Finen, Eberhard: Eine selige Veränderung Worauf die Christen harren und die darinn zu suchende Beste Veränderung. Braunschweig, 1720.Es führet dieser Wunsch auch mit sich einen Eckel / Widerwillen und Mißfallen an den gegenwärtigen / und einen besondern Gefallen an den zukünfftigen und liebsten / wie es in der Apostel Geschicht von dem Verlangen der IsraelitenAp. Gesch. VIII. 34. nach der Erlösung aus Aegypten gebrauchet wird. Zu solchen Eckel haben die Gläubigen Ursache wegen der Erb-Sünde die noch in ihnen steckt; wegen der bösen Welt / darinnen sie nicht ohne vielerley Gefahr und Noht. Das Zukünfftige aber ist von diesem allen befreyet; Wer wil sie verdencken / daß sie ein sehnliches Verlangen darnach tragen / und zwar ein solch Verlangen / wie das Verlangen guter Freunde / die einander lange nicht gesehen / dergleichen das Verlangen Jacobs nach Joseph war. Hierbey zeiget er aber auch wie solches Sehnen müsse einen guten Grund haben. Er spricht: Doch so, daß wir nicht bloß erfunden werden. Bloß hat uns die Sünde gemacht. Und die Feigen-Blätter und Schürtzen aus Fellen / womit die ersten Eltern bekleidet wurden / deckte zwar ihren Leib / aber die Seele blieb bloß und nackend / weil das anerschaffene Kleid der Gerechtigkeit verlohren worden; davon sind alle ihre Nachkommen noch entblösset / und verdienen den harten Vorwurff jenes Bischoffs: Du bistOffenbahr. Joh. III. 17. jämmerlich, arm, blind und bloß. In solcher Sünden-Blösse darff man keine Hoffnung machen mit dem himmlischen Bau überkleidet zu werden; sondern die das wünschen müssen bekleidet seyn. Womit? Mit den Kleidern des Heils, mit den Rock der Gerechtigkeit.Jes. LXI. 10. Sie müssen anziehen den HErrn JEsumRom. XIII. 14. Christum; Sie müssen anziehen hertzliches Erbarmen, Freundlichkeit, Demuht, Sanfftmuht undCol. III. 12. Gedult, so sind sie schön und herrlich geschmücket,Ps. XLV. 10. 14. so wird ihr JEsus Lust zu ihrer Schöne haben. Es führet dieser Wunsch auch mit sich einen Eckel / Widerwillen und Mißfallen an den gegenwärtigen / und einen besondern Gefallen an den zukünfftigen und liebsten / wie es in der Apostel Geschicht von dem Verlangen der IsraelitenAp. Gesch. VIII. 34. nach der Erlösung aus Aegypten gebrauchet wird. Zu solchen Eckel haben die Gläubigen Ursache wegen der Erb-Sünde die noch in ihnen steckt; wegen der bösen Welt / darinnen sie nicht ohne vielerley Gefahr und Noht. Das Zukünfftige aber ist von diesem allen befreyet; Wer wil sie verdencken / daß sie ein sehnliches Verlangen darnach tragen / und zwar ein solch Verlangen / wie das Verlangen guter Freunde / die einander lange nicht gesehen / dergleichen das Verlangen Jacobs nach Joseph war. Hierbey zeiget er aber auch wie solches Sehnen müsse einen guten Grund haben. Er spricht: Doch so, daß wir nicht bloß erfunden werden. Bloß hat uns die Sünde gemacht. Und die Feigen-Blätter und Schürtzen aus Fellen / womit die ersten Eltern bekleidet wurden / deckte zwar ihren Leib / aber die Seele blieb bloß und nackend / weil das anerschaffene Kleid der Gerechtigkeit verlohren worden; davon sind alle ihre Nachkommen noch entblösset / und verdienen den harten Vorwurff jenes Bischoffs: Du bistOffenbahr. Joh. III. 17. jämmerlich, arm, blind und bloß. In solcher Sünden-Blösse darff man keine Hoffnung machen mit dem himmlischen Bau überkleidet zu werden; sondern die das wünschen müssen bekleidet seyn. Womit? Mit den Kleidern des Heils, mit den Rock der Gerechtigkeit.Jes. LXI. 10. Sie müssen anziehen den HErrn JEsumRom. XIII. 14. Christum; Sie müssen anziehen hertzliches Erbarmen, Freundlichkeit, Demuht, Sanfftmuht undCol. III. 12. Gedult, so sind sie schön und herrlich geschmücket,Ps. 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Es führet dieser Wunsch auch mit sich einen Eckel / Widerwillen und Mißfallen an den gegenwärtigen / und einen besondern Gefallen an den zukünfftigen und liebsten / wie es in der Apostel Geschicht von dem Verlangen der Israeliten nach der Erlösung aus Aegypten gebrauchet wird. Zu solchen Eckel haben die Gläubigen Ursache wegen der Erb-Sünde die noch in ihnen steckt; wegen der bösen Welt / darinnen sie nicht ohne vielerley Gefahr und Noht. Das Zukünfftige aber ist von diesem allen befreyet; Wer wil sie verdencken / daß sie ein sehnliches Verlangen darnach tragen / und zwar ein solch Verlangen / wie das Verlangen guter Freunde / die einander lange nicht gesehen / dergleichen das Verlangen Jacobs nach Joseph war.
Ap. Gesch. VIII. 34. Hierbey zeiget er aber auch wie solches Sehnen müsse einen guten Grund haben. Er spricht: Doch so, daß wir nicht bloß erfunden werden. Bloß hat uns die Sünde gemacht. Und die Feigen-Blätter und Schürtzen aus Fellen / womit die ersten Eltern bekleidet wurden / deckte zwar ihren Leib / aber die Seele blieb bloß und nackend / weil das anerschaffene Kleid der Gerechtigkeit verlohren worden; davon sind alle ihre Nachkommen noch entblösset / und verdienen den harten Vorwurff jenes Bischoffs: Du bist jämmerlich, arm, blind und bloß. In solcher Sünden-Blösse darff man keine Hoffnung machen mit dem himmlischen Bau überkleidet zu werden; sondern die das wünschen müssen bekleidet seyn. Womit? Mit den Kleidern des Heils, mit den Rock der Gerechtigkeit. Sie müssen anziehen den HErrn JEsum Christum; Sie müssen anziehen hertzliches Erbarmen, Freundlichkeit, Demuht, Sanfftmuht und Gedult, so sind sie schön und herrlich geschmücket, so wird ihr JEsus Lust zu ihrer Schöne haben.
Offenbahr. Joh. III. 17.
Jes. LXI. 10.
Rom. XIII. 14.
Col. III. 12.
Ps. XLV. 10. 14.
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