ihres ganzen thierischen Lebens einstellet, welche nur eine Zugabe zum Leben zu seyn scheint, und blos in der allmäh- ligen natürlichen Abnahme der thierischen Natur besteht, die Stuffenweise von ihrer höchsten Vollkommenheit zu- rückgeht, und sich ihrem Untergange nähert. H. P. §. 959. Wir wollen sie, als die Periode des Alters bis zum To- de, zuletzt betrachten: aber itzt müssen wir zuvor den gan- zen Plan des zu seiner Vollkommenheit gediehenen thieri- schen Lebens, dessen genaue Kenntniß der eigentliche Zweck dieser ganzen Physiologie ist, ausführlich betrachten.
Fünftes Kapitel. Das System der Kräfte zum thierischen Leben.
§. 659.
Die Art und Weise, wie im Zustande der Vollkom- menheit des thierischen Lebens die thierischen Kräfte von Natur mit und durcheinander wirken, oder wie sie ein- ander natürlicher Weise coordiniret und subordiniret sind, heißt das System der Kräfte zum thierischen Leben.
§. 660.
Aus der Ordnung, in welcher ein Künstler eine Uhr verfertiget, wenn er bald ein Rad, bald eine Kette, bald den Zeiger, bald das Zifferblatt, bald die Triebfeder zu Stande bringt, dann diese Theile verbindet und die Trieb- feder einsetzet, kann ein fremder Zuschauer noch nicht hin- länglich entdecken, wie jeder dieser Theile das Seinige zur Verrichtung der ganzen Maschine beytragen werde, ob es gleich dem Meister, welcher nach einem vorhergezeichnetem Plane gearbeitet hat, wohl bekannt ist. Wenn aber die Uhr völlig zusammengefüget, und die Triebfeder aufgezo-
gen
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5 Kap. Syſtem der Kraͤfte zum thier. Leben.
ihres ganzen thieriſchen Lebens einſtellet, welche nur eine Zugabe zum Leben zu ſeyn ſcheint, und blos in der allmaͤh- ligen natuͤrlichen Abnahme der thieriſchen Natur beſteht, die Stuffenweiſe von ihrer hoͤchſten Vollkommenheit zu- ruͤckgeht, und ſich ihrem Untergange naͤhert. H. P. §. 959. Wir wollen ſie, als die Periode des Alters bis zum To- de, zuletzt betrachten: aber itzt muͤſſen wir zuvor den gan- zen Plan des zu ſeiner Vollkommenheit gediehenen thieri- ſchen Lebens, deſſen genaue Kenntniß der eigentliche Zweck dieſer ganzen Phyſiologie iſt, ausfuͤhrlich betrachten.
Fuͤnftes Kapitel. Das Syſtem der Kraͤfte zum thieriſchen Leben.
§. 659.
Die Art und Weiſe, wie im Zuſtande der Vollkom- menheit des thieriſchen Lebens die thieriſchen Kraͤfte von Natur mit und durcheinander wirken, oder wie ſie ein- ander natuͤrlicher Weiſe coordiniret und ſubordiniret ſind, heißt das Syſtem der Kraͤfte zum thieriſchen Leben.
§. 660.
Aus der Ordnung, in welcher ein Kuͤnſtler eine Uhr verfertiget, wenn er bald ein Rad, bald eine Kette, bald den Zeiger, bald das Zifferblatt, bald die Triebfeder zu Stande bringt, dann dieſe Theile verbindet und die Trieb- feder einſetzet, kann ein fremder Zuſchauer noch nicht hin- laͤnglich entdecken, wie jeder dieſer Theile das Seinige zur Verrichtung der ganzen Maſchine beytragen werde, ob es gleich dem Meiſter, welcher nach einem vorhergezeichnetem Plane gearbeitet hat, wohl bekannt iſt. Wenn aber die Uhr voͤllig zuſammengefuͤget, und die Triebfeder aufgezo-
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5 Kap. Syſtem der Kraͤfte zum thier. Leben.
ihres ganzen thieriſchen Lebens einſtellet, welche nur eine
Zugabe zum Leben zu ſeyn ſcheint, und blos in der allmaͤh-
ligen natuͤrlichen Abnahme der thieriſchen Natur beſteht,
die Stuffenweiſe von ihrer hoͤchſten Vollkommenheit zu-
ruͤckgeht, und ſich ihrem Untergange naͤhert. H. P. §. 959.
Wir wollen ſie, als die Periode des Alters bis zum To-
de, zuletzt betrachten: aber itzt muͤſſen wir zuvor den gan-
zen Plan des zu ſeiner Vollkommenheit gediehenen thieri-
ſchen Lebens, deſſen genaue Kenntniß der eigentliche Zweck
dieſer ganzen Phyſiologie iſt, ausfuͤhrlich betrachten.
Fuͤnftes Kapitel.
Das Syſtem der Kraͤfte zum thieriſchen
Leben.
§. 659.
Die Art und Weiſe, wie im Zuſtande der Vollkom-
menheit des thieriſchen Lebens die thieriſchen Kraͤfte
von Natur mit und durcheinander wirken, oder wie ſie ein-
ander natuͤrlicher Weiſe coordiniret und ſubordiniret ſind,
heißt das Syſtem der Kraͤfte zum thieriſchen Leben.
§. 660.
Aus der Ordnung, in welcher ein Kuͤnſtler eine Uhr
verfertiget, wenn er bald ein Rad, bald eine Kette, bald
den Zeiger, bald das Zifferblatt, bald die Triebfeder zu
Stande bringt, dann dieſe Theile verbindet und die Trieb-
feder einſetzet, kann ein fremder Zuſchauer noch nicht hin-
laͤnglich entdecken, wie jeder dieſer Theile das Seinige zur
Verrichtung der ganzen Maſchine beytragen werde, ob es
gleich dem Meiſter, welcher nach einem vorhergezeichnetem
Plane gearbeitet hat, wohl bekannt iſt. Wenn aber die
Uhr voͤllig zuſammengefuͤget, und die Triebfeder aufgezo-
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Unzer, Johann August: Erste Gründe einer Physiologie der eigentlichen thierischen Natur thierischer Körper. Leipzig, 1771, S. 673. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/unzer_erstegruende_1771/697>, abgerufen am 22.11.2024.
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