dienen die 1718 erbaute katholische Kirche und die 1873 erbaute zierliche gothische St. Johanniskirche genannt zu werden.
Das Matrosenleben entfaltet sich vornehmlich an den Vorsetzen und in den anstossenden Strassen, wo sich Verkaufsgeschäfte und Tabagien für die Bedürfnisse der Matrosen ununterbrochen aneinander- reihen. Auch im Altonaer Hafen herrscht reges Treiben, auch dort widerhallt wie in Hamburg der die schwere Arbeit begleitende Ma- trosengesang, wogt das ewige Getriebe des rastlosen Verkehrs.
Wenden wir uns nun der riesigen Schiffahrtstrasse zu, welche von Hamburg in die Nordsee führt. Dieser Theil der Elbe führt den Namen Norder- oder Unterelbe, und hat das Fahrwasser von Cux- haven bis Hamburg eine Erstreckung von 103 km und von der Insel Neuwerk eine solche von 118 km.
In Böhmen entspringend, wird die Elbe nach Aufnahme der wasserreichen Moldau, der Eger, Mulde, Saale u. a. Zuflüsse zu einem mächtigen Strom, welcher sich in nordwestlicher Hauptrichtung der Nordsee zuwälzt. Auf dem grössten Theile ihres Laufes wird die Elbe von Dampfern befahren und ist durch den Plauen'schen Canal mit Berlin und durch den Stecknitz-Canal mit Lübeck verbunden. Von Hamburg aus, wo der Schienenstrang sie überbrückt, ist die Elbe für Seeschiffe jeder Grösse praktikabel.
Das Fahrwasser ist, wie unser Plan der unteren Elbe zeigt, vortrefflich betonnt und mit Hinzurechnung des Wasserweges nach Hamburg durch 32 Leuchtfeuer grösster und mittlerer Gattung be- leuchtet; auch dienen den Schiffen namentlich nächst der Mündung zahlreiche gut sichtbare Landmarken von mitunter bedeutender Grösse zur Orientirung. Ein vorzüglich geschultes Lootsencorps trägt sehr zur Sicherheit des Verkehres bei.
Auf dem ganzen Unterlaufe der Elbe hat das Fahrwasser -- kurze Strecken ausgenommen -- keine geringere Tiefe als 7 m und erreicht bei St. Margarethen sogar 22 m und bei der an Ablagerungen reichen Mündung 16--18 m. Hiezu tritt nun die Höhe der Flut, welche bei Cuxhaven im Mittel 3·3 m, bei Brunsbüttel 2·7 m, bei Glückstadt 2·8 m und bei Hamburg 3·6 m beträgt. Ein so hoher Wasserstand gestattet daher den Verkehr der tiefstgehenden Ocean- schiffe selbst über die seichtesten Stellen des Fahrwassers.
Die Zufahrt zur Elbemündung ist von See aus durch 5 grosse Leuchtschiffe markirt. Das äusserste derselben, "Gustav Heinrich" oder "äusseres Leuchtschiff Nr. 1" genannt, ist 7·5 km ausserhalb des weit nach West vorgeschobenen Neuwerker Walls verankert. OzS
Der atlantische Ocean.
dienen die 1718 erbaute katholische Kirche und die 1873 erbaute zierliche gothische St. Johanniskirche genannt zu werden.
Das Matrosenleben entfaltet sich vornehmlich an den Vorsetzen und in den anstossenden Strassen, wo sich Verkaufsgeschäfte und Tabagien für die Bedürfnisse der Matrosen ununterbrochen aneinander- reihen. Auch im Altonaer Hafen herrscht reges Treiben, auch dort widerhallt wie in Hamburg der die schwere Arbeit begleitende Ma- trosengesang, wogt das ewige Getriebe des rastlosen Verkehrs.
Wenden wir uns nun der riesigen Schiffahrtstrasse zu, welche von Hamburg in die Nordsee führt. Dieser Theil der Elbe führt den Namen Norder- oder Unterelbe, und hat das Fahrwasser von Cux- haven bis Hamburg eine Erstreckung von 103 km und von der Insel Neuwerk eine solche von 118 km.
In Böhmen entspringend, wird die Elbe nach Aufnahme der wasserreichen Moldau, der Eger, Mulde, Saale u. a. Zuflüsse zu einem mächtigen Strom, welcher sich in nordwestlicher Hauptrichtung der Nordsee zuwälzt. Auf dem grössten Theile ihres Laufes wird die Elbe von Dampfern befahren und ist durch den Plauen’schen Canal mit Berlin und durch den Stecknitz-Canal mit Lübeck verbunden. Von Hamburg aus, wo der Schienenstrang sie überbrückt, ist die Elbe für Seeschiffe jeder Grösse praktikabel.
Das Fahrwasser ist, wie unser Plan der unteren Elbe zeigt, vortrefflich betonnt und mit Hinzurechnung des Wasserweges nach Hamburg durch 32 Leuchtfeuer grösster und mittlerer Gattung be- leuchtet; auch dienen den Schiffen namentlich nächst der Mündung zahlreiche gut sichtbare Landmarken von mitunter bedeutender Grösse zur Orientirung. Ein vorzüglich geschultes Lootsencorps trägt sehr zur Sicherheit des Verkehres bei.
Auf dem ganzen Unterlaufe der Elbe hat das Fahrwasser — kurze Strecken ausgenommen — keine geringere Tiefe als 7 m und erreicht bei St. Margarethen sogar 22 m und bei der an Ablagerungen reichen Mündung 16—18 m. Hiezu tritt nun die Höhe der Flut, welche bei Cuxhaven im Mittel 3·3 m, bei Brunsbüttel 2·7 m, bei Glückstadt 2·8 m und bei Hamburg 3·6 m beträgt. Ein so hoher Wasserstand gestattet daher den Verkehr der tiefstgehenden Ocean- schiffe selbst über die seichtesten Stellen des Fahrwassers.
Die Zufahrt zur Elbemündung ist von See aus durch 5 grosse Leuchtschiffe markirt. Das äusserste derselben, „Gustav Heinrich“ oder „äusseres Leuchtschiff Nr. 1“ genannt, ist 7·5 km ausserhalb des weit nach West vorgeschobenen Neuwerker Walls verankert. OzS
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Der atlantische Ocean.
dienen die 1718 erbaute katholische Kirche und die 1873 erbaute
zierliche gothische St. Johanniskirche genannt zu werden.
Das Matrosenleben entfaltet sich vornehmlich an den Vorsetzen
und in den anstossenden Strassen, wo sich Verkaufsgeschäfte und
Tabagien für die Bedürfnisse der Matrosen ununterbrochen aneinander-
reihen. Auch im Altonaer Hafen herrscht reges Treiben, auch dort
widerhallt wie in Hamburg der die schwere Arbeit begleitende Ma-
trosengesang, wogt das ewige Getriebe des rastlosen Verkehrs.
Wenden wir uns nun der riesigen Schiffahrtstrasse zu, welche
von Hamburg in die Nordsee führt. Dieser Theil der Elbe führt den
Namen Norder- oder Unterelbe, und hat das Fahrwasser von Cux-
haven bis Hamburg eine Erstreckung von 103 km und von der Insel
Neuwerk eine solche von 118 km.
In Böhmen entspringend, wird die Elbe nach Aufnahme der
wasserreichen Moldau, der Eger, Mulde, Saale u. a. Zuflüsse zu einem
mächtigen Strom, welcher sich in nordwestlicher Hauptrichtung der
Nordsee zuwälzt. Auf dem grössten Theile ihres Laufes wird die
Elbe von Dampfern befahren und ist durch den Plauen’schen Canal
mit Berlin und durch den Stecknitz-Canal mit Lübeck verbunden.
Von Hamburg aus, wo der Schienenstrang sie überbrückt, ist die Elbe
für Seeschiffe jeder Grösse praktikabel.
Das Fahrwasser ist, wie unser Plan der unteren Elbe zeigt,
vortrefflich betonnt und mit Hinzurechnung des Wasserweges nach
Hamburg durch 32 Leuchtfeuer grösster und mittlerer Gattung be-
leuchtet; auch dienen den Schiffen namentlich nächst der Mündung
zahlreiche gut sichtbare Landmarken von mitunter bedeutender Grösse
zur Orientirung. Ein vorzüglich geschultes Lootsencorps trägt sehr
zur Sicherheit des Verkehres bei.
Auf dem ganzen Unterlaufe der Elbe hat das Fahrwasser —
kurze Strecken ausgenommen — keine geringere Tiefe als 7 m und
erreicht bei St. Margarethen sogar 22 m und bei der an Ablagerungen
reichen Mündung 16—18 m. Hiezu tritt nun die Höhe der Flut,
welche bei Cuxhaven im Mittel 3·3 m, bei Brunsbüttel 2·7 m, bei
Glückstadt 2·8 m und bei Hamburg 3·6 m beträgt. Ein so hoher
Wasserstand gestattet daher den Verkehr der tiefstgehenden Ocean-
schiffe selbst über die seichtesten Stellen des Fahrwassers.
Die Zufahrt zur Elbemündung ist von See aus durch 5 grosse
Leuchtschiffe markirt. Das äusserste derselben, „Gustav Heinrich“
oder „äusseres Leuchtschiff Nr. 1“ genannt, ist 7·5 km ausserhalb
des weit nach West vorgeschobenen Neuwerker Walls verankert. OzS
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Lehnert, Josef von u. a.: Die Seehäfen des Weltverkehrs. Bd. 1. Wien, 1891, S. 746. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/lehnert_seehaefen01_1891/766>, abgerufen am 22.11.2024.
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