Freffel ins gemein auff ihre Statt und Land gerichtet/ in feiner Ord-
nung eingetheilt hat: Welche aber allhier einzubringen allzuweitläuffig/
derowegen der Leser zum Gesatz selbsten gewiesen wird.

Hierzu werden auch gezehlt die Quasi delicta, da jemandem Scha-
den von einer Persohn zugefügt wird/ nicht auß vorsetzlicher Boßheit/
sondern/ auß einer unverantwortlichen Hinläßig- und Unachtsamkeit: Zum
Exempel/ da jemand unbedachtsamb etwas zum Fenster hinaus auff die
offene Straß schüttet oder wirfft/ und einen vorbeygehenden beschädiget:
Jtem/ wann einer einem Wirthen/ Schiffmann/ Postmeister/ seine
hardes zuver wahren gibt/ und sie under seiner Hutt verlohren werden:
Als darfür das Beschädigte umb den Schaden klagen und Abtrag begäh-
ren mag.
Nun dienet über die Frefel ins gemein zum Bericht.

Erstlich/ daß wann auff einerley Frefel kein gewüsse Straff gesetzt
ist/ ein Richter solche nach vernünfftiger Erwegung und Befindung der
Sach sampt ihren Umbständen zubestimmen und auffzulegen/ befügt ist/
laut allgemeinen Rechtens.
Zweytens/ daß nach der Statt Bern Satzung niemand weder Mann
noch Weib von begangenen Frefflen wegen von der Statt zuschweren soll
gewiesen werden/ er habe dann 15. Jahr Alters erfüllt. fol. 44.
Drittens/ daß ein Weibs-Bild/ so ein Frefel mit Worten oder
Wercken begaht/ nicht mehr dann den halbigen Theil der Bussen/ so das
Gesatz verordnet/ zuerlegen schuldig Aussert/ wo den Weibs-Bilderen
sonderbahre Straffen außtruckentlich bestimbt sind: Statt Bern Satz.
fol. 44.
Viertens/ daß alle Frefel/ so bey Nacht und Nebel verschuldet/
mit dreyfacher Buß sollen abgetragen werden: Und daß die Frefel so
sich zwüschen Tag und Nacht zutragend/ nicht für Nacht-Frefel/ son-
dern als wären sie bey heiterem Tag beschehen/ zuhalten. Ibidem
fol. 45.
Fünfftens/ dann mag der so wegen eines Delicti privati Schaden
empfangen vor dem Richter entweders eine Burgerliche Klag allein füh-
ren/ namlich umb Ersatzung seines erlittenen Schadens oder Injuri
samt allem Kosten: Oder zugleich auch eine peinliche/ namlich neben
der Ersatzung auch umb Anwendung der gebührenden Straff.
Sie-
Freffel ins gemein auff ihre Statt und Land gerichtet/ in feiner Ord-
nung eingetheilt hat: Welche aber allhier einzubringen allzuweitlaͤuffig/
derowegen der Leſer zum Geſatz ſelbſten gewieſen wird.

Hierzu werden auch gezehlt die Quaſi delicta, da jemandem Scha-
den von einer Perſohn zugefuͤgt wird/ nicht auß vorſetzlicher Boßheit/
ſondern/ auß einer unverantwortlichen Hinlaͤßig- und Unachtſamkeit: Zum
Exempel/ da jemand unbedachtſamb etwas zum Fenſter hinaus auff die
offene Straß ſchuͤttet oder wirfft/ und einen vorbeygehenden beſchaͤdiget:
Jtem/ wann einer einem Wirthen/ Schiffmann/ Poſtmeiſter/ ſeine
hardes zuver wahren gibt/ und ſie under ſeiner Hutt verlohren werden:
Als darfuͤr das Beſchaͤdigte umb den Schaden klagen und Abtrag begaͤh-
ren mag.
Nun dienet uͤber die Frefel ins gemein zum Bericht.

Erſtlich/ daß wann auff einerley Frefel kein gewuͤſſe Straff geſetzt
iſt/ ein Richter ſolche nach vernuͤnfftiger Erwegung und Befindung der
Sach ſampt ihren Umbſtaͤnden zubeſtimmen und auffzulegen/ befuͤgt iſt/
laut allgemeinen Rechtens.
Zweytens/ daß nach der Statt Bern Satzung niemand weder Mann
noch Weib von begangenen Frefflen wegen von der Statt zuſchweren ſoll
gewieſen werden/ er habe dann 15. Jahr Alters erfuͤllt. fol. 44.
Drittens/ daß ein Weibs-Bild/ ſo ein Frefel mit Worten oder
Wercken begaht/ nicht mehr dann den halbigen Theil der Buſſen/ ſo das
Geſatz verordnet/ zuerlegen ſchuldig Auſſert/ wo den Weibs-Bilderen
ſonderbahre Straffen außtruckentlich beſtimbt ſind: Statt Bern Satz.
fol. 44.
Viertens/ daß alle Frefel/ ſo bey Nacht und Nebel verſchuldet/
mit dreyfacher Buß ſollen abgetragen werden: Und daß die Frefel ſo
ſich zwuͤſchen Tag und Nacht zutragend/ nicht fuͤr Nacht-Frefel/ ſon-
dern als waͤren ſie bey heiterem Tag beſchehen/ zuhalten. Ibidem
fol. 45.
Fuͤnfftens/ dann mag der ſo wegen eines Delicti privati Schaden
empfangen vor dem Richter entweders eine Burgerliche Klag allein fuͤh-
ren/ namlich umb Erſatzung ſeines erlittenen Schadens oder Injuri
ſamt allem Koſten: Oder zugleich auch eine peinliche/ namlich neben
der Erſatzung auch umb Anwendung der gebuͤhrenden Straff.
Sie-
<TEI>
<text>
<body>
<div n="1">
<div n="2">
<p><pb facs="#f0162" n="146"/><fw place="top" type="header"><hi rendition="#b">Drittes Buch. Cap. <hi rendition="#aq">VI.</hi></hi></fw><lb/>
Freffel ins gemein auff ihre Statt und Land gerichtet/ in feiner Ord-<lb/>
nung eingetheilt hat: Welche aber allhier einzubringen allzuweitlaͤuffig/<lb/>
derowegen der Leſer zum Geſatz ſelbſten gewieſen wird.</p><lb/>
<note place="left">Was<lb/><hi rendition="#aq">Quaſi<lb/>
delicta</hi><lb/>
ſeyen.</note>
<p>Hierzu werden auch gezehlt die <hi rendition="#aq">Quaſi delicta,</hi> da jemandem Scha-<lb/>
den von einer Perſohn zugefuͤgt wird/ nicht auß vorſetzlicher Boßheit/<lb/>
ſondern/ auß einer unverantwortlichen Hinlaͤßig- und Unachtſamkeit: Zum<lb/>
Exempel/ da jemand unbedachtſamb etwas zum Fenſter hinaus auff die<lb/>
offene Straß ſchuͤttet oder wirfft/ und einen vorbeygehenden beſchaͤdiget:<lb/>
Jtem/ wann einer einem Wirthen/ Schiffmann/ Poſtmeiſter/ ſeine<lb/><hi rendition="#aq">hardes</hi> zuver wahren gibt/ und ſie under ſeiner Hutt verlohren werden:<lb/>
Als darfuͤr das Beſchaͤdigte umb den Schaden klagen und Abtrag begaͤh-<lb/>
ren mag.</p><lb/>
<p>Nun dienet uͤber die Frefel ins gemein zum Bericht.</p><lb/>
<note place="left">Was der<lb/>
Frefflen<lb/>
halb ins<lb/>
gemein<lb/>
zubeob-<lb/>
achten.</note>
<list>
<item>Erſtlich/ daß wann auff einerley Frefel kein gewuͤſſe Straff geſetzt<lb/>
iſt/ ein Richter ſolche nach vernuͤnfftiger Erwegung und Befindung der<lb/>
Sach ſampt ihren Umbſtaͤnden zubeſtimmen und auffzulegen/ befuͤgt iſt/<lb/>
laut allgemeinen Rechtens.</item><lb/>
<item>Zweytens/ daß nach der Statt Bern Satzung niemand weder Mann<lb/>
noch Weib von begangenen Frefflen wegen von der Statt zuſchweren ſoll<lb/>
gewieſen werden/ er habe dann 15. Jahr Alters erfuͤllt. <hi rendition="#aq">fol.</hi> 44.</item><lb/>
<item>Drittens/ daß ein Weibs-Bild/ ſo ein Frefel mit Worten oder<lb/>
Wercken begaht/ nicht mehr dann den halbigen Theil der Buſſen/ ſo das<lb/>
Geſatz verordnet/ zuerlegen ſchuldig Auſſert/ wo den Weibs-Bilderen<lb/>
ſonderbahre Straffen außtruckentlich beſtimbt ſind: Statt Bern Satz.<lb/><hi rendition="#aq">fol.</hi> 44.</item><lb/>
<item>Viertens/ daß alle Frefel/ ſo bey Nacht und Nebel verſchuldet/<lb/>
mit dreyfacher Buß ſollen abgetragen werden: Und daß die Frefel ſo<lb/>
ſich zwuͤſchen Tag und Nacht zutragend/ nicht fuͤr Nacht-Frefel/ ſon-<lb/>
dern als waͤren ſie bey heiterem Tag beſchehen/ zuhalten. <hi rendition="#aq">Ibidem<lb/>
fol.</hi> 45.</item><lb/>
<item>Fuͤnfftens/ dann mag der ſo wegen eines <hi rendition="#aq">Delicti privati</hi> Schaden<lb/>
empfangen vor dem Richter entweders eine Burgerliche Klag allein fuͤh-<lb/>
ren/ namlich umb Erſatzung ſeines erlittenen Schadens oder <hi rendition="#aq">Injuri</hi><lb/>
ſamt allem Koſten: Oder zugleich auch eine peinliche/ namlich neben<lb/>
der Erſatzung auch umb Anwendung der gebuͤhrenden Straff.</item>
</list>
</div><lb/>
<fw place="bottom" type="catch"> <hi rendition="#b">Sie-</hi> </fw><lb/>
</div>
</body>
</text>
</TEI>
[146/0162]
Drittes Buch. Cap. VI.
Freffel ins gemein auff ihre Statt und Land gerichtet/ in feiner Ord-
nung eingetheilt hat: Welche aber allhier einzubringen allzuweitlaͤuffig/
derowegen der Leſer zum Geſatz ſelbſten gewieſen wird.
Hierzu werden auch gezehlt die Quaſi delicta, da jemandem Scha-
den von einer Perſohn zugefuͤgt wird/ nicht auß vorſetzlicher Boßheit/
ſondern/ auß einer unverantwortlichen Hinlaͤßig- und Unachtſamkeit: Zum
Exempel/ da jemand unbedachtſamb etwas zum Fenſter hinaus auff die
offene Straß ſchuͤttet oder wirfft/ und einen vorbeygehenden beſchaͤdiget:
Jtem/ wann einer einem Wirthen/ Schiffmann/ Poſtmeiſter/ ſeine
hardes zuver wahren gibt/ und ſie under ſeiner Hutt verlohren werden:
Als darfuͤr das Beſchaͤdigte umb den Schaden klagen und Abtrag begaͤh-
ren mag.
Nun dienet uͤber die Frefel ins gemein zum Bericht.
Erſtlich/ daß wann auff einerley Frefel kein gewuͤſſe Straff geſetzt
iſt/ ein Richter ſolche nach vernuͤnfftiger Erwegung und Befindung der
Sach ſampt ihren Umbſtaͤnden zubeſtimmen und auffzulegen/ befuͤgt iſt/
laut allgemeinen Rechtens.
Zweytens/ daß nach der Statt Bern Satzung niemand weder Mann
noch Weib von begangenen Frefflen wegen von der Statt zuſchweren ſoll
gewieſen werden/ er habe dann 15. Jahr Alters erfuͤllt. fol. 44.
Drittens/ daß ein Weibs-Bild/ ſo ein Frefel mit Worten oder
Wercken begaht/ nicht mehr dann den halbigen Theil der Buſſen/ ſo das
Geſatz verordnet/ zuerlegen ſchuldig Auſſert/ wo den Weibs-Bilderen
ſonderbahre Straffen außtruckentlich beſtimbt ſind: Statt Bern Satz.
fol. 44.
Viertens/ daß alle Frefel/ ſo bey Nacht und Nebel verſchuldet/
mit dreyfacher Buß ſollen abgetragen werden: Und daß die Frefel ſo
ſich zwuͤſchen Tag und Nacht zutragend/ nicht fuͤr Nacht-Frefel/ ſon-
dern als waͤren ſie bey heiterem Tag beſchehen/ zuhalten. Ibidem
fol. 45.
Fuͤnfftens/ dann mag der ſo wegen eines Delicti privati Schaden
empfangen vor dem Richter entweders eine Burgerliche Klag allein fuͤh-
ren/ namlich umb Erſatzung ſeines erlittenen Schadens oder Injuri
ſamt allem Koſten: Oder zugleich auch eine peinliche/ namlich neben
der Erſatzung auch umb Anwendung der gebuͤhrenden Straff.
Sie-