Kafka, Franz: Der Prozess (Hg. Max Brod). Berlin, 1925.nur eintägigen Aufenthalt in der Hauptstadt müsse er alles erledigen können, was er sich vorgenommen hatte, und dürfe überdies auch kein gelegentlich sich darbietendes Gespräch oder Geschäft oder Vergnügen sich entgehen lassen. Dabei mußte ihm K., der ihm als seinem gewesenen Vormund besonders verpflichtet war, in allem möglichen behilflich sein und ihn außerdem bei sich übernachten lassen. "Das Gespenst vom Lande" pflegte er ihn zu nennen. Gleich nach der Begrüßung - sich in das Fauteuil zu setzen, wozu ihm K. einlud, hatte er keine Zeit - bat er K. um ein kurzes Gespräch unter vier Augen. "Es ist notwendig," sagte er, mühselig schluckend, "zu meiner Beruhigung ist es notwendig." K. schickte sofort die Diener aus dem Zimmer mit der Weisung, niemand einzulassen. "Was habe ich gehört, Josef?" rief der Onkel, als sie allein waren, setzte sich auf den Tisch und stopfte unter sich, ohne hinzusehn, verschiedene Papiere unter sich, um besser zu sitzen. K. schwieg, er wußte, was kommen würde, aber, plötzlich von der anstrengenden Arbeit entspannt, wie er war, gab er sich zunächst einer angenehmen Mattigkeit hin nur eintägigen Aufenthalt in der Hauptstadt müsse er alles erledigen können, was er sich vorgenommen hatte, und dürfe überdies auch kein gelegentlich sich darbietendes Gespräch oder Geschäft oder Vergnügen sich entgehen lassen. Dabei mußte ihm K., der ihm als seinem gewesenen Vormund besonders verpflichtet war, in allem möglichen behilflich sein und ihn außerdem bei sich übernachten lassen. „Das Gespenst vom Lande“ pflegte er ihn zu nennen. Gleich nach der Begrüßung – sich in das Fauteuil zu setzen, wozu ihm K. einlud, hatte er keine Zeit – bat er K. um ein kurzes Gespräch unter vier Augen. „Es ist notwendig,“ sagte er, mühselig schluckend, „zu meiner Beruhigung ist es notwendig.“ K. schickte sofort die Diener aus dem Zimmer mit der Weisung, niemand einzulassen. „Was habe ich gehört, Josef?“ rief der Onkel, als sie allein waren, setzte sich auf den Tisch und stopfte unter sich, ohne hinzusehn, verschiedene Papiere unter sich, um besser zu sitzen. K. schwieg, er wußte, was kommen würde, aber, plötzlich von der anstrengenden Arbeit entspannt, wie er war, gab er sich zunächst einer angenehmen Mattigkeit hin <TEI> <text> <body> <div n="1"> <p><pb facs="#f0159" n="157"/> nur eintägigen Aufenthalt in der Hauptstadt müsse er alles erledigen können, was er sich vorgenommen hatte, und dürfe überdies auch kein gelegentlich sich darbietendes Gespräch oder Geschäft oder Vergnügen sich entgehen lassen. Dabei mußte ihm K., der ihm als seinem gewesenen Vormund besonders verpflichtet war, in allem möglichen behilflich sein und ihn außerdem bei sich übernachten lassen. „Das Gespenst vom Lande“ pflegte er ihn zu nennen.</p> <p>Gleich nach der Begrüßung – sich in das Fauteuil zu setzen, wozu ihm K. einlud, hatte er keine Zeit – bat er K. um ein kurzes Gespräch unter vier Augen. „Es ist notwendig,“ sagte er, mühselig schluckend, „zu meiner Beruhigung ist es notwendig.“ K. schickte sofort die Diener aus dem Zimmer mit der Weisung, niemand einzulassen. „Was habe ich gehört, Josef?“ rief der Onkel, als sie allein waren, setzte sich auf den Tisch und stopfte unter sich, ohne hinzusehn, verschiedene Papiere unter sich, um besser zu sitzen. K. schwieg, er wußte, was kommen würde, aber, plötzlich von der anstrengenden Arbeit entspannt, wie er war, gab er sich zunächst einer angenehmen Mattigkeit hin </p> </div> </body> </text> </TEI> [157/0159]
nur eintägigen Aufenthalt in der Hauptstadt müsse er alles erledigen können, was er sich vorgenommen hatte, und dürfe überdies auch kein gelegentlich sich darbietendes Gespräch oder Geschäft oder Vergnügen sich entgehen lassen. Dabei mußte ihm K., der ihm als seinem gewesenen Vormund besonders verpflichtet war, in allem möglichen behilflich sein und ihn außerdem bei sich übernachten lassen. „Das Gespenst vom Lande“ pflegte er ihn zu nennen.
Gleich nach der Begrüßung – sich in das Fauteuil zu setzen, wozu ihm K. einlud, hatte er keine Zeit – bat er K. um ein kurzes Gespräch unter vier Augen. „Es ist notwendig,“ sagte er, mühselig schluckend, „zu meiner Beruhigung ist es notwendig.“ K. schickte sofort die Diener aus dem Zimmer mit der Weisung, niemand einzulassen. „Was habe ich gehört, Josef?“ rief der Onkel, als sie allein waren, setzte sich auf den Tisch und stopfte unter sich, ohne hinzusehn, verschiedene Papiere unter sich, um besser zu sitzen. K. schwieg, er wußte, was kommen würde, aber, plötzlich von der anstrengenden Arbeit entspannt, wie er war, gab er sich zunächst einer angenehmen Mattigkeit hin
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