Mein Verleger hat mir ein Weihnachtsgeschenk ohne Brief ge- schikt; und ein H. v. Oertel in Leipzig einen an mich geschrieben.
209. An Christian Otto.5
[Hof, 29. Dez. 1795]
Sei so gut und schicke mir den Brief wieder, weil ich ihn nach- mittags beantworten wil. Es ist der Oerthel, der von der Humanität [ge]schrieben, wie in Herder steht und der das Buch vom Adel gegen Kozebue gemacht.10
210. An Christian Otto.
[Hof, 29. Dez. 1795]
Lieber! Wir wollens so machen. Ich komme abends um 3 oder 4 zu dir und heute trinken wir den Wein -- wir können auch nachher zum Mösch gehen. Aber alles wie du wilst.15
[133]211. An Friedrich von Oertel in Leipzig.
[Kopie][Hof, 31. Dez. 1795]
Nichts ist süsser als einen Brief aufzureissen, der erst eine Reihe von Briefen anfängt. Ich bin begieriger nach Briefen als nach Büchern, diese müsten denn noch Handschriften sein, und ich wünschte die ganze20 Welt sezte sich nieder und schriebe nach Hof: ich wolt' ihr antworten. Der Ihrige hängt wie ein junger Kranz an den lezten Tagen dieses in jämmerlichen Nebel zerrinnenden Jahrs und meine Dezembertage tragen mit dem hellebor[us] nig[er] flore roseo zugleich Blüten. Ich hatte das Vergnügen, Sie im höhern Sin kennen zu lernen im25 September dieses Jahrs in Hof und zwar in einer ausgewählten Geselschaft, wo Herder dabei war, der Sie uns andern präsentierte. -- Mit Einem Wort, seit -- hängt Ihr Bild in meiner Seele. Weiter hab' ich kein Wort von Ihnen -- obwol über Sie genug -- gelesen -- ferner hab' ich nicht gelesen Göthe etc. -- desgleichen den Peter30 Pindar nicht -- von dem Moniteur keine Zeile -- und was das neue Werk betrift, so werd' ich passen genug öff. [?] Auf einem so ansehn- lichen Handelsplaz wie Hof, der aber kein litterarischer, kan ein Mensch nicht einmal die Akten seiner Prozesse [einsehen?]: ich war ein Jahr
208. An Chriſtian Otto.
[Hof, 29. Dez. 1795]
Mein Verleger hat mir ein Weihnachtsgeſchenk ohne Brief ge- ſchikt; und ein H. v. Oertel in Leipzig einen an mich geſchrieben.
209. An Chriſtian Otto.5
[Hof, 29. Dez. 1795]
Sei ſo gut und ſchicke mir den Brief wieder, weil ich ihn nach- mittags beantworten wil. Es iſt der Oerthel, der von der Humanität [ge]ſchrieben, wie in Herder ſteht und der das Buch vom Adel gegen Kozebue gemacht.10
210. An Chriſtian Otto.
[Hof, 29. Dez. 1795]
Lieber! Wir wollens ſo machen. Ich komme abends um 3 oder 4 zu dir und heute trinken wir den Wein — wir können auch nachher zum Möſch gehen. Aber alles wie du wilſt.15
[133]211. An Friedrich von Oertel in Leipzig.
[Kopie][Hof, 31. Dez. 1795]
Nichts iſt ſüſſer als einen Brief aufzureiſſen, der erſt eine Reihe von Briefen anfängt. Ich bin begieriger nach Briefen als nach Büchern, dieſe müſten denn noch Handſchriften ſein, und ich wünſchte die ganze20 Welt ſezte ſich nieder und ſchriebe nach Hof: ich wolt’ ihr antworten. Der Ihrige hängt wie ein junger Kranz an den lezten Tagen dieſes in jämmerlichen Nebel zerrinnenden Jahrs und meine Dezembertage tragen mit dem hellebor[us] nig[er] flore roseo zugleich Blüten. Ich hatte das Vergnügen, Sie im höhern Sin kennen zu lernen im25 September dieſes Jahrs in Hof und zwar in einer ausgewählten Geſelſchaft, wo Herder dabei war, der Sie uns andern präſentierte. — Mit Einem Wort, ſeit — hängt Ihr Bild in meiner Seele. Weiter hab’ ich kein Wort von Ihnen — obwol über Sie genug — geleſen — ferner hab’ ich nicht geleſen Göthe ꝛc. — desgleichen den Peter30 Pindar nicht — von dem Moniteur keine Zeile — und was das neue Werk betrift, ſo werd’ ich paſſen genug öff. [?] Auf einem ſo anſehn- lichen Handelsplaz wie Hof, der aber kein litterariſcher, kan ein Menſch nicht einmal die Akten ſeiner Prozeſſe [einſehen?]: ich war ein Jahr
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208. An Chriſtian Otto.
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Mein Verleger hat mir ein Weihnachtsgeſchenk ohne Brief ge-
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209. An Chriſtian Otto. 5
[Hof, 29. Dez. 1795]
Sei ſo gut und ſchicke mir den Brief wieder, weil ich ihn nach-
mittags beantworten wil. Es iſt der Oerthel, der von der Humanität
[ge]ſchrieben, wie in Herder ſteht und der das Buch vom Adel gegen
Kozebue gemacht. 10
210. An Chriſtian Otto.
[Hof, 29. Dez. 1795]
Lieber! Wir wollens ſo machen. Ich komme abends um 3 oder 4 zu
dir und heute trinken wir den Wein — wir können auch nachher zum
Möſch gehen. Aber alles wie du wilſt. 15
211. An Friedrich von Oertel in Leipzig.
[Hof, 31. Dez. 1795]
Nichts iſt ſüſſer als einen Brief aufzureiſſen, der erſt eine Reihe von
Briefen anfängt. Ich bin begieriger nach Briefen als nach Büchern,
dieſe müſten denn noch Handſchriften ſein, und ich wünſchte die ganze 20
Welt ſezte ſich nieder und ſchriebe nach Hof: ich wolt’ ihr antworten.
Der Ihrige hängt wie ein junger Kranz an den lezten Tagen dieſes in
jämmerlichen Nebel zerrinnenden Jahrs und meine Dezembertage
tragen mit dem hellebor[us] nig[er] flore roseo zugleich Blüten. Ich
hatte das Vergnügen, Sie im höhern Sin kennen zu lernen im 25
September dieſes Jahrs in Hof und zwar in einer ausgewählten
Geſelſchaft, wo Herder dabei war, der Sie uns andern präſentierte.
— Mit Einem Wort, ſeit — hängt Ihr Bild in meiner Seele. Weiter
hab’ ich kein Wort von Ihnen — obwol über Sie genug — geleſen
— ferner hab’ ich nicht geleſen Göthe ꝛc. — desgleichen den Peter 30
Pindar nicht — von dem Moniteur keine Zeile — und was das neue
Werk betrift, ſo werd’ ich paſſen genug öff. [?] Auf einem ſo anſehn-
lichen Handelsplaz wie Hof, der aber kein litterariſcher, kan ein Menſch
nicht einmal die Akten ſeiner Prozeſſe [einſehen?]: ich war ein Jahr
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Kommentar zur DTA-Ausgabe
Dieses Werk wurde im Rahmen des Moduls DTA-Erweiterungen (DTAE) digitalisiert.
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Historisch-kritische Ausgabe der Werke und Briefe von Jean Paul. Berlin-Brandenburgische Akademie zu Berlin: Bereitstellung der Texttranskription.
(2016-11-22T15:02:06Z)
Bitte beachten Sie, dass die aktuelle Transkription (und Textauszeichnung) mittlerweile nicht mehr dem Stand zum Zeitpunkt der Übernahme des Werkes in das DTA entsprechen muss.
Markus Bernauer, Matthias Boenig: Bearbeitung der digitalen Edition.
(2016-11-22T15:02:06Z)
Weitere Informationen:
Die digitale Edition der Briefe Jean Pauls im Deutschen Textarchiv basiert auf der von Eduard Berend herausgegebenen III. Abteilung der Historisch-kritischen Ausgabe mit den Briefen Jean Pauls. Die Bände werden im Faksimile und in getreuer Umschrift ohne Korrekturen vollständig zugänglich gemacht. Nicht aufgenommen, da in der hier gewählten Präsentation kaum nutzbar, sind Berends umfangreiche Register über die III. Abteilung in Band III/9, die in das elektronische Gesamtregister über die Briefe von und an Jean Paul eingegangen sind. Das bedeutet: Aufbewahrungsorte von Handschriften sowie veraltete Literaturverweise blieben ebenso bestehen wie die Nummern der von Jean Paul beantworteten Briefe oder der an ihn gerichteten Antworten, Nummern, die sich auf die Regesten in den digitalisierten Bänden beziehen und nicht auf die neue IV. Abteilung mit den Briefen an Jean Paul (s. dort die Konkordanzen).
Eine andere, briefzentrierte digitale Edition der Briefe Jean Pauls ist derzeit als Gemeinschaftsprojekt der Jean-Paul-Edition und der Initiative TELOTA in Vorbereitung. Die Metadaten dieser Ausgabe sowie veraltete Verweise in den Erläuterungen werden dort so weit als möglich aktualisiert. Die Digitalisierung wurde durch die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) gefördert.
Jean Paul: Dritte Abteilung Briefe. In: Jean Pauls Sämtliche Werke. Historisch-kritische Ausgabe. Abt. 3, Bd. 2. Berlin, 1958, S. 136. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/jeanpaul_briefe02_1958/147>, abgerufen am 16.02.2025.
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