-- das Kind versenkt, sich umdrehend, das Köpfchen wieder in die Kissen. -- -- -- -- -- -- --
"Gute Nacht, Elise! Felicissima notte, sagen sie in dem schönen Italien, wo Du heute weilst, eine glück- liche, liebende Frau: Felicissima notte, Elise!" --
Am 10. Januar. --
Seit ich jene Mappe, überschrieben: Ein Kinderleben, -- hervorgenommen habe, ist in meinem bisherigen Fen- ster- und Gassenstudium eine Pause eingetreten. Es soll draußen sehr kalter Winter sein; Strobel behauptet es, auch Rosalie ist nicht dagegen. Ich kann nicht sagen, daß ich viel davon wüßte. In diesen vergilben- den Blättern hier vor mir ist es sonniger Frühling und blühender Sommer. Es macht mir Freude, mich darin zu verlieren und ich erzähle deshalb weiter.
Da ist so ein altes Blatt:
Wir sind sehr ungnädig. Ein alter, dicker, lächeln- der Herr ist da gewesen, hat uns den Puls gefühlt, noch mehr gelächelt, einige Mal mit seinem spiegelblan- ken Stockknopf seine Nasenspitze berührt, hat Dinte und Papier gefordert und kurze Zeit auf einem länglichen
— das Kind verſenkt, ſich umdrehend, das Köpfchen wieder in die Kiſſen. — — — — — — —
„Gute Nacht, Eliſe! Felicissima notte, ſagen ſie in dem ſchönen Italien, wo Du heute weilſt, eine glück- liche, liebende Frau: Felicissima notte, Eliſe!“ —
Am 10. Januar. —
Seit ich jene Mappe, überſchrieben: Ein Kinderleben, — hervorgenommen habe, iſt in meinem bisherigen Fen- ſter- und Gaſſenſtudium eine Pauſe eingetreten. Es ſoll draußen ſehr kalter Winter ſein; Strobel behauptet es, auch Roſalie iſt nicht dagegen. Ich kann nicht ſagen, daß ich viel davon wüßte. In dieſen vergilben- den Blättern hier vor mir iſt es ſonniger Frühling und blühender Sommer. Es macht mir Freude, mich darin zu verlieren und ich erzähle deshalb weiter.
Da iſt ſo ein altes Blatt:
Wir ſind ſehr ungnädig. Ein alter, dicker, lächeln- der Herr iſt da geweſen, hat uns den Puls gefühlt, noch mehr gelächelt, einige Mal mit ſeinem ſpiegelblan- ken Stockknopf ſeine Naſenſpitze berührt, hat Dinte und Papier gefordert und kurze Zeit auf einem länglichen
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— das Kind verſenkt, ſich umdrehend, das Köpfchen
wieder in die Kiſſen. — — — — — — —
„Gute Nacht, Eliſe! Felicissima notte, ſagen ſie
in dem ſchönen Italien, wo Du heute weilſt, eine glück-
liche, liebende Frau: Felicissima notte, Eliſe!“ —
Am 10. Januar. —
Seit ich jene Mappe, überſchrieben: Ein Kinderleben,
— hervorgenommen habe, iſt in meinem bisherigen Fen-
ſter- und Gaſſenſtudium eine Pauſe eingetreten. Es
ſoll draußen ſehr kalter Winter ſein; Strobel behauptet
es, auch Roſalie iſt nicht dagegen. Ich kann nicht
ſagen, daß ich viel davon wüßte. In dieſen vergilben-
den Blättern hier vor mir iſt es ſonniger Frühling und
blühender Sommer. Es macht mir Freude, mich darin
zu verlieren und ich erzähle deshalb weiter.
Da iſt ſo ein altes Blatt:
Wir ſind ſehr ungnädig. Ein alter, dicker, lächeln-
der Herr iſt da geweſen, hat uns den Puls gefühlt,
noch mehr gelächelt, einige Mal mit ſeinem ſpiegelblan-
ken Stockknopf ſeine Naſenſpitze berührt, hat Dinte und
Papier gefordert und kurze Zeit auf einem länglichen
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Raabe, Wilhelm: Die Chronik der Sperlingsgasse. Berlin, 1857, S. 84. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/raabe_sperlingsgasse_1857/94>, abgerufen am 16.02.2025.
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