nur ein rundes Fetttröpfchen zu sehen. Unter dem Mi- kroskop, bei 450facher Vergrösserung, erkennt man aber bald die Zellenmembran, welche sehr dünn ist und den Fetttropfen dicht umschliesst. An der einen Seite erhebt sie sich in ein kleines Hügelchen, und in diesem liegt ein verhältnissmässig grosser, sehr schöner Zellenkern, der oval, nicht abgeplattet ist und ein oder zwei sehr distincte Kernkörperchen enthält. Einige dieser Fettzellen haben zwei solcher Kerne, die sich ganz gleich verhalten und beide die Zellenmembran in ein Hügelchen emporheben. Presst man eine solche Zelle unter dem Kompressorium, so dehnt sich die Zellenmembran Anfangs bedeutend aus, reisst dann an einer sehr beschränkten Stelle und lässt das Fett ausfliessen. Hört der Druck auf, so zieht sie sich wieder stark zusammen. Sie hat ein feinkörniges Ansehen, ist nicht faserig, weich und sehr elastisch.
Liegen die Fettzellen dicht zusammen, so platten sie sich gegen einander zu polyedrischen Formen ab und gleichen dann auch, wie Gurlt bemerkt, in ihrem Ansehen den Pflanzenzellen. Wir dürfen sie aber auch jetzt in ih- rer Bedeutung diesen parallel stellen. Das Fett ist hier der Zelleninhalt, wie es bei den Pigmentzellen das Pigment, bei den Pflanzenzellen ätherisches Oel u. s. w. ist. In seiner physiologischen Bedeutung als Nahrungsdepositum entspricht es dem Stärkemehl am meisten. Ob bei den Fettzellen der Kern das Primäre ist, weiss ich nicht. In der Schädelhöhle einer Plötze liegen, ausser den Fettzel- len, in dem umliegenden Cytoblastem noch blosse Zellen- kerne; sie können aber auch Kerne zu den Faserzellen des Zellgewebes sein. Später werden die Kerne resor- birt und zwar bald früher, bald später. An dem oben er- wähnten rhachitischen Kinde, welches etwa ein Jahr alt war, waren die Kerne der Fettzellen im Unterhautzellge- webe des Schenkels noch sehr deutlich, während ich am Halse eines siebenmonatlichen Fötus keine Kerne mehr an den Fettzellen finde. Bei der Resorption der Kerne werden entweder seine äusseren Konturen allmählig un-
nur ein rundes Fetttröpfchen zu sehen. Unter dem Mi- kroskop, bei 450facher Vergröſserung, erkennt man aber bald die Zellenmembran, welche sehr dünn ist und den Fetttropfen dicht umschlieſst. An der einen Seite erhebt sie sich in ein kleines Hügelchen, und in diesem liegt ein verhältniſsmäſsig groſser, sehr schöner Zellenkern, der oval, nicht abgeplattet ist und ein oder zwei sehr distincte Kernkörperchen enthält. Einige dieser Fettzellen haben zwei solcher Kerne, die sich ganz gleich verhalten und beide die Zellenmembran in ein Hügelchen emporheben. Preſst man eine solche Zelle unter dem Kompressorium, so dehnt sich die Zellenmembran Anfangs bedeutend aus, reiſst dann an einer sehr beschränkten Stelle und läſst das Fett ausflieſsen. Hört der Druck auf, so zieht sie sich wieder stark zusammen. Sie hat ein feinkörniges Ansehen, ist nicht faserig, weich und sehr elastisch.
Liegen die Fettzellen dicht zusammen, so platten sie sich gegen einander zu polyedrischen Formen ab und gleichen dann auch, wie Gurlt bemerkt, in ihrem Ansehen den Pflanzenzellen. Wir dürfen sie aber auch jetzt in ih- rer Bedeutung diesen parallel stellen. Das Fett ist hier der Zelleninhalt, wie es bei den Pigmentzellen das Pigment, bei den Pflanzenzellen ätherisches Oel u. s. w. ist. In seiner physiologischen Bedeutung als Nahrungsdepositum entspricht es dem Stärkemehl am meisten. Ob bei den Fettzellen der Kern das Primäre ist, weiſs ich nicht. In der Schädelhöhle einer Plötze liegen, auſser den Fettzel- len, in dem umliegenden Cytoblastem noch bloſse Zellen- kerne; sie können aber auch Kerne zu den Faserzellen des Zellgewebes sein. Später werden die Kerne resor- birt und zwar bald früher, bald später. An dem oben er- wähnten rhachitischen Kinde, welches etwa ein Jahr alt war, waren die Kerne der Fettzellen im Unterhautzellge- webe des Schenkels noch sehr deutlich, während ich am Halse eines siebenmonatlichen Fötus keine Kerne mehr an den Fettzellen finde. Bei der Resorption der Kerne werden entweder seine äuſseren Konturen allmählig un-
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nur ein rundes Fetttröpfchen zu sehen. Unter dem Mi-
kroskop, bei 450facher Vergröſserung, erkennt man aber
bald die Zellenmembran, welche sehr dünn ist und den
Fetttropfen dicht umschlieſst. An der einen Seite erhebt
sie sich in ein kleines Hügelchen, und in diesem liegt ein
verhältniſsmäſsig groſser, sehr schöner Zellenkern, der
oval, nicht abgeplattet ist und ein oder zwei sehr distincte
Kernkörperchen enthält. Einige dieser Fettzellen haben
zwei solcher Kerne, die sich ganz gleich verhalten und
beide die Zellenmembran in ein Hügelchen emporheben.
Preſst man eine solche Zelle unter dem Kompressorium,
so dehnt sich die Zellenmembran Anfangs bedeutend aus,
reiſst dann an einer sehr beschränkten Stelle und läſst
das Fett ausflieſsen. Hört der Druck auf, so zieht sie
sich wieder stark zusammen. Sie hat ein feinkörniges
Ansehen, ist nicht faserig, weich und sehr elastisch.
Liegen die Fettzellen dicht zusammen, so platten sie
sich gegen einander zu polyedrischen Formen ab und
gleichen dann auch, wie Gurlt bemerkt, in ihrem Ansehen
den Pflanzenzellen. Wir dürfen sie aber auch jetzt in ih-
rer Bedeutung diesen parallel stellen. Das Fett ist hier
der Zelleninhalt, wie es bei den Pigmentzellen das Pigment,
bei den Pflanzenzellen ätherisches Oel u. s. w. ist. In
seiner physiologischen Bedeutung als Nahrungsdepositum
entspricht es dem Stärkemehl am meisten. Ob bei den
Fettzellen der Kern das Primäre ist, weiſs ich nicht. In
der Schädelhöhle einer Plötze liegen, auſser den Fettzel-
len, in dem umliegenden Cytoblastem noch bloſse Zellen-
kerne; sie können aber auch Kerne zu den Faserzellen
des Zellgewebes sein. Später werden die Kerne resor-
birt und zwar bald früher, bald später. An dem oben er-
wähnten rhachitischen Kinde, welches etwa ein Jahr alt
war, waren die Kerne der Fettzellen im Unterhautzellge-
webe des Schenkels noch sehr deutlich, während ich am
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an den Fettzellen finde. Bei der Resorption der Kerne
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Schwann, Theodor: Mikroskopische Untersuchungen über die Uebereinstimmung in der Struktur und dem Wachsthum der Thiere und Pflanzen. Berlin, 1839, S. 141. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/schwann_mikroskopische_1839/165>, abgerufen am 21.11.2024.
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