Entwicklung, die dieser kleine Selbstbetrieb hat -- wo er selbst schon Maschinen anwendet, die handwerksmäßigen Betrieb zulassen -- findet auch Uebergang zur grossen Industrie statt; die Maschine wird, statt mit der Hand, mit Dampf getrieben; wie dies z. B. in der letzten Zeit im englischen Strumpfwaarengeschäft sich er- eignet.
Es findet also ein dreifacher Uebergang statt: Erstens, der Kaufmann wird direkt Industrieller; dies ist der Fall bei den auf den Handel gegründeten Gewerben, namentlich bei Luxusindustrien, welche von den Kaufleuten mitsammt den Rohstoffen und den Arbeitern aus der Fremde eingeführt werden, wie im fünfzehnten Jahrhundert in Italien aus Konstantinopel. Zweitens, der Kauf- mann macht die kleinen Meister zu seinen Zwischenschiebern (middle- men) oder kauft auch direkt vom Selbstproducenten; er lässt ihn nominell selbständig und lässt seine Produktionsweise unverändert. Drittens, der Industrielle wird Kaufmann und producirt direkt im Grossen für den Handel.
Im Mittelalter ist der Kaufmann bloss "Verleger", wie Poppe richtig sagt, der sei es von den Zünftlern, sei es von den Bauern producirten Waaren. Der Kaufmann wird Industrieller, oder viel- mehr lässt die handwerksmäßige, besonders die ländliche kleine Industrie für sich arbeiten. Andrerseits wird der Producent Kauf- mann. Statt dass z. B. der Tuchwebermeister seine Wolle nach und nach in kleinen Portionen vom Kaufmann erhält und mit seinen Gesellen für diesen arbeitet, kauft er selbst Wolle oder Garn und verkauft sein Tuch an den Kaufmann. Die Produktions- elemente gehn als von ihm selbst gekaufte Waaren in den Produk- duktionsprocess ein. Und statt für den einzelnen Kaufmann zu produciren, oder für bestimmte Kunden, producirt der Tuchweber jetzt für die Handelswelt. Der Producent ist selbst Kaufmann. Das Handelskapital verrichtet nur noch den Cirkulationsprocess. Ursprünglich war der Handel Voraussetzung für die Verwandlung des zünftigen und ländlich-häuslichen Gewerbes und des feudalen Ackerbaus in kapitalistische Betriebe. Er entwickelt das Produkt zur Waare, theils indem er ihm einen Markt schafft, theils indem er neue Waarenäquivalente, und der Produktion neue Roh- und Hülfsstoffe zuführt und damit Produktionszweige eröffnet, die von vornherein auf den Handel gegründet sind, sowohl auf Produktion für den Markt und Weltmarkt, wie auf Produktionsbedingungen, die aus dem Weltmarkt herstammen. Sobald die Manufaktur einigermaßen erstarkt, und noch mehr die grosse Industrie schafft
Entwicklung, die dieser kleine Selbstbetrieb hat — wo er selbst schon Maschinen anwendet, die handwerksmäßigen Betrieb zulassen — findet auch Uebergang zur grossen Industrie statt; die Maschine wird, statt mit der Hand, mit Dampf getrieben; wie dies z. B. in der letzten Zeit im englischen Strumpfwaarengeschäft sich er- eignet.
Es findet also ein dreifacher Uebergang statt: Erstens, der Kaufmann wird direkt Industrieller; dies ist der Fall bei den auf den Handel gegründeten Gewerben, namentlich bei Luxusindustrien, welche von den Kaufleuten mitsammt den Rohstoffen und den Arbeitern aus der Fremde eingeführt werden, wie im fünfzehnten Jahrhundert in Italien aus Konstantinopel. Zweitens, der Kauf- mann macht die kleinen Meister zu seinen Zwischenschiebern (middle- men) oder kauft auch direkt vom Selbstproducenten; er lässt ihn nominell selbständig und lässt seine Produktionsweise unverändert. Drittens, der Industrielle wird Kaufmann und producirt direkt im Grossen für den Handel.
Im Mittelalter ist der Kaufmann bloss „Verleger“, wie Poppe richtig sagt, der sei es von den Zünftlern, sei es von den Bauern producirten Waaren. Der Kaufmann wird Industrieller, oder viel- mehr lässt die handwerksmäßige, besonders die ländliche kleine Industrie für sich arbeiten. Andrerseits wird der Producent Kauf- mann. Statt dass z. B. der Tuchwebermeister seine Wolle nach und nach in kleinen Portionen vom Kaufmann erhält und mit seinen Gesellen für diesen arbeitet, kauft er selbst Wolle oder Garn und verkauft sein Tuch an den Kaufmann. Die Produktions- elemente gehn als von ihm selbst gekaufte Waaren in den Produk- duktionsprocess ein. Und statt für den einzelnen Kaufmann zu produciren, oder für bestimmte Kunden, producirt der Tuchweber jetzt für die Handelswelt. Der Producent ist selbst Kaufmann. Das Handelskapital verrichtet nur noch den Cirkulationsprocess. Ursprünglich war der Handel Voraussetzung für die Verwandlung des zünftigen und ländlich-häuslichen Gewerbes und des feudalen Ackerbaus in kapitalistische Betriebe. Er entwickelt das Produkt zur Waare, theils indem er ihm einen Markt schafft, theils indem er neue Waarenäquivalente, und der Produktion neue Roh- und Hülfsstoffe zuführt und damit Produktionszweige eröffnet, die von vornherein auf den Handel gegründet sind, sowohl auf Produktion für den Markt und Weltmarkt, wie auf Produktionsbedingungen, die aus dem Weltmarkt herstammen. Sobald die Manufaktur einigermaßen erstarkt, und noch mehr die grosse Industrie schafft
<TEI><text><body><divn="1"><divn="2"><divn="3"><p><pbfacs="#f0354"n="320"/>
Entwicklung, die dieser kleine Selbstbetrieb hat — wo er selbst<lb/>
schon Maschinen anwendet, die handwerksmäßigen Betrieb zulassen<lb/>— findet auch Uebergang zur grossen Industrie statt; die Maschine<lb/>
wird, statt mit der Hand, mit Dampf getrieben; wie dies z. B.<lb/>
in der letzten Zeit im englischen Strumpfwaarengeschäft sich er-<lb/>
eignet.</p><lb/><p>Es findet also ein dreifacher Uebergang statt: Erstens, der<lb/>
Kaufmann wird direkt Industrieller; dies ist der Fall bei den auf<lb/>
den Handel gegründeten Gewerben, namentlich bei Luxusindustrien,<lb/>
welche von den Kaufleuten mitsammt den Rohstoffen und den<lb/>
Arbeitern aus der Fremde eingeführt werden, wie im fünfzehnten<lb/>
Jahrhundert in Italien aus Konstantinopel. <hirendition="#g">Zweitens</hi>, der Kauf-<lb/>
mann macht die kleinen Meister zu seinen Zwischenschiebern (middle-<lb/>
men) oder kauft auch direkt vom Selbstproducenten; er lässt ihn<lb/>
nominell selbständig und lässt seine Produktionsweise unverändert.<lb/><hirendition="#g">Drittens</hi>, der Industrielle wird Kaufmann und producirt direkt im<lb/>
Grossen für den Handel.</p><lb/><p>Im Mittelalter ist der Kaufmann bloss „Verleger“, wie Poppe<lb/>
richtig sagt, der sei es von den Zünftlern, sei es von den Bauern<lb/>
producirten Waaren. Der Kaufmann wird Industrieller, oder viel-<lb/>
mehr lässt die handwerksmäßige, besonders die ländliche kleine<lb/>
Industrie für sich arbeiten. Andrerseits wird der Producent Kauf-<lb/>
mann. Statt dass z. B. der Tuchwebermeister seine Wolle nach<lb/>
und nach in kleinen Portionen vom Kaufmann erhält und mit<lb/>
seinen Gesellen für diesen arbeitet, kauft er selbst Wolle oder<lb/>
Garn und verkauft sein Tuch an den Kaufmann. Die Produktions-<lb/>
elemente gehn als von ihm selbst gekaufte Waaren in den Produk-<lb/>
duktionsprocess ein. Und statt für den einzelnen Kaufmann zu<lb/>
produciren, oder für bestimmte Kunden, producirt der Tuchweber<lb/>
jetzt für die Handelswelt. Der Producent ist selbst Kaufmann.<lb/>
Das Handelskapital verrichtet nur noch den Cirkulationsprocess.<lb/>
Ursprünglich war der Handel Voraussetzung für die Verwandlung<lb/>
des zünftigen und ländlich-häuslichen Gewerbes und des feudalen<lb/>
Ackerbaus in kapitalistische Betriebe. Er entwickelt das Produkt<lb/>
zur Waare, theils indem er ihm einen Markt schafft, theils indem<lb/>
er neue Waarenäquivalente, und der Produktion neue Roh- und<lb/>
Hülfsstoffe zuführt und damit Produktionszweige eröffnet, die von<lb/>
vornherein auf den Handel gegründet sind, sowohl auf Produktion<lb/>
für den Markt und Weltmarkt, wie auf Produktionsbedingungen,<lb/>
die aus dem Weltmarkt herstammen. Sobald die Manufaktur<lb/>
einigermaßen erstarkt, und noch mehr die grosse Industrie schafft<lb/></p></div></div></div></body></text></TEI>
[320/0354]
Entwicklung, die dieser kleine Selbstbetrieb hat — wo er selbst
schon Maschinen anwendet, die handwerksmäßigen Betrieb zulassen
— findet auch Uebergang zur grossen Industrie statt; die Maschine
wird, statt mit der Hand, mit Dampf getrieben; wie dies z. B.
in der letzten Zeit im englischen Strumpfwaarengeschäft sich er-
eignet.
Es findet also ein dreifacher Uebergang statt: Erstens, der
Kaufmann wird direkt Industrieller; dies ist der Fall bei den auf
den Handel gegründeten Gewerben, namentlich bei Luxusindustrien,
welche von den Kaufleuten mitsammt den Rohstoffen und den
Arbeitern aus der Fremde eingeführt werden, wie im fünfzehnten
Jahrhundert in Italien aus Konstantinopel. Zweitens, der Kauf-
mann macht die kleinen Meister zu seinen Zwischenschiebern (middle-
men) oder kauft auch direkt vom Selbstproducenten; er lässt ihn
nominell selbständig und lässt seine Produktionsweise unverändert.
Drittens, der Industrielle wird Kaufmann und producirt direkt im
Grossen für den Handel.
Im Mittelalter ist der Kaufmann bloss „Verleger“, wie Poppe
richtig sagt, der sei es von den Zünftlern, sei es von den Bauern
producirten Waaren. Der Kaufmann wird Industrieller, oder viel-
mehr lässt die handwerksmäßige, besonders die ländliche kleine
Industrie für sich arbeiten. Andrerseits wird der Producent Kauf-
mann. Statt dass z. B. der Tuchwebermeister seine Wolle nach
und nach in kleinen Portionen vom Kaufmann erhält und mit
seinen Gesellen für diesen arbeitet, kauft er selbst Wolle oder
Garn und verkauft sein Tuch an den Kaufmann. Die Produktions-
elemente gehn als von ihm selbst gekaufte Waaren in den Produk-
duktionsprocess ein. Und statt für den einzelnen Kaufmann zu
produciren, oder für bestimmte Kunden, producirt der Tuchweber
jetzt für die Handelswelt. Der Producent ist selbst Kaufmann.
Das Handelskapital verrichtet nur noch den Cirkulationsprocess.
Ursprünglich war der Handel Voraussetzung für die Verwandlung
des zünftigen und ländlich-häuslichen Gewerbes und des feudalen
Ackerbaus in kapitalistische Betriebe. Er entwickelt das Produkt
zur Waare, theils indem er ihm einen Markt schafft, theils indem
er neue Waarenäquivalente, und der Produktion neue Roh- und
Hülfsstoffe zuführt und damit Produktionszweige eröffnet, die von
vornherein auf den Handel gegründet sind, sowohl auf Produktion
für den Markt und Weltmarkt, wie auf Produktionsbedingungen,
die aus dem Weltmarkt herstammen. Sobald die Manufaktur
einigermaßen erstarkt, und noch mehr die grosse Industrie schafft
Informationen zur CAB-Ansicht
Diese Ansicht bietet Ihnen die Darstellung des Textes in normalisierter Orthographie.
Diese Textvariante wird vollautomatisch erstellt und kann aufgrund dessen auch Fehler enthalten.
Alle veränderten Wortformen sind grau hinterlegt. Als fremdsprachliches Material erkannte
Textteile sind ausgegraut dargestellt.
Marx, Karl: Das Kapital. Buch III: Der Gesammtprocess der kapitalistischen Produktion. Kapitel I bis XXVIII. Hamburg, 1894, S. 320. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/marx_kapital0301_1894/354>, abgerufen am 24.11.2024.
Alle Inhalte dieser Seite unterstehen, soweit nicht anders gekennzeichnet, einer
Creative-Commons-Lizenz.
Die Rechte an den angezeigten Bilddigitalisaten, soweit nicht anders gekennzeichnet, liegen bei den besitzenden Bibliotheken.
Weitere Informationen finden Sie in den DTA-Nutzungsbedingungen.
Insbesondere im Hinblick auf die §§ 86a StGB und 130 StGB wird festgestellt, dass die auf
diesen Seiten abgebildeten Inhalte weder in irgendeiner Form propagandistischen Zwecken
dienen, oder Werbung für verbotene Organisationen oder Vereinigungen darstellen, oder
nationalsozialistische Verbrechen leugnen oder verharmlosen, noch zum Zwecke der
Herabwürdigung der Menschenwürde gezeigt werden.
Die auf diesen Seiten abgebildeten Inhalte (in Wort und Bild) dienen im Sinne des
§ 86 StGB Abs. 3 ausschließlich historischen, sozial- oder kulturwissenschaftlichen
Forschungszwecken. Ihre Veröffentlichung erfolgt in der Absicht, Wissen zur Anregung
der intellektuellen Selbstständigkeit und Verantwortungsbereitschaft des Staatsbürgers zu
vermitteln und damit der Förderung seiner Mündigkeit zu dienen.
Zitierempfehlung: Deutsches Textarchiv. Grundlage für ein Referenzkorpus der neuhochdeutschen Sprache. Herausgegeben von der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften, Berlin 2024. URL: https://www.deutschestextarchiv.de/.