Moritz, Karl Philipp (Hrsg.): Gnothi sauton oder Magazin zur Erfahrungsseelenkunde. Bd. 3, St. 2. Berlin, 1785.Zur Seelennaturkunde. I. Eine Selbstbeobachtung auf dem Todbette. Jch schicke Jhnen hier eins der seltensten Dokumente von Selbstbeobachtung, das wenigstens dieser Seltenheit wegen Jhren Lesern nicht unangenehm seyn wird: -- ein Fragment von Bemerkungen über sich selbst, die der Selbstbeobachter in seiner letzten sehr schweren Krankheit gemacht hat. Hätte dieser Mann den Anfang Jhres Journals erlebt, er wäre gewiß einer der eifrigsten Beförderer desselben geworden; denn der Bildung der menschlichen Seele nachzuspüren war sein Lieblingsstudium. Als ein Mittel vom ersten Range dazu schätzte er nun freilich Selbstbeobachtung; allein diese Art von Beschäftigung, und die dadurch entstehende Selbstkenntniß war ihm noch in manchem andern Betracht äußerst wichtig und schätzbar. Er hielt die Kenntniß des innern Zustandes seiner Seele und das Vermögen, jede Veränderung derselben schnell und richtig zu bemerken, für eine der edelsten Fähigkeiten des Menschen, für ein gros- Zur Seelennaturkunde. I. Eine Selbstbeobachtung auf dem Todbette. Jch schicke Jhnen hier eins der seltensten Dokumente von Selbstbeobachtung, das wenigstens dieser Seltenheit wegen Jhren Lesern nicht unangenehm seyn wird: — ein Fragment von Bemerkungen uͤber sich selbst, die der Selbstbeobachter in seiner letzten sehr schweren Krankheit gemacht hat. Haͤtte dieser Mann den Anfang Jhres Journals erlebt, er waͤre gewiß einer der eifrigsten Befoͤrderer desselben geworden; denn der Bildung der menschlichen Seele nachzuspuͤren war sein Lieblingsstudium. Als ein Mittel vom ersten Range dazu schaͤtzte er nun freilich Selbstbeobachtung; allein diese Art von Beschaͤftigung, und die dadurch entstehende Selbstkenntniß war ihm noch in manchem andern Betracht aͤußerst wichtig und schaͤtzbar. Er hielt die Kenntniß des innern Zustandes seiner Seele und das Vermoͤgen, jede Veraͤnderung derselben schnell und richtig zu bemerken, fuͤr eine der edelsten Faͤhigkeiten des Menschen, fuͤr ein gros- <TEI> <text> <body> <div n="1"> <div n="2"> <div n="3"> <pb facs="#f0063" n="63"/><lb/><lb/> </div> </div> <div n="2"> <head>Zur Seelennaturkunde.</head><lb/> <div n="3"> <head><hi rendition="#aq">I</hi>. Eine Selbstbeobachtung auf dem Todbette.</head><lb/> <note type="editorial"> <bibl> <persName ref="#ref76"><note type="editorial"/>Hufeland, Christoph Wilhelm</persName> </bibl> </note> <p>Jch schicke Jhnen hier eins der seltensten Dokumente von Selbstbeobachtung, das wenigstens dieser Seltenheit wegen Jhren Lesern nicht unangenehm seyn wird: — <hi rendition="#b">ein Fragment von Bemerkungen uͤber sich selbst,</hi> die der Selbstbeobachter <hi rendition="#b">in seiner letzten sehr schweren Krankheit</hi> gemacht hat. </p> <p>Haͤtte dieser Mann den Anfang Jhres Journals erlebt, er waͤre gewiß einer der eifrigsten Befoͤrderer desselben geworden; denn der Bildung der menschlichen Seele nachzuspuͤren war sein Lieblingsstudium. Als ein Mittel vom ersten Range dazu schaͤtzte er nun freilich Selbstbeobachtung; allein diese Art von Beschaͤftigung, und die dadurch entstehende Selbstkenntniß war ihm noch in manchem andern Betracht aͤußerst wichtig und schaͤtzbar. </p> <p>Er hielt die Kenntniß des innern Zustandes seiner Seele und das Vermoͤgen, jede Veraͤnderung derselben schnell und richtig zu bemerken, fuͤr eine der edelsten Faͤhigkeiten des Menschen, fuͤr ein gros-<lb/></p> </div> </div> </div> </body> </text> </TEI> [63/0063]
Zur Seelennaturkunde.
I. Eine Selbstbeobachtung auf dem Todbette.
Jch schicke Jhnen hier eins der seltensten Dokumente von Selbstbeobachtung, das wenigstens dieser Seltenheit wegen Jhren Lesern nicht unangenehm seyn wird: — ein Fragment von Bemerkungen uͤber sich selbst, die der Selbstbeobachter in seiner letzten sehr schweren Krankheit gemacht hat.
Haͤtte dieser Mann den Anfang Jhres Journals erlebt, er waͤre gewiß einer der eifrigsten Befoͤrderer desselben geworden; denn der Bildung der menschlichen Seele nachzuspuͤren war sein Lieblingsstudium. Als ein Mittel vom ersten Range dazu schaͤtzte er nun freilich Selbstbeobachtung; allein diese Art von Beschaͤftigung, und die dadurch entstehende Selbstkenntniß war ihm noch in manchem andern Betracht aͤußerst wichtig und schaͤtzbar.
Er hielt die Kenntniß des innern Zustandes seiner Seele und das Vermoͤgen, jede Veraͤnderung derselben schnell und richtig zu bemerken, fuͤr eine der edelsten Faͤhigkeiten des Menschen, fuͤr ein gros-
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