Goethe, Johann Wolfgang von: Die Wahlverwandtschaften. Bd. 2. Tübingen, 1809.alle Thüren verschlossen fand, auf den Ober¬ Eben schwankte der Zug den reinlichen mit Auseinander fuhr die Menge mit einem alle Thuͤren verſchloſſen fand, auf den Ober¬ Eben ſchwankte der Zug den reinlichen mit Auseinander fuhr die Menge mit einem <TEI> <text> <body> <div n="1"> <p><pb facs="#f0331" n="328"/> alle Thuͤren verſchloſſen fand, auf den Ober¬<lb/> boden.</p><lb/> <p>Eben ſchwankte der Zug den reinlichen mit<lb/> Blaͤttern beſtreuten Weg durchs Dorf hin.<lb/> Nanny ſah ihre Gebieterinn deutlich unter<lb/> ſich, deutlicher, vollſtaͤndiger, ſchoͤner als alle<lb/> die dem Zuge folgten. Ueberirdiſch, wie auf<lb/> Wolken oder Wogen getragen, ſchien ſie ihrer<lb/> Dienerinn zu winken, und dieſe verworren<lb/> ſchwankend taumelnd ſtuͤrzte hinab.</p><lb/> <p>Auseinander fuhr die Menge mit einem<lb/> entſetzlichen Schrey nach allen Seiten. Vom<lb/> Draͤngen und Getuͤmmel waren die Traͤger<lb/> genoͤthigt die Baare niederzuſetzen. Das Kind<lb/> lag ganz nahe daran; es ſchien an allen Glie¬<lb/> dern zerſchmettert. Man hob es auf; und<lb/> zufaͤllig oder aus beſonderer Fuͤgung lehnte<lb/> man es uͤber die Leiche, ja es ſchien ſelbſt<lb/> noch mit dem letzten Lebensreſt ſeine geliebte<lb/> Herrinn erreichen zu wollen. Kaum aber<lb/></p> </div> </body> </text> </TEI> [328/0331]
alle Thuͤren verſchloſſen fand, auf den Ober¬
boden.
Eben ſchwankte der Zug den reinlichen mit
Blaͤttern beſtreuten Weg durchs Dorf hin.
Nanny ſah ihre Gebieterinn deutlich unter
ſich, deutlicher, vollſtaͤndiger, ſchoͤner als alle
die dem Zuge folgten. Ueberirdiſch, wie auf
Wolken oder Wogen getragen, ſchien ſie ihrer
Dienerinn zu winken, und dieſe verworren
ſchwankend taumelnd ſtuͤrzte hinab.
Auseinander fuhr die Menge mit einem
entſetzlichen Schrey nach allen Seiten. Vom
Draͤngen und Getuͤmmel waren die Traͤger
genoͤthigt die Baare niederzuſetzen. Das Kind
lag ganz nahe daran; es ſchien an allen Glie¬
dern zerſchmettert. Man hob es auf; und
zufaͤllig oder aus beſonderer Fuͤgung lehnte
man es uͤber die Leiche, ja es ſchien ſelbſt
noch mit dem letzten Lebensreſt ſeine geliebte
Herrinn erreichen zu wollen. Kaum aber
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Zitationshilfe: | Goethe, Johann Wolfgang von: Die Wahlverwandtschaften. Bd. 2. Tübingen, 1809, S. 328. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/goethe_wahlverw02_1809/331>, abgerufen am 16.02.2025. |