Kölliker, Albert von: Entwicklungsgeschichte des Menschen und der höheren Thiere. Leipzig, 1861.Entwicklung des Darmkanales. der Mundhöhle geliefert wird, die gleichzeitig mit dem ersteren hiereine Wucherung erfährt. Nach dem früher Bemerkten ist es klar, dass der epitheliale Theil dieser Bekleidung dem Hornblatte gleich- werthig ist, und erklärt es sich so leicht, dass bei gewissen Geschö- pfen der Epidermisüberzug der Zunge eine Beschaffenheit wie an der äusseren Körperoberfläche zeigt, so wie, dass überhaupt in der Mundhöhle fester verhornte Theile wie Haare und Stacheln vorkom- men können, womit jedoch nicht gesagt sein soll, dass nicht solche Auswüchse auch von inneren Theilen, vom Darmdrüsenblatte aus, sich bilden können, wie wir diess in der That in der Speiseröhre und im Magen von Thieren sehen. Die Zähne, deren Entwicklungsgeschichte mehr in den BereichZähne. [Abbildung]
Fig. 176. die Zahnfurche, in welcherfreie Papillen entsprechend der Zahl der Milchzähne, mithin zehn in jedem Kiefer, als Wu- cherungen der Schleimhaut sich erheben. Diese Papillen wer- den nach und nach in Säckchen eingeschlossen dadurch, dass die Wälle, welche die Zahnpa- pillen oder die Zahnkeime, wie sie auch heissen können, be- grenzen, je zwischen zwei Zahnpapillen mit einander ver- wachsen. So entstehen zwanzig Anfangs noch offene Zahnsäckchen, die dann während des Verwachsens jedes noch eine kleine Neben- höhle erzeugen, in einer Weise, die aus den schematischen Durch- schnitten von Goodsir deutlich hervorgeht (s. mein Handbuch der Geweb. 3. Aufl. Fig. 206). Diese Nebenhöhlen, zur Bildung der blei- [Abbildung]
Fig. 176. Unterkiefer eines neun Wochen alten menschlichen Fötus, 9mal 23*
Entwicklung des Darmkanales. der Mundhöhle geliefert wird, die gleichzeitig mit dem ersteren hiereine Wucherung erfährt. Nach dem früher Bemerkten ist es klar, dass der epitheliale Theil dieser Bekleidung dem Hornblatte gleich- werthig ist, und erklärt es sich so leicht, dass bei gewissen Geschö- pfen der Epidermisüberzug der Zunge eine Beschaffenheit wie an der äusseren Körperoberfläche zeigt, so wie, dass überhaupt in der Mundhöhle fester verhornte Theile wie Haare und Stacheln vorkom- men können, womit jedoch nicht gesagt sein soll, dass nicht solche Auswüchse auch von inneren Theilen, vom Darmdrüsenblatte aus, sich bilden können, wie wir diess in der That in der Speiseröhre und im Magen von Thieren sehen. Die Zähne, deren Entwicklungsgeschichte mehr in den BereichZähne. [Abbildung]
Fig. 176. die Zahnfurche, in welcherfreie Papillen entsprechend der Zahl der Milchzähne, mithin zehn in jedem Kiefer, als Wu- cherungen der Schleimhaut sich erheben. Diese Papillen wer- den nach und nach in Säckchen eingeschlossen dadurch, dass die Wälle, welche die Zahnpa- pillen oder die Zahnkeime, wie sie auch heissen können, be- grenzen, je zwischen zwei Zahnpapillen mit einander ver- wachsen. So entstehen zwanzig Anfangs noch offene Zahnsäckchen, die dann während des Verwachsens jedes noch eine kleine Neben- höhle erzeugen, in einer Weise, die aus den schematischen Durch- schnitten von Goodsir deutlich hervorgeht (s. mein Handbuch der Geweb. 3. Aufl. Fig. 206). Diese Nebenhöhlen, zur Bildung der blei- [Abbildung]
Fig. 176. Unterkiefer eines neun Wochen alten menschlichen Fötus, 9mal 23*
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Entwicklung des Darmkanales.
der Mundhöhle geliefert wird, die gleichzeitig mit dem ersteren hier
eine Wucherung erfährt. Nach dem früher Bemerkten ist es klar,
dass der epitheliale Theil dieser Bekleidung dem Hornblatte gleich-
werthig ist, und erklärt es sich so leicht, dass bei gewissen Geschö-
pfen der Epidermisüberzug der Zunge eine Beschaffenheit wie an
der äusseren Körperoberfläche zeigt, so wie, dass überhaupt in der
Mundhöhle fester verhornte Theile wie Haare und Stacheln vorkom-
men können, womit jedoch nicht gesagt sein soll, dass nicht solche
Auswüchse auch von inneren Theilen, vom Darmdrüsenblatte aus,
sich bilden können, wie wir diess in der That in der Speiseröhre
und im Magen von Thieren sehen.
Die Zähne, deren Entwicklungsgeschichte mehr in den Bereich
histiologischer Vorträge fällt, und die ich daher nur kurz berühre,
bilden sich in einer sehr eigenthümlichen Weise, die besonders durch
Arnold und Goodsir aufgeklärt worden ist. Im Anfange des dritten
Monates entsteht am Oberkiefer- und Unterkieferrande eine Furche,
[Abbildung Fig. 176.]
die Zahnfurche, in welcher
freie Papillen entsprechend der
Zahl der Milchzähne, mithin
zehn in jedem Kiefer, als Wu-
cherungen der Schleimhaut sich
erheben. Diese Papillen wer-
den nach und nach in Säckchen
eingeschlossen dadurch, dass
die Wälle, welche die Zahnpa-
pillen oder die Zahnkeime, wie
sie auch heissen können, be-
grenzen, je zwischen zwei
Zahnpapillen mit einander ver-
wachsen. So entstehen zwanzig Anfangs noch offene Zahnsäckchen,
die dann während des Verwachsens jedes noch eine kleine Neben-
höhle erzeugen, in einer Weise, die aus den schematischen Durch-
schnitten von Goodsir deutlich hervorgeht (s. mein Handbuch der
Geweb. 3. Aufl. Fig. 206). Diese Nebenhöhlen, zur Bildung der blei-
[Abbildung Fig. 176. Unterkiefer eines neun Wochen alten menschlichen Fötus, 9mal
vergr. a zürückgeschlagene Zunge, b rechte Lippenhälfte zurückgelegt, b′ linke
Lippenhälfte abgeschnitten, c äusserer Zahnwall, d innerer Zahnwall, e Pa-
pille des ersten Backzahnes, f Papille des Eckzahnes, g des zweiten, h des
ersten Schneidezahnes, i Falten, wo die Ductus Riviniani später münden.]
Zähne.
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