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Varnhagen von Ense, Karl August: Denkwürdigkeiten und vermischte Schriften. Bd. 3. Mannheim, 1838.

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fortwaͤhrend das tiefſte Widerſtreben. Beſonders gegen
Tieck war ſeine Stimmung jetzt von manchen Seiten
ſehr aufgebracht. Er behauptete, Tieck habe eine ganze
Gattung ſeines Komiſchen von Bernhardi entlehnt, wie
man deutlich aus den „Bambocciaden“ ſehe, einen
andern Theil habe er ſeinen, Jean Pauls, Schriften
nachgebildet, wie er ihm ſelber einſt eingeſtanden; dann
habe er viel von Shakespear angenommen; ſein Ernſt¬
haftes und Ruͤhrendes aber ſei theils aus alten Volks¬
buͤchern, theils — wie die ſchoͤnſten Anklaͤnge der
„Genoveva“ — aus dem Mahler Muͤller geſchoͤpft; die
Kunſtempfindſamkeit in den „Phantaſieen“ und im
„Sternbald“ kam auf Rechnung Wackenroder's, und
die aͤußerſt komiſche Erzaͤhlung vom Schneider Tunelli
ſollte faſt woͤrtlich aus einem alten Buche wiederabge¬
druckt ſein. So kam es uͤber Tieck hier faſt zu einem
aͤhnlichen concursus creditorum, wie die Schlegel im
Athenaͤum muthwillig einen uͤber Wieland eroͤffnet hat¬
ten. Allein ich mußte mich dieſem doch ſehr ungerechten
und uͤbereilten Verfahren entgegenſetzen. Die Anklage
wegen der Benutzung der Genoveva des Mahler Muͤller
ſei, konnte ich mit Grund behaupten, von Tieck ſchon
laͤngſt ſiegreich zuruͤckgewieſen. Die Bambocciaden, ſo
wußte ich von Bernhardi ſelbſt, gingen zwar unter deſſen
Namen, ruͤhrten aber dem beſſern Theile nach von
Tieck her. Die Nachbildung alter Stoffe, wandt' ich
ferner ein, ſei von jeher den Dichtern erlaubt geweſen;

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Zitationshilfe: Varnhagen von Ense, Karl August: Denkwürdigkeiten und vermischte Schriften. Bd. 3. Mannheim, 1838, S. 79. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/varnhagen_denkwuerdigkeiten03_1838/91>, abgerufen am 26.02.2025.