George, Stefan: Das Jahr der Seele. Berlin, 1897.Des sehers wort ist wenigen gemeinsam Schon als die ersten kühnen wünsche kamen In einem seltnen reiche ernst und einsam Erfand er für die dinge eigne namen Die hier erdonnerten von ungeheuern Befehlen oder lispelten wie bitten Die wie Paktolen in rubinenfeuern Und bald wie linde frühlingsbäche glitten An deren kraft und klang er sich ergezte Sie waren wenn er sich im höchsten schwunge Der welt entfliehend unter träume sezte Des tempels saitenspiel und heilge zunge Nur sie -- und nicht der sanften lehre lallen Das mütterliche -- hat er sich erlesen Als er im rausch von mai und nachtigallen Sann über erster sehnsucht fabelwesen Als er zum lenker seiner lebensfrühe Im beten rief ob die verheissung löge · · Erflehend dass aus zagen busens mühe Das denkbild sich zur sonne heben möge. Als ich zog ein vogel frei aus goldnem bauer Ward der segen mir in reichem maasse Frauen warfen von der mauer Rosen auf die strasse. Des sehers wort ist wenigen gemeinsam Schon als die ersten kühnen wünsche kamen In einem seltnen reiche ernst und einsam Erfand er für die dinge eigne namen Die hier erdonnerten von ungeheuern Befehlen oder lispelten wie bitten Die wie Paktolen in rubinenfeuern Und bald wie linde frühlingsbäche glitten An deren kraft und klang er sich ergezte Sie waren wenn er sich im höchsten schwunge Der welt entfliehend unter träume sezte Des tempels saitenspiel und heilge zunge Nur sie — und nicht der sanften lehre lallen Das mütterliche — hat er sich erlesen Als er im rausch von mai und nachtigallen Sann über erster sehnsucht fabelwesen Als er zum lenker seiner lebensfrühe Im beten rief ob die verheissung löge · · Erflehend dass aus zagen busens mühe Das denkbild sich zur sonne heben möge. Als ich zog ein vogel frei aus goldnem bauer Ward der segen mir in reichem maasse Frauen warfen von der mauer Rosen auf die strasse. <TEI> <text> <body> <div n="1"> <div n="2"> <pb facs="#f0028"/> <lg type="poem"> <lg n="1"> <l><hi rendition="#in #red">D</hi>es sehers wort ist wenigen gemeinsam</l><lb/> <l><hi rendition="#blue">S</hi>chon als die ersten kühnen wünsche kamen</l><lb/> <l><hi rendition="#blue">I</hi>n einem seltnen reiche ernst und einsam</l><lb/> <l><hi rendition="#blue">E</hi>rfand er für die dinge eigne namen</l> </lg><lb/> <lg n="2"> <l><hi rendition="#red">D</hi>ie hier erdonnerten von ungeheuern</l><lb/> <l><hi rendition="#blue">B</hi>efehlen oder lispelten wie bitten</l><lb/> <l><hi rendition="#blue">D</hi>ie wie Paktolen in rubinenfeuern</l><lb/> <l><hi rendition="#blue">U</hi>nd bald wie linde frühlingsbäche glitten</l> </lg><lb/> <lg n="3"> <l><hi rendition="#red">A</hi>n deren kraft und klang er sich ergezte</l><lb/> <l><hi rendition="#blue">S</hi>ie waren wenn er sich im höchsten schwunge</l><lb/> <l><hi rendition="#blue">D</hi>er welt entfliehend unter träume sezte</l><lb/> <l><hi rendition="#blue">D</hi>es tempels saitenspiel und heilge zunge</l> </lg><lb/> <lg n="4"> <l><hi rendition="#red">N</hi>ur sie — und nicht der sanften lehre lallen</l><lb/> <l><hi rendition="#blue">D</hi>as mütterliche — hat er sich erlesen</l><lb/> <l><hi rendition="#blue">A</hi>ls er im rausch von mai und nachtigallen</l><lb/> <l><hi rendition="#blue">S</hi>ann über erster sehnsucht fabelwesen</l> </lg><lb/> <lg n="5"> <l><hi rendition="#red">A</hi>ls er zum lenker seiner lebensfrühe</l><lb/> <l><hi rendition="#blue">I</hi>m beten rief ob die verheissung löge · ·</l><lb/> <l><hi rendition="#blue">E</hi>rflehend dass aus zagen busens mühe</l><lb/> <l><hi rendition="#blue">D</hi>as denkbild sich zur sonne heben möge.</l> </lg><lb/> <l/> </lg> <lg type="poem"> <lg n="1"> <l><hi rendition="#blue #in">A</hi>ls ich zog ein vogel frei aus goldnem bauer</l><lb/> <l><hi rendition="#red">W</hi>ard der segen mir in reichem maasse</l><lb/> <l><hi rendition="#red">F</hi>rauen warfen von der mauer</l><lb/> <l><hi rendition="#red">R</hi>osen auf die strasse.</l> </lg><lb/> </lg> </div> </div> </body> </text> </TEI> [0028]
Des sehers wort ist wenigen gemeinsam
Schon als die ersten kühnen wünsche kamen
In einem seltnen reiche ernst und einsam
Erfand er für die dinge eigne namen
Die hier erdonnerten von ungeheuern
Befehlen oder lispelten wie bitten
Die wie Paktolen in rubinenfeuern
Und bald wie linde frühlingsbäche glitten
An deren kraft und klang er sich ergezte
Sie waren wenn er sich im höchsten schwunge
Der welt entfliehend unter träume sezte
Des tempels saitenspiel und heilge zunge
Nur sie — und nicht der sanften lehre lallen
Das mütterliche — hat er sich erlesen
Als er im rausch von mai und nachtigallen
Sann über erster sehnsucht fabelwesen
Als er zum lenker seiner lebensfrühe
Im beten rief ob die verheissung löge · ·
Erflehend dass aus zagen busens mühe
Das denkbild sich zur sonne heben möge.
Als ich zog ein vogel frei aus goldnem bauer
Ward der segen mir in reichem maasse
Frauen warfen von der mauer
Rosen auf die strasse.
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