schiedne Fahrzeuge mit den darin angebrachten Pyramiden und andern Zierrathen liegen, während daß die Leiche verbrant wird, am Ufer des Flusses stille. Auf diese Art wird die Leiche in Begleitung vieler Talapoins unter beständiger Musik nach dem Begräbnisorte gebracht, daselbst auf den Scheiterhaufen gelegt, und nebst dem Sarge verbrant. Die übergebliebnen Gebeine und Asche werden nach der Verbrennung gesamlet, und in die Erde geschart. Ueber denselben wird dann, nach dem Stande und Vermögen der Person, eine kostbare Pyramide aufgerichtet. Der Plaz, wo des Berklam's Mutter begraben wurde, war am Ufer zweier Arme des Stroms, der Stadt gegenüber, mit einer Reihe von klei- nen Fahnen und andern Zierrathen ins Gevierte, wie eine Palissade umzogen. Mitten auf dem Plaz stand ein mit vielen Säulen zierlich und kostbar aufgerichteter, und mit ver- guldetem Papier ganz überklebter hoher Thurm mit zwei Pforten, gerade eine der andern gegenüber. Unter diesem Thurm wurde der Leichnam in einem kostbaren Sarge verbrant, und der König, welcher die Verdienste des Berklam's sehr schäzte, zündete selbst den Scheiterhaufen, der aus sehr seltnem Holz zusammengesezt war, zuerst an. Auf einer Seite dieses Kirchhofes war auch noch ein besondrer Plaz dazu eingerichtet, die Talapoins zu bewirthen, nachdem sie alle ihre Ceremonien verrichtet hatten. Man gieng durch eine Pforte hinein, die mit vielen verguldeten Tüchern belegt war.
Audienz bei dem Berklam.
Einige Tage hernach hatte unser Resident, Herr van Hoorn, in Begleitung noch zweier Männer, die die siamische und andre asiatische Sprachen sehr gut verstanden, des Herrn Daniels und Hrn. Moses Brokborde, eine feierliche, öffentliche Audienz bei dem Berklam. Der Capitain unsers Schiffes, und meine Wenigkeit wurde auch noch bei derselben zugelassen. Die Ursache dieser Audienz war, dem Berklam und dem König die Briefe und Geschenke zu übergeben, die wir mitgebracht hatten. Des Morgens zwi- schen 7 und 9 Uhr am Tage der Audienz, kamen vier Operas oder Reichsräthe*) in un- serer Faktorei zu uns. Einer derselben hies Opera Tsijat, ein Hindostaner, jezt über- haupt der Mohren, d. i. der Mohammedaner; auch Sjabander des Königs, d. i. Zol- meister über alle einkommende Waaren. Er war nach der Landesmanier mit reichen Gold- stücken und einem Tulban bekleidet. Der andre war ein siamischer Mandarin, ein Herr von 80 Jahren, und dann bemerkte ich noch einen Sineser mit aufgewundnem Haupthaar, übrigens aber wie ein siamischer Mandarin gekleidet. Diese Herren wurden nebst ihrem Ge- folge auf unsrer Faktorei von dem Residenten mit Confitüren und Brantewein bewirthet; der Mohr aber und noch ein Siamer wolten nicht trinken. Jhre Prauen oder Fahrzeuge waren sehr artig und noch mehr prächtig, vor allen aber dasjenige, welches die Briefe für
den
*) Mandarins vom zweiten Range.
C 3
Erſt. Kap. Reiſe von Batavia nach Siam.
ſchiedne Fahrzeuge mit den darin angebrachten Pyramiden und andern Zierrathen liegen, waͤhrend daß die Leiche verbrant wird, am Ufer des Fluſſes ſtille. Auf dieſe Art wird die Leiche in Begleitung vieler Talapoins unter beſtaͤndiger Muſik nach dem Begraͤbnisorte gebracht, daſelbſt auf den Scheiterhaufen gelegt, und nebſt dem Sarge verbrant. Die uͤbergebliebnen Gebeine und Aſche werden nach der Verbrennung geſamlet, und in die Erde geſchart. Ueber denſelben wird dann, nach dem Stande und Vermoͤgen der Perſon, eine koſtbare Pyramide aufgerichtet. Der Plaz, wo des Berklam’s Mutter begraben wurde, war am Ufer zweier Arme des Stroms, der Stadt gegenuͤber, mit einer Reihe von klei- nen Fahnen und andern Zierrathen ins Gevierte, wie eine Paliſſade umzogen. Mitten auf dem Plaz ſtand ein mit vielen Saͤulen zierlich und koſtbar aufgerichteter, und mit ver- guldetem Papier ganz uͤberklebter hoher Thurm mit zwei Pforten, gerade eine der andern gegenuͤber. Unter dieſem Thurm wurde der Leichnam in einem koſtbaren Sarge verbrant, und der Koͤnig, welcher die Verdienſte des Berklam’s ſehr ſchaͤzte, zuͤndete ſelbſt den Scheiterhaufen, der aus ſehr ſeltnem Holz zuſammengeſezt war, zuerſt an. Auf einer Seite dieſes Kirchhofes war auch noch ein beſondrer Plaz dazu eingerichtet, die Talapoins zu bewirthen, nachdem ſie alle ihre Ceremonien verrichtet hatten. Man gieng durch eine Pforte hinein, die mit vielen verguldeten Tuͤchern belegt war.
Audienz bei dem Berklam.
Einige Tage hernach hatte unſer Reſident, Herr van Hoorn, in Begleitung noch zweier Maͤnner, die die ſiamiſche und andre aſiatiſche Sprachen ſehr gut verſtanden, des Herrn Daniels und Hrn. Moſes Brokborde, eine feierliche, oͤffentliche Audienz bei dem Berklam. Der Capitain unſers Schiffes, und meine Wenigkeit wurde auch noch bei derſelben zugelaſſen. Die Urſache dieſer Audienz war, dem Berklam und dem Koͤnig die Briefe und Geſchenke zu uͤbergeben, die wir mitgebracht hatten. Des Morgens zwi- ſchen 7 und 9 Uhr am Tage der Audienz, kamen vier Operas oder Reichsraͤthe*) in un- ſerer Faktorei zu uns. Einer derſelben hies Opera Tſijat, ein Hindoſtaner, jezt uͤber- haupt der Mohren, d. i. der Mohammedaner; auch Sjabander des Koͤnigs, d. i. Zol- meiſter uͤber alle einkommende Waaren. Er war nach der Landesmanier mit reichen Gold- ſtuͤcken und einem Tulban bekleidet. Der andre war ein ſiamiſcher Mandarin, ein Herr von 80 Jahren, und dann bemerkte ich noch einen Sineſer mit aufgewundnem Haupthaar, uͤbrigens aber wie ein ſiamiſcher Mandarin gekleidet. Dieſe Herren wurden nebſt ihrem Ge- folge auf unſrer Faktorei von dem Reſidenten mit Confituͤren und Brantewein bewirthet; der Mohr aber und noch ein Siamer wolten nicht trinken. Jhre Prauen oder Fahrzeuge waren ſehr artig und noch mehr praͤchtig, vor allen aber dasjenige, welches die Briefe fuͤr
den
*) Mandarins vom zweiten Range.
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Erſt. Kap. Reiſe von Batavia nach Siam.
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waͤhrend daß die Leiche verbrant wird, am Ufer des Fluſſes ſtille. Auf dieſe Art wird die
Leiche in Begleitung vieler Talapoins unter beſtaͤndiger Muſik nach dem Begraͤbnisorte
gebracht, daſelbſt auf den Scheiterhaufen gelegt, und nebſt dem Sarge verbrant. Die
uͤbergebliebnen Gebeine und Aſche werden nach der Verbrennung geſamlet, und in die Erde
geſchart. Ueber denſelben wird dann, nach dem Stande und Vermoͤgen der Perſon, eine
koſtbare Pyramide aufgerichtet. Der Plaz, wo des Berklam’s Mutter begraben wurde,
war am Ufer zweier Arme des Stroms, der Stadt gegenuͤber, mit einer Reihe von klei-
nen Fahnen und andern Zierrathen ins Gevierte, wie eine Paliſſade umzogen. Mitten
auf dem Plaz ſtand ein mit vielen Saͤulen zierlich und koſtbar aufgerichteter, und mit ver-
guldetem Papier ganz uͤberklebter hoher Thurm mit zwei Pforten, gerade eine der andern
gegenuͤber. Unter dieſem Thurm wurde der Leichnam in einem koſtbaren Sarge verbrant,
und der Koͤnig, welcher die Verdienſte des Berklam’s ſehr ſchaͤzte, zuͤndete ſelbſt den
Scheiterhaufen, der aus ſehr ſeltnem Holz zuſammengeſezt war, zuerſt an. Auf einer
Seite dieſes Kirchhofes war auch noch ein beſondrer Plaz dazu eingerichtet, die Talapoins
zu bewirthen, nachdem ſie alle ihre Ceremonien verrichtet hatten. Man gieng durch eine
Pforte hinein, die mit vielen verguldeten Tuͤchern belegt war.
Audienz bei dem Berklam.
Einige Tage hernach hatte unſer Reſident, Herr van Hoorn, in Begleitung
noch zweier Maͤnner, die die ſiamiſche und andre aſiatiſche Sprachen ſehr gut verſtanden,
des Herrn Daniels und Hrn. Moſes Brokborde, eine feierliche, oͤffentliche Audienz bei
dem Berklam. Der Capitain unſers Schiffes, und meine Wenigkeit wurde auch noch
bei derſelben zugelaſſen. Die Urſache dieſer Audienz war, dem Berklam und dem Koͤnig
die Briefe und Geſchenke zu uͤbergeben, die wir mitgebracht hatten. Des Morgens zwi-
ſchen 7 und 9 Uhr am Tage der Audienz, kamen vier Operas oder Reichsraͤthe *) in un-
ſerer Faktorei zu uns. Einer derſelben hies Opera Tſijat, ein Hindoſtaner, jezt uͤber-
haupt der Mohren, d. i. der Mohammedaner; auch Sjabander des Koͤnigs, d. i. Zol-
meiſter uͤber alle einkommende Waaren. Er war nach der Landesmanier mit reichen Gold-
ſtuͤcken und einem Tulban bekleidet. Der andre war ein ſiamiſcher Mandarin, ein Herr
von 80 Jahren, und dann bemerkte ich noch einen Sineſer mit aufgewundnem Haupthaar,
uͤbrigens aber wie ein ſiamiſcher Mandarin gekleidet. Dieſe Herren wurden nebſt ihrem Ge-
folge auf unſrer Faktorei von dem Reſidenten mit Confituͤren und Brantewein bewirthet;
der Mohr aber und noch ein Siamer wolten nicht trinken. Jhre Prauen oder Fahrzeuge
waren ſehr artig und noch mehr praͤchtig, vor allen aber dasjenige, welches die Briefe fuͤr
den
*) Mandarins vom zweiten Range.
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Kaempfer, Engelbert: Geschichte und Beschreibung von Japan. Hrsg. v. Christian Wilhelm von Dohm. Bd. 1. Lemgo, 1777, S. 21. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/kaempfer_japan01_1777/97>, abgerufen am 15.02.2025.
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