[Spaltenumbruch]
cket zu werden, zu besprechen, nachdem er von CHristo selbst unmittelbar war ergriffen und mit einem sehr grossen Maasse des Heiligen Gei- stes gesalbet, auch mit Wunder-Kräften aus- gerüstet worden. Siehe hievon Gal. 1, 15. 16. 17. 18.
§. X. Aus Arabien begab sich der Apo- stel wieder nach Damascus, und predigte da- selbst CHristum aufs neue. Gal. 1, 7. Als er aber darüber in Lebens-Gefahr kam und man ihm sonderlich bey dem Abzuge aus der Stadt nachstellete, da nahmen ihn die Jünger, oder Christen, in der Nacht, und liessen ihn in ei- nem Korbe von der Mauren hinab. Welches denn der Wille GOttes also gewesen: da es GOTT nicht beliebte, ihn durch ein besonders Wunderwerck aus seiner Feinde Hände zu er- retten. Und dieses ist die Geschicht, die Lucas Act. 9, 23-25. erzehlet, und welche Paulus selbst anführet 2 Cor. 11, 32. 33.
§. XI. Nachdem nun solcher gestalt von der Bekehrung Pauli an bereits drey Jahre verflossen waren, so reisete er erst von Dama- scus aus Syrien nach Jerusalem, um sich mit Petro und Jacobo, die daselbst dazumal nur allein zugegen waren, bekant zu machen, und mit ihnen des Evangelii wegen sich zu be- sprechen. Gal. 1, 18-20. Als man aber zu Je- rusalem, in Erinnerung dessen, wie er daselbst die Christen noch vor wenig Jahren aufs grim- migste verfolget hatte, ihm noch nicht durchge- hends trauete, sondern man sich noch vor ihm fürchtete, da sie von dem, was mit ihm vorge- gangen war, ausser einiger von andern em- pfangenen Nachricht, selbst noch keine Erfah- rung hatten: so nahm sich Barnabas, und mit ihm vermuthlich auch andere, denen jenes mit mehrern war kund worden, seiner an, führete ihn zu den Aposteln, und erzehlete alles, was geschehen war. Da denn Paulus 15 Tage zu Jerusalem blieb, und daselbst den Namen des HErrn frey verkündigte. Act. 9, 26-28. Es erhub sich aber bald auch zu Jerusalem ein Sturm wider Paulum; und zwar von den Grie- chen, das ist, von denenjenigen Jüden, die un- ter den Griechen gebohren und gezogen waren, sich auch der Griechischen Sprache selbst in den Synagogen bedienten, und sich in grosser An- zahl des Gottes-Dienstes wegen zu Jerusalem etwas länger aufhielten, sonderlich zur Zeit der hohen Feste. Diese empöreten sich wider Pau- lum. Act. 9, 29. 30. Dannenhero er von dan- nen zog, und zwar auf einen von GOTT be- sonders empfangenen Befehl. Denn hieher gehöret das, was Paulus selbst Act. 22, 17. sq. von sich erzehlet, da er spricht: Es geschach aber, da ich wieder gen Jerusalem kam und betete im Tempel, daß ich entzücket ward, und sahe ihn (den HErrn JEsum.) Da sprach er zu mir: Eile, und mache dich behende von Jerusalem hinaus: denn sie werden nicht annehmen dein Zeugniß von mir. - Gehe hin, ich will dich fer- ne unter die Heyden senden.
§. XII. Hierauf ging Paulus unter dem Geleite etlicher von der Christlichen Gemeine, [Spaltenumbruch]
von Jerusalem nach Casareen Philippi, so in Syrien am Berge Libanon lage. Von da er in das angrenzende Cilicien, und insonderheit in seine Vater-Stadt, Tarsus, um auch seinen Landes-Leuten das Evangelium von CHristo zu predigen, sich begeben hat Act. 9, 29. 30. Auf welche Worte Paulus siehet, wenn er Gal. 2, 21. spricht: Darnach kam ich in die Länder Syria und Cilicia. Darauf denn in Judäa das Ungewitter der Verfolgung aufhörete, und die Gemeinen CHristi sich den äusserlichen Frieden zur Erbauung und innnerlichen Wachs- thum dienen liessen. Act. 9, 31. Da inzwi- schen diejenigen, welche durch jenes von Jeru- salem zerstreuet worden waren, das Evangelium in allen umliegenden Orten verkündigten. Act. 8, 4. seqq. 14, seqq. 25. 9, 32. seqq. also daß auch insonderheit die grosse Stadt Antiochia in Syrien mit der Predigt des Evangelii erfül- let ward. c. 11, 19. seqq. und alhier kam das Evangelium auch, ausser dem Jüdischen Lande, zuerst unter die Antiochischen Heyden. v. 20, Als nun dieses die Gemeine zu Jerusalem hö- rete, sandten sie Barnabam, einen Mann voll Heiliges Geistes und Glaubens, dahin: welcher die Glaubigen, sonderlich die aus der Heyden- schaft, nicht wenig stärckete. Wie denn auch die Zahl derselben aus Juden und Heyden im- mer mehr zunahm, also daß ein grosses Volck dem HErrn daselbst zugethan ward.
§. XIII. Da nun Barnabas wuste, daß Paulo das Apostel-Amt fürnemlich an die Hey- den anvertrauet worden, und also mit Recht dafür hielte, daß er, vermöge solcher seiner instruction, der guten theils aus bekehrten Hey- den bestehenden Antiochischen Gemeine die be- sten Dienste würde thun können; und aber auch gehöret hatte, daß Paulus aus Syrien nach Cilicien sich begeben hatte: so zog er ihm, nach erkanten Willen GOttes, nach, um ihn daselbst aufzusuchen, und nach Antiochiam mit sich zurück zu bringen. Welches denn auch geschahe: und zwar also, daß sie zu Antiochia ein gantzes Jahr bleiben, und der daselbst gepflantz- ten Gemeine zur mehrern Bevestigung und Ausbreitung warteten. Und dieses war auch dergestalt gesegnet, daß die aus Juden und Heyden zu CHristo bekehrte Jünger CHristi daselbst zuerst Christen genennet wurden. Zu welcher Benennung, welche von der Zeit an bald allgemein worden ist, wol ausser der von der Sache selbst dazu gegebenen Gelegenheit, GOTT selbst seinen besondern Winck gezeiget haben mag. Act. 11, 25. 26.
§. XIV. Als sich nun Paulus solcherge- stalt im Segen zu Antiochia mit Barnaba be- fand, kamen einige mit einer prophetischen Ga- be von GOTT begnadigte von Jerusalem da- hin; deren einer, Namens Agabus, anzeigete, wie daß eine Theurung über viele Länder des Römischen Reichs entstehen würde. Weil nun die Jerusalemsche Gemeine mit dem wenig- sten Vorrathe versehen war; die zu Antiochia aber es im Vermögen hatte, ihnen beyzusprin- gen: so ließ sie sich zu einem Beytrag freywillig erfinden. Da denn Paulo und Barnabä es
aufge-
Hiſtoriſche und exegetiſche Einleitung
[Spaltenumbruch]
cket zu werden, zu beſprechen, nachdem er von CHriſto ſelbſt unmittelbar war ergriffen und mit einem ſehr groſſen Maaſſe des Heiligen Gei- ſtes geſalbet, auch mit Wunder-Kraͤften aus- geruͤſtet worden. Siehe hievon Gal. 1, 15. 16. 17. 18.
§. X. Aus Arabien begab ſich der Apo- ſtel wieder nach Damaſcus, und predigte da- ſelbſt CHriſtum aufs neue. Gal. 1, 7. Als er aber daruͤber in Lebens-Gefahr kam und man ihm ſonderlich bey dem Abzuge aus der Stadt nachſtellete, da nahmen ihn die Juͤnger, oder Chriſten, in der Nacht, und lieſſen ihn in ei- nem Korbe von der Mauren hinab. Welches denn der Wille GOttes alſo geweſen: da es GOTT nicht beliebte, ihn durch ein beſonders Wunderwerck aus ſeiner Feinde Haͤnde zu er- retten. Und dieſes iſt die Geſchicht, die Lucas Act. 9, 23-25. erzehlet, und welche Paulus ſelbſt anfuͤhret 2 Cor. 11, 32. 33.
§. XI. Nachdem nun ſolcher geſtalt von der Bekehrung Pauli an bereits drey Jahre verfloſſen waren, ſo reiſete er erſt von Dama- ſcus aus Syrien nach Jeruſalem, um ſich mit Petro und Jacobo, die daſelbſt dazumal nur allein zugegen waren, bekant zu machen, und mit ihnen des Evangelii wegen ſich zu be- ſprechen. Gal. 1, 18-20. Als man aber zu Je- ruſalem, in Erinnerung deſſen, wie er daſelbſt die Chriſten noch vor wenig Jahren aufs grim- migſte verfolget hatte, ihm noch nicht durchge- hends trauete, ſondern man ſich noch vor ihm fuͤrchtete, da ſie von dem, was mit ihm vorge- gangen war, auſſer einiger von andern em- pfangenen Nachricht, ſelbſt noch keine Erfah- rung hatten: ſo nahm ſich Barnabas, und mit ihm vermuthlich auch andere, denen jenes mit mehrern war kund worden, ſeiner an, fuͤhrete ihn zu den Apoſteln, und erzehlete alles, was geſchehen war. Da denn Paulus 15 Tage zu Jeruſalem blieb, und daſelbſt den Namen des HErrn frey verkuͤndigte. Act. 9, 26-28. Es erhub ſich aber bald auch zu Jeruſalem ein Sturm wider Paulum; und zwar von den Grie- chen, das iſt, von denenjenigen Juͤden, die un- ter den Griechen gebohren und gezogen waren, ſich auch der Griechiſchen Sprache ſelbſt in den Synagogen bedienten, und ſich in groſſer An- zahl des Gottes-Dienſtes wegen zu Jeruſalem etwas laͤnger aufhielten, ſonderlich zur Zeit der hohen Feſte. Dieſe empoͤreten ſich wider Pau- lum. Act. 9, 29. 30. Dannenhero er von dan- nen zog, und zwar auf einen von GOTT be- ſonders empfangenen Befehl. Denn hieher gehoͤret das, was Paulus ſelbſt Act. 22, 17. ſq. von ſich erzehlet, da er ſpricht: Es geſchach aber, da ich wieder gen Jeruſalem kam und betete im Tempel, daß ich entzuͤcket ward, und ſahe ihn (den HErrn JEſum.) Da ſprach er zu mir: Eile, und mache dich behende von Jeruſalem hinaus: denn ſie werden nicht annehmen dein Zeugniß von mir. – Gehe hin, ich will dich fer- ne unter die Heyden ſenden.
§. XII. Hierauf ging Paulus unter dem Geleite etlicher von der Chriſtlichen Gemeine, [Spaltenumbruch]
von Jeruſalem nach Caſareen Philippi, ſo in Syrien am Berge Libanon lage. Von da er in das angrenzende Cilicien, und inſonderheit in ſeine Vater-Stadt, Tarſus, um auch ſeinen Landes-Leuten das Evangelium von CHriſto zu predigen, ſich begeben hat Act. 9, 29. 30. Auf welche Worte Paulus ſiehet, wenn er Gal. 2, 21. ſpricht: Darnach kam ich in die Laͤnder Syria und Cilicia. Darauf denn in Judaͤa das Ungewitter der Verfolgung aufhoͤrete, und die Gemeinen CHriſti ſich den aͤuſſerlichen Frieden zur Erbauung und innnerlichen Wachs- thum dienen lieſſen. Act. 9, 31. Da inzwi- ſchen diejenigen, welche durch jenes von Jeru- ſalem zerſtreuet worden waren, das Evangelium in allen umliegenden Orten verkuͤndigten. Act. 8, 4. ſeqq. 14, ſeqq. 25. 9, 32. ſeqq. alſo daß auch inſonderheit die groſſe Stadt Antiochia in Syrien mit der Predigt des Evangelii erfuͤl- let ward. c. 11, 19. ſeqq. und alhier kam das Evangelium auch, auſſer dem Juͤdiſchen Lande, zuerſt unter die Antiochiſchen Heyden. v. 20, Als nun dieſes die Gemeine zu Jeruſalem hoͤ- rete, ſandten ſie Barnabam, einen Mann voll Heiliges Geiſtes und Glaubens, dahin: welcher die Glaubigen, ſonderlich die aus der Heyden- ſchaft, nicht wenig ſtaͤrckete. Wie denn auch die Zahl derſelben aus Juden und Heyden im- mer mehr zunahm, alſo daß ein groſſes Volck dem HErrn daſelbſt zugethan ward.
§. XIII. Da nun Barnabas wuſte, daß Paulo das Apoſtel-Amt fuͤrnemlich an die Hey- den anvertrauet worden, und alſo mit Recht dafuͤr hielte, daß er, vermoͤge ſolcher ſeiner inſtruction, der guten theils aus bekehrten Hey- den beſtehenden Antiochiſchen Gemeine die be- ſten Dienſte wuͤrde thun koͤnnen; und aber auch gehoͤret hatte, daß Paulus aus Syrien nach Cilicien ſich begeben hatte: ſo zog er ihm, nach erkanten Willen GOttes, nach, um ihn daſelbſt aufzuſuchen, und nach Antiochiam mit ſich zuruͤck zu bringen. Welches denn auch geſchahe: und zwar alſo, daß ſie zu Antiochia ein gantzes Jahr bleiben, und der daſelbſt gepflantz- ten Gemeine zur mehrern Beveſtigung und Ausbreitung warteten. Und dieſes war auch dergeſtalt geſegnet, daß die aus Juden und Heyden zu CHriſto bekehrte Juͤnger CHriſti daſelbſt zuerſt Chriſten genennet wurden. Zu welcher Benennung, welche von der Zeit an bald allgemein worden iſt, wol auſſer der von der Sache ſelbſt dazu gegebenen Gelegenheit, GOTT ſelbſt ſeinen beſondern Winck gezeiget haben mag. Act. 11, 25. 26.
§. XIV. Als ſich nun Paulus ſolcherge- ſtalt im Segen zu Antiochia mit Barnaba be- fand, kamen einige mit einer prophetiſchen Ga- be von GOTT begnadigte von Jeruſalem da- hin; deren einer, Namens Agabus, anzeigete, wie daß eine Theurung uͤber viele Laͤnder des Roͤmiſchen Reichs entſtehen wuͤrde. Weil nun die Jeruſalemſche Gemeine mit dem wenig- ſten Vorrathe verſehen war; die zu Antiochia aber es im Vermoͤgen hatte, ihnen beyzuſprin- gen: ſo ließ ſie ſich zu einem Beytrag freywillig erfinden. Da denn Paulo und Barnabaͤ es
aufge-
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[4/0032]
Hiſtoriſche und exegetiſche Einleitung
cket zu werden, zu beſprechen, nachdem er von
CHriſto ſelbſt unmittelbar war ergriffen und
mit einem ſehr groſſen Maaſſe des Heiligen Gei-
ſtes geſalbet, auch mit Wunder-Kraͤften aus-
geruͤſtet worden. Siehe hievon Gal. 1, 15. 16.
17. 18.
§. X. Aus Arabien begab ſich der Apo-
ſtel wieder nach Damaſcus, und predigte da-
ſelbſt CHriſtum aufs neue. Gal. 1, 7. Als er
aber daruͤber in Lebens-Gefahr kam und man
ihm ſonderlich bey dem Abzuge aus der Stadt
nachſtellete, da nahmen ihn die Juͤnger, oder
Chriſten, in der Nacht, und lieſſen ihn in ei-
nem Korbe von der Mauren hinab. Welches
denn der Wille GOttes alſo geweſen: da es
GOTT nicht beliebte, ihn durch ein beſonders
Wunderwerck aus ſeiner Feinde Haͤnde zu er-
retten. Und dieſes iſt die Geſchicht, die Lucas
Act. 9, 23-25. erzehlet, und welche Paulus ſelbſt
anfuͤhret 2 Cor. 11, 32. 33.
§. XI. Nachdem nun ſolcher geſtalt von
der Bekehrung Pauli an bereits drey Jahre
verfloſſen waren, ſo reiſete er erſt von Dama-
ſcus aus Syrien nach Jeruſalem, um ſich
mit Petro und Jacobo, die daſelbſt dazumal
nur allein zugegen waren, bekant zu machen,
und mit ihnen des Evangelii wegen ſich zu be-
ſprechen. Gal. 1, 18-20. Als man aber zu Je-
ruſalem, in Erinnerung deſſen, wie er daſelbſt
die Chriſten noch vor wenig Jahren aufs grim-
migſte verfolget hatte, ihm noch nicht durchge-
hends trauete, ſondern man ſich noch vor ihm
fuͤrchtete, da ſie von dem, was mit ihm vorge-
gangen war, auſſer einiger von andern em-
pfangenen Nachricht, ſelbſt noch keine Erfah-
rung hatten: ſo nahm ſich Barnabas, und mit
ihm vermuthlich auch andere, denen jenes mit
mehrern war kund worden, ſeiner an, fuͤhrete
ihn zu den Apoſteln, und erzehlete alles, was
geſchehen war. Da denn Paulus 15 Tage zu
Jeruſalem blieb, und daſelbſt den Namen des
HErrn frey verkuͤndigte. Act. 9, 26-28. Es
erhub ſich aber bald auch zu Jeruſalem ein
Sturm wider Paulum; und zwar von den Grie-
chen, das iſt, von denenjenigen Juͤden, die un-
ter den Griechen gebohren und gezogen waren,
ſich auch der Griechiſchen Sprache ſelbſt in den
Synagogen bedienten, und ſich in groſſer An-
zahl des Gottes-Dienſtes wegen zu Jeruſalem
etwas laͤnger aufhielten, ſonderlich zur Zeit der
hohen Feſte. Dieſe empoͤreten ſich wider Pau-
lum. Act. 9, 29. 30. Dannenhero er von dan-
nen zog, und zwar auf einen von GOTT be-
ſonders empfangenen Befehl. Denn hieher
gehoͤret das, was Paulus ſelbſt Act. 22, 17. ſq.
von ſich erzehlet, da er ſpricht: Es geſchach
aber, da ich wieder gen Jeruſalem kam
und betete im Tempel, daß ich entzuͤcket
ward, und ſahe ihn (den HErrn JEſum.)
Da ſprach er zu mir: Eile, und mache
dich behende von Jeruſalem hinaus: denn
ſie werden nicht annehmen dein Zeugniß
von mir. – Gehe hin, ich will dich fer-
ne unter die Heyden ſenden.
§. XII. Hierauf ging Paulus unter dem
Geleite etlicher von der Chriſtlichen Gemeine,
von Jeruſalem nach Caſareen Philippi, ſo in
Syrien am Berge Libanon lage. Von da er in
das angrenzende Cilicien, und inſonderheit in
ſeine Vater-Stadt, Tarſus, um auch ſeinen
Landes-Leuten das Evangelium von CHriſto zu
predigen, ſich begeben hat Act. 9, 29. 30. Auf
welche Worte Paulus ſiehet, wenn er Gal. 2,
21. ſpricht: Darnach kam ich in die Laͤnder
Syria und Cilicia. Darauf denn in Judaͤa
das Ungewitter der Verfolgung aufhoͤrete, und
die Gemeinen CHriſti ſich den aͤuſſerlichen
Frieden zur Erbauung und innnerlichen Wachs-
thum dienen lieſſen. Act. 9, 31. Da inzwi-
ſchen diejenigen, welche durch jenes von Jeru-
ſalem zerſtreuet worden waren, das Evangelium
in allen umliegenden Orten verkuͤndigten. Act.
8, 4. ſeqq. 14, ſeqq. 25. 9, 32. ſeqq. alſo daß
auch inſonderheit die groſſe Stadt Antiochia
in Syrien mit der Predigt des Evangelii erfuͤl-
let ward. c. 11, 19. ſeqq. und alhier kam das
Evangelium auch, auſſer dem Juͤdiſchen Lande,
zuerſt unter die Antiochiſchen Heyden. v. 20,
Als nun dieſes die Gemeine zu Jeruſalem hoͤ-
rete, ſandten ſie Barnabam, einen Mann voll
Heiliges Geiſtes und Glaubens, dahin: welcher
die Glaubigen, ſonderlich die aus der Heyden-
ſchaft, nicht wenig ſtaͤrckete. Wie denn auch
die Zahl derſelben aus Juden und Heyden im-
mer mehr zunahm, alſo daß ein groſſes Volck
dem HErrn daſelbſt zugethan ward.
§. XIII. Da nun Barnabas wuſte, daß
Paulo das Apoſtel-Amt fuͤrnemlich an die Hey-
den anvertrauet worden, und alſo mit Recht
dafuͤr hielte, daß er, vermoͤge ſolcher ſeiner
inſtruction, der guten theils aus bekehrten Hey-
den beſtehenden Antiochiſchen Gemeine die be-
ſten Dienſte wuͤrde thun koͤnnen; und aber
auch gehoͤret hatte, daß Paulus aus Syrien
nach Cilicien ſich begeben hatte: ſo zog er ihm,
nach erkanten Willen GOttes, nach, um ihn
daſelbſt aufzuſuchen, und nach Antiochiam mit
ſich zuruͤck zu bringen. Welches denn auch
geſchahe: und zwar alſo, daß ſie zu Antiochia ein
gantzes Jahr bleiben, und der daſelbſt gepflantz-
ten Gemeine zur mehrern Beveſtigung und
Ausbreitung warteten. Und dieſes war auch
dergeſtalt geſegnet, daß die aus Juden und
Heyden zu CHriſto bekehrte Juͤnger CHriſti
daſelbſt zuerſt Chriſten genennet wurden. Zu
welcher Benennung, welche von der Zeit an
bald allgemein worden iſt, wol auſſer der von
der Sache ſelbſt dazu gegebenen Gelegenheit,
GOTT ſelbſt ſeinen beſondern Winck gezeiget
haben mag. Act. 11, 25. 26.
§. XIV. Als ſich nun Paulus ſolcherge-
ſtalt im Segen zu Antiochia mit Barnaba be-
fand, kamen einige mit einer prophetiſchen Ga-
be von GOTT begnadigte von Jeruſalem da-
hin; deren einer, Namens Agabus, anzeigete,
wie daß eine Theurung uͤber viele Laͤnder des
Roͤmiſchen Reichs entſtehen wuͤrde. Weil nun
die Jeruſalemſche Gemeine mit dem wenig-
ſten Vorrathe verſehen war; die zu Antiochia
aber es im Vermoͤgen hatte, ihnen beyzuſprin-
gen: ſo ließ ſie ſich zu einem Beytrag freywillig
erfinden. Da denn Paulo und Barnabaͤ es
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Lange, Joachim: Apostolisches Licht und Recht. Bd. 1. Halle, 1729, S. 4. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/lange_licht01_1729/32>, abgerufen am 03.12.2024.
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