Darmkanales zu beobachtenden Muskulatur. Die Papillen treten später hervor und sind in frühester Zeit verhältnissmässig stärker, als späterhin. In dem dreimonatlichen Fötus berechnete ich den mittleren Durchmesser der grösseren papillae conicae zu 0,002530 P. Z. -- Endlich sey uns noch die Bemerkung anzureihen erlaubt, dass die Mundspalte im vierten Monate durch die wulstigen, star- ken Lippen geschlossen wird, im sechsten Monate dagegen sich wiederum öffnet (Burdach Physiol. S. 497.).
c. After.
Dasselbe Moment, wodurch der Darmkanal nach vorn zuerst geschlossen ist, erzeugt auch seine Verschliessung nach hinten. Bei weiterer Ausbildung erreicht ihn eine aus dem serösen Blatte ihm entgegenkommende Einstülpung oder Grube, so dass der Darmkanal sich bald nach aussen wahrhaft öffnet. Diese dem Darmkanal entgegenkommende Abtheilung ist überaus kurz, wird aber späterhin bei weiterer Ausbildung durch die auf ihrer inne- ren Fläche (wenigstens constant bei Wiederkäuern und Schweinen) vorkommenden Längenfalten charakterisirt. Correspondirend der Mundöffnung schliesst sich auch die Afteröffnung und öffnet sich dann wieder. Ueber die Verhältnisse der Afteröffnung zu dem Perineum und zu der Geschlechtsöffnung ist schon oben bei Ge- legenheit der Genitalien das Nöthige abgehandelt worden.
d. Kiemenspalten und Kiemenbogen.
Ehe wir zur Beschreibung dieser merkwürdigen Gebilde selbst übergehen, dürfte es von Interesse seyn, von litterarhistorischem Standpunkte aus das Vorzüglichste aus der Geschichte ihrer Kennt- niss und ihrer Erforschung kürzlich darzustellen. Die Kiemen- spalten und die Kiemenbogen sind so leicht in die Augen fallende Gebilde, dass sie genauen Beobachtern keineswegs entgehen konn- ten, wenn sie auch dieselben keiner besonderen Würdigung werth zu halten schienen. Anderseits war es aber auch die theoretische Schule, welche die Existenz der Kiemen bei den beiden höheren Klassen der Wirbelthiere voraussagte, der Zeit nach um Vieles früher, als dieser Gegenstand durch Beobachtung nachgewiesen war. -- Nach Ascherson (de fistulis colli congenitis p. 13.) soll Malpighi (Appendix repititas auctasque de ovo incubato obss. continens. Lond. 1688. fol. tab. V. fig. 38.) Andeutungen von
Einfurchungsbildungen. After, Kiemenspalten etc.
Darmkanales zu beobachtenden Muskulatur. Die Papillen treten später hervor und sind in frühester Zeit verhältniſsmäſsig stärker, als späterhin. In dem dreimonatlichen Fötus berechnete ich den mittleren Durchmesser der gröſseren papillae conicae zu 0,002530 P. Z. — Endlich sey uns noch die Bemerkung anzureihen erlaubt, daſs die Mundspalte im vierten Monate durch die wulstigen, star- ken Lippen geschlossen wird, im sechsten Monate dagegen sich wiederum öffnet (Burdach Physiol. S. 497.).
c. After.
Dasselbe Moment, wodurch der Darmkanal nach vorn zuerst geschlossen ist, erzeugt auch seine Verschlieſsung nach hinten. Bei weiterer Ausbildung erreicht ihn eine aus dem serösen Blatte ihm entgegenkommende Einstülpung oder Grube, so daſs der Darmkanal sich bald nach auſsen wahrhaft öffnet. Diese dem Darmkanal entgegenkommende Abtheilung ist überaus kurz, wird aber späterhin bei weiterer Ausbildung durch die auf ihrer inne- ren Fläche (wenigstens constant bei Wiederkäuern und Schweinen) vorkommenden Längenfalten charakterisirt. Correspondirend der Mundöffnung schlieſst sich auch die Afteröffnung und öffnet sich dann wieder. Ueber die Verhältnisse der Afteröffnung zu dem Perineum und zu der Geschlechtsöffnung ist schon oben bei Ge- legenheit der Genitalien das Nöthige abgehandelt worden.
d. Kiemenspalten und Kiemenbogen.
Ehe wir zur Beschreibung dieser merkwürdigen Gebilde selbst übergehen, dürfte es von Interesse seyn, von litterarhistorischem Standpunkte aus das Vorzüglichste aus der Geschichte ihrer Kennt- niſs und ihrer Erforschung kürzlich darzustellen. Die Kiemen- spalten und die Kiemenbogen sind so leicht in die Augen fallende Gebilde, daſs sie genauen Beobachtern keineswegs entgehen konn- ten, wenn sie auch dieselben keiner besonderen Würdigung werth zu halten schienen. Anderseits war es aber auch die theoretische Schule, welche die Existenz der Kiemen bei den beiden höheren Klassen der Wirbelthiere voraussagte, der Zeit nach um Vieles früher, als dieser Gegenstand durch Beobachtung nachgewiesen war. — Nach Ascherson (de fistulis colli congenitis p. 13.) soll Malpighi (Appendix repititas auctasque de ovo incubato obss. continens. Lond. 1688. fol. tab. V. fig. 38.) Andeutungen von
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Einfurchungsbildungen. After, Kiemenspalten etc.
Darmkanales zu beobachtenden Muskulatur. Die Papillen treten
später hervor und sind in frühester Zeit verhältniſsmäſsig stärker,
als späterhin. In dem dreimonatlichen Fötus berechnete ich den
mittleren Durchmesser der gröſseren papillae conicae zu 0,002530
P. Z. — Endlich sey uns noch die Bemerkung anzureihen erlaubt,
daſs die Mundspalte im vierten Monate durch die wulstigen, star-
ken Lippen geschlossen wird, im sechsten Monate dagegen sich
wiederum öffnet (Burdach Physiol. S. 497.).
c. After.
Dasselbe Moment, wodurch der Darmkanal nach vorn zuerst
geschlossen ist, erzeugt auch seine Verschlieſsung nach hinten.
Bei weiterer Ausbildung erreicht ihn eine aus dem serösen
Blatte ihm entgegenkommende Einstülpung oder Grube, so daſs
der Darmkanal sich bald nach auſsen wahrhaft öffnet. Diese
dem Darmkanal entgegenkommende Abtheilung ist überaus kurz,
wird aber späterhin bei weiterer Ausbildung durch die auf ihrer inne-
ren Fläche (wenigstens constant bei Wiederkäuern und Schweinen)
vorkommenden Längenfalten charakterisirt. Correspondirend der
Mundöffnung schlieſst sich auch die Afteröffnung und öffnet sich
dann wieder. Ueber die Verhältnisse der Afteröffnung zu dem
Perineum und zu der Geschlechtsöffnung ist schon oben bei Ge-
legenheit der Genitalien das Nöthige abgehandelt worden.
d. Kiemenspalten und Kiemenbogen.
Ehe wir zur Beschreibung dieser merkwürdigen Gebilde selbst
übergehen, dürfte es von Interesse seyn, von litterarhistorischem
Standpunkte aus das Vorzüglichste aus der Geschichte ihrer Kennt-
niſs und ihrer Erforschung kürzlich darzustellen. Die Kiemen-
spalten und die Kiemenbogen sind so leicht in die Augen fallende
Gebilde, daſs sie genauen Beobachtern keineswegs entgehen konn-
ten, wenn sie auch dieselben keiner besonderen Würdigung werth
zu halten schienen. Anderseits war es aber auch die theoretische
Schule, welche die Existenz der Kiemen bei den beiden höheren
Klassen der Wirbelthiere voraussagte, der Zeit nach um Vieles
früher, als dieser Gegenstand durch Beobachtung nachgewiesen
war. — Nach Ascherson (de fistulis colli congenitis p. 13.) soll
Malpighi (Appendix repititas auctasque de ovo incubato obss.
continens. Lond. 1688. fol. tab. V. fig. 38.) Andeutungen von
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Valentin, Gabriel Gustav: Handbuch der Entwicklungsgeschichte des Menschen mit vergleichender Rücksicht der Entwicklung der Säugetiere und Vögel. Berlin, 1835, S. 485. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/valentin_entwicklungsgeschichte_1835/513>, abgerufen am 22.11.2024.
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