Dilthey, Wilhelm: Einleitung in die Geisteswissenschaften. Versuch einer Grundlegung für das Studium der Gesellschaft und der Geschichte. Bd. 1. Leipzig, 1883.Zweites Buch. Dritter Abschnitt. wirken vieler Forscher und freigebig zugetheilter Mittel nach großemPlane haben ein Netz quantitativer Bestimmungen auf der alexan- drinischen Grundlage hergestellt, welches einer schöpferischen natur- wissenschaftlichen Epoche unschätzbare Dienste leisten sollte. So ist in die alphonsinischen Tafeln, welche die gemeinsame Arbeit mau- rischer, jüdischer und christlicher Astronomen im Dienste des Königs Alphons von Kastilien (auch das ganz in der Art der Kalifen) hergestellt hat, der Ertrag der arabischen Astronomie überge- gangen, und diese Tafeln waren dann die Grundlage der astro- nomischen Studien 1). So trat in die neue Generation von Völkern, welche Doch war diese Naturerkenntniß der Araber so wenig 1) Näheres über die Leistungen der Araber in der Mathematik bei
Hankel, Z. Geschichte der Mathematik S. 222--293; über ihre Leistungen in der mathemat. Geographie Reinaud Geographie d'Aboulfeda, t. I intro- duction; über ihre Leistungen in der Astronomie Sedillot Materiaux p. s. a l'histoire comparee des sciences mathematiques chez les Grecs et les Orientaux, wozu in Bezug auf die von Sedillot behauptete Anti- cipation der tychonischen Entdeckung der Variation des Mondlaufs durch Abul Wefa die Einwendungen Biot's zu berücksichtigen sind. Zweites Buch. Dritter Abſchnitt. wirken vieler Forſcher und freigebig zugetheilter Mittel nach großemPlane haben ein Netz quantitativer Beſtimmungen auf der alexan- driniſchen Grundlage hergeſtellt, welches einer ſchöpferiſchen natur- wiſſenſchaftlichen Epoche unſchätzbare Dienſte leiſten ſollte. So iſt in die alphonſiniſchen Tafeln, welche die gemeinſame Arbeit mau- riſcher, jüdiſcher und chriſtlicher Aſtronomen im Dienſte des Königs Alphons von Kaſtilien (auch das ganz in der Art der Kalifen) hergeſtellt hat, der Ertrag der arabiſchen Aſtronomie überge- gangen, und dieſe Tafeln waren dann die Grundlage der aſtro- nomiſchen Studien 1). So trat in die neue Generation von Völkern, welche Doch war dieſe Naturerkenntniß der Araber ſo wenig 1) Näheres über die Leiſtungen der Araber in der Mathematik bei
Hankel, Z. Geſchichte der Mathematik S. 222—293; über ihre Leiſtungen in der mathemat. Geographie Reinaud Géographie d’Aboulféda, t. I intro- duction; über ihre Leiſtungen in der Aſtronomie Sédillot Matériaux p. s. à l’histoire comparée des sciences mathématiques chez les Grecs et les Orientaux, wozu in Bezug auf die von Sédillot behauptete Anti- cipation der tychoniſchen Entdeckung der Variation des Mondlaufs durch Abul Wefa die Einwendungen Biot’s zu berückſichtigen ſind. <TEI> <text> <body> <div n="1"> <div n="2"> <div n="3"> <p><pb facs="#f0397" n="374"/><fw place="top" type="header">Zweites Buch. Dritter Abſchnitt.</fw><lb/> wirken vieler Forſcher und freigebig zugetheilter Mittel nach großem<lb/> Plane haben ein Netz quantitativer Beſtimmungen auf der alexan-<lb/> driniſchen Grundlage hergeſtellt, welches einer ſchöpferiſchen natur-<lb/> wiſſenſchaftlichen Epoche unſchätzbare Dienſte leiſten ſollte. So iſt<lb/> in die alphonſiniſchen Tafeln, welche die gemeinſame Arbeit mau-<lb/> riſcher, jüdiſcher und chriſtlicher Aſtronomen im Dienſte des Königs<lb/> Alphons von Kaſtilien (auch das ganz in der Art der Kalifen)<lb/> hergeſtellt hat, der Ertrag der arabiſchen Aſtronomie überge-<lb/> gangen, und dieſe Tafeln waren dann die Grundlage der aſtro-<lb/> nomiſchen Studien <note place="foot" n="1)">Näheres über die Leiſtungen der Araber in der Mathematik bei<lb/> Hankel, Z. Geſchichte der Mathematik S. 222—293; über ihre Leiſtungen in<lb/> der mathemat. Geographie Reinaud <hi rendition="#aq">Géographie d’Aboulféda, t. I intro-<lb/> duction;</hi> über ihre Leiſtungen in der Aſtronomie Sédillot <hi rendition="#aq">Matériaux p.<lb/> s. à l’histoire comparée des sciences mathématiques chez les Grecs<lb/> et les Orientaux</hi>, wozu in Bezug auf die von Sédillot behauptete Anti-<lb/> cipation der tychoniſchen Entdeckung der Variation des Mondlaufs durch<lb/> Abul Wefa die Einwendungen Biot’s zu berückſichtigen ſind.</note>.</p><lb/> <p>So trat in die neue Generation von Völkern, welche<lb/> unter einander in lebendigem Austauſch insbeſondere durch die<lb/> Vermittelung der Juden ſtanden, Kenntniß des naturwiſſenſchaft-<lb/> lichen Vermächtniſſes der Griechen und ſelbſtändige Vermehrung<lb/> dieſes Erbes. Der inneren religiöſen Erfahrung und der Theologie<lb/> ſtellte ſich Naturerkenntniß als ein zweiter unabhängiger Mittel-<lb/> punkt intellektueller Arbeit und Befriedigung gegenüber. In dem<lb/> Reiche des Islam ging dies Licht auf, verbreitete ſich über Spanien,<lb/> und ſchon früh, wie die Geſtalt eines Gerbert zeigt, fielen ſeine<lb/> Strahlen auch in das chriſtliche Abendland.</p><lb/> <p>Doch war dieſe <hi rendition="#g">Naturerkenntniß</hi> der <hi rendition="#g">Araber ſo wenig</hi><lb/> als die der <hi rendition="#g">Alexandriner</hi> im Stande, den vorhandenen<lb/><hi rendition="#g">deſkriptiven</hi> und <hi rendition="#g">teleologiſchen Zuſammenhang</hi> des<lb/> Wiſſens vom Kosmos durch einen, wenn auch noch ſo un-<lb/> vollkommenen Verſuch der <hi rendition="#g">Kauſalerklärung</hi> zu <hi rendition="#g">erſetzen</hi>. —<lb/> Der vorherrſchende Betrieb der formalen und der deſkriptiven<lb/> Wiſſenſchaften und die Macht einer Metaphyſik der pſychiſchen<lb/></p> </div> </div> </div> </body> </text> </TEI> [374/0397]
Zweites Buch. Dritter Abſchnitt.
wirken vieler Forſcher und freigebig zugetheilter Mittel nach großem
Plane haben ein Netz quantitativer Beſtimmungen auf der alexan-
driniſchen Grundlage hergeſtellt, welches einer ſchöpferiſchen natur-
wiſſenſchaftlichen Epoche unſchätzbare Dienſte leiſten ſollte. So iſt
in die alphonſiniſchen Tafeln, welche die gemeinſame Arbeit mau-
riſcher, jüdiſcher und chriſtlicher Aſtronomen im Dienſte des Königs
Alphons von Kaſtilien (auch das ganz in der Art der Kalifen)
hergeſtellt hat, der Ertrag der arabiſchen Aſtronomie überge-
gangen, und dieſe Tafeln waren dann die Grundlage der aſtro-
nomiſchen Studien 1).
So trat in die neue Generation von Völkern, welche
unter einander in lebendigem Austauſch insbeſondere durch die
Vermittelung der Juden ſtanden, Kenntniß des naturwiſſenſchaft-
lichen Vermächtniſſes der Griechen und ſelbſtändige Vermehrung
dieſes Erbes. Der inneren religiöſen Erfahrung und der Theologie
ſtellte ſich Naturerkenntniß als ein zweiter unabhängiger Mittel-
punkt intellektueller Arbeit und Befriedigung gegenüber. In dem
Reiche des Islam ging dies Licht auf, verbreitete ſich über Spanien,
und ſchon früh, wie die Geſtalt eines Gerbert zeigt, fielen ſeine
Strahlen auch in das chriſtliche Abendland.
Doch war dieſe Naturerkenntniß der Araber ſo wenig
als die der Alexandriner im Stande, den vorhandenen
deſkriptiven und teleologiſchen Zuſammenhang des
Wiſſens vom Kosmos durch einen, wenn auch noch ſo un-
vollkommenen Verſuch der Kauſalerklärung zu erſetzen. —
Der vorherrſchende Betrieb der formalen und der deſkriptiven
Wiſſenſchaften und die Macht einer Metaphyſik der pſychiſchen
1) Näheres über die Leiſtungen der Araber in der Mathematik bei
Hankel, Z. Geſchichte der Mathematik S. 222—293; über ihre Leiſtungen in
der mathemat. Geographie Reinaud Géographie d’Aboulféda, t. I intro-
duction; über ihre Leiſtungen in der Aſtronomie Sédillot Matériaux p.
s. à l’histoire comparée des sciences mathématiques chez les Grecs
et les Orientaux, wozu in Bezug auf die von Sédillot behauptete Anti-
cipation der tychoniſchen Entdeckung der Variation des Mondlaufs durch
Abul Wefa die Einwendungen Biot’s zu berückſichtigen ſind.
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