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Der Hollsteinische unpartheyische Correspondente. Nr. 27, Hamburg, 21. September 1712.

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[Spaltenumbruch] stern Abend ist der Schout bey Nacht Troyel mit sei-
ner Esquadre/ so in 8. Kriegs-Schiffen und 4. Fre-
gatten bestehet/ den Sund paßiret/ und heute zu der
grossen Flotte gestossen/ worauff Jhro Excellence/
der Herr General Admiral Güldenlew/ Anstalt ge-
machet/ daß die gantze Flotte morgen könne zu Seegel
gehen/ um die Schwedische auffzusuchen.

Vom Türckis. Frieden mit Moscau/ und
der Retour des Königs in Schweden.

Heutige Briefe aus Poh-
len geben/ daß nachdem 2 Couriers von Constantino-
pel abgangen/ einer von den geheimen Ministern vom
Czaaren ihnen gefolget wäre/ welcher nur 16 Tage
unter Weges gewesen; Derselbe hat gesaget/ daß der
König von Schweden nun in procinctu stünde/ von
Bender abzureisen; Jns besondere hat er sich verlau-
ten lassen/ daß er seine Reise beschleunigte/ damit/
wann die Türcken in Pohlen kämen/ sie allda keine
Moscowiter mehr vor sich finden/ dann sie Ordre hät-
ten/ darauff zu schlagen. Der Groß-Sultan soll/
wie versichert wird/ sehr auff des Königs von Schwe-
den Seite seyn/ der Groß-Vezier aber hielte die Mo-
scowitische Parthey/ der dann auch diesen Mosco-
witischen Minister abgefertiget/ um vorhero Pohlen
von den Moscowitischen Troupoen zu säubern/ da-
durch einen neuen Krieg zu vermeiden.

Von den Pohlnischen Troublen.

Der Obriste Kaminiecky
hat die Cavallerie des Starosten Bobruisky 3 Mei-
len von Crackau geschlagen/ 100 Mann sind auffm
Platz geblieben/ [300] gefangen genommen/ und der
Rest zerstreu[et][verlorenes Material] er Staroste hat sich nur mit [verlorenes Material]
sohnen [verlorenes Material]en können; Seine M[verlorenes Material]standen
Dragounern.

Die Moscowiter ma-
chen aus ihrem gedroheten Rück-marsch nach hiesi-
ger Crone nun endlich einen rechten Ernst/ immassen
der General Rönne bereits Ordre erhalten/ densel-
ben zu beschleunigen.

Aus der Ukraine von
Czernicow wird vor gewiß gemeldet/ daß der Gener.
Rönne mit denen Moscowitischen Völckern würck-
lich im March begriffen/ und gehen dieselben in drey
Colomnen auff Lubain und Ostru gegen Littauen zu.

P. S. Mit einer Staffetta vernimmt man/ daß
der jüngere Hr. Brzuchowsky die Pohlnische Vestung
Stanislawowa mit Sturm eingenommen/ und die
darinnen gelegene Potockische Guarnison zu Kriegs-
Gefangenen gemacht habe.

Der Groß-Czaari-
sche General-Feld-Marschall Szeremetoff hat
durch ein Universal den Ständen der Cron Poh-
[Spaltenumbruch] len und des Groß-Hertzogthums Littauen kund
und zu wissen gethan/ daß dem/ zwischen Sr. Czaa-
rischen Majest. und der Ottomannischen Anno 1711
am Fluß Prut geschlossenen/ und in dem itztlauffen-
den 1712ten Jahr auffs neue confirmirten Frieden
unter andern folgende zwey Puncte einverleibet wor-
den: Nemlich/ daß Seine Czaarische Majest. dero
Trouppen aus der Cron Pohlen und denen incorpo-
rirten Landen heraus ziehen solle/ und daß ferner dem
König von Schweden ein freyer Durchmarch durch
das Königreich Pohlen nach seinen Erblanden unter
der Condition solle verstattet werden/ daß Se. Maj.
währendem Dero Durchmarch keine Factiones zum
Präjuditz Sr. Czaar Majest. und der Durchl. Re-
publique machen/ widrigenfals aber Sr. Czaar. Ma-
jest. frey stehen solle/ Dero Trouppen nach Pohlen zu
revociren; Obwolen nun Se. Czaarische Majest.
um ermeldten Frieden ein Genügen zu thun/ dero
Trouppen aus denen Provintzien der Durchl. Re-
publique von Pohlen haben marschiren lassen; so ha-
be man doch vor einiger Zeit erfahren müssen/ was
massen nicht allein Se. Maj. der König von Schwe-
den/ sammt dem Woywoden von Kyow/ eine Par-
they Zaporowischer Cosaken/ Schweden und Pohlen/
unter Commando des Regimentarii Grudzinski und
Potocki/ in Pohlen einrücken lassen/ welche zwischen
Thorn und Posen ein nach Pommern marschirendes
Moscowitisches Regiment nächtlicher Zeit überfal-
len/ den commandirenden [Obri]sten/ sammt dem Ma-
jor und unter [verlorenes Material]enen Gemeinen/ gefangen genom-
[men son]dern auch viele von dem Adel aus der Cra-
kauischen/ Sieradzischen und Kalischen Woywod-
schafft sich mit diesen Völckern conjungiret/ und den
ohnlängst mit Türckey geschlossenen Frieden zuerst
violiret haben/ also daß ihm niemand verargen kön-
te/ wann er nun den übeln Consequentien/ welche hier-
aus entstehen/ vorzubeugen mit Sr. Czaar. Majest.
Trouppen wiederum in Pohlen einrücken thäte; in-
dessen habe er zuvor alle Einwohner der Durchl. Re-
publique hiermit nochmahls warnen wollen/ daß sel-
bige von dergleichen feindlichen Actionen abstehen/
und sich mit denen Feinden Sr. Czaar. Majest. und
der Republique nicht meliren möchten; widrigenfals
werde er die von Sr. Czaar. Majest. habende Ordre
exequiren/ und gegen diese Malcontenten feindlich
verfahren müssen. Zu dem Ende habe er an die un-
ter seinem Commando stehende Trouppen Befehl
ergehen lassen/ sich an die Gräntze von Pohlen zu
ziehen/ damit selbige auff benöthigten Fall zur Hand
seyn mögen/ alle widrig-gesinnte und der Durchl. Re-
publique von Pohlen Ruin suchende Gemüther zur
Raison zu bringen.


Vom

[Spaltenumbruch] ſtern Abend iſt der Schout bey Nacht Troyel mit ſei-
ner Esquadre/ ſo in 8. Kriegs-Schiffen und 4. Fre-
gatten beſtehet/ den Sund paßiret/ und heute zu der
groſſen Flotte geſtoſſen/ worauff Jhro Excellence/
der Herr General Admiral Guͤldenlew/ Anſtalt ge-
machet/ daß die gantze Flotte morgen koͤnne zu Seegel
gehen/ um die Schwediſche auffzuſuchen.

Vom Tuͤrckiſ. Frieden mit Moſcau/ und
der Retour des Koͤnigs in Schweden.

Heutige Briefe aus Poh-
len geben/ daß nachdem 2 Couriers von Conſtantino-
pel abgangen/ einer von den geheimen Miniſtern vom
Czaaren ihnen gefolget waͤre/ welcher nur 16 Tage
unter Weges geweſen; Derſelbe hat geſaget/ daß der
Koͤnig von Schweden nun in procinctu ſtuͤnde/ von
Bender abzureiſen; Jns beſondere hat er ſich verlau-
ten laſſen/ daß er ſeine Reiſe beſchleunigte/ damit/
wann die Tuͤrcken in Pohlen kaͤmen/ ſie allda keine
Moſcowiter mehr vor ſich finden/ dann ſie Ordre haͤt-
ten/ darauff zu ſchlagen. Der Groß-Sultan ſoll/
wie verſichert wird/ ſehr auff des Koͤnigs von Schwe-
den Seite ſeyn/ der Groß-Vezier aber hielte die Mo-
ſcowitiſche Parthey/ der dann auch dieſen Moſco-
witiſchen Miniſter abgefertiget/ um vorhero Pohlen
von den Moſcowitiſchen Troupoen zu ſaͤubern/ da-
durch einen neuen Krieg zu vermeiden.

Von den Pohlniſchen Troublen.

Der Obriſte Kaminiecky
hat die Cavallerie des Staroſten Bobruisky 3 Mei-
len von Crackau geſchlagen/ 100 Mann ſind auffm
Platz geblieben/ [300] gefangen genommen/ und der
Reſt zerſtreu[et][verlorenes Material] er Staroſte hat ſich nur mit [verlorenes Material]
ſohnen [verlorenes Material]en koͤnnen; Seine M[verlorenes Material]ſtanden
Dragounern.

Die Moſcowiter ma-
chen aus ihrem gedroheten Ruͤck-marſch nach hieſi-
ger Crone nun endlich einen rechten Ernſt/ immaſſen
der General Roͤnne bereits Ordre erhalten/ denſel-
ben zu beſchleunigen.

Aus der Ukraine von
Czernicow wird vor gewiß gemeldet/ daß der Gener.
Roͤnne mit denen Moſcowitiſchen Voͤlckern wuͤrck-
lich im March begriffen/ und gehen dieſelben in drey
Colomnen auff Lubain und Oſtru gegen Littauen zu.

P. S. Mit einer Staffetta vernimmt man/ daß
der juͤngere Hr. Brzuchowsky die Pohlniſche Veſtung
Stanislawowa mit Sturm eingenommen/ und die
darinnen gelegene Potockiſche Guarniſon zu Kriegs-
Gefangenen gemacht habe.

Der Groß-Czaari-
ſche General-Feld-Marſchall Szeremetoff hat
durch ein Univerſal den Staͤnden der Cron Poh-
[Spaltenumbruch] len und des Groß-Hertzogthums Littauen kund
und zu wiſſen gethan/ daß dem/ zwiſchen Sr. Czaa-
riſchen Majeſt. und der Ottomanniſchen Anno 1711
am Fluß Prut geſchloſſenen/ und in dem itztlauffen-
den 1712ten Jahr auffs neue confirmirten Frieden
unter andern folgende zwey Puncte einverleibet wor-
den: Nemlich/ daß Seine Czaariſche Majeſt. dero
Trouppen aus der Cron Pohlen und denen incorpo-
rirten Landen heraus ziehen ſolle/ und daß ferner dem
Koͤnig von Schweden ein freyer Durchmarch durch
das Koͤnigreich Pohlen nach ſeinen Erblanden unter
der Condition ſolle verſtattet werden/ daß Se. Maj.
waͤhrendem Dero Durchmarch keine Factiones zum
Praͤjuditz Sr. Czaar Majeſt. und der Durchl. Re-
publique machen/ widrigenfals aber Sr. Czaar. Ma-
jeſt. frey ſtehen ſolle/ Dero Trouppen nach Pohlen zu
revociren; Obwolen nun Se. Czaariſche Majeſt.
um ermeldten Frieden ein Genuͤgen zu thun/ dero
Trouppen aus denen Provintzien der Durchl. Re-
publique von Pohlen haben marſchiren laſſen; ſo ha-
be man doch vor einiger Zeit erfahren muͤſſen/ was
maſſen nicht allein Se. Maj. der Koͤnig von Schwe-
den/ ſammt dem Woywoden von Kyow/ eine Par-
they Zaporowiſcher Coſaken/ Schweden und Pohlen/
unter Commando des Regimentarii Grudzinski und
Potocki/ in Pohlen einruͤcken laſſen/ welche zwiſchen
Thorn und Poſen ein nach Pommern marſchirendes
Moſcowitiſches Regiment naͤchtlicher Zeit uͤberfal-
len/ den commandirenden [Obri]ſten/ ſammt dem Ma-
jor und unter [verlorenes Material]enen Gemeinen/ gefangen genom-
[men ſon]dern auch viele von dem Adel aus der Cra-
kauiſchen/ Sieradziſchen und Kaliſchen Woywod-
ſchafft ſich mit dieſen Voͤlckern conjungiret/ und den
ohnlaͤngſt mit Tuͤrckey geſchloſſenen Frieden zuerſt
violiret haben/ alſo daß ihm niemand verargen koͤn-
te/ wann er nun den uͤbeln Conſequentien/ welche hier-
aus entſtehen/ vorzubeugen mit Sr. Czaar. Majeſt.
Trouppen wiederum in Pohlen einruͤcken thaͤte; in-
deſſen habe er zuvor alle Einwohner der Durchl. Re-
publique hiermit nochmahls warnen wollen/ daß ſel-
bige von dergleichen feindlichen Actionen abſtehen/
und ſich mit denen Feinden Sr. Czaar. Majeſt. und
der Republique nicht meliren moͤchten; widrigenfals
werde er die von Sr. Czaar. Majeſt. habende Ordre
exequiren/ und gegen dieſe Malcontenten feindlich
verfahren muͤſſen. Zu dem Ende habe er an die un-
ter ſeinem Commando ſtehende Trouppen Befehl
ergehen laſſen/ ſich an die Graͤntze von Pohlen zu
ziehen/ damit ſelbige auff benoͤthigten Fall zur Hand
ſeyn moͤgen/ alle widrig-geſinnte und der Durchl. Re-
publique von Pohlen Ruin ſuchende Gemuͤther zur
Raiſon zu bringen.


Vom
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[[2]/0002] ſtern Abend iſt der Schout bey Nacht Troyel mit ſei- ner Esquadre/ ſo in 8. Kriegs-Schiffen und 4. Fre- gatten beſtehet/ den Sund paßiret/ und heute zu der groſſen Flotte geſtoſſen/ worauff Jhro Excellence/ der Herr General Admiral Guͤldenlew/ Anſtalt ge- machet/ daß die gantze Flotte morgen koͤnne zu Seegel gehen/ um die Schwediſche auffzuſuchen. Vom Tuͤrckiſ. Frieden mit Moſcau/ und der Retour des Koͤnigs in Schweden. Dantzig/ vom 10 Sept. Heutige Briefe aus Poh- len geben/ daß nachdem 2 Couriers von Conſtantino- pel abgangen/ einer von den geheimen Miniſtern vom Czaaren ihnen gefolget waͤre/ welcher nur 16 Tage unter Weges geweſen; Derſelbe hat geſaget/ daß der Koͤnig von Schweden nun in procinctu ſtuͤnde/ von Bender abzureiſen; Jns beſondere hat er ſich verlau- ten laſſen/ daß er ſeine Reiſe beſchleunigte/ damit/ wann die Tuͤrcken in Pohlen kaͤmen/ ſie allda keine Moſcowiter mehr vor ſich finden/ dann ſie Ordre haͤt- ten/ darauff zu ſchlagen. Der Groß-Sultan ſoll/ wie verſichert wird/ ſehr auff des Koͤnigs von Schwe- den Seite ſeyn/ der Groß-Vezier aber hielte die Mo- ſcowitiſche Parthey/ der dann auch dieſen Moſco- witiſchen Miniſter abgefertiget/ um vorhero Pohlen von den Moſcowitiſchen Troupoen zu ſaͤubern/ da- durch einen neuen Krieg zu vermeiden. Von den Pohlniſchen Troublen. Dantzig/ vom 10 Sept. Der Obriſte Kaminiecky hat die Cavallerie des Staroſten Bobruisky 3 Mei- len von Crackau geſchlagen/ 100 Mann ſind auffm Platz geblieben/ 300 gefangen genommen/ und der Reſt zerſtreuet_ er Staroſte hat ſich nur mit _ ſohnen _ en koͤnnen; Seine M_ ſtanden Dragounern. Warſchau/ vom 10 Sept. Die Moſcowiter ma- chen aus ihrem gedroheten Ruͤck-marſch nach hieſi- ger Crone nun endlich einen rechten Ernſt/ immaſſen der General Roͤnne bereits Ordre erhalten/ denſel- ben zu beſchleunigen. Ein anders/ vom 11 Sept. Aus der Ukraine von Czernicow wird vor gewiß gemeldet/ daß der Gener. Roͤnne mit denen Moſcowitiſchen Voͤlckern wuͤrck- lich im March begriffen/ und gehen dieſelben in drey Colomnen auff Lubain und Oſtru gegen Littauen zu. P. S. Mit einer Staffetta vernimmt man/ daß der juͤngere Hr. Brzuchowsky die Pohlniſche Veſtung Stanislawowa mit Sturm eingenommen/ und die darinnen gelegene Potockiſche Guarniſon zu Kriegs- Gefangenen gemacht habe. Lublin/ den 1. Septembr. Der Groß-Czaari- ſche General-Feld-Marſchall Szeremetoff hat durch ein Univerſal den Staͤnden der Cron Poh- len und des Groß-Hertzogthums Littauen kund und zu wiſſen gethan/ daß dem/ zwiſchen Sr. Czaa- riſchen Majeſt. und der Ottomanniſchen Anno 1711 am Fluß Prut geſchloſſenen/ und in dem itztlauffen- den 1712ten Jahr auffs neue confirmirten Frieden unter andern folgende zwey Puncte einverleibet wor- den: Nemlich/ daß Seine Czaariſche Majeſt. dero Trouppen aus der Cron Pohlen und denen incorpo- rirten Landen heraus ziehen ſolle/ und daß ferner dem Koͤnig von Schweden ein freyer Durchmarch durch das Koͤnigreich Pohlen nach ſeinen Erblanden unter der Condition ſolle verſtattet werden/ daß Se. Maj. waͤhrendem Dero Durchmarch keine Factiones zum Praͤjuditz Sr. Czaar Majeſt. und der Durchl. Re- publique machen/ widrigenfals aber Sr. Czaar. Ma- jeſt. frey ſtehen ſolle/ Dero Trouppen nach Pohlen zu revociren; Obwolen nun Se. Czaariſche Majeſt. um ermeldten Frieden ein Genuͤgen zu thun/ dero Trouppen aus denen Provintzien der Durchl. Re- publique von Pohlen haben marſchiren laſſen; ſo ha- be man doch vor einiger Zeit erfahren muͤſſen/ was maſſen nicht allein Se. Maj. der Koͤnig von Schwe- den/ ſammt dem Woywoden von Kyow/ eine Par- they Zaporowiſcher Coſaken/ Schweden und Pohlen/ unter Commando des Regimentarii Grudzinski und Potocki/ in Pohlen einruͤcken laſſen/ welche zwiſchen Thorn und Poſen ein nach Pommern marſchirendes Moſcowitiſches Regiment naͤchtlicher Zeit uͤberfal- len/ den commandirenden Obriſten/ ſammt dem Ma- jor und unter _ enen Gemeinen/ gefangen genom- men ſondern auch viele von dem Adel aus der Cra- kauiſchen/ Sieradziſchen und Kaliſchen Woywod- ſchafft ſich mit dieſen Voͤlckern conjungiret/ und den ohnlaͤngſt mit Tuͤrckey geſchloſſenen Frieden zuerſt violiret haben/ alſo daß ihm niemand verargen koͤn- te/ wann er nun den uͤbeln Conſequentien/ welche hier- aus entſtehen/ vorzubeugen mit Sr. Czaar. Majeſt. Trouppen wiederum in Pohlen einruͤcken thaͤte; in- deſſen habe er zuvor alle Einwohner der Durchl. Re- publique hiermit nochmahls warnen wollen/ daß ſel- bige von dergleichen feindlichen Actionen abſtehen/ und ſich mit denen Feinden Sr. Czaar. Majeſt. und der Republique nicht meliren moͤchten; widrigenfals werde er die von Sr. Czaar. Majeſt. habende Ordre exequiren/ und gegen dieſe Malcontenten feindlich verfahren muͤſſen. Zu dem Ende habe er an die un- ter ſeinem Commando ſtehende Trouppen Befehl ergehen laſſen/ ſich an die Graͤntze von Pohlen zu ziehen/ damit ſelbige auff benoͤthigten Fall zur Hand ſeyn moͤgen/ alle widrig-geſinnte und der Durchl. Re- publique von Pohlen Ruin ſuchende Gemuͤther zur Raiſon zu bringen. Vom

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Zitationshilfe: Der Hollsteinische unpartheyische Correspondente. Nr. 27, Hamburg, 21. September 1712, S. [2]. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/hc_272109_1712/2>, abgerufen am 28.02.2024.