selbst im Turnen, frei konnte jeder sich bewegen; und jedem Anwesenden konnte das ungehinderte Schau- en des Treibens und Arbeitens der Turner werden, wodurch die Theilnahme am Ganzen nothwendig erhöht wurde. Und diese Theilnahme war eine allgemeine, eine bei allen Zuschauern rege. Niemand ging unbefrie- digt von dannen, jeder mit Theilnahme und Liebe zur Sache. Das Turnen selbst war zuerst Riegenturnen, Turnen in Riegen, von denen eine jede an allen zahl- reich vorhandenen Geräthen tnrnte. Nach beendigtem Riegenturnen trat Turnkühre (Turnen nach freier Wahl) ein, bei welcher die bessern Turner zusammen an einigen Gerüsten turnten, jeder die Uebung, die er gerade wollte. Den Schluß des Turnens machte ein Dauerlauf und Schlängellauf von allen anwesenden Turnern, etwa 160 an der Zahl. Mit Gesang war begonnen worden, dem eine kurze Rede des Turnwarts folgte. Mit Gesang wurde geschlossen und nachdem ein Feuerwerk abgebrannt war, in Reih und Glied in die Stadt zu einem Abendessen marschiert. -- Wer noch keinen Begriff davon hatte, was Turnen ist, hier konnte er ihn erhalten; wer den Geist nicht kannte, der unter Turnern herrscht oder doch herrschen soll, hier konnte er ihn kennen lernen. "Fromm, frisch, fröhlich und frei" und "Einigkeit", diese Grundlagen ächten Turner- sinnes, leuchteten uns bei unserm Eintritt in den Fest- saal aus dem Hintergrunde desselben in Transparenten entgegen. Sie standen zu beiden Seiten eines büsten- ähnlichen Gemäldes, unsern Turnvater Jahn vorstellend, mit Laubwerk und Blumenkränzen umgeben, von Geren, Schutz und Trutzwaffen aller Art umstellt. Alles war sinnig von den Festordnern veranstaltet.
Drei lange Tische waren zur Aufnahme der Tur- ner gedeckt, und fröhlich und mäßig, wie es Turnern geziemt, ging es zu bis tief in die Nacht. Das Fest, wie das Essen, war ein echt turnerisches, und letzteres besonders durch Trinksprüche, Jahn, Arndt, dem Turn- geist aus dem doppelten E. E., der Einheit und Einigkeit
ſelbſt im Turnen, frei konnte jeder ſich bewegen; und jedem Anweſenden konnte das ungehinderte Schau- en des Treibens und Arbeitens der Turner werden, wodurch die Theilnahme am Ganzen nothwendig erhöht wurde. Und dieſe Theilnahme war eine allgemeine, eine bei allen Zuſchauern rege. Niemand ging unbefrie- digt von dannen, jeder mit Theilnahme und Liebe zur Sache. Das Turnen ſelbſt war zuerſt Riegenturnen, Turnen in Riegen, von denen eine jede an allen zahl- reich vorhandenen Geräthen tnrnte. Nach beendigtem Riegenturnen trat Turnkühre (Turnen nach freier Wahl) ein, bei welcher die beſſern Turner zuſammen an einigen Gerüſten turnten, jeder die Uebung, die er gerade wollte. Den Schluß des Turnens machte ein Dauerlauf und Schlängellauf von allen anweſenden Turnern, etwa 160 an der Zahl. Mit Geſang war begonnen worden, dem eine kurze Rede des Turnwarts folgte. Mit Geſang wurde geſchloſſen und nachdem ein Feuerwerk abgebrannt war, in Reih und Glied in die Stadt zu einem Abendeſſen marſchiert. — Wer noch keinen Begriff davon hatte, was Turnen iſt, hier konnte er ihn erhalten; wer den Geiſt nicht kannte, der unter Turnern herrſcht oder doch herrſchen ſoll, hier konnte er ihn kennen lernen. „Fromm, friſch, fröhlich und frei“ und „Einigkeit“, dieſe Grundlagen ächten Turner- ſinnes, leuchteten uns bei unſerm Eintritt in den Feſt- ſaal aus dem Hintergrunde deſſelben in Transparenten entgegen. Sie ſtanden zu beiden Seiten eines büſten- ähnlichen Gemäldes, unſern Turnvater Jahn vorſtellend, mit Laubwerk und Blumenkränzen umgeben, von Geren, Schutz und Trutzwaffen aller Art umſtellt. Alles war ſinnig von den Feſtordnern veranſtaltet.
Drei lange Tiſche waren zur Aufnahme der Tur- ner gedeckt, und fröhlich und mäßig, wie es Turnern geziemt, ging es zu bis tief in die Nacht. Das Feſt, wie das Eſſen, war ein echt turneriſches, und letzteres beſonders durch Trinkſprüche, Jahn, Arndt, dem Turn- geiſt aus dem doppelten E. E., der Einheit und Einigkeit
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ſelbſt im Turnen, frei konnte jeder ſich bewegen;
und jedem Anweſenden konnte das ungehinderte Schau-
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wodurch die Theilnahme am Ganzen nothwendig erhöht
wurde. Und dieſe Theilnahme war eine allgemeine,
eine bei allen Zuſchauern rege. Niemand ging unbefrie-
digt von dannen, jeder mit Theilnahme und Liebe zur
Sache. Das Turnen ſelbſt war zuerſt Riegenturnen,
Turnen in Riegen, von denen eine jede an allen zahl-
reich vorhandenen Geräthen tnrnte. Nach beendigtem
Riegenturnen trat Turnkühre (Turnen nach freier
Wahl) ein, bei welcher die beſſern Turner zuſammen
an einigen Gerüſten turnten, jeder die Uebung, die er
gerade wollte. Den Schluß des Turnens machte ein
Dauerlauf und Schlängellauf von allen anweſenden
Turnern, etwa 160 an der Zahl. Mit Geſang war
begonnen worden, dem eine kurze Rede des Turnwarts
folgte. Mit Geſang wurde geſchloſſen und nachdem
ein Feuerwerk abgebrannt war, in Reih und Glied in
die Stadt zu einem Abendeſſen marſchiert. — Wer noch
keinen Begriff davon hatte, was Turnen iſt, hier konnte
er ihn erhalten; wer den Geiſt nicht kannte, der unter
Turnern herrſcht oder doch herrſchen ſoll, hier konnte
er ihn kennen lernen. „Fromm, friſch, fröhlich und
frei“ und „Einigkeit“, dieſe Grundlagen ächten Turner-
ſinnes, leuchteten uns bei unſerm Eintritt in den Feſt-
ſaal aus dem Hintergrunde deſſelben in Transparenten
entgegen. Sie ſtanden zu beiden Seiten eines büſten-
ähnlichen Gemäldes, unſern Turnvater Jahn vorſtellend,
mit Laubwerk und Blumenkränzen umgeben, von Geren,
Schutz und Trutzwaffen aller Art umſtellt. Alles war
ſinnig von den Feſtordnern veranſtaltet.
Drei lange Tiſche waren zur Aufnahme der Tur-
ner gedeckt, und fröhlich und mäßig, wie es Turnern
geziemt, ging es zu bis tief in die Nacht. Das Feſt,
wie das Eſſen, war ein echt turneriſches, und letzteres
beſonders durch Trinkſprüche, Jahn, Arndt, dem Turn-
geiſt aus dem doppelten E. E., der Einheit und Einigkeit
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Euler, Karl (Hrsg.): Jahrbücher der deutschen Turnkunst. Bd. 1. Danzig, 1843, S. 47. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/nn_turnkunst01_1843/51>, abgerufen am 16.02.2025.
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