eindeutige Beziehung zweier Flächen durch conforme Abbildung
beschränkt. Riemann hat, wie er ausspricht, ebensowohl
an mehrdeutige Beziehung gedacht. Man würde sich
dementsprechend jede der beiden in Vergleich kommenden
Flächen mit mehreren Blättern überdeckt vorstellen müssen
und erst die so entstehenden mehrblättrigen Flächen conform
eindeutig zu beziehen haben. Die Verzweigungspuncte, welche
diese mehrblättrigen Flächen besitzen mögen, würden ebensoviele
neue, zur Disposition stehende complexe Constante
abgeben. -- Hierzu ist zu bemerken, dass wir wenigstens
einen Fall einer solchen Beziehung bereits ausführlich in Betracht
gezogen haben. Indem wir eine beliebige Fläche mehrblättrig
über die Ebene ausbreiteten (§. 15), haben wir
zwischen Fläche und Ebene eine Beziehung hergestellt, die
von der einen Seite mehrdeutig ist. Es ist dann weiter hervorzuheben,
dass eben dieser specielle Fall auch zwei beliebige
Flächen mehrdeutig auf einander beziehen lässt. Denn
sind erst die beiden Flächen auf die Ebene abgebildet, so
sind sie, durch Vermittelung der Ebene, auch auf einander
bezogen. -- Mit diesen Bemerkungen ist die Frage nach der
mehrdeutigen Abbildung natürlich keineswegs erschöpft. Aber
es ist doch eine Grundlage zu ihrer Behandlung gewonnen,
indem gezeigt ist, wie sie sich in die übrigen functionentheoretischen
Speculationen Riemann's, von denen wir hier
Rechenschaft zu geben hatten, einfügt.
eindeutige Beziehung zweier Flächen durch conforme Abbildung
beschränkt. Riemann hat, wie er ausspricht, ebensowohl
an mehrdeutige Beziehung gedacht. Man würde sich
dementsprechend jede der beiden in Vergleich kommenden
Flächen mit mehreren Blättern überdeckt vorstellen müssen
und erst die so entstehenden mehrblättrigen Flächen conform
eindeutig zu beziehen haben. Die Verzweigungspuncte, welche
diese mehrblättrigen Flächen besitzen mögen, würden ebensoviele
neue, zur Disposition stehende complexe Constante
abgeben. — Hierzu ist zu bemerken, dass wir wenigstens
einen Fall einer solchen Beziehung bereits ausführlich in Betracht
gezogen haben. Indem wir eine beliebige Fläche mehrblättrig
über die Ebene ausbreiteten (§. 15), haben wir
zwischen Fläche und Ebene eine Beziehung hergestellt, die
von der einen Seite mehrdeutig ist. Es ist dann weiter hervorzuheben,
dass eben dieser specielle Fall auch zwei beliebige
Flächen mehrdeutig auf einander beziehen lässt. Denn
sind erst die beiden Flächen auf die Ebene abgebildet, so
sind sie, durch Vermittelung der Ebene, auch auf einander
bezogen. — Mit diesen Bemerkungen ist die Frage nach der
mehrdeutigen Abbildung natürlich keineswegs erschöpft. Aber
es ist doch eine Grundlage zu ihrer Behandlung gewonnen,
indem gezeigt ist, wie sie sich in die übrigen functionentheoretischen
Speculationen Riemann's, von denen wir hier
Rechenschaft zu geben hatten, einfügt.
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beschränkt. Riemann hat, wie er ausspricht, ebensowohl
an mehrdeutige Beziehung gedacht. Man würde sich
dementsprechend jede der beiden in Vergleich kommenden
Flächen mit mehreren Blättern überdeckt vorstellen müssen
und erst die so entstehenden mehrblättrigen Flächen conform
eindeutig zu beziehen haben. Die Verzweigungspuncte, welche
diese mehrblättrigen Flächen besitzen mögen, würden ebensoviele
neue, zur Disposition stehende complexe Constante
abgeben. — Hierzu ist zu bemerken, dass wir wenigstens <hirendition="#i">einen</hi> Fall einer solchen Beziehung bereits ausführlich in Betracht
gezogen haben. Indem wir eine beliebige Fläche mehrblättrig
über die Ebene ausbreiteten (§. 15), haben wir
zwischen Fläche und Ebene eine Beziehung hergestellt, die
von der einen Seite mehrdeutig ist. Es ist dann weiter hervorzuheben,
dass eben dieser specielle Fall auch zwei beliebige
Flächen mehrdeutig auf einander beziehen lässt. Denn
sind erst die beiden Flächen auf die Ebene abgebildet, so
sind sie, durch Vermittelung der Ebene, auch auf einander
bezogen. — Mit diesen Bemerkungen ist die Frage nach der
mehrdeutigen Abbildung natürlich keineswegs erschöpft. Aber
es ist doch eine Grundlage zu ihrer Behandlung gewonnen,
indem gezeigt ist, wie sie sich in die übrigen functionentheoretischen
Speculationen Riemann's, von denen wir hier
Rechenschaft zu geben hatten, einfügt.</p></div></div></body></text></TEI>
[82/0090]
eindeutige Beziehung zweier Flächen durch conforme Abbildung beschränkt. Riemann hat, wie er ausspricht, ebensowohl an mehrdeutige Beziehung gedacht. Man würde sich dementsprechend jede der beiden in Vergleich kommenden Flächen mit mehreren Blättern überdeckt vorstellen müssen und erst die so entstehenden mehrblättrigen Flächen conform eindeutig zu beziehen haben. Die Verzweigungspuncte, welche diese mehrblättrigen Flächen besitzen mögen, würden ebensoviele neue, zur Disposition stehende complexe Constante abgeben. — Hierzu ist zu bemerken, dass wir wenigstens einen Fall einer solchen Beziehung bereits ausführlich in Betracht gezogen haben. Indem wir eine beliebige Fläche mehrblättrig über die Ebene ausbreiteten (§. 15), haben wir zwischen Fläche und Ebene eine Beziehung hergestellt, die von der einen Seite mehrdeutig ist. Es ist dann weiter hervorzuheben, dass eben dieser specielle Fall auch zwei beliebige Flächen mehrdeutig auf einander beziehen lässt. Denn sind erst die beiden Flächen auf die Ebene abgebildet, so sind sie, durch Vermittelung der Ebene, auch auf einander bezogen. — Mit diesen Bemerkungen ist die Frage nach der mehrdeutigen Abbildung natürlich keineswegs erschöpft. Aber es ist doch eine Grundlage zu ihrer Behandlung gewonnen, indem gezeigt ist, wie sie sich in die übrigen functionentheoretischen Speculationen Riemann's, von denen wir hier Rechenschaft zu geben hatten, einfügt.
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Klein, Felix: Über Riemann's Theorie der Algebraischen Functionen und ihrer Integrale. Leipzig, 1882, S. 82. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/klein_riemann_1882/90>, abgerufen am 28.02.2025.
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