Otto, Louise: Schloß und Fabrik, Bd. 1. Leipzig, 1846.ausgesonnen hast," sagte sie erbittert, "aber Du bist in meiner Hand, sobald ich Alles sage. -- --" "Du bist muthwillig, aber Du bist nicht hinterlistig -- Du wirst mich also nicht verrathen -- und wenn Du es thun könntest, so scheue ich auch das Unangenehme nicht, was mich allein trifft." Elisabeth schlüpfte schnell durch den Garten, und hatte dann nur wenig Schritte zu gehen, so stand sie in der Klosterstraße vor dem Hause Nr. 18. Mit klopfendem Herzen trat sie hinein und eilte schnell die breiten, hohen Treppen hinauf. Sie hatte sich außer Athem gelaufen, und mußte ein Wenig ausruhen, als sie in der 2. Etage anlangte. An der Thüre links, die nach dem Hintertheile des Hauses zu führen schien, stand der Name: Doctor Thalheim. Unwillkührlich lief Elisabeth nach der entgegengesetzten Thüre, und zog hastig an der Klingel: Wenn er jetzt käme! dachte sie ängstlich. An dieser Thüre war ein großes, rothes Schild befestigt, worauf mit goldnen, stattlichen Buchstaben zu lesen war: "Blumenfabrik von Henriette Krauß." Ein Dienstmädchen kam heraus, bat Elisabeth, einzutreten, indem sie ihr auch eine zweite Thüre öffnete. Es war ein großes, helles Zimmer, ringsum mit Glasschränken, in welchen die von Sammt und Seide und andern kostbaren Stoffen künstlich geschaffenen Blumen in ausgesonnen hast,“ sagte sie erbittert, „aber Du bist in meiner Hand, sobald ich Alles sage. — —“ „Du bist muthwillig, aber Du bist nicht hinterlistig — Du wirst mich also nicht verrathen — und wenn Du es thun könntest, so scheue ich auch das Unangenehme nicht, was mich allein trifft.“ Elisabeth schlüpfte schnell durch den Garten, und hatte dann nur wenig Schritte zu gehen, so stand sie in der Klosterstraße vor dem Hause Nr. 18. Mit klopfendem Herzen trat sie hinein und eilte schnell die breiten, hohen Treppen hinauf. Sie hatte sich außer Athem gelaufen, und mußte ein Wenig ausruhen, als sie in der 2. Etage anlangte. An der Thüre links, die nach dem Hintertheile des Hauses zu führen schien, stand der Name: Doctor Thalheim. Unwillkührlich lief Elisabeth nach der entgegengesetzten Thüre, und zog hastig an der Klingel: Wenn er jetzt käme! dachte sie ängstlich. An dieser Thüre war ein großes, rothes Schild befestigt, worauf mit goldnen, stattlichen Buchstaben zu lesen war: „Blumenfabrik von Henriette Krauß.“ Ein Dienstmädchen kam heraus, bat Elisabeth, einzutreten, indem sie ihr auch eine zweite Thüre öffnete. Es war ein großes, helles Zimmer, ringsum mit Glasschränken, in welchen die von Sammt und Seide und andern kostbaren Stoffen künstlich geschaffenen Blumen in <TEI> <text> <body> <div n="1"> <p><pb facs="#f0075" n="65"/> ausgesonnen hast,“ sagte sie erbittert, „aber Du bist in meiner Hand, sobald ich Alles sage. — —“</p> <p>„Du bist muthwillig, aber Du bist nicht hinterlistig — Du wirst mich also nicht verrathen — und wenn Du es thun könntest, so scheue ich auch das Unangenehme nicht, was mich allein trifft.“</p> <p>Elisabeth schlüpfte schnell durch den Garten, und hatte dann nur wenig Schritte zu gehen, so stand sie in der Klosterstraße vor dem Hause Nr. 18.</p> <p>Mit klopfendem Herzen trat sie hinein und eilte schnell die breiten, hohen Treppen hinauf. Sie hatte sich außer Athem gelaufen, und mußte ein Wenig ausruhen, als sie in der 2. Etage anlangte. An der Thüre links, die nach dem Hintertheile des Hauses zu führen schien, stand der Name: Doctor Thalheim. Unwillkührlich lief Elisabeth nach der entgegengesetzten Thüre, und zog hastig an der Klingel: Wenn er jetzt käme! dachte sie ängstlich. An dieser Thüre war ein großes, rothes Schild befestigt, worauf mit goldnen, stattlichen Buchstaben zu lesen war: „Blumenfabrik von Henriette Krauß.“</p> <p>Ein Dienstmädchen kam heraus, bat Elisabeth, einzutreten, indem sie ihr auch eine zweite Thüre öffnete.</p> <p>Es war ein großes, helles Zimmer, ringsum mit Glasschränken, in welchen die von Sammt und Seide und andern kostbaren Stoffen künstlich geschaffenen Blumen in </p> </div> </body> </text> </TEI> [65/0075]
ausgesonnen hast,“ sagte sie erbittert, „aber Du bist in meiner Hand, sobald ich Alles sage. — —“
„Du bist muthwillig, aber Du bist nicht hinterlistig — Du wirst mich also nicht verrathen — und wenn Du es thun könntest, so scheue ich auch das Unangenehme nicht, was mich allein trifft.“
Elisabeth schlüpfte schnell durch den Garten, und hatte dann nur wenig Schritte zu gehen, so stand sie in der Klosterstraße vor dem Hause Nr. 18.
Mit klopfendem Herzen trat sie hinein und eilte schnell die breiten, hohen Treppen hinauf. Sie hatte sich außer Athem gelaufen, und mußte ein Wenig ausruhen, als sie in der 2. Etage anlangte. An der Thüre links, die nach dem Hintertheile des Hauses zu führen schien, stand der Name: Doctor Thalheim. Unwillkührlich lief Elisabeth nach der entgegengesetzten Thüre, und zog hastig an der Klingel: Wenn er jetzt käme! dachte sie ängstlich. An dieser Thüre war ein großes, rothes Schild befestigt, worauf mit goldnen, stattlichen Buchstaben zu lesen war: „Blumenfabrik von Henriette Krauß.“
Ein Dienstmädchen kam heraus, bat Elisabeth, einzutreten, indem sie ihr auch eine zweite Thüre öffnete.
Es war ein großes, helles Zimmer, ringsum mit Glasschränken, in welchen die von Sammt und Seide und andern kostbaren Stoffen künstlich geschaffenen Blumen in
Suche im WerkInformationen zum Werk
Download dieses Werks
XML (TEI P5) ·
HTML ·
Text Metadaten zum WerkTEI-Header · CMDI · Dublin Core Ansichten dieser Seite
Voyant Tools ?Language Resource Switchboard?FeedbackSie haben einen Fehler gefunden? Dann können Sie diesen über unsere Qualitätssicherungsplattform DTAQ melden. Kommentar zur DTA-AusgabeDieses Werk wurde im Rahmen des Moduls DTA-Erweiterungen (DTAE) digitalisiert. Weitere Informationen … Repository TextGrid: Bereitstellung der Texttranskription.
(2013-08-23T11:52:15Z)
Bitte beachten Sie, dass die aktuelle Transkription (und Textauszeichnung) mittlerweile nicht mehr dem Stand zum Zeitpunkt der Übernahme des Werkes in das DTA entsprechen muss.
Christoph Leijser, Frederike Neuber: Bearbeitung der digitalen Edition.
(2013-08-23T11:52:15Z)
HATHI TRUST Digital Library: Bereitstellung der Bilddigitalisate
(2013-08-23T11:52:15Z)
Weitere Informationen:Anmerkungen zur Transkription:
|
Insbesondere im Hinblick auf die §§ 86a StGB und 130 StGB wird festgestellt, dass die auf diesen Seiten abgebildeten Inhalte weder in irgendeiner Form propagandistischen Zwecken dienen, oder Werbung für verbotene Organisationen oder Vereinigungen darstellen, oder nationalsozialistische Verbrechen leugnen oder verharmlosen, noch zum Zwecke der Herabwürdigung der Menschenwürde gezeigt werden. Die auf diesen Seiten abgebildeten Inhalte (in Wort und Bild) dienen im Sinne des § 86 StGB Abs. 3 ausschließlich historischen, sozial- oder kulturwissenschaftlichen Forschungszwecken. Ihre Veröffentlichung erfolgt in der Absicht, Wissen zur Anregung der intellektuellen Selbstständigkeit und Verantwortungsbereitschaft des Staatsbürgers zu vermitteln und damit der Förderung seiner Mündigkeit zu dienen.
2007–2024 Deutsches Textarchiv, Berlin-Brandenburgische Akademie der Wissenschaften.
Kontakt: redaktion(at)deutschestextarchiv.de. |