Tjüeb" kann er ungefähr wiedergegeben werden. Das Weibchen lockt ebenso wie das Männchen, aber etwas tiefer. Der Warnungsruf ist ein sperlingsartiges "Terrr erre". Der sehr einfache, aber an- genehme Gesang besteht nur aus einer Strophe, in welcher der Lockton oft wiederkehrt. Er wird, soweit ich erfahren habe, nur im Fliegen, jedoch sehr fleißig, vorgetragen. Naumann vergleicht ihn mit dem Stümpern einer Feldlerche.
Nach Schrader's Beobachtungen trifft der Sporenammer erst gegen die Mitte Aprils in Lapp- land ein, und schreitet dann sofort zum Brutgeschäft. Das Nest findet man an feuchten Stellen zwischen den Wurzeln einer Birke, auf einem Hügelchen gut versteckt, unter dickbuschigen Pflanzen und an ähnlichen Orten. Es besteht äußerlich aus gröberen und feineren Hälmchen und ist inner- lich mit weichen Federn des Morastschneehuhns ausgefüllt. Gegen die Mitte Juni findet man das vollständige Gelege, fünf bis sechs Eier von länglicher Gestalt, welche auf graulichem, gilb- lichen oder hellbräunlichen Grunde mehr oder weniger mit dunkleren, der Grundfarbe entsprechenden Haarstrichen und Punkten bezeichnet sind. Die Zeichnung kann übrigens auch fehlen, ohne daß jedoch das Gepräge des Eies dadurch verwischt würde. Eben ausgeflogene Junge fand ich bereits Mitte Julis.
Um diese Zeit traf ich die Sporenammer gewöhnlich paarweise, aber doch auch schon in kleinen Gesellschaften an, vielleicht aus solchen, welche bereits gebrütet hatten, bestehend. Die Vögel waren nirgends scheu; denn sie schienen den Menschen nicht zu kennen. Sie wurden es aber, so wie sie Ver- folgung erfuhren, und selbst in der ödesten Wüste hatte man Mühe, nach einigen Schüssen noch an sie anzukommen. Sie erhoben sich in richtiger Würdigung der Gefährlichkeit des Jägers, schon ehe man in Schußnähe kam, flogen hoch in die Höhe und wichen in großen Bogen dem Verfolger aus.
Die Nahrung besteht während der Brutzeit ausschließlich aus Kerbthieren und zwar hauptsächlich aus Mücken, welche die Tundra zu Milliarden bevölkern und dichte Schwärme über dem Boden bilden. Alle, welche ich erlegte, hatten nur Mücken im Kropfe und Magen. Während des Winters dagegen ernährt sich auch dieser Ammer von Gesäme. Jn der Gefangenschaft frißt er Getreide, ölige Säme- reien, Scheuerngesäme und in Milch eingeweichte Gerstengrütze.
Die Wanderung des Sporenammers scheint sich in der Regel nur bis in die südlichen Länder Skandinaviens zu erstrecken; blos ausnahmsweise erscheinen unsere Vögel als Wintergäste in Deutsch- land. Nach Naumann's Beobachtungen leben sie hier mit den Lerchen in bester Eintracht, folgen ihnen überall hin und trennen sich nur ungern von deren Gesellschaft. Gelegentlich des Lerchenstriches mögen viele Sporenammer gefangen und dann als Lerchen mit verspeist werden.
Jm Käfig ist unser Ammer nach Naumann's Versicherung ein sehr munterer und lebhafter Vogel, welcher vom März bis zum August fleißig singt, sich bei einfacher Nahrung gut hält und des- halb seinem Besitzer viel Freude macht.
Die letzte Art der Familie, welche ich hier zu erwähnen habe, ist der auch bei uns wohlbekannte Schneeammer, Schnee- und Wintervogel, Schnee- oder Wintersperling, Strit- oder Neuvogel, Berg- oder Eisammer (Pleetrophanes nivalis), der Schneefink unter den Ammern. Das auffallend dichte Gefieder kennzeichnet diesen Vogel vor allen übrigen Verwandten. Er ist aber auch sonst nicht zu verkennen. Der Schnabel ist wie bei dem Sporenammer gebildet, der Flügel jedoch verhältnißmäßig länger und der Schwanz kürzer, der Sporn mehr gebogen und nicht so lang, als bei diesem. Die Länge des Männchens beträgt 6 2/3 bis 71/4 Zoll, die Breite 113/4 bis 13 Zoll; der Fit- tig mißt 41/4 Zoll, der Schwanz 21/2 Zoll. Das alte Männchen im Sommerkleide ist ein prachtvoller Vogel, so einfach das Gefieder auch gefärbt ist. Die ganze Rückenmitte, die Spitzen der Schwung- federn, ein Fleck am Handgelenk und die Mittelschwanzfedern sind schwarz, die Federn anfänglich mit graulichbraunen Säumen, welche später verschwinden; das ganze übrige Gefieder ist weiß. Die Jris
Die Knacker. Sperlingsvögel. Ammer.
Tjüeb‟ kann er ungefähr wiedergegeben werden. Das Weibchen lockt ebenſo wie das Männchen, aber etwas tiefer. Der Warnungsruf iſt ein ſperlingsartiges „Terrr erre‟. Der ſehr einfache, aber an- genehme Geſang beſteht nur aus einer Strophe, in welcher der Lockton oft wiederkehrt. Er wird, ſoweit ich erfahren habe, nur im Fliegen, jedoch ſehr fleißig, vorgetragen. Naumann vergleicht ihn mit dem Stümpern einer Feldlerche.
Nach Schrader’s Beobachtungen trifft der Sporenammer erſt gegen die Mitte Aprils in Lapp- land ein, und ſchreitet dann ſofort zum Brutgeſchäft. Das Neſt findet man an feuchten Stellen zwiſchen den Wurzeln einer Birke, auf einem Hügelchen gut verſteckt, unter dickbuſchigen Pflanzen und an ähnlichen Orten. Es beſteht äußerlich aus gröberen und feineren Hälmchen und iſt inner- lich mit weichen Federn des Moraſtſchneehuhns ausgefüllt. Gegen die Mitte Juni findet man das vollſtändige Gelege, fünf bis ſechs Eier von länglicher Geſtalt, welche auf graulichem, gilb- lichen oder hellbräunlichen Grunde mehr oder weniger mit dunkleren, der Grundfarbe entſprechenden Haarſtrichen und Punkten bezeichnet ſind. Die Zeichnung kann übrigens auch fehlen, ohne daß jedoch das Gepräge des Eies dadurch verwiſcht würde. Eben ausgeflogene Junge fand ich bereits Mitte Julis.
Um dieſe Zeit traf ich die Sporenammer gewöhnlich paarweiſe, aber doch auch ſchon in kleinen Geſellſchaften an, vielleicht aus ſolchen, welche bereits gebrütet hatten, beſtehend. Die Vögel waren nirgends ſcheu; denn ſie ſchienen den Menſchen nicht zu kennen. Sie wurden es aber, ſo wie ſie Ver- folgung erfuhren, und ſelbſt in der ödeſten Wüſte hatte man Mühe, nach einigen Schüſſen noch an ſie anzukommen. Sie erhoben ſich in richtiger Würdigung der Gefährlichkeit des Jägers, ſchon ehe man in Schußnähe kam, flogen hoch in die Höhe und wichen in großen Bogen dem Verfolger aus.
Die Nahrung beſteht während der Brutzeit ausſchließlich aus Kerbthieren und zwar hauptſächlich aus Mücken, welche die Tundra zu Milliarden bevölkern und dichte Schwärme über dem Boden bilden. Alle, welche ich erlegte, hatten nur Mücken im Kropfe und Magen. Während des Winters dagegen ernährt ſich auch dieſer Ammer von Geſäme. Jn der Gefangenſchaft frißt er Getreide, ölige Säme- reien, Scheuerngeſäme und in Milch eingeweichte Gerſtengrütze.
Die Wanderung des Sporenammers ſcheint ſich in der Regel nur bis in die ſüdlichen Länder Skandinaviens zu erſtrecken; blos ausnahmsweiſe erſcheinen unſere Vögel als Wintergäſte in Deutſch- land. Nach Naumann’s Beobachtungen leben ſie hier mit den Lerchen in beſter Eintracht, folgen ihnen überall hin und trennen ſich nur ungern von deren Geſellſchaft. Gelegentlich des Lerchenſtriches mögen viele Sporenammer gefangen und dann als Lerchen mit verſpeiſt werden.
Jm Käfig iſt unſer Ammer nach Naumann’s Verſicherung ein ſehr munterer und lebhafter Vogel, welcher vom März bis zum Auguſt fleißig ſingt, ſich bei einfacher Nahrung gut hält und des- halb ſeinem Beſitzer viel Freude macht.
Die letzte Art der Familie, welche ich hier zu erwähnen habe, iſt der auch bei uns wohlbekannte Schneeammer, Schnee- und Wintervogel, Schnee- oder Winterſperling, Strit- oder Neuvogel, Berg- oder Eisammer (Pleetrophanes nivalis), der Schneefink unter den Ammern. Das auffallend dichte Gefieder kennzeichnet dieſen Vogel vor allen übrigen Verwandten. Er iſt aber auch ſonſt nicht zu verkennen. Der Schnabel iſt wie bei dem Sporenammer gebildet, der Flügel jedoch verhältnißmäßig länger und der Schwanz kürzer, der Sporn mehr gebogen und nicht ſo lang, als bei dieſem. Die Länge des Männchens beträgt 6⅔ bis 7¼ Zoll, die Breite 11¾ bis 13 Zoll; der Fit- tig mißt 4¼ Zoll, der Schwanz 2½ Zoll. Das alte Männchen im Sommerkleide iſt ein prachtvoller Vogel, ſo einfach das Gefieder auch gefärbt iſt. Die ganze Rückenmitte, die Spitzen der Schwung- federn, ein Fleck am Handgelenk und die Mittelſchwanzfedern ſind ſchwarz, die Federn anfänglich mit graulichbraunen Säumen, welche ſpäter verſchwinden; das ganze übrige Gefieder iſt weiß. Die Jris
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Tjüeb‟ kann er ungefähr wiedergegeben werden. Das Weibchen lockt ebenſo wie das Männchen, aber
etwas tiefer. Der Warnungsruf iſt ein ſperlingsartiges „Terrr erre‟. Der ſehr einfache, aber an-
genehme Geſang beſteht nur aus einer Strophe, in welcher der Lockton oft wiederkehrt. Er wird,
ſoweit ich erfahren habe, nur im Fliegen, jedoch ſehr fleißig, vorgetragen. Naumann vergleicht ihn
mit dem Stümpern einer Feldlerche.
Nach Schrader’s Beobachtungen trifft der Sporenammer erſt gegen die Mitte Aprils in Lapp-
land ein, und ſchreitet dann ſofort zum Brutgeſchäft. Das Neſt findet man an feuchten Stellen
zwiſchen den Wurzeln einer Birke, auf einem Hügelchen gut verſteckt, unter dickbuſchigen Pflanzen
und an ähnlichen Orten. Es beſteht äußerlich aus gröberen und feineren Hälmchen und iſt inner-
lich mit weichen Federn des Moraſtſchneehuhns ausgefüllt. Gegen die Mitte Juni findet man
das vollſtändige Gelege, fünf bis ſechs Eier von länglicher Geſtalt, welche auf graulichem, gilb-
lichen oder hellbräunlichen Grunde mehr oder weniger mit dunkleren, der Grundfarbe entſprechenden
Haarſtrichen und Punkten bezeichnet ſind. Die Zeichnung kann übrigens auch fehlen, ohne daß
jedoch das Gepräge des Eies dadurch verwiſcht würde. Eben ausgeflogene Junge fand ich bereits
Mitte Julis.
Um dieſe Zeit traf ich die Sporenammer gewöhnlich paarweiſe, aber doch auch ſchon in kleinen
Geſellſchaften an, vielleicht aus ſolchen, welche bereits gebrütet hatten, beſtehend. Die Vögel waren
nirgends ſcheu; denn ſie ſchienen den Menſchen nicht zu kennen. Sie wurden es aber, ſo wie ſie Ver-
folgung erfuhren, und ſelbſt in der ödeſten Wüſte hatte man Mühe, nach einigen Schüſſen noch an ſie
anzukommen. Sie erhoben ſich in richtiger Würdigung der Gefährlichkeit des Jägers, ſchon ehe man
in Schußnähe kam, flogen hoch in die Höhe und wichen in großen Bogen dem Verfolger aus.
Die Nahrung beſteht während der Brutzeit ausſchließlich aus Kerbthieren und zwar hauptſächlich
aus Mücken, welche die Tundra zu Milliarden bevölkern und dichte Schwärme über dem Boden bilden.
Alle, welche ich erlegte, hatten nur Mücken im Kropfe und Magen. Während des Winters dagegen
ernährt ſich auch dieſer Ammer von Geſäme. Jn der Gefangenſchaft frißt er Getreide, ölige Säme-
reien, Scheuerngeſäme und in Milch eingeweichte Gerſtengrütze.
Die Wanderung des Sporenammers ſcheint ſich in der Regel nur bis in die ſüdlichen Länder
Skandinaviens zu erſtrecken; blos ausnahmsweiſe erſcheinen unſere Vögel als Wintergäſte in Deutſch-
land. Nach Naumann’s Beobachtungen leben ſie hier mit den Lerchen in beſter Eintracht, folgen
ihnen überall hin und trennen ſich nur ungern von deren Geſellſchaft. Gelegentlich des Lerchenſtriches
mögen viele Sporenammer gefangen und dann als Lerchen mit verſpeiſt werden.
Jm Käfig iſt unſer Ammer nach Naumann’s Verſicherung ein ſehr munterer und lebhafter
Vogel, welcher vom März bis zum Auguſt fleißig ſingt, ſich bei einfacher Nahrung gut hält und des-
halb ſeinem Beſitzer viel Freude macht.
Die letzte Art der Familie, welche ich hier zu erwähnen habe, iſt der auch bei uns wohlbekannte
Schneeammer, Schnee- und Wintervogel, Schnee- oder Winterſperling, Strit- oder
Neuvogel, Berg- oder Eisammer (Pleetrophanes nivalis), der Schneefink unter den Ammern.
Das auffallend dichte Gefieder kennzeichnet dieſen Vogel vor allen übrigen Verwandten. Er iſt aber
auch ſonſt nicht zu verkennen. Der Schnabel iſt wie bei dem Sporenammer gebildet, der Flügel jedoch
verhältnißmäßig länger und der Schwanz kürzer, der Sporn mehr gebogen und nicht ſo lang, als bei
dieſem. Die Länge des Männchens beträgt 6⅔ bis 7¼ Zoll, die Breite 11¾ bis 13 Zoll; der Fit-
tig mißt 4¼ Zoll, der Schwanz 2½ Zoll. Das alte Männchen im Sommerkleide iſt ein prachtvoller
Vogel, ſo einfach das Gefieder auch gefärbt iſt. Die ganze Rückenmitte, die Spitzen der Schwung-
federn, ein Fleck am Handgelenk und die Mittelſchwanzfedern ſind ſchwarz, die Federn anfänglich mit
graulichbraunen Säumen, welche ſpäter verſchwinden; das ganze übrige Gefieder iſt weiß. Die Jris
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Brehm, Alfred Edmund: Illustrirtes Thierleben. Bd. 3. Hildburghausen, 1866, S. 254. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/brehm_thierleben03_1866/276>, abgerufen am 21.11.2024.
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