desswegen auch zu diesem Resultate, was an ihr das Wahre ist, immer selbst fort, und macht die Er- fahrung darüber; aber vergisst es nur ebenso immer wieder, und fängt die Bewegung von vorne an. Es ist daher zu verwundern, wenn gegen diese Erfah- rung, als allgemeine Erfahrung, auch als philoso- phische Behauptung, und gar als Resultat des Skep- ticismus aufgestellt wird, die Realität oder das Seyn von äussern Dingen als diesen, oder sinnlichen, habe absolute Wahrheit für das Bewusstseyn; eine solche Behauptung weiss zugleich nicht, was sie spricht, weiss nicht, dass sie das Gegentheil von dem sagt, was sie sagen will. Die Wahrheit des sinnlichen Diesen für das Bewusstseyn soll allgemeine Erfahrung seyn; aber vielmehr ist das Gegentheil allgemeine Erfahrung; jedes Bewusstseyn hebt eine solche Wahrheit, wie zum Beyspiel: das Hier ist ein Baum, oder das Itzt ist Mittag, selbst wieder auf, und spricht das Gegentheil aus: das Hier ist nicht ein Baum, sondern ein Haus; und was in dieser die erste aufhebenden Behauptung wieder eine eben solche Behauptung eines sinnlichen Diesen ist, hebt es so fort ebenso auf; und wird in aller sinnlichen Ge- wissheit in Wahrheit nur diss erfahren, was wir gesehen haben, das dieses nemlich als ein allgemeines, das Gegentheil dessen, was jene Behauptung all- gemeine Erfahrung zu seyn versichert. -- Bey dieser Beruffung auf die allgemeine Erfahrung kann es er- laubt seyn, die Rüchsicht auf das praktische zu an-
deſswegen auch zu diesem Resultate, was an ihr das Wahre ist, immer selbst fort, und macht die Er- fahrung darüber; aber vergiſst es nur ebenso immer wieder, und fängt die Bewegung von vorne an. Es ist daher zu verwundern, wenn gegen diese Erfah- rung, als allgemeine Erfahrung, auch als philoso- phische Behauptung, und gar als Resultat des Skep- ticismus aufgestellt wird, die Realität oder das Seyn von äussern Dingen als diesen, oder sinnlichen, habe absolute Wahrheit für das Bewuſstseyn; eine solche Behauptung weiſs zugleich nicht, was sie spricht, weiſs nicht, daſs sie das Gegentheil von dem sagt, was sie sagen will. Die Wahrheit des sinnlichen Diesen für das Bewuſstseyn soll allgemeine Erfahrung seyn; aber vielmehr ist das Gegentheil allgemeine Erfahrung; jedes Bewuſstseyn hebt eine solche Wahrheit, wie zum Beyspiel: das Hier ist ein Baum, oder das Itzt ist Mittag, selbst wieder auf, und spricht das Gegentheil aus: das Hier ist nicht ein Baum, sondern ein Haus; und was in dieser die erste aufhebenden Behauptung wieder eine eben solche Behauptung eines sinnlichen Diesen ist, hebt es so fort ebenso auf; und wird in aller sinnlichen Ge- wiſsheit in Wahrheit nur diſs erfahren, was wir gesehen haben, das dieses nemlich als ein allgemeines, das Gegentheil dessen, was jene Behauptung all- gemeine Erfahrung zu seyn versichert. — Bey dieser Beruffung auf die allgemeine Erfahrung kann es er- laubt seyn, die Rüchsicht auf das praktische zu an-
<TEI><text><body><divn="1"><divn="2"><p><pbfacs="#f0143"n="34"/>
deſswegen auch zu diesem Resultate, was an ihr das<lb/>
Wahre ist, immer selbst fort, und macht die Er-<lb/>
fahrung darüber; aber vergiſst es nur ebenso immer<lb/>
wieder, und fängt die Bewegung von vorne an. Es<lb/>
ist daher zu verwundern, wenn gegen diese Erfah-<lb/>
rung, als allgemeine Erfahrung, auch als philoso-<lb/>
phische Behauptung, und gar als Resultat des Skep-<lb/>
ticismus aufgestellt wird, die Realität oder das Seyn<lb/>
von äussern Dingen als <hirendition="#i">diesen</hi>, oder sinnlichen, habe<lb/>
absolute Wahrheit für das Bewuſstseyn; eine solche<lb/>
Behauptung weiſs zugleich nicht, was sie spricht,<lb/>
weiſs nicht, daſs sie das Gegentheil von dem sagt,<lb/>
was sie sagen will. Die Wahrheit des sinnlichen<lb/><hirendition="#i">Diesen</hi> für das Bewuſstseyn soll allgemeine Erfahrung<lb/>
seyn; aber vielmehr ist das Gegentheil allgemeine<lb/>
Erfahrung; jedes Bewuſstseyn hebt eine solche<lb/>
Wahrheit, wie zum Beyspiel: <hirendition="#i">das Hier ist ein<lb/>
Baum</hi>, oder <hirendition="#i">das Itzt ist Mittag</hi>, selbst wieder auf,<lb/>
und spricht das Gegentheil aus: das Hier ist <hirendition="#i">nicht</hi><lb/>
ein Baum, <hirendition="#i">sondern</hi> ein Haus; und was in dieser die<lb/>
erste aufhebenden Behauptung wieder eine eben solche<lb/>
Behauptung eines sinnlichen Diesen ist, hebt es so<lb/>
fort ebenso auf; und wird in aller sinnlichen Ge-<lb/>
wiſsheit in Wahrheit nur diſs erfahren, was wir<lb/>
gesehen haben, das <hirendition="#i">dieses</hi> nemlich als ein <hirendition="#i">allgemeines</hi>,<lb/>
das Gegentheil dessen, was jene Behauptung all-<lb/>
gemeine Erfahrung zu seyn versichert. — Bey dieser<lb/>
Beruffung auf die allgemeine Erfahrung kann es er-<lb/>
laubt seyn, die Rüchsicht auf das praktische zu an-<lb/></p></div></div></body></text></TEI>
[34/0143]
deſswegen auch zu diesem Resultate, was an ihr das
Wahre ist, immer selbst fort, und macht die Er-
fahrung darüber; aber vergiſst es nur ebenso immer
wieder, und fängt die Bewegung von vorne an. Es
ist daher zu verwundern, wenn gegen diese Erfah-
rung, als allgemeine Erfahrung, auch als philoso-
phische Behauptung, und gar als Resultat des Skep-
ticismus aufgestellt wird, die Realität oder das Seyn
von äussern Dingen als diesen, oder sinnlichen, habe
absolute Wahrheit für das Bewuſstseyn; eine solche
Behauptung weiſs zugleich nicht, was sie spricht,
weiſs nicht, daſs sie das Gegentheil von dem sagt,
was sie sagen will. Die Wahrheit des sinnlichen
Diesen für das Bewuſstseyn soll allgemeine Erfahrung
seyn; aber vielmehr ist das Gegentheil allgemeine
Erfahrung; jedes Bewuſstseyn hebt eine solche
Wahrheit, wie zum Beyspiel: das Hier ist ein
Baum, oder das Itzt ist Mittag, selbst wieder auf,
und spricht das Gegentheil aus: das Hier ist nicht
ein Baum, sondern ein Haus; und was in dieser die
erste aufhebenden Behauptung wieder eine eben solche
Behauptung eines sinnlichen Diesen ist, hebt es so
fort ebenso auf; und wird in aller sinnlichen Ge-
wiſsheit in Wahrheit nur diſs erfahren, was wir
gesehen haben, das dieses nemlich als ein allgemeines,
das Gegentheil dessen, was jene Behauptung all-
gemeine Erfahrung zu seyn versichert. — Bey dieser
Beruffung auf die allgemeine Erfahrung kann es er-
laubt seyn, die Rüchsicht auf das praktische zu an-
Informationen zur CAB-Ansicht
Diese Ansicht bietet Ihnen die Darstellung des Textes in normalisierter Orthographie.
Diese Textvariante wird vollautomatisch erstellt und kann aufgrund dessen auch Fehler enthalten.
Alle veränderten Wortformen sind grau hinterlegt. Als fremdsprachliches Material erkannte
Textteile sind ausgegraut dargestellt.
Hegel, Georg Wilhelm Friedrich: System der Wissenschaft. Erster Theil: Die Phänomenologie des Geistes. Bamberg u. a., 1807, S. 34. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/hegel_phaenomenologie_1807/143>, abgerufen am 21.11.2024.
Alle Inhalte dieser Seite unterstehen, soweit nicht anders gekennzeichnet, einer
Creative-Commons-Lizenz.
Die Rechte an den angezeigten Bilddigitalisaten, soweit nicht anders gekennzeichnet, liegen bei den besitzenden Bibliotheken.
Weitere Informationen finden Sie in den DTA-Nutzungsbedingungen.
Insbesondere im Hinblick auf die §§ 86a StGB und 130 StGB wird festgestellt, dass die auf
diesen Seiten abgebildeten Inhalte weder in irgendeiner Form propagandistischen Zwecken
dienen, oder Werbung für verbotene Organisationen oder Vereinigungen darstellen, oder
nationalsozialistische Verbrechen leugnen oder verharmlosen, noch zum Zwecke der
Herabwürdigung der Menschenwürde gezeigt werden.
Die auf diesen Seiten abgebildeten Inhalte (in Wort und Bild) dienen im Sinne des
§ 86 StGB Abs. 3 ausschließlich historischen, sozial- oder kulturwissenschaftlichen
Forschungszwecken. Ihre Veröffentlichung erfolgt in der Absicht, Wissen zur Anregung
der intellektuellen Selbstständigkeit und Verantwortungsbereitschaft des Staatsbürgers zu
vermitteln und damit der Förderung seiner Mündigkeit zu dienen.
Zitierempfehlung: Deutsches Textarchiv. Grundlage für ein Referenzkorpus der neuhochdeutschen Sprache. Herausgegeben von der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften, Berlin 2024. URL: https://www.deutschestextarchiv.de/.