Die Gräsereyen bestehen hauptsächlich aus dreyerley Gewächsarten, die unter den Namen des Grases verstanden, zu Heu gemacht, und zuletzt oder in manchen Jahren abgehütet werden, als: 1) aus einem wirklichen Grase, welches von den übrigen Gewächsarten völlig verschieden ist, 2) aus Kräutern, welche ihre wohlbestimmten Kennzeichen haben, 3) aus Staudengewächsen, die mit den Kräutern außer der Größe, Dauer, Ansehen und Vermehrung vieles gemein haben, in Absicht aber auf die Nutzung von vieler Bedeutung sind. Was das eigentliche Gras betrift, so macht es auf den Wiesen allezeit den größten Theil aus, und wenn die Futterung sowohl frisch, als in Heu, die rechte Eigenschaft haben soll, muß es allezeit, vor allen andern das meiste seyn.
Das Gras selbst (Gramen) hat als eine zahl- reiche Gewächsklasse, seine verschiedenen Arten und deren Gattungen, deren Unterschiede in aller phy- sikalischen und ökonomischen Betrachtung unge- mein wichtig sind. In Betrachtung der Nutzung zu ökonomischen Absichten giebt es wahre Grase, (Gramina vera) und deren verwandte Gewächsar- ten (Gramina officinalia) welche sonst Riede- Seg- ge- Schilf- Cyper- und Binsenartige Gräser ge- nennet werden, auf die der Landwirth, wegen ihrer Eigenschaft zu futtern oder zu schaden, gar sehr Acht zu geben Ursache hat, so wie er von den wahren Grasen aus der Erfahrung hat, daß sie bald grün
bald
Die Graͤſereyen beſtehen hauptſaͤchlich aus dreyerley Gewaͤchsarten, die unter den Namen des Graſes verſtanden, zu Heu gemacht, und zuletzt oder in manchen Jahren abgehuͤtet werden, als: 1) aus einem wirklichen Graſe, welches von den uͤbrigen Gewaͤchsarten voͤllig verſchieden iſt, 2) aus Kraͤutern, welche ihre wohlbeſtimmten Kennzeichen haben, 3) aus Staudengewaͤchſen, die mit den Kraͤutern außer der Groͤße, Dauer, Anſehen und Vermehrung vieles gemein haben, in Abſicht aber auf die Nutzung von vieler Bedeutung ſind. Was das eigentliche Gras betrift, ſo macht es auf den Wieſen allezeit den groͤßten Theil aus, und wenn die Futterung ſowohl friſch, als in Heu, die rechte Eigenſchaft haben ſoll, muß es allezeit, vor allen andern das meiſte ſeyn.
Das Gras ſelbſt (Gramen) hat als eine zahl- reiche Gewaͤchsklaſſe, ſeine verſchiedenen Arten und deren Gattungen, deren Unterſchiede in aller phy- ſikaliſchen und oͤkonomiſchen Betrachtung unge- mein wichtig ſind. In Betrachtung der Nutzung zu oͤkonomiſchen Abſichten giebt es wahre Graſe, (Gramina vera) und deren verwandte Gewaͤchsar- ten (Gramina officinalia) welche ſonſt Riede- Seg- ge- Schilf- Cyper- und Binſenartige Graͤſer ge- nennet werden, auf die der Landwirth, wegen ihrer Eigenſchaft zu futtern oder zu ſchaden, gar ſehr Acht zu geben Urſache hat, ſo wie er von den wahren Graſen aus der Erfahrung hat, daß ſie bald gruͤn
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Die Graͤſereyen beſtehen hauptſaͤchlich aus
dreyerley Gewaͤchsarten, die unter den Namen des
Graſes verſtanden, zu Heu gemacht, und zuletzt
oder in manchen Jahren abgehuͤtet werden, als:
1) aus einem wirklichen Graſe, welches von den
uͤbrigen Gewaͤchsarten voͤllig verſchieden iſt, 2) aus
Kraͤutern, welche ihre wohlbeſtimmten Kennzeichen
haben, 3) aus Staudengewaͤchſen, die mit den
Kraͤutern außer der Groͤße, Dauer, Anſehen und
Vermehrung vieles gemein haben, in Abſicht aber
auf die Nutzung von vieler Bedeutung ſind. Was
das eigentliche Gras betrift, ſo macht es auf den
Wieſen allezeit den groͤßten Theil aus, und wenn
die Futterung ſowohl friſch, als in Heu, die rechte
Eigenſchaft haben ſoll, muß es allezeit, vor allen
andern das meiſte ſeyn.
Das Gras ſelbſt (Gramen) hat als eine zahl-
reiche Gewaͤchsklaſſe, ſeine verſchiedenen Arten und
deren Gattungen, deren Unterſchiede in aller phy-
ſikaliſchen und oͤkonomiſchen Betrachtung unge-
mein wichtig ſind. In Betrachtung der Nutzung
zu oͤkonomiſchen Abſichten giebt es wahre Graſe,
(Gramina vera) und deren verwandte Gewaͤchsar-
ten (Gramina officinalia) welche ſonſt Riede- Seg-
ge- Schilf- Cyper- und Binſenartige Graͤſer ge-
nennet werden, auf die der Landwirth, wegen ihrer
Eigenſchaft zu futtern oder zu ſchaden, gar ſehr Acht
zu geben Urſache hat, ſo wie er von den wahren
Graſen aus der Erfahrung hat, daß ſie bald gruͤn
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Gleditsch, Johann Gottlieb: Vermischte botanische und ökonomische Abhandlungen. Bd. 2. Berlin, 1789, S. 164. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/gleditsch_abhandlungen02_1789/174>, abgerufen am 25.11.2024.
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