Sarganeck, Georg: Ueberzeugende und bewegliche Warnung vor allen Sünden der Unreinigkeit und Heimlichen Unzucht. Züllichau, 1740.C. 3. Mittel wieder die Unreinigkeit. net ihr nichts thun. Wieder diese Kranckheitmust du Artzney suchen durchs Gebet. Da ich erkante, daß ich nicht konte züchtig seyn, es gebe mirs denn GOtt, (und diß war auch Klug- heit zu erkennen, weß solche Gnade ist) flehete ich den HErrn innig, und bat ihn, und sprach aus meinem gantzen Hertzen: B. Weish. 8, 20. sqq. O GOtt meiner Väter und HErr aller Güter etc. Fasse auch die Worte Augustini der da saget: Wer die fleischliche Lust wieder seinen Willen empfindet, durch Gewohnheit der Sünde, (welche, so sie nicht gezähmet ist, den Menschen mit Gewalt in das Gefängniß ziehet:) der soll so sehr er vermag be- dencken, wie er eine so grosse innerliche Stille und Frieden durch die Sünde verloren habe, und soll mit Paulo sprechen: O Jch elender Mensch, wer wird mich erretten aus dem Leibe dieses Todes! Dis aber thut die Gnade GOttes durch JEsum Christum unsern HErrn. Röm. 7, 24. 25. Denn so er sich also unselig zu seyn beklaget, so er- langt er mit seinem Weinen Hülfe des Trostes; und ist gewiß ein nicht geringer Zugang zur Se- ligkeit, wenn der Mensch seine Unseligkeit erken- net. Der sel. Lutherus sagt: unser Fleisch ist vor- nemlich mit zweyen Wunden verletzt, 1) daß wir alle Beleidigungen so bald und so sehr empfinden. 2) Daß wir die böse Lust des Fleisches in uns haben; diese zwo Wunden werden uns durch die Gebote offenbahrt, aber durch die Gnade werden sie geheilet. Und ist die böse Lust eine so viel schäd- lichere Wunde, so viel weniger ihr Schmertzen em- pfunden wird: darum wird sie von den Thoren lu- stig, und vor rein Uebel gehalten, so sie doch gewiß- lich zweyfach schädlicher ist Hiob. 40, 11. Dancke derohalben dem HErrn Christo, und ach- Y y 4
C. 3. Mittel wieder die Unreinigkeit. net ihr nichts thun. Wieder dieſe Kranckheitmuſt du Artzney ſuchen durchs Gebet. Da ich erkante, daß ich nicht konte zuͤchtig ſeyn, es gebe mirs denn GOtt, (und diß war auch Klug- heit zu erkennen, weß ſolche Gnade iſt) flehete ich den HErrn innig, und bat ihn, und ſprach aus meinem gantzen Hertzen: B. Weish. 8, 20. ſqq. O GOtt meiner Vaͤter und HErr aller Guͤter ꝛc. Faſſe auch die Worte Auguſtini der da ſaget: Wer die fleiſchliche Luſt wieder ſeinen Willen empfindet, durch Gewohnheit der Suͤnde, (welche, ſo ſie nicht gezaͤhmet iſt, den Menſchen mit Gewalt in das Gefaͤngniß ziehet:) der ſoll ſo ſehr er vermag be- dencken, wie er eine ſo groſſe innerliche Stille und Frieden durch die Suͤnde verloren habe, und ſoll mit Paulo ſprechen: O Jch elender Menſch, wer wird mich erretten aus dem Leibe dieſes Todes! Dis aber thut die Gnade GOttes durch JEſum Chriſtum unſern HErrn. Roͤm. 7, 24. 25. Denn ſo er ſich alſo unſelig zu ſeyn beklaget, ſo er- langt er mit ſeinem Weinen Huͤlfe des Troſtes; und iſt gewiß ein nicht geringer Zugang zur Se- ligkeit, wenn der Menſch ſeine Unſeligkeit erken- net. Der ſel. Lutherus ſagt: unſer Fleiſch iſt vor- nemlich mit zweyen Wunden verletzt, 1) daß wir alle Beleidigungen ſo bald und ſo ſehr empfinden. 2) Daß wir die boͤſe Luſt des Fleiſches in uns haben; dieſe zwo Wunden werden uns durch die Gebote offenbahrt, aber durch die Gnade werden ſie geheilet. Und iſt die boͤſe Luſt eine ſo viel ſchaͤd- lichere Wunde, ſo viel weniger ihr Schmertzen em- pfunden wird: darum wird ſie von den Thoren lu- ſtig, und vor rein Uebel gehalten, ſo ſie doch gewiß- lich zweyfach ſchaͤdlicher iſt Hiob. 40, 11. Dancke derohalben dem HErrn Chriſto, und ach- Y y 4
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C. 3. Mittel wieder die Unreinigkeit.
net ihr nichts thun. Wieder dieſe Kranckheit
muſt du Artzney ſuchen durchs Gebet. Da ich
erkante, daß ich nicht konte zuͤchtig ſeyn, es
gebe mirs denn GOtt, (und diß war auch Klug-
heit zu erkennen, weß ſolche Gnade iſt) flehete ich
den HErrn innig, und bat ihn, und ſprach aus
meinem gantzen Hertzen: B. Weish. 8, 20. ſqq.
O GOtt meiner Vaͤter und HErr aller Guͤter ꝛc.
Faſſe auch die Worte Auguſtini der da ſaget: Wer
die fleiſchliche Luſt wieder ſeinen Willen empfindet,
durch Gewohnheit der Suͤnde, (welche, ſo ſie nicht
gezaͤhmet iſt, den Menſchen mit Gewalt in das
Gefaͤngniß ziehet:) der ſoll ſo ſehr er vermag be-
dencken, wie er eine ſo groſſe innerliche Stille und
Frieden durch die Suͤnde verloren habe, und ſoll
mit Paulo ſprechen: O Jch elender Menſch,
wer wird mich erretten aus dem Leibe dieſes
Todes! Dis aber thut die Gnade GOttes durch
JEſum Chriſtum unſern HErrn. Roͤm. 7, 24. 25.
Denn ſo er ſich alſo unſelig zu ſeyn beklaget, ſo er-
langt er mit ſeinem Weinen Huͤlfe des Troſtes;
und iſt gewiß ein nicht geringer Zugang zur Se-
ligkeit, wenn der Menſch ſeine Unſeligkeit erken-
net. Der ſel. Lutherus ſagt: unſer Fleiſch iſt vor-
nemlich mit zweyen Wunden verletzt, 1) daß wir
alle Beleidigungen ſo bald und ſo ſehr empfinden.
2) Daß wir die boͤſe Luſt des Fleiſches in uns
haben; dieſe zwo Wunden werden uns durch die
Gebote offenbahrt, aber durch die Gnade werden
ſie geheilet. Und iſt die boͤſe Luſt eine ſo viel ſchaͤd-
lichere Wunde, ſo viel weniger ihr Schmertzen em-
pfunden wird: darum wird ſie von den Thoren lu-
ſtig, und vor rein Uebel gehalten, ſo ſie doch gewiß-
lich zweyfach ſchaͤdlicher iſt Hiob. 40, 11.
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