Also ists überhaupt oft Befriedigung der Seele -- ein gewisses Ziel erreicht zu haben -- sey es auch, welches es wolle! -- Gestillte Rachsucht wird Wohlbehagen, da eine Last gehoben ist, welche uns drückte, -- das Blut wird ruhiger, -- die Vernunft und das Nachdenken tritt erst spät aus dem Hintergrunde hervor -- und die besten Menschen können, durch Rachsucht verleitet, die abscheulichsten Thaten thun.
Wenn auch die guten moralischen Gesinnungen, die Verbrecher am Rande ihrer Bestrafung äußern, oft nichts als Folgen einer erzwungenen Besserung sind, die man zu leicht einer großen Einwirkung religiöser Begriffe zuschreibt, so unterscheidet sich doch Simmen auch dadurch sehr von dem Bösewicht Rüdgerodt, daß der letztere bis an sein Ende hart wie Eisen blieb, Simmen hingegen sehr deutliche Spuren seiner innigen Reue blicken ließ. Sein ganzes Verhalten im Gefängnisse war exemplarisch gut, und sein Abschied von seiner Familie gleicht der traurigen Scene des Calas, als er von den Seinigen Abschied nahm. Merkwürdig bleibt aber in der ganzen Erfahrungsgeschichte des Simmen ein heimlich verborgenliegender Gedanke, wenigstens anfangs, daß sein Schwager eine solche Behandlung verdient habe. Jmmer schob die Rachsucht hier den Gedanken unter: du hast deinen Feind ermordet, -- und darum ist die Hand-
Also ists uͤberhaupt oft Befriedigung der Seele — ein gewisses Ziel erreicht zu haben — sey es auch, welches es wolle! — Gestillte Rachsucht wird Wohlbehagen, da eine Last gehoben ist, welche uns druͤckte, — das Blut wird ruhiger, — die Vernunft und das Nachdenken tritt erst spaͤt aus dem Hintergrunde hervor — und die besten Menschen koͤnnen, durch Rachsucht verleitet, die abscheulichsten Thaten thun.
Wenn auch die guten moralischen Gesinnungen, die Verbrecher am Rande ihrer Bestrafung aͤußern, oft nichts als Folgen einer erzwungenen Besserung sind, die man zu leicht einer großen Einwirkung religioͤser Begriffe zuschreibt, so unterscheidet sich doch Simmen auch dadurch sehr von dem Boͤsewicht Ruͤdgerodt, daß der letztere bis an sein Ende hart wie Eisen blieb, Simmen hingegen sehr deutliche Spuren seiner innigen Reue blicken ließ. Sein ganzes Verhalten im Gefaͤngnisse war exemplarisch gut, und sein Abschied von seiner Familie gleicht der traurigen Scene des Calas, als er von den Seinigen Abschied nahm. Merkwuͤrdig bleibt aber in der ganzen Erfahrungsgeschichte des Simmen ein heimlich verborgenliegender Gedanke, wenigstens anfangs, daß sein Schwager eine solche Behandlung verdient habe. Jmmer schob die Rachsucht hier den Gedanken unter: du hast deinen Feind ermordet, — und darum ist die Hand-
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Also ists uͤberhaupt oft Befriedigung der Seele — ein gewisses Ziel erreicht zu haben — sey es auch, welches es wolle! — Gestillte Rachsucht wird Wohlbehagen, da eine Last gehoben ist, welche uns druͤckte, — das Blut wird ruhiger, — die Vernunft und das Nachdenken tritt erst spaͤt aus dem Hintergrunde hervor — und die besten Menschen koͤnnen, durch Rachsucht verleitet, die abscheulichsten Thaten thun.
Wenn auch die guten moralischen Gesinnungen, die Verbrecher am Rande ihrer Bestrafung aͤußern, oft nichts als Folgen einer erzwungenen Besserung sind, die man zu leicht einer großen Einwirkung religioͤser Begriffe zuschreibt, so unterscheidet sich doch Simmen auch dadurch sehr von dem Boͤsewicht Ruͤdgerodt, daß der letztere bis an sein Ende hart wie Eisen blieb, Simmen hingegen sehr deutliche Spuren seiner innigen Reue blicken ließ. Sein ganzes Verhalten im Gefaͤngnisse war exemplarisch gut, und sein Abschied von seiner Familie gleicht der traurigen Scene des Calas, als er von den Seinigen Abschied nahm. Merkwuͤrdig bleibt aber in der ganzen Erfahrungsgeschichte des Simmen ein heimlich verborgenliegender Gedanke, wenigstens anfangs, daß sein Schwager eine solche Behandlung verdient habe. Jmmer schob die Rachsucht hier den Gedanken unter: du hast deinen Feind ermordet, — und darum ist die Hand-
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Matthias Boenig, Deutsches Textarchiv, Berlin-Brandenburgische Akademie zu Berlin: Konvertierung nach DTA-Basisformat
(2015-06-09T11:00:00Z)
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Moritz, Karl Philipp (Hrsg.): Gnothi sauton oder Magazin zur Erfahrungsseelenkunde. Bd. 7, St. 1. Berlin, 1789, S. 72. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/moritz_erfahrungsseelenkunde0701_1789/74>, abgerufen am 23.02.2025.
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