anderen fein ordenlich deinem Lehrmeister JESU auf, so erfreuest du ihn, und reitzest seine Liebe, dir immer mehr Geheimnussen zu offenbahren, bist ihm auch vor dem Vatter dem ewigen König, der allein Unsterblichkeit hat, eine Ehr, und kommst desto geschwin- der unter der Ruthen weg, und wirst von Monat zu Monat pro- moviert und befürderet, da andere viel Jahr lang die Alten bleiben.
§. 11. Es wirds auch der freudige HERR seiner Seits an kei-Diese kommen bald zum rechten Wesen und Ver- einigung mit Chri- sto. nem Fleiß, Treu, Jnspection und Aufsicht ermanglen lassen, bey allen Kämpffen, Verläugnungen, Absterbungen, innwendig sein Antlitz immer und immer freundlicher leuchten lassen, dich muthig zu machen, fein hurtig fortzuschreitten, biß du unter seiner Anfüh- rung gelernet alle weltliche Begierd zu verachten, das zeitliche Le- ben nicht mehr zu lieben, und also das sündlich, natürlich und ei- gen Leben ihm zu überlassen, Gerechtigkeit und alle Billigkeit gegen jedermann zu beobachten, und dem Nächsten zu thun, wie du wolltest, daß man dir thäte, die Creaturen nicht mehr in irrdi- scher Lust zu mißbrauchen zu einigem Uberfluß, auch nicht mehr zu thun, was dich gut dunckt in eigenem Geist, sondern dich von eige- nen Gedancken, Worten und Wercken zu hüten, und nur GOTT in dir würcken, walten und regieren lassen, und so warten auf die seelige Hoffnung und Erscheinung des grossen GOTTES und Heylands JESU CHRJSTJ in deiner Seel, da der Tag des Neuen Testaments anbricht, der Morgen-Stern aufgehet, und das Kind JESUS im finstern Stall gebohren wird, und die Feinde hinaus schmeisset, und die Seel in sein Freu- den-Reich hinein bringt, da kommt nun der Glaub in seine Zeiti- gung und Frucht, der ehemals im Hertzens-Acker gesäet, und un- ter dem Winter des gesetzlichen Jochs unter allen Stürmen erhal- ten und aufgewachsen, und zeigt sich, wie er in der Schrifft be- schrieben wird. Wie hell und klar wird da alles, da fühlet sie wahrlich Englische, ja Göttliche Freyheit, und die ausgegossene Liebe GOTTES im heiligen Geist, so alle Forcht austreibt, daß sie wie eine Lerch im reinen Lufft vor Wohlmuth schwebet und singet, da theilet Christi Fried seine Kleynodien aus, und erschei-
net
(d 2)
anderen fein ordenlich deinem Lehrmeiſter JESU auf, ſo erfreueſt du ihn, und reitzeſt ſeine Liebe, dir immer mehr Geheimnuſſen zu offenbahren, biſt ihm auch vor dem Vatter dem ewigen Koͤnig, der allein Unſterblichkeit hat, eine Ehr, und kommſt deſto geſchwin- der unter der Ruthen weg, und wirſt von Monat zu Monat pro- moviert und befuͤrderet, da andere viel Jahr lang die Alten bleiben.
§. 11. Es wirds auch der freudige HERR ſeiner Seits an kei-Dieſe kommen bald zum rechten Weſen und Ver- einigung mit Chri- ſto. nem Fleiß, Treu, Jnſpection und Aufſicht ermanglen laſſen, bey allen Kaͤmpffen, Verlaͤugnungen, Abſterbungen, innwendig ſein Antlitz immer und immer freundlicher leuchten laſſen, dich muthig zu machen, fein hurtig fortzuſchreitten, biß du unter ſeiner Anfuͤh- rung gelernet alle weltliche Begierd zu verachten, das zeitliche Le- ben nicht mehr zu lieben, und alſo das ſuͤndlich, natuͤrlich und ei- gen Leben ihm zu uͤberlaſſen, Gerechtigkeit und alle Billigkeit gegen jedermann zu beobachten, und dem Naͤchſten zu thun, wie du wollteſt, daß man dir thaͤte, die Creaturen nicht mehr in irrdi- ſcher Luſt zu mißbrauchen zu einigem Uberfluß, auch nicht mehr zu thun, was dich gut dunckt in eigenem Geiſt, ſondern dich von eige- nen Gedancken, Worten und Wercken zu huͤten, und nur GOTT in dir wuͤrcken, walten und regieren laſſen, und ſo warten auf die ſeelige Hoffnung und Erſcheinung des groſſen GOTTES und Heylands JESU CHRJSTJ in deiner Seel, da der Tag des Neuen Teſtaments anbricht, der Morgen-Stern aufgehet, und das Kind JESUS im finſtern Stall gebohren wird, und die Feinde hinaus ſchmeiſſet, und die Seel in ſein Freu- den-Reich hinein bringt, da kommt nun der Glaub in ſeine Zeiti- gung und Frucht, der ehemals im Hertzens-Acker geſaͤet, und un- ter dem Winter des geſetzlichen Jochs unter allen Stuͤrmen erhal- ten und aufgewachſen, und zeigt ſich, wie er in der Schrifft be- ſchrieben wird. Wie hell und klar wird da alles, da fuͤhlet ſie wahrlich Engliſche, ja Goͤttliche Freyheit, und die ausgegoſſene Liebe GOTTES im heiligen Geiſt, ſo alle Forcht austreibt, daß ſie wie eine Lerch im reinen Lufft vor Wohlmuth ſchwebet und ſinget, da theilet Chriſti Fried ſeine Kleynodien aus, und erſchei-
net
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anderen fein ordenlich deinem Lehrmeiſter JESU auf, ſo erfreueſt
du ihn, und reitzeſt ſeine Liebe, dir immer mehr Geheimnuſſen zu
offenbahren, biſt ihm auch vor dem Vatter dem ewigen Koͤnig,
der allein Unſterblichkeit hat, eine Ehr, und kommſt deſto geſchwin-
der unter der Ruthen weg, und wirſt von Monat zu Monat pro-
moviert und befuͤrderet, da andere viel Jahr lang die Alten
bleiben.
§. 11. Es wirds auch der freudige HERR ſeiner Seits an kei-
nem Fleiß, Treu, Jnſpection und Aufſicht ermanglen laſſen, bey
allen Kaͤmpffen, Verlaͤugnungen, Abſterbungen, innwendig ſein
Antlitz immer und immer freundlicher leuchten laſſen, dich muthig
zu machen, fein hurtig fortzuſchreitten, biß du unter ſeiner Anfuͤh-
rung gelernet alle weltliche Begierd zu verachten, das zeitliche Le-
ben nicht mehr zu lieben, und alſo das ſuͤndlich, natuͤrlich und ei-
gen Leben ihm zu uͤberlaſſen, Gerechtigkeit und alle Billigkeit gegen
jedermann zu beobachten, und dem Naͤchſten zu thun, wie du
wollteſt, daß man dir thaͤte, die Creaturen nicht mehr in irrdi-
ſcher Luſt zu mißbrauchen zu einigem Uberfluß, auch nicht mehr zu
thun, was dich gut dunckt in eigenem Geiſt, ſondern dich von eige-
nen Gedancken, Worten und Wercken zu huͤten, und nur GOTT
in dir wuͤrcken, walten und regieren laſſen, und ſo warten auf
die ſeelige Hoffnung und Erſcheinung des groſſen GOTTES
und Heylands JESU CHRJSTJ in deiner Seel, da
der Tag des Neuen Teſtaments anbricht, der Morgen-Stern
aufgehet, und das Kind JESUS im finſtern Stall gebohren
wird, und die Feinde hinaus ſchmeiſſet, und die Seel in ſein Freu-
den-Reich hinein bringt, da kommt nun der Glaub in ſeine Zeiti-
gung und Frucht, der ehemals im Hertzens-Acker geſaͤet, und un-
ter dem Winter des geſetzlichen Jochs unter allen Stuͤrmen erhal-
ten und aufgewachſen, und zeigt ſich, wie er in der Schrifft be-
ſchrieben wird. Wie hell und klar wird da alles, da fuͤhlet ſie
wahrlich Engliſche, ja Goͤttliche Freyheit, und die ausgegoſſene
Liebe GOTTES im heiligen Geiſt, ſo alle Forcht austreibt,
daß ſie wie eine Lerch im reinen Lufft vor Wohlmuth ſchwebet und
ſinget, da theilet Chriſti Fried ſeine Kleynodien aus, und erſchei-
net
Dieſe
kommen
bald zum
rechten
Weſen
und Ver-
einigung
mit Chri-
ſto.
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Lutz, Samuel: Ein Wohlriechender Straus Von schönen und gesunden Himmels-Blumen. Basel, 1736, S. 27. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/lucius_himmelsblumen_1736/83>, abgerufen am 24.11.2024.
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