aber der gregorianische Kalender in 400 Jahren drey Tage hinwegläßt, so wird diese Verschiebung der Epakten dadurch folgendergestalt verändert. Der im Jahre 1582 zum Grunde gelegte Cykel war I, XII, XXIII, IV, XV rc. Er würde 300 Jahre dauern, wenn alle Secularjahre Schaltjahreblieben; da nun 1600 ein Schaltjahr blieb, so galt er durch das ganze vorige Jahrhundert. Im Jahre 1700 blieb ein Tag hinweg, dadurch rückten die Neumonde einen Tag weiter, und die Epakte mußte um 1 vermindert werden. Daher ist der Cykel für das gegenwärtige Jahrhundert *, XI, XXII, III, XIV rc. Am Ende dieses Jahrhunderts sollte er um 1 zunehmen, weil seit 1500, 300 Jahre verflossen sind; da aber in diesem Jahre der Schalttag wiederum wegfällt, so tritt der Cykel dadurch wieder in seine vorige Stelle und gilt ungeändert bis 1900. Alsdann fällt der Schalttag wieder hinweg, und der Epaktencykel wird XXIX, X, XXI, II rc.; das Jahr 2000 bleibt ein Schaltjahr und ändert nichts; 2100 sollte der Cykel wegen der wieder abgelaufenen 300 Jahre um 1 steigen, wegen des weggelassenen Schalttags aber fällt er auch um 1, und bleibt wieder ungeändert, bis er sich endlich 2200 in XXVIII, IX, XX, I rc. verwandelt. Um dies nicht für alle Jahrhunderte wiederholen zu dürfen, gab Lili zwo Tabellen an, in welchen man den Cykel für jedes Jahrhundert durch bloses Ausschlagen findet, und die in den meisten chronologischen Handbüchern unter den Namen der Epaktentafel und Epaktengleichung vorkommen. So ist zwar das Jahr nicht selbst nach dem Mondlaufe geordnet; es ist aber doch sehr leicht, die Tage der Neumonde, wenigstens der kirchlichen zu finden, welche inzwischen mit den wahren oder astronomischen nicht richtig übereinstimmen.
Nächst Lili hatte an diesen Einrichtungen Clavius den meisten Antheil. Er mußte die zu Prüfung des Plans nöthigen Rechnungen führen, das ganze Verbesserungsgeschäft der Nachwelt erklären, und die Kritiken der Gegner beantworten, unter welchen sich Möstlin, Scaliger und Vieta am meisten auszeichneten. Dies gab die Veranlassung zu seinem schönen chronologischen Werke (De calendario
aber der gregorianiſche Kalender in 400 Jahren drey Tage hinweglaͤßt, ſo wird dieſe Verſchiebung der Epakten dadurch folgendergeſtalt veraͤndert. Der im Jahre 1582 zum Grunde gelegte Cykel war I, XII, XXIII, IV, XV rc. Er wuͤrde 300 Jahre dauern, wenn alle Secularjahre Schaltjahreblieben; da nun 1600 ein Schaltjahr blieb, ſo galt er durch das ganze vorige Jahrhundert. Im Jahre 1700 blieb ein Tag hinweg, dadurch ruͤckten die Neumonde einen Tag weiter, und die Epakte mußte um 1 vermindert werden. Daher iſt der Cykel fuͤr das gegenwaͤrtige Jahrhundert *, XI, XXII, III, XIV rc. Am Ende dieſes Jahrhunderts ſollte er um 1 zunehmen, weil ſeit 1500, 300 Jahre verfloſſen ſind; da aber in dieſem Jahre der Schalttag wiederum wegfaͤllt, ſo tritt der Cykel dadurch wieder in ſeine vorige Stelle und gilt ungeaͤndert bis 1900. Alsdann faͤllt der Schalttag wieder hinweg, und der Epaktencykel wird XXIX, X, XXI, II rc.; das Jahr 2000 bleibt ein Schaltjahr und aͤndert nichts; 2100 ſollte der Cykel wegen der wieder abgelaufenen 300 Jahre um 1 ſteigen, wegen des weggelaſſenen Schalttags aber faͤllt er auch um 1, und bleibt wieder ungeaͤndert, bis er ſich endlich 2200 in XXVIII, IX, XX, I rc. verwandelt. Um dies nicht fuͤr alle Jahrhunderte wiederholen zu duͤrfen, gab Lili zwo Tabellen an, in welchen man den Cykel fuͤr jedes Jahrhundert durch bloſes Auſſchlagen findet, und die in den meiſten chronologiſchen Handbuͤchern unter den Namen der Epaktentafel und Epaktengleichung vorkommen. So iſt zwar das Jahr nicht ſelbſt nach dem Mondlaufe geordnet; es iſt aber doch ſehr leicht, die Tage der Neumonde, wenigſtens der kirchlichen zu finden, welche inzwiſchen mit den wahren oder aſtronomiſchen nicht richtig uͤbereinſtimmen.
Naͤchſt Lili hatte an dieſen Einrichtungen Clavius den meiſten Antheil. Er mußte die zu Pruͤfung des Plans noͤthigen Rechnungen fuͤhren, das ganze Verbeſſerungsgeſchaͤft der Nachwelt erklaͤren, und die Kritiken der Gegner beantworten, unter welchen ſich Moͤſtlin, Scaliger und Vieta am meiſten auszeichneten. Dies gab die Veranlaſſung zu ſeinem ſchoͤnen chronologiſchen Werke (De calendario
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aber der gregorianiſche Kalender in 400 Jahren drey Tage hinweglaͤßt, ſo wird dieſe Verſchiebung der Epakten dadurch folgendergeſtalt veraͤndert. Der im Jahre 1582 zum Grunde gelegte Cykel war I, XII, XXIII, IV, XV rc. Er wuͤrde 300 Jahre dauern, wenn alle Secularjahre Schaltjahreblieben; da nun 1600 ein Schaltjahr blieb, ſo galt er durch das ganze vorige Jahrhundert. Im Jahre 1700 blieb ein Tag hinweg, dadurch ruͤckten die Neumonde einen Tag weiter, und die Epakte mußte um 1 vermindert werden. Daher iſt der Cykel fuͤr das gegenwaͤrtige Jahrhundert *, XI, XXII, III, XIV rc. Am Ende dieſes Jahrhunderts ſollte er um 1 zunehmen, weil ſeit 1500, 300 Jahre verfloſſen ſind; da aber in dieſem Jahre der Schalttag wiederum wegfaͤllt, ſo tritt der Cykel dadurch wieder in ſeine vorige Stelle und gilt ungeaͤndert bis 1900. Alsdann faͤllt der Schalttag wieder hinweg, und der Epaktencykel wird XXIX, X, XXI, II rc.; das Jahr 2000 bleibt ein Schaltjahr und aͤndert nichts; 2100 ſollte der Cykel wegen der wieder abgelaufenen 300 Jahre um 1 ſteigen, wegen des weggelaſſenen Schalttags aber faͤllt er auch um 1, und bleibt wieder ungeaͤndert, bis er ſich endlich 2200 in XXVIII, IX, XX, I rc. verwandelt. Um dies nicht fuͤr alle Jahrhunderte wiederholen zu duͤrfen, gab Lili zwo Tabellen an, in welchen man den Cykel fuͤr jedes Jahrhundert durch bloſes Auſſchlagen findet, und die in den meiſten chronologiſchen Handbuͤchern unter den Namen der Epaktentafel und Epaktengleichung vorkommen. So iſt zwar das Jahr nicht ſelbſt nach dem Mondlaufe geordnet; es iſt aber doch ſehr leicht, die Tage der Neumonde, wenigſtens der kirchlichen zu finden, welche inzwiſchen mit den wahren oder aſtronomiſchen nicht richtig uͤbereinſtimmen.
Naͤchſt Lili hatte an dieſen Einrichtungen Clavius den meiſten Antheil. Er mußte die zu Pruͤfung des Plans noͤthigen Rechnungen fuͤhren, das ganze Verbeſſerungsgeſchaͤft der Nachwelt erklaͤren, und die Kritiken der Gegner beantworten, unter welchen ſich Moͤſtlin, Scaliger und Vieta am meiſten auszeichneten. Dies gab die Veranlaſſung zu ſeinem ſchoͤnen chronologiſchen Werke (De calendario
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Gehler, Johann Samuel Traugott: Physikalisches Wörterbuch, oder, Versuch einer Erklärung der vornehmsten Begriffe und Kunstwörter der Naturlehre. Bd. 2. Leipzig, 1798, S. 721. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/gehler_woerterbuch02_1798/727>, abgerufen am 22.11.2024.
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