1) Das Naka-nuri-togi als Abschluss der Grundierung muss mit grösster Sorgfalt ausgeführt und ein vollkommen glatter Grund ge- schaffen sein.
2) Auf diesen Grund wird die Zeichnung mit einem feinen Pinsel und einem dünnen Brei aus Bleiweiss oder einer andern Farbe und Wasser frei entworfen, oder -- bei weniger Geübten -- ein vorhan- denes Muster durchgepaust und dann mit Shita-makiye, d. h. "Zeichnung des Untergrundes" angelegt. Hierzu dient eine braunrothe, dünnbreiige Farbe aus einem Gemisch von Eisenoxyd (Beni-gara) mit Se-shime-urushi.
3) Gold, Silber und sonstige Farben werden fast alle in Pulver- form auf das noch frische Shita-makiye gestreut oder zur Seite, und dann mit einem Pinsel (Tafel IV, Fig. 5, 6 oder 3) darauf gekehrt, was namentlich in den Fällen geschieht, wenn die Farbe, wie bei Holz-Imitationen, von einer Linie aus sich verlaufen und abschwächen soll. Das Polieren findet natürlich auch hier erst nach einem trocken gewordenen Anstrich mit hellerem Lackfirniss (in der Regel Nashi-ji- urushi) statt.
4) Was plastisch hervortreten soll, wird anfangs nur in seinen Umrissen vorgezeichnet und erst weiter behandelt, wenn die Arbeiten im Grunde der Fläche beendet sind.
Das vornehmste und wichtigste Verzierungsmittel des Makiye-shi ist das Gold. Es kommt als Pulver in zwei Hauptnüancen vor, unter den Collectivnamen Yaki-gane und Koban. Yaki-gane, d. h. "ge- branntes Metall", oder Yaki-kin, d. h. "gebranntes Gold", ist rein hochgelb, sogenanntes Dukatengold, Koban dagegen grünes Münzgold, eine Legierung im Verhältniss von 7,4 Theilen Gold zu 2,6 Theilen Silber. Es kommen jedoch auch noch goldärmere Legierungen zur Verwendung. Man unterscheidet je nach dem Grade der Feinheit eine grosse Anzahl Sorten Gold- und Silberfeilspäne, trennt sie durch Siebe und gibt ihnen besondere Namen, Kin-pun oder Keshi-ko ist der feinste Gold-, Gin-pun der feinste Silberstaub. Man erhält ihn da- durch, dass man die entsprechende dünne Metallfolie des Goldschlä- gers mit einer Leimdecke versieht, nach dem Erkalten des Leims mit demselben pulverisiert und dann das Metall durch Schlemmen vom Leim scheidet.
Da einzelne dieser Pulver öfter gebraucht werden, so mögen hier die Namen der wichtigsten folgen, und zwar nach ihrer Feinheit der- art geordnet, dass die gröbsten voranstehen, um für ihre zum Theil langen Bezeichnungen die kürzeren Nummern gebrauchen zu können:
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3. Lackindustrie.
1) Das Naka-nuri-togi als Abschluss der Grundierung muss mit grösster Sorgfalt ausgeführt und ein vollkommen glatter Grund ge- schaffen sein.
2) Auf diesen Grund wird die Zeichnung mit einem feinen Pinsel und einem dünnen Brei aus Bleiweiss oder einer andern Farbe und Wasser frei entworfen, oder — bei weniger Geübten — ein vorhan- denes Muster durchgepaust und dann mit Shita-makiye, d. h. »Zeichnung des Untergrundes« angelegt. Hierzu dient eine braunrothe, dünnbreiige Farbe aus einem Gemisch von Eisenoxyd (Beni-gara) mit Se-shime-urushi.
3) Gold, Silber und sonstige Farben werden fast alle in Pulver- form auf das noch frische Shita-makiye gestreut oder zur Seite, und dann mit einem Pinsel (Tafel IV, Fig. 5, 6 oder 3) darauf gekehrt, was namentlich in den Fällen geschieht, wenn die Farbe, wie bei Holz-Imitationen, von einer Linie aus sich verlaufen und abschwächen soll. Das Polieren findet natürlich auch hier erst nach einem trocken gewordenen Anstrich mit hellerem Lackfirniss (in der Regel Nashi-ji- urushi) statt.
4) Was plastisch hervortreten soll, wird anfangs nur in seinen Umrissen vorgezeichnet und erst weiter behandelt, wenn die Arbeiten im Grunde der Fläche beendet sind.
Das vornehmste und wichtigste Verzierungsmittel des Makiye-shi ist das Gold. Es kommt als Pulver in zwei Hauptnüancen vor, unter den Collectivnamen Yaki-gane und Koban. Yaki-gane, d. h. »ge- branntes Metall«, oder Yaki-kin, d. h. »gebranntes Gold«, ist rein hochgelb, sogenanntes Dukatengold, Koban dagegen grünes Münzgold, eine Legierung im Verhältniss von 7,4 Theilen Gold zu 2,6 Theilen Silber. Es kommen jedoch auch noch goldärmere Legierungen zur Verwendung. Man unterscheidet je nach dem Grade der Feinheit eine grosse Anzahl Sorten Gold- und Silberfeilspäne, trennt sie durch Siebe und gibt ihnen besondere Namen, Kin-pun oder Keshi-ko ist der feinste Gold-, Gin-pun der feinste Silberstaub. Man erhält ihn da- durch, dass man die entsprechende dünne Metallfolie des Goldschlä- gers mit einer Leimdecke versieht, nach dem Erkalten des Leims mit demselben pulverisiert und dann das Metall durch Schlemmen vom Leim scheidet.
Da einzelne dieser Pulver öfter gebraucht werden, so mögen hier die Namen der wichtigsten folgen, und zwar nach ihrer Feinheit der- art geordnet, dass die gröbsten voranstehen, um für ihre zum Theil langen Bezeichnungen die kürzeren Nummern gebrauchen zu können:
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3. Lackindustrie.
1) Das Naka-nuri-togi als Abschluss der Grundierung muss mit
grösster Sorgfalt ausgeführt und ein vollkommen glatter Grund ge-
schaffen sein.
2) Auf diesen Grund wird die Zeichnung mit einem feinen Pinsel
und einem dünnen Brei aus Bleiweiss oder einer andern Farbe und
Wasser frei entworfen, oder — bei weniger Geübten — ein vorhan-
denes Muster durchgepaust und dann mit Shita-makiye, d. h.
»Zeichnung des Untergrundes« angelegt. Hierzu dient eine braunrothe,
dünnbreiige Farbe aus einem Gemisch von Eisenoxyd (Beni-gara) mit
Se-shime-urushi.
3) Gold, Silber und sonstige Farben werden fast alle in Pulver-
form auf das noch frische Shita-makiye gestreut oder zur Seite, und
dann mit einem Pinsel (Tafel IV, Fig. 5, 6 oder 3) darauf gekehrt,
was namentlich in den Fällen geschieht, wenn die Farbe, wie bei
Holz-Imitationen, von einer Linie aus sich verlaufen und abschwächen
soll. Das Polieren findet natürlich auch hier erst nach einem trocken
gewordenen Anstrich mit hellerem Lackfirniss (in der Regel Nashi-ji-
urushi) statt.
4) Was plastisch hervortreten soll, wird anfangs nur in seinen
Umrissen vorgezeichnet und erst weiter behandelt, wenn die Arbeiten
im Grunde der Fläche beendet sind.
Das vornehmste und wichtigste Verzierungsmittel des Makiye-shi
ist das Gold. Es kommt als Pulver in zwei Hauptnüancen vor, unter
den Collectivnamen Yaki-gane und Koban. Yaki-gane, d. h. »ge-
branntes Metall«, oder Yaki-kin, d. h. »gebranntes Gold«, ist rein
hochgelb, sogenanntes Dukatengold, Koban dagegen grünes Münzgold,
eine Legierung im Verhältniss von 7,4 Theilen Gold zu 2,6 Theilen
Silber. Es kommen jedoch auch noch goldärmere Legierungen zur
Verwendung. Man unterscheidet je nach dem Grade der Feinheit eine
grosse Anzahl Sorten Gold- und Silberfeilspäne, trennt sie durch Siebe
und gibt ihnen besondere Namen, Kin-pun oder Keshi-ko ist der
feinste Gold-, Gin-pun der feinste Silberstaub. Man erhält ihn da-
durch, dass man die entsprechende dünne Metallfolie des Goldschlä-
gers mit einer Leimdecke versieht, nach dem Erkalten des Leims mit
demselben pulverisiert und dann das Metall durch Schlemmen vom
Leim scheidet.
Da einzelne dieser Pulver öfter gebraucht werden, so mögen hier
die Namen der wichtigsten folgen, und zwar nach ihrer Feinheit der-
art geordnet, dass die gröbsten voranstehen, um für ihre zum Theil
langen Bezeichnungen die kürzeren Nummern gebrauchen zu können:
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Rein, Johann Justus: Japan nach Reisen und Studien. Bd. 2. Leipzig, 1886, S. 435. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/rein_japan02_1886/463>, abgerufen am 22.11.2024.
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