Lambert, Johann Heinrich: Cosmologische Briefe über die Einrichtung des Weltbaues. Augsburg, 1761.über die Einrichtung des Weltbaues. nur immer leyden machte. Auf unserer Erde, die wirnun seit der Erfindung der Vergrösserungsgläser, auch in den kleinsten Theilen betrachten können, finden wir alles so voller Einwohner, daß wir nicht länger mehr zweifeln können, die Bevölkerung und Belebung jeder Theile der Welt als eine Absicht der Schöpfung anzu- sehen, die keine Ausnahme leydet. Im Kleinen lehrt es uns nun der Augenschein selbsten, und die Stuffen, dadurch wir bey der Verbesserung der Vergrösserungs- gläser gehen, lassen uns sicher den Schluß machen, daß wir die kleinsten Geschöpfe noch lange nicht entdeckt ha- ben. Sollten wir denn diesem Schlusse sogar enge Grenzen setzen, wenn wir ihn auf die Anzahl der Welt- körper ausdehnen wollen? Nach der Bewegung und Bewohnbarkeit ver- ser,
uͤber die Einrichtung des Weltbaues. nur immer leyden machte. Auf unſerer Erde, die wirnun ſeit der Erfindung der Vergroͤſſerungsglaͤſer, auch in den kleinſten Theilen betrachten koͤnnen, finden wir alles ſo voller Einwohner, daß wir nicht laͤnger mehr zweifeln koͤnnen, die Bevoͤlkerung und Belebung jeder Theile der Welt als eine Abſicht der Schoͤpfung anzu- ſehen, die keine Ausnahme leydet. Im Kleinen lehrt es uns nun der Augenſchein ſelbſten, und die Stuffen, dadurch wir bey der Verbeſſerung der Vergroͤſſerungs- glaͤſer gehen, laſſen uns ſicher den Schluß machen, daß wir die kleinſten Geſchoͤpfe noch lange nicht entdeckt ha- ben. Sollten wir denn dieſem Schluſſe ſogar enge Grenzen ſetzen, wenn wir ihn auf die Anzahl der Welt- koͤrper ausdehnen wollen? Nach der Bewegung und Bewohnbarkeit ver- ſer,
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uͤber die Einrichtung des Weltbaues.
nur immer leyden machte. Auf unſerer Erde, die wir
nun ſeit der Erfindung der Vergroͤſſerungsglaͤſer, auch
in den kleinſten Theilen betrachten koͤnnen, finden wir
alles ſo voller Einwohner, daß wir nicht laͤnger mehr
zweifeln koͤnnen, die Bevoͤlkerung und Belebung jeder
Theile der Welt als eine Abſicht der Schoͤpfung anzu-
ſehen, die keine Ausnahme leydet. Im Kleinen lehrt
es uns nun der Augenſchein ſelbſten, und die Stuffen,
dadurch wir bey der Verbeſſerung der Vergroͤſſerungs-
glaͤſer gehen, laſſen uns ſicher den Schluß machen, daß
wir die kleinſten Geſchoͤpfe noch lange nicht entdeckt ha-
ben. Sollten wir denn dieſem Schluſſe ſogar enge
Grenzen ſetzen, wenn wir ihn auf die Anzahl der Welt-
koͤrper ausdehnen wollen?
Nach der Bewegung und Bewohnbarkeit ver-
gliche ich Zeit und Raum, und die ganze Welt diente
mir zum Beyſpiele, daß beyde miteinander zunehmen,
und daß die kleinen Veraͤnderungen durch ihre Summe
das erſetzen, was in einzeln groͤſſern nur einfach iſt.
Eine kleine Veraͤnderung iſt bald herfuͤr gebracht, aber
deſto oͤfter kehrt ſie abgewechſelt wieder, und die Sum-
me von ihren Mannigfaltigkeiten wird dennoch be-
traͤchtlich. So kehrt ſich unter unſern Fußtritten der
Staub um, und die kleinen Welten, aus denen er be-
ſteht, veraͤndern ſich in neue. Sollen aber Staͤdte ge-
baut, und Waͤlder gepflanzt werden, ſo gebraucht es
Jahre dazu, und die Zeit, darinn die Weltkoͤrper um
die Sonne laufen, waͤchst mit ihrem Raume bis auf
viele Jahrhunderte. Sie wird noch tauſendfach groͤſ-
ſer,
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