Holz, Arno: Phantasus. 1. Heft. Berlin, 1898.Ich weiss. Oft wars nur ein Lachen, ein Handdruck von dir, oder ein Härchen, ein blosses Härchen, das dir der Wind ins Genick geweht, und all mein Blut gährte gleich auf, und all mein Herz schlug nach dir. Dich haben, dich haben, dich endlich mal haben, ganz und nackt, ganz und nackt! Und heut, zum ersten Mal, unten am See, glitzernd im Mittag, sah ich dich so. Ganz und nackt! Ganz und nackt! Und mein Herz stand still. Vor Glück, vor Glück. Und es war keine Welt mehr, nichts, nichts, nichts, es war nur noch Sonne, nur noch Sonne -- so schön warst du! Ich weiss. Oft wars nur ein Lachen, ein Handdruck von dir, oder ein Härchen, ein blosses Härchen, das dir der Wind ins Genick geweht, und all mein Blut gährte gleich auf, und all mein Herz schlug nach dir. Dich haben, dich haben, dich endlich mal haben, ganz und nackt, ganz und nackt! Und heut, zum ersten Mal, unten am See, glitzernd im Mittag, sah ich dich so. Ganz und nackt! Ganz und nackt! Und mein Herz stand still. Vor Glück, vor Glück. Und es war keine Welt mehr, nichts, nichts, nichts, es war nur noch Sonne, nur noch Sonne — so schön warst du! <TEI> <text> <body> <pb facs="#f0046"/> <lg type="poem"> <lg n="1"> <l rendition="#c">Ich weiss.</l> </lg><lb/> <lg n="2"> <l rendition="#c">Oft</l><lb/> <l rendition="#c">wars nur ein Lachen, ein Handdruck von dir,</l><lb/> <l rendition="#c">oder ein Härchen, ein blosses Härchen,</l><lb/> <l rendition="#c">das dir der Wind ins Genick geweht,</l><lb/> <l rendition="#c">und all mein Blut</l><lb/> <l rendition="#c">gährte gleich auf,</l><lb/> <l rendition="#c">und all mein Herz</l><lb/> <l rendition="#c">schlug nach dir.</l> </lg><lb/> <lg n="3"> <l rendition="#c">Dich haben, dich haben,</l><lb/> <l rendition="#c">dich endlich mal haben,</l><lb/> <l rendition="#c">ganz und nackt, ganz und nackt!</l> </lg><lb/> <lg n="4"> <l rendition="#c">Und heut,</l><lb/> <l rendition="#c">zum ersten Mal,</l><lb/> <l rendition="#c">unten am See, glitzernd im Mittag,</l><lb/> <l rendition="#c">sah ich dich so.</l> </lg><lb/> <lg n="5"> <l rendition="#c">Ganz und nackt! Ganz und nackt!</l> </lg><lb/> <lg n="6"> <l rendition="#c">Und mein Herz</l><lb/> <l rendition="#c">stand still.</l> </lg><lb/> <lg n="7"> <l rendition="#c">Vor Glück, vor Glück.</l> </lg><lb/> <lg n="8"> <l rendition="#c">Und es war keine Welt mehr,</l><lb/> <l rendition="#c">nichts, nichts, nichts,</l> </lg><lb/> <lg n="9"> <l rendition="#c">es war nur noch Sonne, nur noch Sonne —</l> </lg><lb/> <lg n="10"> <l rendition="#c">so schön warst du!</l> </lg><lb/> </lg> </body> </text> </TEI> [0046]
Ich weiss.
Oft
wars nur ein Lachen, ein Handdruck von dir,
oder ein Härchen, ein blosses Härchen,
das dir der Wind ins Genick geweht,
und all mein Blut
gährte gleich auf,
und all mein Herz
schlug nach dir.
Dich haben, dich haben,
dich endlich mal haben,
ganz und nackt, ganz und nackt!
Und heut,
zum ersten Mal,
unten am See, glitzernd im Mittag,
sah ich dich so.
Ganz und nackt! Ganz und nackt!
Und mein Herz
stand still.
Vor Glück, vor Glück.
Und es war keine Welt mehr,
nichts, nichts, nichts,
es war nur noch Sonne, nur noch Sonne —
so schön warst du!
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