werden. Gleich dem Pflanzen und Düngen muss es in der kälteren Jahreszeit vorgenommen werden, ganz so, wie bei unseren Holzge- wächsen, also zu einer Zeit, wo ein Stillstand in der Vegetation ein- getreten und die geringste Saftentwickelung vorhanden ist.
Die Theepflanzungen erhalten reichliche Düngung, oft viermal im Jahre, die stärkste jedoch im Frühjahr, wenn die neue Vegetations- epoche beginnt. Oelkuchen und Fischguano gelten als besonders wirk- sam und werden mit Vorliebe, namentlich bei jungen Pflanzen, ange- wandt; wo sie fehlen und in der älteren Pflanzung greift man zu menschlichen Fäcalstoffen. Da eine Jahresernte von 1600 Pfd. Thee- blättern per Hectare dem Boden u. A. 100 kg Stickstoff und 24 kg Potasche entzieht, so muss ein zweckmässiger Dünger vor allen Dingen diesen Verlust ersetzen. Aus diesem Grunde empfehlen sich auch Holzasche und Meeresalgen, wo solche zu haben sind.
Je nachdem man einen Theegarten aus Samen, oder durch Ver- pflanzen von Sämlingen erzielte, beginnt man mit dem dritten oder vierten Altersjahr der Pflanzen die Blatternte. Dieselbe steigert sich bei sorgfältiger Behandlung und normaler Witterung bis zum 10. oder 12. Jahr, worauf eine allmähliche Abnahme folgt, so dass nach etwa 15--18 Jahren eine neue Anlage nöthig wird. Oft ist eine Pflanzung jedoch schon nach 10--12 Jahren abständig und der Boden erschöpft; anderseits findet man solche, welche mindestens 24--30 Jahre alt und noch ertragsfähig sind, wie z. B. in dem berühmtesten japa- nischen Theedistrikte von Uji, dessen schon Kaempfer gedenkt. "Udsi tsjaa nominavi; de qua ne quid in historia omittatur, pauca addimus, Udsi oppidulum est ad limites maris situm (ist 5 Meilen nordwärts vom Meer bei Ozaka), non procul a metropoli et Pontificali see Miaco .... Ejus clima mira benignitate favet culturae fru- ticis." Das Produkt dieses 2400 Ew. zählenden Städtchens verdankt jedoch seinen alten Ruf nicht sowohl einer besonderen Gunst des Klimas, als vielmehr der eigenartigen Behandlung und Pflege der Theebüsche zur Zeit der ersten Blattentwickelung, ein Umstand, den ich in Uji selbst kennen lernte und worauf meines Wissens noch Niemand aufmerksam gemacht hat.
Es sind eigentlich zwei Orte zu beiden Seiten des Yodogawa 3/4 Meilen oberhalb der Stadt Fushimi. Der am rechten Ufer gehört Uji-gori, der zur Linken Fuse-gori an, beides Kreise der Provinz Ya- mashiro, deren alte Hauptstadt Kioto (Miaco oder Miyako) etwas über eine g. Meile entfernt ist.
Der Fluss tritt hier aus seinem engen Gebirgsbett heraus und breitet sich in der nun beginnenden Ebene aus. An den niedrigen
I. Land- und Forstwirthschaft.
werden. Gleich dem Pflanzen und Düngen muss es in der kälteren Jahreszeit vorgenommen werden, ganz so, wie bei unseren Holzge- wächsen, also zu einer Zeit, wo ein Stillstand in der Vegetation ein- getreten und die geringste Saftentwickelung vorhanden ist.
Die Theepflanzungen erhalten reichliche Düngung, oft viermal im Jahre, die stärkste jedoch im Frühjahr, wenn die neue Vegetations- epoche beginnt. Oelkuchen und Fischguano gelten als besonders wirk- sam und werden mit Vorliebe, namentlich bei jungen Pflanzen, ange- wandt; wo sie fehlen und in der älteren Pflanzung greift man zu menschlichen Fäcalstoffen. Da eine Jahresernte von 1600 Pfd. Thee- blättern per Hectare dem Boden u. A. 100 kg Stickstoff und 24 kg Potasche entzieht, so muss ein zweckmässiger Dünger vor allen Dingen diesen Verlust ersetzen. Aus diesem Grunde empfehlen sich auch Holzasche und Meeresalgen, wo solche zu haben sind.
Je nachdem man einen Theegarten aus Samen, oder durch Ver- pflanzen von Sämlingen erzielte, beginnt man mit dem dritten oder vierten Altersjahr der Pflanzen die Blatternte. Dieselbe steigert sich bei sorgfältiger Behandlung und normaler Witterung bis zum 10. oder 12. Jahr, worauf eine allmähliche Abnahme folgt, so dass nach etwa 15—18 Jahren eine neue Anlage nöthig wird. Oft ist eine Pflanzung jedoch schon nach 10—12 Jahren abständig und der Boden erschöpft; anderseits findet man solche, welche mindestens 24—30 Jahre alt und noch ertragsfähig sind, wie z. B. in dem berühmtesten japa- nischen Theedistrikte von Uji, dessen schon Kaempfer gedenkt. »Udsi tsjaa nominavi; de qua ne quid in historia omittatur, pauca addimus, Udsi oppidulum est ad limites maris situm (ist 5 Meilen nordwärts vom Meer bei Ôzaka), non procul a metropoli et Pontificali see Miaco .... Ejus clima mira benignitate favet culturae fru- ticis.« Das Produkt dieses 2400 Ew. zählenden Städtchens verdankt jedoch seinen alten Ruf nicht sowohl einer besonderen Gunst des Klimas, als vielmehr der eigenartigen Behandlung und Pflege der Theebüsche zur Zeit der ersten Blattentwickelung, ein Umstand, den ich in Uji selbst kennen lernte und worauf meines Wissens noch Niemand aufmerksam gemacht hat.
Es sind eigentlich zwei Orte zu beiden Seiten des Yodogawa ¾ Meilen oberhalb der Stadt Fushimi. Der am rechten Ufer gehört Uji-gori, der zur Linken Fuse-gori an, beides Kreise der Provinz Ya- mashiro, deren alte Hauptstadt Kiôto (Miaco oder Miyako) etwas über eine g. Meile entfernt ist.
Der Fluss tritt hier aus seinem engen Gebirgsbett heraus und breitet sich in der nun beginnenden Ebene aus. An den niedrigen
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I. Land- und Forstwirthschaft.
werden. Gleich dem Pflanzen und Düngen muss es in der kälteren
Jahreszeit vorgenommen werden, ganz so, wie bei unseren Holzge-
wächsen, also zu einer Zeit, wo ein Stillstand in der Vegetation ein-
getreten und die geringste Saftentwickelung vorhanden ist.
Die Theepflanzungen erhalten reichliche Düngung, oft viermal im
Jahre, die stärkste jedoch im Frühjahr, wenn die neue Vegetations-
epoche beginnt. Oelkuchen und Fischguano gelten als besonders wirk-
sam und werden mit Vorliebe, namentlich bei jungen Pflanzen, ange-
wandt; wo sie fehlen und in der älteren Pflanzung greift man zu
menschlichen Fäcalstoffen. Da eine Jahresernte von 1600 Pfd. Thee-
blättern per Hectare dem Boden u. A. 100 kg Stickstoff und 24 kg
Potasche entzieht, so muss ein zweckmässiger Dünger vor allen Dingen
diesen Verlust ersetzen. Aus diesem Grunde empfehlen sich auch
Holzasche und Meeresalgen, wo solche zu haben sind.
Je nachdem man einen Theegarten aus Samen, oder durch Ver-
pflanzen von Sämlingen erzielte, beginnt man mit dem dritten oder
vierten Altersjahr der Pflanzen die Blatternte. Dieselbe steigert sich
bei sorgfältiger Behandlung und normaler Witterung bis zum 10. oder
12. Jahr, worauf eine allmähliche Abnahme folgt, so dass nach etwa
15—18 Jahren eine neue Anlage nöthig wird. Oft ist eine Pflanzung
jedoch schon nach 10—12 Jahren abständig und der Boden erschöpft;
anderseits findet man solche, welche mindestens 24—30 Jahre alt
und noch ertragsfähig sind, wie z. B. in dem berühmtesten japa-
nischen Theedistrikte von Uji, dessen schon Kaempfer gedenkt.
»Udsi tsjaa nominavi; de qua ne quid in historia omittatur, pauca
addimus, Udsi oppidulum est ad limites maris situm (ist 5 Meilen
nordwärts vom Meer bei Ôzaka), non procul a metropoli et Pontificali
see Miaco .... Ejus clima mira benignitate favet culturae fru-
ticis.« Das Produkt dieses 2400 Ew. zählenden Städtchens verdankt
jedoch seinen alten Ruf nicht sowohl einer besonderen Gunst des
Klimas, als vielmehr der eigenartigen Behandlung und Pflege der
Theebüsche zur Zeit der ersten Blattentwickelung, ein Umstand, den
ich in Uji selbst kennen lernte und worauf meines Wissens noch
Niemand aufmerksam gemacht hat.
Es sind eigentlich zwei Orte zu beiden Seiten des Yodogawa
¾ Meilen oberhalb der Stadt Fushimi. Der am rechten Ufer gehört
Uji-gori, der zur Linken Fuse-gori an, beides Kreise der Provinz Ya-
mashiro, deren alte Hauptstadt Kiôto (Miaco oder Miyako) etwas über
eine g. Meile entfernt ist.
Der Fluss tritt hier aus seinem engen Gebirgsbett heraus und
breitet sich in der nun beginnenden Ebene aus. An den niedrigen
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Rein, Johann Justus: Japan nach Reisen und Studien. Bd. 2. Leipzig, 1886, S. 136. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/rein_japan02_1886/158>, abgerufen am 21.11.2024.
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