ters an die Eischaale verbunden ist und zur Bildung der soge- nannten Halonen Veranlassung giebt. Nach Prevosts und Dumas Darstellung scheint derselbe Process auch bei Säugethieren vor sich zu gehen.
Nich minder wird die Mischung der Fruchtanlage offenbar mit Umänderung ihrer Form verändert. Leider giebt es zur Zeit, um solche Metamorphosen zu erkennen, kein anderes Kriterium, als die schon beschriebenen Sonderungen in den drei körperlichen Dimensionen, bei denen die früher gleichmässig aus Körnern und einem zähen Bindemittel bestehende Fruchtanlage in verschiedene, dichtere und undurchsichtigere, flüssigere und durchsichtige Ab- theilungen zerfällt. Dieser Gegensatz der Consistenzgrade findet aber nicht bloss im Anfange, sondern im Verlaufe der ganzen Ent- wickelungszeit Statt und jede histiologische Sonderung beruht auf dieser Urverwandlung des Festen in Flüssiges und des Flüssigen in Festes. Denn kein Theil wird unmittelbar so ausgesondert und abgesetzt, wie er im ausgebildeten Zustande, ja nur für eine Zeit functionell hervortretend gefunden wird, sondern muss an dem Orte seiner Bestimmung selbst die genannten Cohäsionsverände- rungen unter den ihm eigenen Verschiedenheiten durchgehen.
Wir werden nun die Entwickelung eines jeden der drei Blät- ter der Keimhaut speciell betrachten und zuletzt erst, das Ganze des Embryo wieder ins Auge fassend, auf die Entwickelung des indivi- duellen Thieres überhaupt zurückkommen. Der Mensch wird na- türlich das Hauptobject unserer Darstellung werden. Allein da vorzüglich in früheren Stadien die Erfahrungen noch viel zu mangelhaft und in einem grossen Theile widersprechend und un- richtig sind, wird häufig die Evolutionsgeschichte der Säugethiere zur Ausfüllung der Lücken benutzt werden müssen. Wo selbst diese nicht ausreicht, wie in der allerfrühesten Zeit der Entste- hung, ist die Entwickelungsgeschichte des Vogelembryo das Lei- tende und Ergänzende. Von den niederen, sowohl wirbellosen, als Wirbel-Thieren wird nur vorzüglich das zum Verständniss und zur Erklärung der bei den höheren Thieren vorkommenden Er- scheinungen Nothwendige hier einen Platz finden.
I. Seröses Blatt.
Der Zeit nach ist es bei den verschiedenen Thieren verschie- den, ob die Fruchtanlage sich in einzelne Blätter sondert oder
Von dem Embryo. I. Seröses Blatt.
ters an die Eischaale verbunden ist und zur Bildung der soge- nannten Halonen Veranlassung giebt. Nach Prevosts und Dumas Darstellung scheint derselbe Proceſs auch bei Säugethieren vor sich zu gehen.
Nich minder wird die Mischung der Fruchtanlage offenbar mit Umänderung ihrer Form verändert. Leider giebt es zur Zeit, um solche Metamorphosen zu erkennen, kein anderes Kriterium, als die schon beschriebenen Sonderungen in den drei körperlichen Dimensionen, bei denen die früher gleichmäſsig aus Körnern und einem zähen Bindemittel bestehende Fruchtanlage in verschiedene, dichtere und undurchsichtigere, flüssigere und durchsichtige Ab- theilungen zerfällt. Dieser Gegensatz der Consistenzgrade findet aber nicht bloſs im Anfange, sondern im Verlaufe der ganzen Ent- wickelungszeit Statt und jede histiologische Sonderung beruht auf dieser Urverwandlung des Festen in Flüssiges und des Flüssigen in Festes. Denn kein Theil wird unmittelbar so ausgesondert und abgesetzt, wie er im ausgebildeten Zustande, ja nur für eine Zeit functionell hervortretend gefunden wird, sondern muſs an dem Orte seiner Bestimmung selbst die genannten Cohäsionsverände- rungen unter den ihm eigenen Verschiedenheiten durchgehen.
Wir werden nun die Entwickelung eines jeden der drei Blät- ter der Keimhaut speciell betrachten und zuletzt erst, das Ganze des Embryo wieder ins Auge fassend, auf die Entwickelung des indivi- duellen Thieres überhaupt zurückkommen. Der Mensch wird na- türlich das Hauptobject unserer Darstellung werden. Allein da vorzüglich in früheren Stadien die Erfahrungen noch viel zu mangelhaft und in einem groſsen Theile widersprechend und un- richtig sind, wird häufig die Evolutionsgeschichte der Säugethiere zur Ausfüllung der Lücken benutzt werden müssen. Wo selbst diese nicht ausreicht, wie in der allerfrühesten Zeit der Entste- hung, ist die Entwickelungsgeschichte des Vogelembryo das Lei- tende und Ergänzende. Von den niederen, sowohl wirbellosen, als Wirbel-Thieren wird nur vorzüglich das zum Verständniſs und zur Erklärung der bei den höheren Thieren vorkommenden Er- scheinungen Nothwendige hier einen Platz finden.
I. Seröses Blatt.
Der Zeit nach ist es bei den verschiedenen Thieren verschie- den, ob die Fruchtanlage sich in einzelne Blätter sondert oder
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Von dem Embryo. I. Seröses Blatt.
ters an die Eischaale verbunden ist und zur Bildung der soge-
nannten Halonen Veranlassung giebt. Nach Prevosts und Dumas
Darstellung scheint derselbe Proceſs auch bei Säugethieren vor
sich zu gehen.
Nich minder wird die Mischung der Fruchtanlage offenbar
mit Umänderung ihrer Form verändert. Leider giebt es zur Zeit,
um solche Metamorphosen zu erkennen, kein anderes Kriterium,
als die schon beschriebenen Sonderungen in den drei körperlichen
Dimensionen, bei denen die früher gleichmäſsig aus Körnern und
einem zähen Bindemittel bestehende Fruchtanlage in verschiedene,
dichtere und undurchsichtigere, flüssigere und durchsichtige Ab-
theilungen zerfällt. Dieser Gegensatz der Consistenzgrade findet
aber nicht bloſs im Anfange, sondern im Verlaufe der ganzen Ent-
wickelungszeit Statt und jede histiologische Sonderung beruht auf
dieser Urverwandlung des Festen in Flüssiges und des Flüssigen
in Festes. Denn kein Theil wird unmittelbar so ausgesondert und
abgesetzt, wie er im ausgebildeten Zustande, ja nur für eine Zeit
functionell hervortretend gefunden wird, sondern muſs an dem
Orte seiner Bestimmung selbst die genannten Cohäsionsverände-
rungen unter den ihm eigenen Verschiedenheiten durchgehen.
Wir werden nun die Entwickelung eines jeden der drei Blät-
ter der Keimhaut speciell betrachten und zuletzt erst, das Ganze des
Embryo wieder ins Auge fassend, auf die Entwickelung des indivi-
duellen Thieres überhaupt zurückkommen. Der Mensch wird na-
türlich das Hauptobject unserer Darstellung werden. Allein da
vorzüglich in früheren Stadien die Erfahrungen noch viel zu
mangelhaft und in einem groſsen Theile widersprechend und un-
richtig sind, wird häufig die Evolutionsgeschichte der Säugethiere
zur Ausfüllung der Lücken benutzt werden müssen. Wo selbst
diese nicht ausreicht, wie in der allerfrühesten Zeit der Entste-
hung, ist die Entwickelungsgeschichte des Vogelembryo das Lei-
tende und Ergänzende. Von den niederen, sowohl wirbellosen,
als Wirbel-Thieren wird nur vorzüglich das zum Verständniſs und
zur Erklärung der bei den höheren Thieren vorkommenden Er-
scheinungen Nothwendige hier einen Platz finden.
I. Seröses Blatt.
Der Zeit nach ist es bei den verschiedenen Thieren verschie-
den, ob die Fruchtanlage sich in einzelne Blätter sondert oder
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Valentin, Gabriel Gustav: Handbuch der Entwicklungsgeschichte des Menschen mit vergleichender Rücksicht der Entwicklung der Säugetiere und Vögel. Berlin, 1835, S. 154. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/valentin_entwicklungsgeschichte_1835/182>, abgerufen am 24.11.2024.
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