Hahn, Alban von: Der Verkehr in der Guten Gesellschaft. 2. Auflage. Leipzig, ca. 1898.sich infolge einer unerwarteten Absage doch nur dreizehn zusammenfinden würden, selbst noch in letzter Stunde einen nahen Bekannten, von dem man diese Gefälligkeit fordern kann, bitten, als vierzehnter Mann der Gesellschaft beizuwohnen, oder ein jüngeres Familienglied, ein Kind an der Tafel teilnehmen lassen. Wenn auch die Annahme, daß das Sitzen an einer Ecke zur Folge habe, daß Unverheiratete noch sieben Jahre warten müßten, bis sie in den Hafen der Ehe einlaufen könnten, nach andren, daß sie eine "böse Schwiegermutter" bekämen, immerhin einen etwas lächerlichen Anstrich hat, so sollte man doch aus Rücksicht gegen seine Gäste auch dieses schwarze Verhängnis heraufzubeschwören vermeiden. Die erste Pflicht des Hausherrn und der Hausfrau ist der Empfang der Gäste; sie haben daher vor allem pünktlich am Platz zu sein. Aber auch die eingeladenen Gäste sollen sich der Pünktlichkeit befleißigen. Es gehört durchaus nicht mehr zum guten Ton, wie es früher war, womöglich eine halbe Stunde später zu erscheinen, als eingeladen ist, und jeder sollte bestrebt sein, diese gute Gewohnheit des pünktlichen Erscheinens, die wohl auch eine Folge des so sehr in unser Volk eingedrungenen Militarismus ist, zu fördern. sich infolge einer unerwarteten Absage doch nur dreizehn zusammenfinden würden, selbst noch in letzter Stunde einen nahen Bekannten, von dem man diese Gefälligkeit fordern kann, bitten, als vierzehnter Mann der Gesellschaft beizuwohnen, oder ein jüngeres Familienglied, ein Kind an der Tafel teilnehmen lassen. Wenn auch die Annahme, daß das Sitzen an einer Ecke zur Folge habe, daß Unverheiratete noch sieben Jahre warten müßten, bis sie in den Hafen der Ehe einlaufen könnten, nach andren, daß sie eine „böse Schwiegermutter“ bekämen, immerhin einen etwas lächerlichen Anstrich hat, so sollte man doch aus Rücksicht gegen seine Gäste auch dieses schwarze Verhängnis heraufzubeschwören vermeiden. Die erste Pflicht des Hausherrn und der Hausfrau ist der Empfang der Gäste; sie haben daher vor allem pünktlich am Platz zu sein. Aber auch die eingeladenen Gäste sollen sich der Pünktlichkeit befleißigen. Es gehört durchaus nicht mehr zum guten Ton, wie es früher war, womöglich eine halbe Stunde später zu erscheinen, als eingeladen ist, und jeder sollte bestrebt sein, diese gute Gewohnheit des pünktlichen Erscheinens, die wohl auch eine Folge des so sehr in unser Volk eingedrungenen Militarismus ist, zu fördern. <TEI> <text> <body> <div n="1"> <p><pb facs="#f0060" n="50"/> sich infolge einer unerwarteten Absage doch nur dreizehn zusammenfinden würden, selbst noch in letzter Stunde einen nahen Bekannten, von dem man diese Gefälligkeit fordern kann, bitten, als vierzehnter Mann der Gesellschaft beizuwohnen, oder ein jüngeres Familienglied, ein Kind an der Tafel teilnehmen lassen. Wenn auch die Annahme, daß das Sitzen an einer Ecke zur Folge habe, daß Unverheiratete noch sieben Jahre warten müßten, bis sie in den Hafen der Ehe einlaufen könnten, nach andren, daß sie eine „böse Schwiegermutter“ bekämen, immerhin einen etwas lächerlichen Anstrich hat, so sollte man doch aus Rücksicht gegen seine Gäste auch dieses schwarze Verhängnis heraufzubeschwören vermeiden.</p> <p>Die erste Pflicht des Hausherrn und der Hausfrau ist der Empfang der Gäste; sie haben daher vor allem pünktlich am Platz zu sein. Aber auch die eingeladenen Gäste sollen sich der <hi rendition="#g">Pünktlichkeit</hi> befleißigen. Es gehört durchaus nicht mehr zum guten Ton, wie es früher war, womöglich eine halbe Stunde später zu erscheinen, als eingeladen ist, und jeder sollte bestrebt sein, diese gute Gewohnheit des pünktlichen Erscheinens, die wohl auch eine Folge des so sehr in unser Volk eingedrungenen Militarismus ist, zu fördern. </p> </div> </body> </text> </TEI> [50/0060]
sich infolge einer unerwarteten Absage doch nur dreizehn zusammenfinden würden, selbst noch in letzter Stunde einen nahen Bekannten, von dem man diese Gefälligkeit fordern kann, bitten, als vierzehnter Mann der Gesellschaft beizuwohnen, oder ein jüngeres Familienglied, ein Kind an der Tafel teilnehmen lassen. Wenn auch die Annahme, daß das Sitzen an einer Ecke zur Folge habe, daß Unverheiratete noch sieben Jahre warten müßten, bis sie in den Hafen der Ehe einlaufen könnten, nach andren, daß sie eine „böse Schwiegermutter“ bekämen, immerhin einen etwas lächerlichen Anstrich hat, so sollte man doch aus Rücksicht gegen seine Gäste auch dieses schwarze Verhängnis heraufzubeschwören vermeiden.
Die erste Pflicht des Hausherrn und der Hausfrau ist der Empfang der Gäste; sie haben daher vor allem pünktlich am Platz zu sein. Aber auch die eingeladenen Gäste sollen sich der Pünktlichkeit befleißigen. Es gehört durchaus nicht mehr zum guten Ton, wie es früher war, womöglich eine halbe Stunde später zu erscheinen, als eingeladen ist, und jeder sollte bestrebt sein, diese gute Gewohnheit des pünktlichen Erscheinens, die wohl auch eine Folge des so sehr in unser Volk eingedrungenen Militarismus ist, zu fördern.
Suche im WerkInformationen zum Werk
Download dieses Werks
XML (TEI P5) ·
HTML ·
Text Metadaten zum WerkTEI-Header · CMDI · Dublin Core Ansichten dieser Seite
Voyant Tools ?Language Resource Switchboard?FeedbackSie haben einen Fehler gefunden? Dann können Sie diesen über unsere Qualitätssicherungsplattform DTAQ melden. Kommentar zur DTA-AusgabeDieses Werk wurde im Rahmen des Moduls DTA-Erweiterungen (DTAE) digitalisiert. Weitere Informationen … Wikisource: Bereitstellung der Texttranskription und Auszeichnung in Wikisource-Syntax.
(2013-03-19T14:09:31Z)
Bitte beachten Sie, dass die aktuelle Transkription (und Textauszeichnung) mittlerweile nicht mehr dem Stand zum Zeitpunkt der Übernahme aus Wikisource entsprechen muss.
Wikimedia Commons: Bereitstellung der Bilddigitalisate
(2013-03-19T14:09:31Z)
Frank Wiegand: Konvertierung von Wikisource-Markup nach XML/TEI gemäß DTA-Basisformat.
(2013-03-19T14:09:31Z)
Weitere Informationen:Anmerkungen zur Transkription:
|
Insbesondere im Hinblick auf die §§ 86a StGB und 130 StGB wird festgestellt, dass die auf diesen Seiten abgebildeten Inhalte weder in irgendeiner Form propagandistischen Zwecken dienen, oder Werbung für verbotene Organisationen oder Vereinigungen darstellen, oder nationalsozialistische Verbrechen leugnen oder verharmlosen, noch zum Zwecke der Herabwürdigung der Menschenwürde gezeigt werden. Die auf diesen Seiten abgebildeten Inhalte (in Wort und Bild) dienen im Sinne des § 86 StGB Abs. 3 ausschließlich historischen, sozial- oder kulturwissenschaftlichen Forschungszwecken. Ihre Veröffentlichung erfolgt in der Absicht, Wissen zur Anregung der intellektuellen Selbstständigkeit und Verantwortungsbereitschaft des Staatsbürgers zu vermitteln und damit der Förderung seiner Mündigkeit zu dienen.
2007–2024 Deutsches Textarchiv, Berlin-Brandenburgische Akademie der Wissenschaften.
Kontakt: redaktion(at)deutschestextarchiv.de. |