeit gewesen sein, wenn das ausführlichere, die Zoologie Aegyptens mit berücksichtigende Werk nicht erst lange, über ein Jahrhundert nach seinem Tode ver- öffentlicht worden wäre. Er war 1617 als Professor der Botanik in Padua gestorben und seine Naturgeschichte Aegyptens erschien lateinisch 1735 in Leyden. Es muß daher des Mannes und seiner Leistungen zwar hier gedacht werden; auf die Förderung der Zoologie im vorlie- genden Zeitraum hatte er aber keine Wirkung.
Es wird später der wichtigen monographischen Arbeiten Pierre Belon's gedacht werden. Die reichen Erfahrungen, welche dieselben charakterisiren, sammelte er auf mehreren Reisen, wovon die eine sich dem durchreisten Ländergebiete nach hier anschließt. Vom Jahre 1547 an durchzog er Italien, Griechenland, die Türkei, berührte mehrere griechische Inseln, wie Kreta, Lemnos, gieng dann nach Palästina, Aegypten, die Sinai-Halbinsel und kehrte 1550 über Klein-Asien und Griechenland nach Rom zurück. Der Schilderung dieser Reise60) sind reichlich naturhistorische Notizen eingefügt, oft mit Abbildungen der
60)Les observations de plusieurs singularitez et choses memorables trouvees en Grece, Asie, Judee, Egypte, Arabie et autres pays etranges, re- digees en trois liures. Paris, 1553. 4°. -- dann: reveus de rechef et au- gmentez de figures. Anvers, 1555. 8°.
Periode der encyklopädiſchen Darſtellungen.
kröte, Krokodil, dann einige Reptilien, der Strauß, Adler, überhaupt fünf Vögel und zuletzt die Heuſchrecke. Er ſagt gegen den Schluß aus- drücklich, daß er Thiere ſchildere, welche in Europa nicht exiſtiren. Die Beſchreibungen ſind kurz, wiſſenſchaftlich kaum brauchbar, aber geographiſch doch wichtig.
Bedeutungsvoller war die Ausbeute, welche der Arzt der venetia- niſchen Colonie in Aegypten, Prosper Alpinus, während ſeines dortigen Aufenthaltes gemacht hatte. Er war 1553 in Maneſtica im venetianiſchen Gebiet geboren, wurde 1578 in Padua Doctor der Me- dicin und gieng mit dem venetianiſchen Konſul Georg Ems nach Aegypten. Seine Auseinanderſetzungen über die ägyptiſchen Schlan- gen, Affen, den Hippopotamus, wie ſeine ganze zoologiſche Ueberſicht würde jedenfalls von großem Einfluſſe in ſeiner Zeit geweſen ſein, wenn das ausführlichere, die Zoologie Aegyptens mit berückſichtigende Werk nicht erſt lange, über ein Jahrhundert nach ſeinem Tode ver- öffentlicht worden wäre. Er war 1617 als Profeſſor der Botanik in Padua geſtorben und ſeine Naturgeſchichte Aegyptens erſchien lateiniſch 1735 in Leyden. Es muß daher des Mannes und ſeiner Leiſtungen zwar hier gedacht werden; auf die Förderung der Zoologie im vorlie- genden Zeitraum hatte er aber keine Wirkung.
Es wird ſpäter der wichtigen monographiſchen Arbeiten Pierre Belon's gedacht werden. Die reichen Erfahrungen, welche dieſelben charakteriſiren, ſammelte er auf mehreren Reiſen, wovon die eine ſich dem durchreiſten Ländergebiete nach hier anſchließt. Vom Jahre 1547 an durchzog er Italien, Griechenland, die Türkei, berührte mehrere griechiſche Inſeln, wie Kreta, Lemnos, gieng dann nach Paläſtina, Aegypten, die Sinai-Halbinſel und kehrte 1550 über Klein-Aſien und Griechenland nach Rom zurück. Der Schilderung dieſer Reiſe60) ſind reichlich naturhiſtoriſche Notizen eingefügt, oft mit Abbildungen der
60)Les observations de plusieurs singularitez et choses memorables trouvées en Grece, Asie, Judée, Egypte, Arabie et autres pays etranges, re- digées en trois liures. Paris, 1553. 4°. — dann: reveus de rechef et au- gmentez de figures. Anvers, 1555. 8°.
<TEI><text><body><divn="1"><divn="2"><p><pbfacs="#f0343"n="332"/><fwplace="top"type="header">Periode der encyklopädiſchen Darſtellungen.</fw><lb/>
kröte, Krokodil, dann einige Reptilien, der Strauß, Adler, überhaupt<lb/>
fünf Vögel und zuletzt die Heuſchrecke. Er ſagt gegen den Schluß aus-<lb/>
drücklich, daß er Thiere ſchildere, welche in Europa nicht exiſtiren.<lb/>
Die Beſchreibungen ſind kurz, wiſſenſchaftlich kaum brauchbar, aber<lb/>
geographiſch doch wichtig.</p><lb/><p>Bedeutungsvoller war die Ausbeute, welche der Arzt der venetia-<lb/>
niſchen Colonie in Aegypten, <hirendition="#g"><persNameref="http://d-nb.info/gnd/100009867">Prosper Alpinus</persName></hi>, während ſeines<lb/>
dortigen Aufenthaltes gemacht hatte. Er war 1553 in Maneſtica im<lb/>
venetianiſchen Gebiet geboren, wurde 1578 in Padua Doctor der Me-<lb/>
dicin und gieng mit dem venetianiſchen Konſul Georg Ems nach<lb/>
Aegypten. Seine Auseinanderſetzungen über die ägyptiſchen Schlan-<lb/>
gen, Affen, den Hippopotamus, wie ſeine ganze zoologiſche Ueberſicht<lb/>
würde jedenfalls von großem Einfluſſe in ſeiner Zeit geweſen ſein,<lb/>
wenn das ausführlichere, die Zoologie Aegyptens mit berückſichtigende<lb/>
Werk nicht erſt lange, über ein Jahrhundert nach ſeinem Tode ver-<lb/>
öffentlicht worden wäre. Er war 1617 als Profeſſor der Botanik in<lb/>
Padua geſtorben und ſeine Naturgeſchichte Aegyptens erſchien lateiniſch<lb/>
1735 in Leyden. Es muß daher des Mannes und ſeiner Leiſtungen<lb/>
zwar hier gedacht werden; auf die Förderung der Zoologie im vorlie-<lb/>
genden Zeitraum hatte er aber keine Wirkung.</p><lb/><p>Es wird ſpäter der wichtigen monographiſchen Arbeiten <hirendition="#g"><persNameref="http://d-nb.info/gnd/118120646">Pierre<lb/>
Belon</persName></hi>'s gedacht werden. Die reichen Erfahrungen, welche dieſelben<lb/>
charakteriſiren, ſammelte er auf mehreren Reiſen, wovon die eine ſich<lb/>
dem durchreiſten Ländergebiete nach hier anſchließt. Vom Jahre 1547<lb/>
an durchzog er Italien, Griechenland, die Türkei, berührte mehrere<lb/>
griechiſche Inſeln, wie Kreta, Lemnos, gieng dann nach Paläſtina,<lb/>
Aegypten, die Sinai-Halbinſel und kehrte 1550 über Klein-Aſien und<lb/>
Griechenland nach Rom zurück. Der Schilderung dieſer Reiſe<noteplace="foot"n="60)"><hirendition="#aq">Les observations de plusieurs singularitez et choses memorables<lb/>
trouvées en Grece, Asie, Judée, Egypte, Arabie et autres pays etranges, re-<lb/>
digées en trois liures. Paris, 1553. 4°.</hi>— dann: <hirendition="#aq">reveus de rechef et au-<lb/>
gmentez de figures. Anvers, 1555. 8°.</hi></note>ſind<lb/>
reichlich naturhiſtoriſche Notizen eingefügt, oft mit Abbildungen der<lb/></p></div></div></body></text></TEI>
[332/0343]
Periode der encyklopädiſchen Darſtellungen.
kröte, Krokodil, dann einige Reptilien, der Strauß, Adler, überhaupt
fünf Vögel und zuletzt die Heuſchrecke. Er ſagt gegen den Schluß aus-
drücklich, daß er Thiere ſchildere, welche in Europa nicht exiſtiren.
Die Beſchreibungen ſind kurz, wiſſenſchaftlich kaum brauchbar, aber
geographiſch doch wichtig.
Bedeutungsvoller war die Ausbeute, welche der Arzt der venetia-
niſchen Colonie in Aegypten, Prosper Alpinus, während ſeines
dortigen Aufenthaltes gemacht hatte. Er war 1553 in Maneſtica im
venetianiſchen Gebiet geboren, wurde 1578 in Padua Doctor der Me-
dicin und gieng mit dem venetianiſchen Konſul Georg Ems nach
Aegypten. Seine Auseinanderſetzungen über die ägyptiſchen Schlan-
gen, Affen, den Hippopotamus, wie ſeine ganze zoologiſche Ueberſicht
würde jedenfalls von großem Einfluſſe in ſeiner Zeit geweſen ſein,
wenn das ausführlichere, die Zoologie Aegyptens mit berückſichtigende
Werk nicht erſt lange, über ein Jahrhundert nach ſeinem Tode ver-
öffentlicht worden wäre. Er war 1617 als Profeſſor der Botanik in
Padua geſtorben und ſeine Naturgeſchichte Aegyptens erſchien lateiniſch
1735 in Leyden. Es muß daher des Mannes und ſeiner Leiſtungen
zwar hier gedacht werden; auf die Förderung der Zoologie im vorlie-
genden Zeitraum hatte er aber keine Wirkung.
Es wird ſpäter der wichtigen monographiſchen Arbeiten Pierre
Belon's gedacht werden. Die reichen Erfahrungen, welche dieſelben
charakteriſiren, ſammelte er auf mehreren Reiſen, wovon die eine ſich
dem durchreiſten Ländergebiete nach hier anſchließt. Vom Jahre 1547
an durchzog er Italien, Griechenland, die Türkei, berührte mehrere
griechiſche Inſeln, wie Kreta, Lemnos, gieng dann nach Paläſtina,
Aegypten, die Sinai-Halbinſel und kehrte 1550 über Klein-Aſien und
Griechenland nach Rom zurück. Der Schilderung dieſer Reiſe 60) ſind
reichlich naturhiſtoriſche Notizen eingefügt, oft mit Abbildungen der
60) Les observations de plusieurs singularitez et choses memorables
trouvées en Grece, Asie, Judée, Egypte, Arabie et autres pays etranges, re-
digées en trois liures. Paris, 1553. 4°. — dann: reveus de rechef et au-
gmentez de figures. Anvers, 1555. 8°.
Informationen zur CAB-Ansicht
Diese Ansicht bietet Ihnen die Darstellung des Textes in normalisierter Orthographie.
Diese Textvariante wird vollautomatisch erstellt und kann aufgrund dessen auch Fehler enthalten.
Alle veränderten Wortformen sind grau hinterlegt. Als fremdsprachliches Material erkannte
Textteile sind ausgegraut dargestellt.
Carus, Julius Victor: Geschichte der Zoologie bis auf Johannes Müller und Charles Darwin. München, 1872, S. 332. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/carus_zoologie_1872/343>, abgerufen am 22.11.2024.
Alle Inhalte dieser Seite unterstehen, soweit nicht anders gekennzeichnet, einer
Creative-Commons-Lizenz.
Die Rechte an den angezeigten Bilddigitalisaten, soweit nicht anders gekennzeichnet, liegen bei den besitzenden Bibliotheken.
Weitere Informationen finden Sie in den DTA-Nutzungsbedingungen.
Insbesondere im Hinblick auf die §§ 86a StGB und 130 StGB wird festgestellt, dass die auf
diesen Seiten abgebildeten Inhalte weder in irgendeiner Form propagandistischen Zwecken
dienen, oder Werbung für verbotene Organisationen oder Vereinigungen darstellen, oder
nationalsozialistische Verbrechen leugnen oder verharmlosen, noch zum Zwecke der
Herabwürdigung der Menschenwürde gezeigt werden.
Die auf diesen Seiten abgebildeten Inhalte (in Wort und Bild) dienen im Sinne des
§ 86 StGB Abs. 3 ausschließlich historischen, sozial- oder kulturwissenschaftlichen
Forschungszwecken. Ihre Veröffentlichung erfolgt in der Absicht, Wissen zur Anregung
der intellektuellen Selbstständigkeit und Verantwortungsbereitschaft des Staatsbürgers zu
vermitteln und damit der Förderung seiner Mündigkeit zu dienen.
Zitierempfehlung: Deutsches Textarchiv. Grundlage für ein Referenzkorpus der neuhochdeutschen Sprache. Herausgegeben von der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften, Berlin 2024. URL: https://www.deutschestextarchiv.de/.