Ueber Bordeaux findet auch ein nicht unbedeutender Verkehr in Edel- metallen statt, welcher 1888 10,684.047 Francs in der Ausfuhr und 5,945.168 Francs in der Einfuhr umfasste.
In den Entrepots von Bordeaux lagerten 1888 mit Einschluss des Stockes, der vom Jahre 1887 herübergenommen wurde, 2,482.900 q ausländische Waaren im Werthe von 74,114.600 Francs.
Der Schiffsverkehr von Bordeaux betrug:
[Tabelle]
Ueberraschend gross ist der Antheil der britischen Flagge an dem Ver- kehre Bordeaux mit dem Auslande, da sie mehr als die Hälfte der ganzen Tonnen- zahl stellt, und 31 % Schiffe, welche den Hafen besuchen, vermitteln den Verkehr mit England. Immer stärker wird das Uebergewicht der englischen Schiffe, heute erreicht im Auslandsverkehre die französische Flagge nur mehr zwei Drittel der Tonnenzahl der englischen.
In geringem Masse sind betheiligt die Flaggen von Schweden, Norwegen, Deutschland, Spanien und Dänemark.
Mit dieser Zunahme der englischen Flagge steht im Zusammenhang der Rückgang der Marine der Stadt, die am 31. December 1888 54 Dampfer mit 26.778 t und 101 Segelschiffe mit 44.357 t zählte.
Die Postdampferverbindungen von Bordeaux sind der Lage des Hafens entsprechend nach Westafrika, Südamerika und Westindien gerichtet. Die Chargeurs reunis besuchen die Plätze Westafrikas bis Loango hinunter; die Messageries maritimes gehen über Dakar in Senegambien und Brasilien bis Buenos Ayres; die Pacific Steam Navigation Cy. kommt aus Liverpool, läuft Lissabon, die Häfen Brasiliens und Montevideo an und endet ihre Fahrt auf der Westküste Südamerikas in Callao; auch die Chargeurs reunis aus Havre berühren Bordeaux.
Die Compagnie Generale Transatlantique lässt in drei Linien ihre Schiffe aus Havre über Bordeaux nach Westindien verkehren; eine Linie verfolgt die Nord- küste Südamerikas und endet in Colon-Aspinwall an der Landenge von Panama, die zweite geht über St. Thomas nach Haiti und die dritte über Habana nach Vera-Cruz.
Nach Colon und Vera-Cruz fahren ferner von hier die West India and Pacific Steam Ship Gy. und die Harrison Line aus Liverpool.
Andere Schiffahrtsgesellschaften sind die Compagnie bordelaise de naviga- tion a vapeur, welche nach New-York fährt, die Compagnie generale des bateaux a vapeur a helice du nord, welche nach Nordfrankreich, dann nach Marseille geht und Güter in Durchfracht für die Messageries maritimes aufnimmt. Ferner be- stehen Dampfschiffsverbindungen nach Spanien, Portugal, Algier, Italien, Gross- britannien, Antwerpen, Amsterdam, Bremen, Hamburg und Canada. Eine neue Linie ins Mittelmeer mit der Endstation Fiume wird errichtet.
Flussdampfer fahren die Gironde-Garonne aufwärts, der Binnenhandel aber stützt sich zumeist auf die Eisenbahnlinien, welche den Hafen mit Nantes,
Der atlantische Ocean.
Ueber Bordeaux findet auch ein nicht unbedeutender Verkehr in Edel- metallen statt, welcher 1888 10,684.047 Francs in der Ausfuhr und 5,945.168 Francs in der Einfuhr umfasste.
In den Entrepôts von Bordeaux lagerten 1888 mit Einschluss des Stockes, der vom Jahre 1887 herübergenommen wurde, 2,482.900 q ausländische Waaren im Werthe von 74,114.600 Francs.
Der Schiffsverkehr von Bordeaux betrug:
[Tabelle]
Ueberraschend gross ist der Antheil der britischen Flagge an dem Ver- kehre Bordeaux mit dem Auslande, da sie mehr als die Hälfte der ganzen Tonnen- zahl stellt, und 31 % Schiffe, welche den Hafen besuchen, vermitteln den Verkehr mit England. Immer stärker wird das Uebergewicht der englischen Schiffe, heute erreicht im Auslandsverkehre die französische Flagge nur mehr zwei Drittel der Tonnenzahl der englischen.
In geringem Masse sind betheiligt die Flaggen von Schweden, Norwegen, Deutschland, Spanien und Dänemark.
Mit dieser Zunahme der englischen Flagge steht im Zusammenhang der Rückgang der Marine der Stadt, die am 31. December 1888 54 Dampfer mit 26.778 t und 101 Segelschiffe mit 44.357 t zählte.
Die Postdampferverbindungen von Bordeaux sind der Lage des Hafens entsprechend nach Westafrika, Südamerika und Westindien gerichtet. Die Chargeurs réunis besuchen die Plätze Westafrikas bis Loango hinunter; die Messageries maritimes gehen über Dakar in Senegambien und Brasilien bis Buenos Ayres; die Pacific Steam Navigation Cy. kommt aus Liverpool, läuft Lissabon, die Häfen Brasiliens und Montevideo an und endet ihre Fahrt auf der Westküste Südamerikas in Callao; auch die Chargeurs réunis aus Hâvre berühren Bordeaux.
Die Compagnie Générale Transatlantique lässt in drei Linien ihre Schiffe aus Hâvre über Bordeaux nach Westindien verkehren; eine Linie verfolgt die Nord- küste Südamerikas und endet in Colon-Aspinwall an der Landenge von Panama, die zweite geht über St. Thomas nach Haïti und die dritte über Habana nach Vera-Cruz.
Nach Colon und Vera-Cruz fahren ferner von hier die West India and Pacific Steam Ship Gy. und die Harrison Line aus Liverpool.
Andere Schiffahrtsgesellschaften sind die Compagnie bordelaise de naviga- tion à vapeur, welche nach New-York fährt, die Compagnie générale des bateaux à vapeur à hélice du nord, welche nach Nordfrankreich, dann nach Marseille geht und Güter in Durchfracht für die Messageries maritimes aufnimmt. Ferner be- stehen Dampfschiffsverbindungen nach Spanien, Portugal, Algier, Italien, Gross- britannien, Antwerpen, Amsterdam, Bremen, Hamburg und Canada. Eine neue Linie ins Mittelmeer mit der Endstation Fiume wird errichtet.
Flussdampfer fahren die Gironde-Garonne aufwärts, der Binnenhandel aber stützt sich zumeist auf die Eisenbahnlinien, welche den Hafen mit Nantes,
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[584/0604]
Der atlantische Ocean.
Ueber Bordeaux findet auch ein nicht unbedeutender Verkehr in Edel-
metallen statt, welcher 1888 10,684.047 Francs in der Ausfuhr und 5,945.168
Francs in der Einfuhr umfasste.
In den Entrepôts von Bordeaux lagerten 1888 mit Einschluss des Stockes,
der vom Jahre 1887 herübergenommen wurde, 2,482.900 q ausländische Waaren
im Werthe von 74,114.600 Francs.
Der Schiffsverkehr von Bordeaux betrug:
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Ueberraschend gross ist der Antheil der britischen Flagge an dem Ver-
kehre Bordeaux mit dem Auslande, da sie mehr als die Hälfte der ganzen Tonnen-
zahl stellt, und 31 % Schiffe, welche den Hafen besuchen, vermitteln den Verkehr
mit England. Immer stärker wird das Uebergewicht der englischen Schiffe, heute
erreicht im Auslandsverkehre die französische Flagge nur mehr zwei Drittel der
Tonnenzahl der englischen.
In geringem Masse sind betheiligt die Flaggen von Schweden, Norwegen,
Deutschland, Spanien und Dänemark.
Mit dieser Zunahme der englischen Flagge steht im Zusammenhang der
Rückgang der Marine der Stadt, die am 31. December 1888 54 Dampfer mit
26.778 t und 101 Segelschiffe mit 44.357 t zählte.
Die Postdampferverbindungen von Bordeaux sind der Lage des
Hafens entsprechend nach Westafrika, Südamerika und Westindien gerichtet. Die
Chargeurs réunis besuchen die Plätze Westafrikas bis Loango hinunter; die
Messageries maritimes gehen über Dakar in Senegambien und Brasilien bis Buenos
Ayres; die Pacific Steam Navigation Cy. kommt aus Liverpool, läuft Lissabon, die
Häfen Brasiliens und Montevideo an und endet ihre Fahrt auf der Westküste
Südamerikas in Callao; auch die Chargeurs réunis aus Hâvre berühren Bordeaux.
Die Compagnie Générale Transatlantique lässt in drei Linien ihre Schiffe aus
Hâvre über Bordeaux nach Westindien verkehren; eine Linie verfolgt die Nord-
küste Südamerikas und endet in Colon-Aspinwall an der Landenge von Panama,
die zweite geht über St. Thomas nach Haïti und die dritte über Habana nach
Vera-Cruz.
Nach Colon und Vera-Cruz fahren ferner von hier die West India and
Pacific Steam Ship Gy. und die Harrison Line aus Liverpool.
Andere Schiffahrtsgesellschaften sind die Compagnie bordelaise de naviga-
tion à vapeur, welche nach New-York fährt, die Compagnie générale des bateaux
à vapeur à hélice du nord, welche nach Nordfrankreich, dann nach Marseille geht
und Güter in Durchfracht für die Messageries maritimes aufnimmt. Ferner be-
stehen Dampfschiffsverbindungen nach Spanien, Portugal, Algier, Italien, Gross-
britannien, Antwerpen, Amsterdam, Bremen, Hamburg und Canada. Eine neue
Linie ins Mittelmeer mit der Endstation Fiume wird errichtet.
Flussdampfer fahren die Gironde-Garonne aufwärts, der Binnenhandel
aber stützt sich zumeist auf die Eisenbahnlinien, welche den Hafen mit Nantes,
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Lehnert, Josef von u. a.: Die Seehäfen des Weltverkehrs. Bd. 1. Wien, 1891, S. 584. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/lehnert_seehaefen01_1891/604>, abgerufen am 22.11.2024.
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