Moritz, Karl Philipp (Hrsg.): Gnothi sauton oder Magazin zur Erfahrungsseelenkunde. Bd. 5, St. 3. Berlin, 1787.
<TEI> <text> <body> <div n="1"> <div n="2"> <p><pb facs="#f0009" n="9"/><lb/> heitsgeschichten, <hi rendition="#b">wo der Koͤrper durch die Seele zu genesen anfing,</hi> bekannt gemacht werden moͤgten. Aller Wahrscheinlichkeit nach gab die <hi rendition="#b">einzige</hi> Jdee: du bist nun an dem Orte, wo du zu seyn so lange vergeblich gestrebt hast! der Seele ihre Besonnenheit wieder; obgleich der damit verbundene Schlaf eine endliche Folge einer zu langen Ermattung seyn konnte. Jene einzige Jdee war die Schoͤpferinn einer neuen Denkordnung, so wie die gegenseitige angstvolle, <hi rendition="#b">nicht an dem rechten Ort zu seyn, </hi> durch einen zu starken Druck auf Blut und Gehirn wenigstens die <hi rendition="#aq">causa socia</hi> der Verwirrung seyn mußte. Nur ist mir noch nicht entschieden: <hi rendition="#b">ob jene neue Jdee, an dem gewuͤnschten Orte zu seyn, eigentlich an sich selbst, oder der damit verbundene Grad der Freude und Leidenschaft der Seele den veraͤnderten Stoß nach einer bessern Richtung gegeben habe,</hi> welches letztere mir um so viel wahrscheinlicher vorkommt, weil gerade die qualvolle Einbildung, auf den Strassen und in fremden Oertern herumgeschlept zu werden, das Delirium am meisten unterhielt. Es sind mir mehrere Beyspiele bekannt, wo Menschen durch einen ploͤzlichen Affect der Freude ihre verworrenen Vorstellungen auf einmal verloren, und wieder zu einem deutlichen Bewußtseyn ihrer selbst kamen, — obgleich die <hi rendition="#b">herrschende</hi> Vorstellung bey ihren Verwirrungen nicht immer grade der Wunsch war, der auch in Erfuͤllung ging, sondern ein an-<lb/></p> </div> </div> </body> </text> </TEI> [9/0009]
heitsgeschichten, wo der Koͤrper durch die Seele zu genesen anfing, bekannt gemacht werden moͤgten. Aller Wahrscheinlichkeit nach gab die einzige Jdee: du bist nun an dem Orte, wo du zu seyn so lange vergeblich gestrebt hast! der Seele ihre Besonnenheit wieder; obgleich der damit verbundene Schlaf eine endliche Folge einer zu langen Ermattung seyn konnte. Jene einzige Jdee war die Schoͤpferinn einer neuen Denkordnung, so wie die gegenseitige angstvolle, nicht an dem rechten Ort zu seyn, durch einen zu starken Druck auf Blut und Gehirn wenigstens die causa socia der Verwirrung seyn mußte. Nur ist mir noch nicht entschieden: ob jene neue Jdee, an dem gewuͤnschten Orte zu seyn, eigentlich an sich selbst, oder der damit verbundene Grad der Freude und Leidenschaft der Seele den veraͤnderten Stoß nach einer bessern Richtung gegeben habe, welches letztere mir um so viel wahrscheinlicher vorkommt, weil gerade die qualvolle Einbildung, auf den Strassen und in fremden Oertern herumgeschlept zu werden, das Delirium am meisten unterhielt. Es sind mir mehrere Beyspiele bekannt, wo Menschen durch einen ploͤzlichen Affect der Freude ihre verworrenen Vorstellungen auf einmal verloren, und wieder zu einem deutlichen Bewußtseyn ihrer selbst kamen, — obgleich die herrschende Vorstellung bey ihren Verwirrungen nicht immer grade der Wunsch war, der auch in Erfuͤllung ging, sondern ein an-
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