Wilamowitz-Moellendorff, Ulrich von: Einleitung in die attische Tragödie (Euripides Herakles erklärt, Bd. 1). Berlin, 1889.Aristophanes von Byzanz. ausgabe des Pindar. einzelung, und deren erfolg musste auf die dauer für sehr viele gedichteder untergang werden. da trat nun die tätigkeit der alexandrinischen biblio- thekare ein, die ihnen von den zeiten des Demetrios her vorgezeichnet war. zwei menschenalter waren damit zugebracht, dass die hellenische litteratur gesammelt und geordnet war: die consequenz lag vor, dass es nun zu gesammtausgaben der classiker kommen musste, durch welche die schätze der bibliothek erst recht nutzbar wurden. auch darin wirkt das akademische beispiel nach, auf deren mitglied der spottvers logoisin Ermodoros emporeuetai gemacht ist. es war in erster linie ein buch- händlerisches unternehmen. es musste aus den handschriften der biblio- thek eine sammlung der werke Pindars veranstaltet werden, die in feste ordnung gebracht, deren text für die vervielfältigung festgestellt werden musste, damit dann abschriften genommen und vertrieben würden. man mag sich das immerhin nur als eine leistung vorstellen wie Lachmanns Lessing, so ist doch einleuchtend, dass die Alexandriner sich durch diese ausgaben, welche allmählich von allen classikern erschienen, unendlich viel höhere verdienste erworben haben als durch alle ihre conjecturen und commentare. Als Aristophanes die erhaltenen gedichte Pindars zusammen hatte,Ausgabe des 27) So z. b. Pyth. 3, ein undatirter und an keinen sieg geknüpfter brief an Hieron,
steht hinter den beiden siegesliedern für denselben. überhaupt können die gattungs- namen umnoi dithuramboi, egkomia epinikoi nur mit einiger gewalt auf die menge gelegenheitsgedichte angewandt sein. die ordnung innerhalb der bücher ist nicht con- sequent. in Ol. (1--6) Pyth. (1--3) Nem. 1, nachtrag N. 9 stehen die Sikelioten voran, doch muss einer (Pyth. 6) einem könige anderer herkunft (P. 4. 5) den vortritt lassen, und O. 12, Isthm. 2 stehen abseits. in Nem. sind die Aegineten vereinigt (3--8), in Isthm. nicht u. dgl. m. übrigens haben die alten zu allen zeiten gefallen daran gefunden, in gedichtsammlungen ein princip nur mit willkürlichen änderungen durch- zuführen. Aristophanes von Byzanz. ausgabe des Pindar. einzelung, und deren erfolg muſste auf die dauer für sehr viele gedichteder untergang werden. da trat nun die tätigkeit der alexandrinischen biblio- thekare ein, die ihnen von den zeiten des Demetrios her vorgezeichnet war. zwei menschenalter waren damit zugebracht, daſs die hellenische litteratur gesammelt und geordnet war: die consequenz lag vor, daſs es nun zu gesammtausgaben der classiker kommen muſste, durch welche die schätze der bibliothek erst recht nutzbar wurden. auch darin wirkt das akademische beispiel nach, auf deren mitglied der spottvers λόγοισιν Ἑρμόδωρος ἐμπορεύεται gemacht ist. es war in erster linie ein buch- händlerisches unternehmen. es muſste aus den handschriften der biblio- thek eine sammlung der werke Pindars veranstaltet werden, die in feste ordnung gebracht, deren text für die vervielfältigung festgestellt werden muſste, damit dann abschriften genommen und vertrieben würden. man mag sich das immerhin nur als eine leistung vorstellen wie Lachmanns Lessing, so ist doch einleuchtend, daſs die Alexandriner sich durch diese ausgaben, welche allmählich von allen classikern erschienen, unendlich viel höhere verdienste erworben haben als durch alle ihre conjecturen und commentare. Als Aristophanes die erhaltenen gedichte Pindars zusammen hatte,Ausgabe des 27) So z. b. Pyth. 3, ein undatirter und an keinen sieg geknüpfter brief an Hieron,
steht hinter den beiden siegesliedern für denselben. überhaupt können die gattungs- namen ὕμνοι διϑύραμβοι, ἐγκώμια ἐπίνικοι nur mit einiger gewalt auf die menge gelegenheitsgedichte angewandt sein. die ordnung innerhalb der bücher ist nicht con- sequent. in Ol. (1—6) Pyth. (1—3) Nem. 1, nachtrag N. 9 stehen die Sikelioten voran, doch muſs einer (Pyth. 6) einem könige anderer herkunft (P. 4. 5) den vortritt lassen, und O. 12, Isthm. 2 stehen abseits. in Nem. sind die Aegineten vereinigt (3—8), in Isthm. nicht u. dgl. m. übrigens haben die alten zu allen zeiten gefallen daran gefunden, in gedichtsammlungen ein princip nur mit willkürlichen änderungen durch- zuführen. <TEI> <text> <body> <div n="1"> <p><pb facs="#f0159" n="139"/><fw place="top" type="header">Aristophanes von Byzanz. ausgabe des Pindar.</fw><lb/> einzelung, und deren erfolg muſste auf die dauer für sehr viele gedichte<lb/> der untergang werden. da trat nun die tätigkeit der alexandrinischen biblio-<lb/> thekare ein, die ihnen von den zeiten des Demetrios her vorgezeichnet<lb/> war. zwei menschenalter waren damit zugebracht, daſs die hellenische<lb/> litteratur gesammelt und geordnet war: die consequenz lag vor, daſs es<lb/> nun zu gesammtausgaben der classiker kommen muſste, durch welche<lb/> die schätze der bibliothek erst recht nutzbar wurden. auch darin wirkt<lb/> das akademische beispiel nach, auf deren mitglied der spottvers λόγοισιν<lb/> Ἑρμόδωρος ἐμπορεύεται gemacht ist. es war in erster linie ein buch-<lb/> händlerisches unternehmen. es muſste aus den handschriften der biblio-<lb/> thek eine sammlung der werke Pindars veranstaltet werden, die in feste<lb/> ordnung gebracht, deren text für die vervielfältigung festgestellt werden<lb/> muſste, damit dann abschriften genommen und vertrieben würden. man<lb/> mag sich das immerhin nur als eine leistung vorstellen wie Lachmanns<lb/> Lessing, so ist doch einleuchtend, daſs die Alexandriner sich durch diese<lb/> ausgaben, welche allmählich von allen classikern erschienen, unendlich<lb/> viel höhere verdienste erworben haben als durch alle ihre conjecturen<lb/> und commentare.</p><lb/> <p>Als Aristophanes die erhaltenen gedichte Pindars zusammen hatte,<note place="right">Ausgabe des<lb/> Pindar.</note><lb/> ordnete er sie nach einem einfachen schema, das jeder begreifen sollte.<lb/> er vereinigte die gedichte in bücher, 8 εἰς ϑεούς, 8 εἰς ἀνϑρώπους,<lb/> von denen ein jedes noch einen besonderen gattungsnamen erhalten<lb/> konnte ὕμνοι παιᾶνες, ἐγκώμια ϑρῆνοι u. s. w. dabei blieb ein rest<lb/> von gedichten, der sich in diesen gattungen nicht wol unterbringen lieſs.<lb/> die cultlieder der art waren zahlreich genug um ein ganzes buch zu<lb/> füllen, das als neuntes nach dem vorhergehenden ‘Jungfrauenlieder III’<lb/> oder ‘Von den Jungfrauenliedern gesonderte’ hieſs. die lieder an men-<lb/> schen lieferten aber, nachdem anderes anderswo untergesteckt war <note place="foot" n="27)">So z. b. Pyth. 3, ein undatirter und an keinen sieg geknüpfter brief an Hieron,<lb/> steht hinter den beiden siegesliedern für denselben. überhaupt können die gattungs-<lb/> namen ὕμνοι διϑύραμβοι, ἐγκώμια ἐπίνικοι nur mit einiger gewalt auf die menge<lb/> gelegenheitsgedichte angewandt sein. die ordnung innerhalb der bücher ist nicht con-<lb/> sequent. in Ol. (1—6) Pyth. (1—3) Nem. 1, nachtrag N. 9 stehen die Sikelioten voran,<lb/> doch muſs einer (Pyth. 6) einem könige anderer herkunft (P. 4. 5) den vortritt lassen,<lb/> und O. 12, Isthm. 2 stehen abseits. in Nem. sind die Aegineten vereinigt (3—8),<lb/> in Isthm. nicht u. dgl. m. übrigens haben die alten zu allen zeiten gefallen daran<lb/> gefunden, in gedichtsammlungen ein princip nur mit willkürlichen änderungen durch-<lb/> zuführen.</note>,<lb/> nur noch 3 heimatlose stücke, die dem letzten, zudem sehr dünnen<lb/> buche als κεχωρισμένα τῶν Νεμεονίκων angefügt wurden, wo sie<lb/></p> </div> </body> </text> </TEI> [139/0159]
Aristophanes von Byzanz. ausgabe des Pindar.
einzelung, und deren erfolg muſste auf die dauer für sehr viele gedichte
der untergang werden. da trat nun die tätigkeit der alexandrinischen biblio-
thekare ein, die ihnen von den zeiten des Demetrios her vorgezeichnet
war. zwei menschenalter waren damit zugebracht, daſs die hellenische
litteratur gesammelt und geordnet war: die consequenz lag vor, daſs es
nun zu gesammtausgaben der classiker kommen muſste, durch welche
die schätze der bibliothek erst recht nutzbar wurden. auch darin wirkt
das akademische beispiel nach, auf deren mitglied der spottvers λόγοισιν
Ἑρμόδωρος ἐμπορεύεται gemacht ist. es war in erster linie ein buch-
händlerisches unternehmen. es muſste aus den handschriften der biblio-
thek eine sammlung der werke Pindars veranstaltet werden, die in feste
ordnung gebracht, deren text für die vervielfältigung festgestellt werden
muſste, damit dann abschriften genommen und vertrieben würden. man
mag sich das immerhin nur als eine leistung vorstellen wie Lachmanns
Lessing, so ist doch einleuchtend, daſs die Alexandriner sich durch diese
ausgaben, welche allmählich von allen classikern erschienen, unendlich
viel höhere verdienste erworben haben als durch alle ihre conjecturen
und commentare.
Als Aristophanes die erhaltenen gedichte Pindars zusammen hatte,
ordnete er sie nach einem einfachen schema, das jeder begreifen sollte.
er vereinigte die gedichte in bücher, 8 εἰς ϑεούς, 8 εἰς ἀνϑρώπους,
von denen ein jedes noch einen besonderen gattungsnamen erhalten
konnte ὕμνοι παιᾶνες, ἐγκώμια ϑρῆνοι u. s. w. dabei blieb ein rest
von gedichten, der sich in diesen gattungen nicht wol unterbringen lieſs.
die cultlieder der art waren zahlreich genug um ein ganzes buch zu
füllen, das als neuntes nach dem vorhergehenden ‘Jungfrauenlieder III’
oder ‘Von den Jungfrauenliedern gesonderte’ hieſs. die lieder an men-
schen lieferten aber, nachdem anderes anderswo untergesteckt war 27),
nur noch 3 heimatlose stücke, die dem letzten, zudem sehr dünnen
buche als κεχωρισμένα τῶν Νεμεονίκων angefügt wurden, wo sie
Ausgabe des
Pindar.
27) So z. b. Pyth. 3, ein undatirter und an keinen sieg geknüpfter brief an Hieron,
steht hinter den beiden siegesliedern für denselben. überhaupt können die gattungs-
namen ὕμνοι διϑύραμβοι, ἐγκώμια ἐπίνικοι nur mit einiger gewalt auf die menge
gelegenheitsgedichte angewandt sein. die ordnung innerhalb der bücher ist nicht con-
sequent. in Ol. (1—6) Pyth. (1—3) Nem. 1, nachtrag N. 9 stehen die Sikelioten voran,
doch muſs einer (Pyth. 6) einem könige anderer herkunft (P. 4. 5) den vortritt lassen,
und O. 12, Isthm. 2 stehen abseits. in Nem. sind die Aegineten vereinigt (3—8),
in Isthm. nicht u. dgl. m. übrigens haben die alten zu allen zeiten gefallen daran
gefunden, in gedichtsammlungen ein princip nur mit willkürlichen änderungen durch-
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Zitationshilfe: | Wilamowitz-Moellendorff, Ulrich von: Einleitung in die attische Tragödie (Euripides Herakles erklärt, Bd. 1). Berlin, 1889, S. 139. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/wilamowitz_tragoedie_1889/159>, abgerufen am 16.02.2025. |