& Co., sowie Thomas Webb & Sons näher zu betrachten. Die Aus- stellung von Elkington, des berühmtesten englischen Silberschmiedes, erstreckte sich vornehmlich über Gebrauchsartikel aus Gold und Silber und galvanisch veredelte Neusilbergegenstände. Bei der sehr ver- schiedenartigen Ornamentierung spielten japanische Vorbilder eine grosse Rolle und waren meist mit sehr viel Geschmack angewandt worden.
In Minton's Porzellanfabrik zu Stoke-upon-Trent, welche auch die verschiedenen Faiencen früherer Zeit nachmacht und eine überaus reiche Sammlung in Paris hatte, ist kaum ein japanisches Decorations- motiv unversucht geblieben. Bemerkenswerth waren namentlich Tassen in der Färbung des Awata-yaki, jede mit einem violett grundierten Keil, auf welchem die Mumepflaume und fliegende Singvögel (Unguisu) reizend nachgebildet waren. Aber wer zahlt für eine solche Leistung 105 Franken, wenn er dieselbe Tasse aus Japan für wenige Dollars beziehen kann?
"The Royal Porcelain Works" zu Worcester, die zweite berühmte englische Porzellanfabrik, hat in ihrem Bestreben, Satsuma-Faience nachzumachen, das "Ivory-Porcelain" entdeckt, das an Färbung zwi- schen Satsuma und Awata-yaki steht, mehr als beide an Elfenbein erinnert und seinen Namen wohl verdient. Es ist eine bemerkens- werthe Specialität der Fabrik, bei der man nicht blos die Verzierungs- weise, sondern theilweise auch die Formen Japans, wie Bambusrohr- Vasen und Becher, prismatische Vasen etc. mit Erfolg nachahmt.
Unter den Erzeugnissen der grossen Londoner Faience-Fabrik von H. Doulton in Lambeth befinden sich ebenfalls viele japanische Imi- tationen, ebenso bei vielen andern englischen Ausstellern feinerer Thonwaaren. Am wenigsten ist von den fünf oben genannten Firmen die Glasfabrik von Thomas Webb & Sons von japanischem Einfluss berührt worden.
Als Nachbarn Englands erschienen auf dem Marsfelde die Ver- einigten Staaten von Nordamerika. Unter ihren Ausstellern erwähne ich vor allem die Firma Tiffani & Co. von New-York, welche eine der drei grossen Preismedaillen in der Klasse der Orfevrerie erhielt. Ein grosser Theil ihrer schweren Silberwaaren war nach japanischer Art verziert mit Fischen, Schmetterlingen, Krabben, Reihern, Iris, Guirlanden etc., theils in Relief, theils eingraviert. Die keramische Industrie Ameri- kas war nur schwach vertreten; aber es ist Thatsache, dass die japanische Section der Ausstellung in Philadelphia 1876 einen über- raschenden Einfluss auf dieselbe übte. War früher der Gebrauch einfach weisser Teller, Tassen u. dgl. auch im Haushalte des Reichen
1. Das japanische Kunstgewerbe im Allgemeinen.
& Co., sowie Thomas Webb & Sons näher zu betrachten. Die Aus- stellung von Elkington, des berühmtesten englischen Silberschmiedes, erstreckte sich vornehmlich über Gebrauchsartikel aus Gold und Silber und galvanisch veredelte Neusilbergegenstände. Bei der sehr ver- schiedenartigen Ornamentierung spielten japanische Vorbilder eine grosse Rolle und waren meist mit sehr viel Geschmack angewandt worden.
In Minton’s Porzellanfabrik zu Stoke-upon-Trent, welche auch die verschiedenen Faiencen früherer Zeit nachmacht und eine überaus reiche Sammlung in Paris hatte, ist kaum ein japanisches Decorations- motiv unversucht geblieben. Bemerkenswerth waren namentlich Tassen in der Färbung des Awata-yaki, jede mit einem violett grundierten Keil, auf welchem die Mumepflaume und fliegende Singvögel (Unguisu) reizend nachgebildet waren. Aber wer zahlt für eine solche Leistung 105 Franken, wenn er dieselbe Tasse aus Japan für wenige Dollars beziehen kann?
»The Royal Porcelain Works« zu Worcester, die zweite berühmte englische Porzellanfabrik, hat in ihrem Bestreben, Satsuma-Faience nachzumachen, das »Ivory-Porcelain« entdeckt, das an Färbung zwi- schen Satsuma und Awata-yaki steht, mehr als beide an Elfenbein erinnert und seinen Namen wohl verdient. Es ist eine bemerkens- werthe Specialität der Fabrik, bei der man nicht blos die Verzierungs- weise, sondern theilweise auch die Formen Japans, wie Bambusrohr- Vasen und Becher, prismatische Vasen etc. mit Erfolg nachahmt.
Unter den Erzeugnissen der grossen Londoner Faience-Fabrik von H. Doulton in Lambeth befinden sich ebenfalls viele japanische Imi- tationen, ebenso bei vielen andern englischen Ausstellern feinerer Thonwaaren. Am wenigsten ist von den fünf oben genannten Firmen die Glasfabrik von Thomas Webb & Sons von japanischem Einfluss berührt worden.
Als Nachbarn Englands erschienen auf dem Marsfelde die Ver- einigten Staaten von Nordamerika. Unter ihren Ausstellern erwähne ich vor allem die Firma Tiffani & Co. von New-York, welche eine der drei grossen Preismedaillen in der Klasse der Orfèvrerie erhielt. Ein grosser Theil ihrer schweren Silberwaaren war nach japanischer Art verziert mit Fischen, Schmetterlingen, Krabben, Reihern, Iris, Guirlanden etc., theils in Relief, theils eingraviert. Die keramische Industrie Ameri- kas war nur schwach vertreten; aber es ist Thatsache, dass die japanische Section der Ausstellung in Philadelphia 1876 einen über- raschenden Einfluss auf dieselbe übte. War früher der Gebrauch einfach weisser Teller, Tassen u. dgl. auch im Haushalte des Reichen
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1. Das japanische Kunstgewerbe im Allgemeinen.
& Co., sowie Thomas Webb & Sons näher zu betrachten. Die Aus-
stellung von Elkington, des berühmtesten englischen Silberschmiedes,
erstreckte sich vornehmlich über Gebrauchsartikel aus Gold und Silber
und galvanisch veredelte Neusilbergegenstände. Bei der sehr ver-
schiedenartigen Ornamentierung spielten japanische Vorbilder eine
grosse Rolle und waren meist mit sehr viel Geschmack angewandt
worden.
In Minton’s Porzellanfabrik zu Stoke-upon-Trent, welche auch die
verschiedenen Faiencen früherer Zeit nachmacht und eine überaus
reiche Sammlung in Paris hatte, ist kaum ein japanisches Decorations-
motiv unversucht geblieben. Bemerkenswerth waren namentlich Tassen
in der Färbung des Awata-yaki, jede mit einem violett grundierten
Keil, auf welchem die Mumepflaume und fliegende Singvögel (Unguisu)
reizend nachgebildet waren. Aber wer zahlt für eine solche Leistung
105 Franken, wenn er dieselbe Tasse aus Japan für wenige Dollars
beziehen kann?
»The Royal Porcelain Works« zu Worcester, die zweite berühmte
englische Porzellanfabrik, hat in ihrem Bestreben, Satsuma-Faience
nachzumachen, das »Ivory-Porcelain« entdeckt, das an Färbung zwi-
schen Satsuma und Awata-yaki steht, mehr als beide an Elfenbein
erinnert und seinen Namen wohl verdient. Es ist eine bemerkens-
werthe Specialität der Fabrik, bei der man nicht blos die Verzierungs-
weise, sondern theilweise auch die Formen Japans, wie Bambusrohr-
Vasen und Becher, prismatische Vasen etc. mit Erfolg nachahmt.
Unter den Erzeugnissen der grossen Londoner Faience-Fabrik von
H. Doulton in Lambeth befinden sich ebenfalls viele japanische Imi-
tationen, ebenso bei vielen andern englischen Ausstellern feinerer
Thonwaaren. Am wenigsten ist von den fünf oben genannten Firmen
die Glasfabrik von Thomas Webb & Sons von japanischem Einfluss
berührt worden.
Als Nachbarn Englands erschienen auf dem Marsfelde die Ver-
einigten Staaten von Nordamerika. Unter ihren Ausstellern erwähne ich
vor allem die Firma Tiffani & Co. von New-York, welche eine der drei
grossen Preismedaillen in der Klasse der Orfèvrerie erhielt. Ein grosser
Theil ihrer schweren Silberwaaren war nach japanischer Art verziert mit
Fischen, Schmetterlingen, Krabben, Reihern, Iris, Guirlanden etc.,
theils in Relief, theils eingraviert. Die keramische Industrie Ameri-
kas war nur schwach vertreten; aber es ist Thatsache, dass die
japanische Section der Ausstellung in Philadelphia 1876 einen über-
raschenden Einfluss auf dieselbe übte. War früher der Gebrauch
einfach weisser Teller, Tassen u. dgl. auch im Haushalte des Reichen
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Rein, Johann Justus: Japan nach Reisen und Studien. Bd. 2. Leipzig, 1886, S. 393. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/rein_japan02_1886/417>, abgerufen am 31.10.2024.
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