Schlegel, August Wilhelm von; Schlegel, Friedrich von (Hrsg.): Athenaeum. Bd. 2. Berlin, 1799.die Stimme des Gottes in uns deutet. Nicht die Bestimmung der Frauen sondern ihre Natur und Lage ist häuslich. Und ich halte es für eine mehr nützliche als erfreuliche Wahrheit, daß auch die beste Ehe, die Mütterlichkeit selbst und die Familie sie gar leicht so sehr mit dem Bedürfnisse, der Oekonomie und der Erde verstricken und herabziehen kann, daß sie ihres göttlichen Ursprunges und Ebenbildes nicht mehr eingedenk bleiben. Ja oft werden sie sich desselben gar nicht einmal bewußt; auch solche, die wohl alle inneren Gaben und äußeren Mittel dazu hätten. Wir sehen es ja täglich, wie selten ein weibliches Wesen es wagt, auch nur den Kopf aus dem großen Weltmeere der Vorurtheile und der Gemeinheit in die Höhe zu richten. Geschieht es ja, so ist es meistens nur während sie stärker und eigener lieben, als die Mode es gut heißt, oder die häusliche Moral. War der Gegenstand schlechter als sein Eindruck, so resigniren sie sich gleich wieder nach dem Verluste des Glücks und der Tugend und tauchen unter in das alte Element. Wahrhaftig! man muß schon recht stark im Glauben seyn, um eine moralische Anadyomene -- eine Frau, die gleich jener Göttin der Fabel, aber göttlicher und für den Geist schöner wie sie, mit ihrem ganzen Wesen und ihrer ganzen Gestalt aus jenem Oceane emporstiege -- nur nicht gar für ein bloßes Mährchen zu halten. "Aber, wirst Du sagen, ist es denn mit den Männern anders?" -- Allerdings ist es das. Wenn Du auch die ganze im Verhältnisse mit der Anzahl derer, die überhaupt gebildet sind und seyn können, sehr die Stimme des Gottes in uns deutet. Nicht die Bestimmung der Frauen sondern ihre Natur und Lage ist haͤuslich. Und ich halte es fuͤr eine mehr nuͤtzliche als erfreuliche Wahrheit, daß auch die beste Ehe, die Muͤtterlichkeit selbst und die Familie sie gar leicht so sehr mit dem Beduͤrfnisse, der Oekonomie und der Erde verstricken und herabziehen kann, daß sie ihres goͤttlichen Ursprunges und Ebenbildes nicht mehr eingedenk bleiben. Ja oft werden sie sich desselben gar nicht einmal bewußt; auch solche, die wohl alle inneren Gaben und aͤußeren Mittel dazu haͤtten. Wir sehen es ja taͤglich, wie selten ein weibliches Wesen es wagt, auch nur den Kopf aus dem großen Weltmeere der Vorurtheile und der Gemeinheit in die Hoͤhe zu richten. Geschieht es ja, so ist es meistens nur waͤhrend sie staͤrker und eigener lieben, als die Mode es gut heißt, oder die haͤusliche Moral. War der Gegenstand schlechter als sein Eindruck, so resigniren sie sich gleich wieder nach dem Verluste des Gluͤcks und der Tugend und tauchen unter in das alte Element. Wahrhaftig! man muß schon recht stark im Glauben seyn, um eine moralische Anadyomene — eine Frau, die gleich jener Goͤttin der Fabel, aber goͤttlicher und fuͤr den Geist schoͤner wie sie, mit ihrem ganzen Wesen und ihrer ganzen Gestalt aus jenem Oceane emporstiege — nur nicht gar fuͤr ein bloßes Maͤhrchen zu halten. “Aber, wirst Du sagen, ist es denn mit den Maͤnnern anders?” — Allerdings ist es das. Wenn Du auch die ganze im Verhaͤltnisse mit der Anzahl derer, die uͤberhaupt gebildet sind und seyn koͤnnen, sehr <TEI> <text> <body> <div n="1"> <div n="2"> <p><pb facs="#f0013" n="5"/> die Stimme des Gottes in uns deutet. Nicht die Bestimmung der Frauen sondern ihre <hi rendition="#g">Natur</hi> und <hi rendition="#g">Lage</hi> ist haͤuslich. Und ich halte es fuͤr eine mehr nuͤtzliche als erfreuliche Wahrheit, daß auch die beste Ehe, die Muͤtterlichkeit selbst und die Familie sie gar leicht so sehr mit dem Beduͤrfnisse, der Oekonomie und der Erde verstricken und herabziehen kann, daß sie ihres goͤttlichen Ursprunges und Ebenbildes nicht mehr eingedenk bleiben. Ja oft werden sie sich desselben gar nicht einmal bewußt; auch solche, die wohl alle inneren Gaben und aͤußeren Mittel dazu haͤtten. Wir sehen es ja taͤglich, wie selten ein weibliches Wesen es wagt, auch nur den Kopf aus dem großen Weltmeere der Vorurtheile und der Gemeinheit in die Hoͤhe zu richten. Geschieht es ja, so ist es meistens nur waͤhrend sie staͤrker und eigener lieben, als die Mode es gut heißt, oder die haͤusliche Moral. War der Gegenstand schlechter als sein Eindruck, so resigniren sie sich gleich wieder nach dem Verluste des Gluͤcks und der Tugend und tauchen unter in das alte Element. Wahrhaftig! man muß schon recht stark im Glauben seyn, um eine moralische Anadyomene — eine Frau, die gleich jener Goͤttin der Fabel, aber goͤttlicher und fuͤr den Geist schoͤner wie sie, mit ihrem ganzen Wesen und ihrer ganzen Gestalt aus jenem Oceane emporstiege — nur nicht gar fuͤr ein bloßes Maͤhrchen zu halten.</p><lb/> <p>“Aber, wirst Du sagen, ist es denn mit den Maͤnnern anders?” — Allerdings ist es das. Wenn Du auch die ganze im Verhaͤltnisse mit der Anzahl derer, die uͤberhaupt gebildet sind und seyn koͤnnen, sehr </p> </div> </div> </body> </text> </TEI> [5/0013]
die Stimme des Gottes in uns deutet. Nicht die Bestimmung der Frauen sondern ihre Natur und Lage ist haͤuslich. Und ich halte es fuͤr eine mehr nuͤtzliche als erfreuliche Wahrheit, daß auch die beste Ehe, die Muͤtterlichkeit selbst und die Familie sie gar leicht so sehr mit dem Beduͤrfnisse, der Oekonomie und der Erde verstricken und herabziehen kann, daß sie ihres goͤttlichen Ursprunges und Ebenbildes nicht mehr eingedenk bleiben. Ja oft werden sie sich desselben gar nicht einmal bewußt; auch solche, die wohl alle inneren Gaben und aͤußeren Mittel dazu haͤtten. Wir sehen es ja taͤglich, wie selten ein weibliches Wesen es wagt, auch nur den Kopf aus dem großen Weltmeere der Vorurtheile und der Gemeinheit in die Hoͤhe zu richten. Geschieht es ja, so ist es meistens nur waͤhrend sie staͤrker und eigener lieben, als die Mode es gut heißt, oder die haͤusliche Moral. War der Gegenstand schlechter als sein Eindruck, so resigniren sie sich gleich wieder nach dem Verluste des Gluͤcks und der Tugend und tauchen unter in das alte Element. Wahrhaftig! man muß schon recht stark im Glauben seyn, um eine moralische Anadyomene — eine Frau, die gleich jener Goͤttin der Fabel, aber goͤttlicher und fuͤr den Geist schoͤner wie sie, mit ihrem ganzen Wesen und ihrer ganzen Gestalt aus jenem Oceane emporstiege — nur nicht gar fuͤr ein bloßes Maͤhrchen zu halten.
“Aber, wirst Du sagen, ist es denn mit den Maͤnnern anders?” — Allerdings ist es das. Wenn Du auch die ganze im Verhaͤltnisse mit der Anzahl derer, die uͤberhaupt gebildet sind und seyn koͤnnen, sehr
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