Schauberg, Joseph: Vergleichendes Handbuch der Symbolik der Freimaurerei, Bd. 2. Schaffhausen, 1861.und Verderbtheit der jetzigen Welt. Da jenes schöne Zeitalter verschwunden und dahingegangen ist, wurde es mit seinen göttlichen Vorzügen und mit seinem göttlichen und unsterblichen Leben zum Lande der Seligen, zum elysischen Gefilde, zum Lande der Phäaken,1) zum Paradiese gemacht, welches wir verloren haben und nach dem Tode wieder zu erreichen wünschen und hoffen. Fichite, Bestimmung des Gelehrten (1794), S. 117, bemerkte in dieser Hinsicht sehr treffend, es sei eine in der Vorwelt häufig vorkommende Erscheinung, dass Das, was wir werden sollen, geschildert werde als Etwas, was wir schon gewesen, und Das, was wir zu erreichen hoffen, vorgestellt als etwas Verlorenes. Die Idee von 4 Weltzeitaltern, von den 4 Weltjahreszeiten, welche nicht blos bei den Indern und Persern, bei den Griechen (denn die beiden ersten Geschlechter des Hesiod sind nur die erste Regierungszeit der guten und der bösen Götter, des Ormuzd und des Ahriman), sondern sogar bei den Mexikanern sich finden,2) stammt aus dem Ursitze der Menschheit, wo es wegen des dort herrschenden gemässigten Klimas 4 Jahreszeiten gab. Ebenso ist der Todtenstrom, der Luft- und Wolkenstrom, über welchen nach der Vorstellung der Aeggypter und der lndogermanen die Todten hinüberschiffen oder auf einer Brücke hinübergehen, aus der Zeit der Urmenschheit, welche Gott und den Himmel in den Wolken und in den Sternen suchte, während das Land und die Insel der Seligen erst später bei der Trübung und Abschwächung des 1) Vergl. darüber Furtwängler, die ldee desTodes, S. 180 ff.; Crusius, Wörterbuch über die Gedichte des Homeros. Hannover 1839, unter [fremdsprachliches Material]. 2) Welker, griech Götterlehre, I. S. 721 und 22; Humboldt, Ansichten der Natur, I. S. 212. Humboldt hält deshalb einen alten Verkehr zwischen den Westamerikanern und den Ostasiaten für mehr als wahrscheinlich. Nach Humboldt (l. S. 215) kennen wir die amerikanischen Sprachen noch zu wenig, als dass man bei ihrer grossen Mannigfaltigkeit die Hoffnung ganz aufgeben könnte, einst ein Ideom zu entdecken, das mit gewissen Modificationen im Inneren von Südamerika und in Inner-Asien zugleich gesprochen würde, oder wenigstens eine alte Verwandtschaft ahnen liesse; eine solche Entdeckung wäre gewiss eine der glänzendsten, die man in der Geschichte des menschlichen Geschlechts erwarten dürfte.
und Verderbtheit der jetzigen Welt. Da jenes schöne Zeitalter verschwunden und dahingegangen ist, wurde es mit seinen göttlichen Vorzügen und mit seinem göttlichen und unsterblichen Leben zum Lande der Seligen, zum elysischen Gefilde, zum Lande der Phäaken,1) zum Paradiese gemacht, welches wir verloren haben und nach dem Tode wieder zu erreichen wünschen und hoffen. Fichite, Bestimmung des Gelehrten (1794), S. 117, bemerkte in dieser Hinsicht sehr treffend, es sei eine in der Vorwelt häufig vorkommende Erscheinung, dass Das, was wir werden sollen, geschildert werde als Etwas, was wir schon gewesen, und Das, was wir zu erreichen hoffen, vorgestellt als etwas Verlorenes. Die Idee von 4 Weltzeitaltern, von den 4 Weltjahreszeiten, welche nicht blos bei den Indern und Persern, bei den Griechen (denn die beiden ersten Geschlechter des Hesiod sind nur die erste Regierungszeit der guten und der bösen Götter, des Ormuzd und des Ahriman), sondern sogar bei den Mexikanern sich finden,2) stammt aus dem Ursitze der Menschheit, wo es wegen des dort herrschenden gemässigten Klimas 4 Jahreszeiten gab. Ebenso ist der Todtenstrom, der Luft- und Wolkenstrom, über welchen nach der Vorstellung der Aeggypter und der lndogermanen die Todten hinüberschiffen oder auf einer Brücke hinübergehen, aus der Zeit der Urmenschheit, welche Gott und den Himmel in den Wolken und in den Sternen suchte, während das Land und die Insel der Seligen erst später bei der Trübung und Abschwächung des 1) Vergl. darüber Furtwängler, die ldee desTodes, S. 180 ff.; Crusius, Wörterbuch über die Gedichte des Homeros. Hannover 1839, unter [fremdsprachliches Material]. 2) Welker, griech Götterlehre, I. S. 721 und 22; Humboldt, Ansichten der Natur, I. S. 212. Humboldt hält deshalb einen alten Verkehr zwischen den Westamerikanern und den Ostasiaten für mehr als wahrscheinlich. Nach Humboldt (l. S. 215) kennen wir die amerikanischen Sprachen noch zu wenig, als dass man bei ihrer grossen Mannigfaltigkeit die Hoffnung ganz aufgeben könnte, einst ein Ideom zu entdecken, das mit gewissen Modificationen im Inneren von Südamerika und in Inner-Asien zugleich gesprochen würde, oder wenigstens eine alte Verwandtschaft ahnen liesse; eine solche Entdeckung wäre gewiss eine der glänzendsten, die man in der Geschichte des menschlichen Geschlechts erwarten dürfte.
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und Verderbtheit der jetzigen Welt. Da jenes schöne Zeitalter verschwunden und dahingegangen ist, wurde es mit seinen göttlichen Vorzügen und mit seinem göttlichen und unsterblichen Leben zum Lande der Seligen, zum elysischen Gefilde, zum Lande der Phäaken, 1) zum Paradiese gemacht, welches wir verloren haben und nach dem Tode wieder zu erreichen wünschen und hoffen. Fichite, Bestimmung des Gelehrten (1794), S. 117, bemerkte in dieser Hinsicht sehr treffend, es sei eine in der Vorwelt häufig vorkommende Erscheinung, dass Das, was wir werden sollen, geschildert werde als Etwas, was wir schon gewesen, und Das, was wir zu erreichen hoffen, vorgestellt als etwas Verlorenes. Die Idee von 4 Weltzeitaltern, von den 4 Weltjahreszeiten, welche nicht blos bei den Indern und Persern, bei den Griechen (denn die beiden ersten Geschlechter des Hesiod sind nur die erste Regierungszeit der guten und der bösen Götter, des Ormuzd und des Ahriman), sondern sogar bei den Mexikanern sich finden, 2) stammt aus dem Ursitze der Menschheit, wo es wegen des dort herrschenden gemässigten Klimas 4 Jahreszeiten gab. Ebenso ist der Todtenstrom, der Luft- und Wolkenstrom, über welchen nach der Vorstellung der Aeggypter und der lndogermanen die Todten hinüberschiffen oder auf einer Brücke hinübergehen, aus der Zeit der Urmenschheit, welche Gott und den Himmel in den Wolken und in den Sternen suchte, während das Land und die Insel der Seligen erst später bei der Trübung und Abschwächung des
1) Vergl. darüber Furtwängler, die ldee desTodes, S. 180 ff.; Crusius, Wörterbuch über die Gedichte des Homeros. Hannover 1839, unter _ .
2) Welker, griech Götterlehre, I. S. 721 und 22; Humboldt, Ansichten der Natur, I. S. 212. Humboldt hält deshalb einen alten Verkehr zwischen den Westamerikanern und den Ostasiaten für mehr als wahrscheinlich. Nach Humboldt (l. S. 215) kennen wir die amerikanischen Sprachen noch zu wenig, als dass man bei ihrer grossen Mannigfaltigkeit die Hoffnung ganz aufgeben könnte, einst ein Ideom zu entdecken, das mit gewissen Modificationen im Inneren von Südamerika und in Inner-Asien zugleich gesprochen würde, oder wenigstens eine alte Verwandtschaft ahnen liesse; eine solche Entdeckung wäre gewiss eine der glänzendsten, die man in der Geschichte des menschlichen Geschlechts erwarten dürfte.
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