Fouqué, Caroline de la Motte-: Magie der Natur. In: Kleine Romanenbibliothek von und für Damen. Berlin, 1812.allen darin wohl war, und Marie oftmals mit innerm Behagen dachte, wie schön es sei, sich als Mittelpunkt einer so geschaffenen kleinen Welt zu finden! Sie beneidete Felicitas darum, wie denn überhaupt der Umgang dieser stets heiteren Frau, die Anlage zu mancher häuslichen Tugend und den alles fördernden und über allem waltenden Ordnungssinn mehr und mehr in ihr heraushob, und ihr vielfache Unterhaltung in der wohleingerichteten Haushaltung gab. Jetzt ward der Faden ihrer kleinen Gedankenspiele plötzlich wieder zerrissen, der einfach ruhige Farbenton ihrer Vorstellungen gemischt, vervielfacht, ihr Blick auf Ungekanntes gelenkt, sie konnte sich der innern Trauer so wenig wie des Gedankens erwehren, daß solch unstätes Leben sie nur verwirre, und ihr Gefühl noch oft zerreißen werde. Ihre Zärtlichkeit für die; welche sie verlaßen sollte, mehrte sich mit jeder Stunde, und bewegte sowohl Felicitas, wie ihren Mann, auf solche Weise, daß Erstere ihr einen feinen Spitzenschleier, Letzterer aber zwei mit einander verbundene Goldringe, mit dem Bedeuten verehrte, solche an ihrem Hochzeitstage von einander zu lösen und die Einigkeit und freudige Lust, die sie hier verbunden, mit dem Geliebten zu theilen; wie Gott ihrer beider Hände dann zusammenfügen werde, so werde sich allen darin wohl war, und Marie oftmals mit innerm Behagen dachte, wie schön es sei, sich als Mittelpunkt einer so geschaffenen kleinen Welt zu finden! Sie beneidete Felicitas darum, wie denn überhaupt der Umgang dieser stets heiteren Frau, die Anlage zu mancher häuslichen Tugend und den alles fördernden und über allem waltenden Ordnungssinn mehr und mehr in ihr heraushob, und ihr vielfache Unterhaltung in der wohleingerichteten Haushaltung gab. Jetzt ward der Faden ihrer kleinen Gedankenspiele plötzlich wieder zerrissen, der einfach ruhige Farbenton ihrer Vorstellungen gemischt, vervielfacht, ihr Blick auf Ungekanntes gelenkt, sie konnte sich der innern Trauer so wenig wie des Gedankens erwehren, daß solch unstätes Leben sie nur verwirre, und ihr Gefühl noch oft zerreißen werde. Ihre Zärtlichkeit für die; welche sie verlaßen sollte, mehrte sich mit jeder Stunde, und bewegte sowohl Felicitas, wie ihren Mann, auf solche Weise, daß Erstere ihr einen feinen Spitzenschleier, Letzterer aber zwei mit einander verbundene Goldringe, mit dem Bedeuten verehrte, solche an ihrem Hochzeitstage von einander zu lösen und die Einigkeit und freudige Lust, die sie hier verbunden, mit dem Geliebten zu theilen; wie Gott ihrer beider Hände dann zusammenfügen werde, so werde sich <TEI> <text> <body> <div n="1"> <div n="2"> <p><pb facs="#f0123" n="116"/> allen darin wohl war, und Marie oftmals mit innerm Behagen dachte, wie schön es sei, sich als Mittelpunkt einer so geschaffenen kleinen Welt zu finden! Sie beneidete Felicitas darum, wie denn überhaupt der Umgang dieser stets heiteren Frau, die Anlage zu mancher häuslichen Tugend und den alles fördernden und über allem waltenden Ordnungssinn mehr und mehr in ihr heraushob, und ihr vielfache Unterhaltung in der wohleingerichteten Haushaltung gab. Jetzt ward der Faden ihrer kleinen Gedankenspiele plötzlich wieder zerrissen, der einfach ruhige Farbenton ihrer Vorstellungen gemischt, vervielfacht, ihr Blick auf Ungekanntes gelenkt, sie konnte sich der innern Trauer so wenig wie des Gedankens erwehren, daß solch unstätes Leben sie nur verwirre, und ihr Gefühl noch oft zerreißen werde.</p> <p>Ihre Zärtlichkeit für die; welche sie verlaßen sollte, mehrte sich mit jeder Stunde, und bewegte sowohl Felicitas, wie ihren Mann, auf solche Weise, daß Erstere ihr einen feinen Spitzenschleier, Letzterer aber zwei mit einander verbundene Goldringe, mit dem Bedeuten verehrte, solche an ihrem Hochzeitstage von einander zu lösen und die Einigkeit und freudige Lust, die sie hier verbunden, mit dem Geliebten zu theilen; wie Gott ihrer beider Hände dann zusammenfügen werde, so werde sich </p> </div> </div> </body> </text> </TEI> [116/0123]
allen darin wohl war, und Marie oftmals mit innerm Behagen dachte, wie schön es sei, sich als Mittelpunkt einer so geschaffenen kleinen Welt zu finden! Sie beneidete Felicitas darum, wie denn überhaupt der Umgang dieser stets heiteren Frau, die Anlage zu mancher häuslichen Tugend und den alles fördernden und über allem waltenden Ordnungssinn mehr und mehr in ihr heraushob, und ihr vielfache Unterhaltung in der wohleingerichteten Haushaltung gab. Jetzt ward der Faden ihrer kleinen Gedankenspiele plötzlich wieder zerrissen, der einfach ruhige Farbenton ihrer Vorstellungen gemischt, vervielfacht, ihr Blick auf Ungekanntes gelenkt, sie konnte sich der innern Trauer so wenig wie des Gedankens erwehren, daß solch unstätes Leben sie nur verwirre, und ihr Gefühl noch oft zerreißen werde.
Ihre Zärtlichkeit für die; welche sie verlaßen sollte, mehrte sich mit jeder Stunde, und bewegte sowohl Felicitas, wie ihren Mann, auf solche Weise, daß Erstere ihr einen feinen Spitzenschleier, Letzterer aber zwei mit einander verbundene Goldringe, mit dem Bedeuten verehrte, solche an ihrem Hochzeitstage von einander zu lösen und die Einigkeit und freudige Lust, die sie hier verbunden, mit dem Geliebten zu theilen; wie Gott ihrer beider Hände dann zusammenfügen werde, so werde sich
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