mehrere Nemertinen, welche von verschiedenen Seiten ihren Angriff mit dem Rüssel ausführen und sich dann in die Beute theilen. Sehr geschickt wissen sie zur Einbohrung des Stilets die weichere Bauchseite des Thiers zu wählen." Wir sehen in der Abbildung, wie über dem mittleren auf einer Art von Handgriff befestigten Stilet jederseits im Jnnern einer ovalen mehrere dergleichen angelförmige Spitzen unregelmäßig durch einander liegen. Mit diesen ist der Schnurwurm, wie ein vorsichtiger Bogenschütze, zur Reserve ausgerüstet. Sie werden nach und nach verbraucht. Es ist jedoch noch nicht beobachtet, wie sie an die Stelle der Hauptspitze treten.
Wir benutzen dieselbe Abbildung, um noch auf einige wichtige Organi- sationsverhältnisse aufmerksam zu machen. Die beiden im Kopfende gelegenen, durch eine Querbrücke verbundenen Anschwellungen mit den beiden von ihnen abgehenden und den Körper in seiner ganzen Länge durchziehenden Strängen sind das Nervensystem, das nach Form und Lage das Urbild des Nerven- systems der Gliederwürmer und höheren Gliederthiere ist. Die geschlängelten
[Abbildung]
Rüsselende von Totrastemma obseurum. Vergrößert.
Organe sind die sogenannten Wassergefäße, welche, mit bestimmten Mündungen beginnend, den Körper der Plattwürmer durchziehen und eine besondere Form der Athmungsorgane vorstellen. Bei den schmarotzenden Plattwürmern scheinen sie dagegen als Absonderungsorgane verwendet zu sein.
Die Gattung Tetrastemma,Vierauge -- an welche wir diese Bemerkungen anknüpfen, ist eine der verbreitetsten, deren kleine, zum Theil kaum einige Linien lange Arten am liebsten zwischen den Algen sich aufhalten.
Eine zweite Abtheilung -- Anopla -- umfaßt die waffenlosen Gattungen, d. h. diejenigen ohne Stachel am Rüssel. Hierher gehören mehrere mit größeren und sehr großen Arten, wie Lineus, Nemertes, Meckelia. Von letzterer kommt auf schlammigem Grunde und zwischen der Rasencoralle die lange, platte und weißliche Meckelia somatotoma vor. Es bedeutet Soma- totoma "die ihren Leib theilende". Und allerdings hat man gewöhnlich den Verdruß, daß die einen bis anderthalb Fuß langen und 3 bis 4 Linien breiten Thiere bei der geringsten unsanften Berührung in Stücke zerbrechen. Dieß scheint zum Theil ein willkürlicher Akt zu sein, zum Theil auf sogenannten Reflerbewegungen zu beruhen, unwillkürlichen, vom Nervensystem aus an- geregten krampfartigen Zusammenziehungen. Daß daneben die Muskeln und andere Organe aber an sich sehr zerreißlich sind, braucht kaum besonders erwähnt zu werden. Von den Fischern, welche mir in Dalmatien und in Triest aus der Bucht von Muggia die Meckelia somatotoma brachten, habe ich sie nie unverletzt erhalten. Bei Excursionen, die ich selbst unternahm, blieb sie nur heil, wenn sie unmittelbar aus dem Meere isolirt in ein geräumiges Gefäß gebracht wurde. Sie für die Sammlung möglichst ganz zu conserviren gibt es zwei Mittel; entweder überschüttet man sie, nach möglichst ruhigem Abgusse des Salzwassers, plötzlich und reichlich mit heißem Wasser oder mit Spiritus. Jch gebe der letzteren Methode namentlich auch für die kleineren Schnurwürmer den Vorzug, weil sie häufig in dem nur einige Sekunden dauernden Todeskampfe den Rüssel voll- kommen ausstrecken, ohne im Stande zu sein, ihn wieder zurückzuziehen.
Eine andere häufig vorkommende Art ist die Meckelia annulata, die geringelte Meckelie, so genannt, weil ihr schmuzig grüner Körper mit vielen weißen Ringen gezeichnet ist. Sie erreicht die Länge von 15 Zoll. Auch sie speit sehr häufig in der Gefangenschaft vor dem Tode ihren langen fadenförmigen Rüssel aus, der bei 6 Zoll Länge kaum eine halbe Linie dick wird. Man findet sie am häufigsten in Felsstücken, welche schon durch andere bohrende Thiere mit Löchern und Gängen versehen sind, namentlich in Kalkstein und Kreide; auch zwischen den Stöcken der Rasencoralle hat sie ein an Windungen reiches Versteck, welches mit ihr eine Menge anderer Würmer und vor- züglich auch kleiner Krebse aufsuchen. Da diese im Mittelmeere sehr gemeine Koralle sich leicht brechen läßt, so ist die in labyrinthischen Verschlingungen in ihr hausende Meckelie aus ihr ziem-
Vierange. Meckelie.
mehrere Nemertinen, welche von verſchiedenen Seiten ihren Angriff mit dem Rüſſel ausführen und ſich dann in die Beute theilen. Sehr geſchickt wiſſen ſie zur Einbohrung des Stilets die weichere Bauchſeite des Thiers zu wählen.“ Wir ſehen in der Abbildung, wie über dem mittleren auf einer Art von Handgriff befeſtigten Stilet jederſeits im Jnnern einer ovalen mehrere dergleichen angelförmige Spitzen unregelmäßig durch einander liegen. Mit dieſen iſt der Schnurwurm, wie ein vorſichtiger Bogenſchütze, zur Reſerve ausgerüſtet. Sie werden nach und nach verbraucht. Es iſt jedoch noch nicht beobachtet, wie ſie an die Stelle der Hauptſpitze treten.
Wir benutzen dieſelbe Abbildung, um noch auf einige wichtige Organi- ſationsverhältniſſe aufmerkſam zu machen. Die beiden im Kopfende gelegenen, durch eine Querbrücke verbundenen Anſchwellungen mit den beiden von ihnen abgehenden und den Körper in ſeiner ganzen Länge durchziehenden Strängen ſind das Nervenſyſtem, das nach Form und Lage das Urbild des Nerven- ſyſtems der Gliederwürmer und höheren Gliederthiere iſt. Die geſchlängelten
[Abbildung]
Rüſſelende von Totrastemma obseurum. Vergrößert.
Organe ſind die ſogenannten Waſſergefäße, welche, mit beſtimmten Mündungen beginnend, den Körper der Plattwürmer durchziehen und eine beſondere Form der Athmungsorgane vorſtellen. Bei den ſchmarotzenden Plattwürmern ſcheinen ſie dagegen als Abſonderungsorgane verwendet zu ſein.
Die Gattung Tetrastemma,Vierauge — an welche wir dieſe Bemerkungen anknüpfen, iſt eine der verbreitetſten, deren kleine, zum Theil kaum einige Linien lange Arten am liebſten zwiſchen den Algen ſich aufhalten.
Eine zweite Abtheilung — Anopla — umfaßt die waffenloſen Gattungen, d. h. diejenigen ohne Stachel am Rüſſel. Hierher gehören mehrere mit größeren und ſehr großen Arten, wie Lineus, Nemertes, Meckelia. Von letzterer kommt auf ſchlammigem Grunde und zwiſchen der Raſencoralle die lange, platte und weißliche Meckelia somatotoma vor. Es bedeutet Soma- totoma „die ihren Leib theilende“. Und allerdings hat man gewöhnlich den Verdruß, daß die einen bis anderthalb Fuß langen und 3 bis 4 Linien breiten Thiere bei der geringſten unſanften Berührung in Stücke zerbrechen. Dieß ſcheint zum Theil ein willkürlicher Akt zu ſein, zum Theil auf ſogenannten Reflerbewegungen zu beruhen, unwillkürlichen, vom Nervenſyſtem aus an- geregten krampfartigen Zuſammenziehungen. Daß daneben die Muskeln und andere Organe aber an ſich ſehr zerreißlich ſind, braucht kaum beſonders erwähnt zu werden. Von den Fiſchern, welche mir in Dalmatien und in Trieſt aus der Bucht von Muggia die Meckelia somatotoma brachten, habe ich ſie nie unverletzt erhalten. Bei Excurſionen, die ich ſelbſt unternahm, blieb ſie nur heil, wenn ſie unmittelbar aus dem Meere iſolirt in ein geräumiges Gefäß gebracht wurde. Sie für die Sammlung möglichſt ganz zu conſerviren gibt es zwei Mittel; entweder überſchüttet man ſie, nach möglichſt ruhigem Abguſſe des Salzwaſſers, plötzlich und reichlich mit heißem Waſſer oder mit Spiritus. Jch gebe der letzteren Methode namentlich auch für die kleineren Schnurwürmer den Vorzug, weil ſie häufig in dem nur einige Sekunden dauernden Todeskampfe den Rüſſel voll- kommen ausſtrecken, ohne im Stande zu ſein, ihn wieder zurückzuziehen.
Eine andere häufig vorkommende Art iſt die Meckelia annulata, die geringelte Meckelie, ſo genannt, weil ihr ſchmuzig grüner Körper mit vielen weißen Ringen gezeichnet iſt. Sie erreicht die Länge von 15 Zoll. Auch ſie ſpeit ſehr häufig in der Gefangenſchaft vor dem Tode ihren langen fadenförmigen Rüſſel aus, der bei 6 Zoll Länge kaum eine halbe Linie dick wird. Man findet ſie am häufigſten in Felsſtücken, welche ſchon durch andere bohrende Thiere mit Löchern und Gängen verſehen ſind, namentlich in Kalkſtein und Kreide; auch zwiſchen den Stöcken der Raſencoralle hat ſie ein an Windungen reiches Verſteck, welches mit ihr eine Menge anderer Würmer und vor- züglich auch kleiner Krebſe aufſuchen. Da dieſe im Mittelmeere ſehr gemeine Koralle ſich leicht brechen läßt, ſo iſt die in labyrinthiſchen Verſchlingungen in ihr hauſende Meckelie aus ihr ziem-
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Vierange. Meckelie.
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weichere Bauchſeite des Thiers zu wählen.“ Wir ſehen in der Abbildung,
wie über dem mittleren auf einer Art von Handgriff befeſtigten Stilet
jederſeits im Jnnern einer ovalen mehrere dergleichen angelförmige Spitzen
unregelmäßig durch einander liegen. Mit dieſen iſt der Schnurwurm, wie
ein vorſichtiger Bogenſchütze, zur Reſerve ausgerüſtet. Sie werden nach
und nach verbraucht. Es iſt jedoch noch nicht beobachtet, wie ſie an die
Stelle der Hauptſpitze treten.
Wir benutzen dieſelbe Abbildung, um noch auf einige wichtige Organi-
ſationsverhältniſſe aufmerkſam zu machen. Die beiden im Kopfende gelegenen,
durch eine Querbrücke verbundenen Anſchwellungen mit den beiden von ihnen
abgehenden und den Körper in ſeiner ganzen Länge durchziehenden Strängen
ſind das Nervenſyſtem, das nach Form und Lage das Urbild des Nerven-
ſyſtems der Gliederwürmer und höheren Gliederthiere iſt. Die geſchlängelten
[Abbildung Rüſſelende von
Totrastemma obseurum.
Vergrößert.]
Organe ſind die ſogenannten Waſſergefäße, welche, mit beſtimmten Mündungen beginnend, den
Körper der Plattwürmer durchziehen und eine beſondere Form der Athmungsorgane vorſtellen. Bei
den ſchmarotzenden Plattwürmern ſcheinen ſie dagegen als Abſonderungsorgane verwendet zu ſein.
Die Gattung Tetrastemma, Vierauge — an welche wir dieſe Bemerkungen anknüpfen, iſt
eine der verbreitetſten, deren kleine, zum Theil kaum einige Linien lange Arten am liebſten
zwiſchen den Algen ſich aufhalten.
Eine zweite Abtheilung — Anopla — umfaßt die waffenloſen Gattungen, d. h. diejenigen
ohne Stachel am Rüſſel. Hierher gehören mehrere mit größeren und ſehr großen Arten, wie
Lineus, Nemertes, Meckelia. Von letzterer kommt auf ſchlammigem Grunde und zwiſchen der
Raſencoralle die lange, platte und weißliche Meckelia somatotoma vor. Es bedeutet Soma-
totoma „die ihren Leib theilende“. Und allerdings hat man gewöhnlich den Verdruß, daß die
einen bis anderthalb Fuß langen und 3 bis 4 Linien breiten Thiere bei der geringſten unſanften
Berührung in Stücke zerbrechen. Dieß ſcheint zum Theil ein willkürlicher Akt zu ſein, zum
Theil auf ſogenannten Reflerbewegungen zu beruhen, unwillkürlichen, vom Nervenſyſtem aus an-
geregten krampfartigen Zuſammenziehungen. Daß daneben die Muskeln und andere Organe aber
an ſich ſehr zerreißlich ſind, braucht kaum beſonders erwähnt zu werden. Von den Fiſchern, welche
mir in Dalmatien und in Trieſt aus der Bucht von Muggia die Meckelia somatotoma brachten,
habe ich ſie nie unverletzt erhalten. Bei Excurſionen, die ich ſelbſt unternahm, blieb ſie nur heil,
wenn ſie unmittelbar aus dem Meere iſolirt in ein geräumiges Gefäß gebracht wurde. Sie für
die Sammlung möglichſt ganz zu conſerviren gibt es zwei Mittel; entweder überſchüttet man ſie,
nach möglichſt ruhigem Abguſſe des Salzwaſſers, plötzlich und reichlich mit heißem Waſſer oder
mit Spiritus. Jch gebe der letzteren Methode namentlich auch für die kleineren Schnurwürmer
den Vorzug, weil ſie häufig in dem nur einige Sekunden dauernden Todeskampfe den Rüſſel voll-
kommen ausſtrecken, ohne im Stande zu ſein, ihn wieder zurückzuziehen.
Eine andere häufig vorkommende Art iſt die Meckelia annulata, die geringelte Meckelie, ſo
genannt, weil ihr ſchmuzig grüner Körper mit vielen weißen Ringen gezeichnet iſt. Sie erreicht die
Länge von 15 Zoll. Auch ſie ſpeit ſehr häufig in der Gefangenſchaft vor dem Tode ihren langen
fadenförmigen Rüſſel aus, der bei 6 Zoll Länge kaum eine halbe Linie dick wird. Man findet ſie
am häufigſten in Felsſtücken, welche ſchon durch andere bohrende Thiere mit Löchern und Gängen
verſehen ſind, namentlich in Kalkſtein und Kreide; auch zwiſchen den Stöcken der Raſencoralle hat
ſie ein an Windungen reiches Verſteck, welches mit ihr eine Menge anderer Würmer und vor-
züglich auch kleiner Krebſe aufſuchen. Da dieſe im Mittelmeere ſehr gemeine Koralle ſich leicht
brechen läßt, ſo iſt die in labyrinthiſchen Verſchlingungen in ihr hauſende Meckelie aus ihr ziem-
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Brehm, Alfred Edmund: Illustrirtes Thierleben. Bd. 6. Hildburghausen, 1869, S. 731. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/brehm_thierleben06_1869/775>, abgerufen am 23.11.2024.
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